Berthold Renzel – Landwirtschaft zwischen Verantwortung, Innovation und regionaler Wertschöpfung

Berthold Renzel – Landwirtschaft zwischen Verantwortung, Innovation und regionaler Wertschöpfung

vor 17 Stunden
Kreislaufwirtschaft, Energiefragen und warum die Herkunft unserer Nahrung wieder wichtiger werden muss
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Stimmen, Geschichten und Ideen aus Bocholt

Beschreibung

vor 17 Stunden

In dieser Episode sind wir zu Gast in der kleinen Wurstmanufaktur
von Berthold Renzel in Rhede. Berthold ist nicht nur Inhaber des
Betriebs, sondern auch Vorsitzender des landwirtschaftlichen
Stadtverbandes Bocholt (LSB) – und jemand, der Landwirtschaft
ganzheitlich denkt. Im Gespräch mit Jens Grotstabel geht es um
die Aufgaben des LSB, um politische Rahmenbedingungen und vor
allem um die Frage, wie Landwirtschaft, Energiewende und
gesellschaftliche Erwartungen zusammengebracht werden können.


Berthold macht deutlich: Die Landwirtschaft ist nicht
grundsätzlich gegen Solarstrom oder erneuerbare Energien.
Photovoltaik gehört für ihn auf Dächer, Parkplätze oder
versiegelte Flächen – nicht auf Böden, auf denen Nahrung
produziert wird. Gerade dort, wo Solarstrom entsteht, könnten
Elektroautos direkt geladen werden, etwa auf Firmengeländen oder
Parkplätzen. Ergänzt wird dieses Bild durch Biogasanlagen, die
laut Berthold besonders in der dunklen Jahreszeit eine wichtige
Rolle spielen. Biogas ist für ihn die optimale Ergänzung zu
Solar-, Wind- und Wasserkraft – vor allem, weil Landwirte seit
jeher in Kreisläufen denken. Dazu gehören auch die Ausscheidungen
von Nutztieren.


Ein weiteres Thema: regionale Wertschöpfung. Berthold erzählt,
wie anspruchsvoll der Anbau von Braugerste für das eigene Bier
ist – und wie aus einer Idee ein Produkt wurde, das
Landwirtschaft, Handwerk und Region verbindet. Es geht um
Qualität, Identität und darum, Wertschöpfung in der Region zu
halten. Auch Biodiversität spielt dabei eine Rolle:
Ackerrandstreifen, Sonnenblumenflächen oder soziale Projekte
zeigen, dass Landwirtschaft mehr ist als reine
Ertragsmaximierung.


Kritisch wird es beim Blick auf internationale Handelsabkommen.
Das Mercosur-Abkommen setzt die heimische Landwirtschaft massiv
unter Druck – finanziell, aber auch qualitativ. Berthold erklärt,
warum Produkte aus Südamerika mit niedrigeren Umwelt- und
Tierwohlstandards hierzulande konkurrieren dürfen und weshalb
dort Pflanzenschutzmittel erlaubt sind, die bei uns seit
Jahrzehnten verboten sind.


Auch gesellschaftliche Debatten kommen zur Sprache: Warum werden
Klimaproteste anders wahrgenommen als Proteste zum Agrardiesel?
Für Berthold ist klar, dass das Recht auf Demonstration für viele
Themen genutzt werden sollte – denn Probleme gibt es genug.
Gleichzeitig zeigt er, wie innovativ Landwirtschaft heute bereits
ist: kleinere Elektrogeräte, Hackroboter, die Beikraut von
Nutzpflanzen unterscheiden können. Bei großen Traktoren stößt
Elektromobilität aktuell noch an Grenzen – vor allem wegen der
langen Laufzeiten.


Ein zentrales Anliegen bleibt der Verbraucher. Wer sich mehr mit
der Herkunft von Lebensmitteln beschäftigt, unterstützt
automatisch die ansässige Landwirtschaft. Berthold spricht offen
über vegane und vegetarische Ernährung als wirtschaftlichen
Faktor, über Qualitätsunterschiede bei Lebensmitteln wie Butter
und Margarine – und darüber, warum Qualität auch ihren Preis hat.
Er selbst setzt auf natürliches Essen statt hochverarbeiteter
Produkte.


Hofläden sieht Berthold als wichtigen Ort des Austauschs. Hier
entstehen Gespräche, Verständnis und Nähe. Das erfolgreichste
Produkt in seinem Laden? Der Mittagstisch im Glas – frisch
gekocht, schnell warm gemacht, ehrlich und nicht hochverarbeitet.
Dazu kommen regionale Besonderheiten wie Lupinenkaffee und ein
Sortiment, bei dem jedes Produkt eine Geschichte erzählt.


Am Ende wird es persönlich. Für Berthold ist das Wichtigste,
abends ruhig einschlafen zu können. Große Klagen liegen ihm fern
– in Bocholt habe man eigentlich alles, was man braucht. Oder wie
er selbst sagt:
„Der Tag hat 24 Stunden – und wenn wir mittags
durcharbeiten, auch noch ’ne Stunde mehr.“
Eine Folge über Verantwortung, Haltung und die klare Einladung:
Versucht da zu kaufen, wo es produziert wird.
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