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Beschreibung
vor 1 Woche
Man gönnt sich ja sonst nichts. Während die Branche zwischen
Buchungsflaute und Preisschock balanciert, traf sich der DRV zur
Jahrestagung auf den Azoren. Mitten im Atlantik, wo der Wind
bekanntlich etwas rauer weht – eigentlich das perfekte Biotop für
einen Mann, der seit kurzem am Ruder des Verbandes steht. Ich
konnte Albin Loidl nach seiner ersten Keynote als DRV Präsident
für den WAS MIT REISEN Podcast gewinnen, um mal unter die
Oberfläche des „Überzeugungsoptimisten“ zu schauen.
Vom Hurrikan Gilbert zum Verbands-Tornado
Loidl ist kein Mann für das sanfte Gleiten im Sonnenuntergang. Er
selbst bezeichnet sich im Gespräch fast schon kokett als
„Schlechtwetterkapitän“. Und wer ihm zuhört, merkt schnell: Der
Mann hat das Krisen-Gen. Ob er 1988 in Mexiko nach dem Hurrikan
Gilbert den Gästen am weggeblasenen Strand von Yucatan erklärte,
das Beste aus der neuen Realität zu machen oder nachts um zwei
Uhr am Wiener Flughafen am lebenden Objekt einer 150-köpfigen
Reisegruppe provisorisch und pragmatisch die Trümmer der
Aero-Lloyd-Insolvenz zusammenkehrte – Loidl scheint das Chaos
nicht zu fürchten, um zur Hochform aufzulaufen. Dass er nun
ausgerechnet in einer Zeit den DRV übernahm, in der die
Geopolitik nicht nur den Ferien-Flugplan diktiert, scheint fast
schon Schicksal zu sein. Seine Botschaft an die Zweifler:
Krisenbewältigung ist heute das eigentliche Pfund, mit dem die
organisierte Reise wuchern kann.
Urlaub als Luxusgut? Soziale Frage im Handgepäck
Wir haben im Reiseradio-Podcast die Krise der Reisebranche
besprochen, ohne uns an der aktuellen Kriegskrise abzuarbeiten:
Die Passagierzahlen bröckeln, während die Umsätze nur dank der
sehr stark gestiegenen Preise noch stabil aussehen. Loidl warnt
deutlich: „Urlaub darf nicht zum Luxus werden“. Ein hehrer
Wunsch, doch die Realität der Preisanstiege als
„Gute-Laune-Killer“ lässt sich nicht einfach wegatmen. Er sieht
das Reisen als stabilisierenden Faktor in einer global vernetzten
Welt – fast schon eine diplomatische Mission. Doch wenn der
innere Abstand vom Alltag für den Durchschnittsverdiener
unbezahlbar wird, nutzt auch der schönste räumliche Abstand auf
den Azoren wenig. Die Demokratisierung des Reisens steht auf dem
Prüfstand.
Boutique-Feeling statt Buchungs-Hieroglyphen
Besonders spannend wird es, wenn wir über die Zukunft des
klassischen Vertriebs sprechen. Loidl fordert einen Abschied vom
Jammern über die digitale Konkurrenz. Seine Vision? Das Reisebüro
als Boutique. Er liebt das Beispiel einer Kollegin aus Hamburg,
die von ihrer Boutique-Besitzerin angerufen wird, weil die neue
Herbstmode wahrscheinlich perfekt zu ihr passen würde.
„Inspiration statt Preisvergleich“ lautet das Mantra. Dass dafür
Künstliche Intelligenz kein nettes Extra, sondern die nackte
Überlebensstrategie ist, lässt er keinen Moment bezweifeln. Wer
heute noch nur Buchungsmasken ausfüllt, hat gegen den Algorithmus
schon verloren.
Strategieprozesse im Maschinenraum des Verbands
Auch intern weht ein neuer Wind. Der DRV rüttelt an seinen
eigenen Grundfesten. Ob die alte Säulenstruktur noch zeitgemäß
ist oder ob sich die „Säule E“ der Digitalen nicht längst mit den
klassischen Playern vermischt hat, ist Teil eines laufenden
Strategieprozesses. Loidl gibt sich hier diplomatisch, lässt aber
durchblicken, dass Stillstand keine Option ist. Die Branche dürfe
sich nicht im Jammern über digitale Konkurrenz verlieren, sondern
müsse die Digitalisierung als gemeinsames „Erbrecht“ begreifen.
Fazit: Ein Optimist mit Realitätssinn
Am Ende bleibt das Bild eines Präsidenten, der den
„Überzeugungsoptimismus“ zur Maxime erhebt. Nicht aus Naivität,
sondern mangels Alternative. Die Botschaft der Azoren-Tagung ist
klar: Die Reiselust ist ungebrochen, doch die Branche muss
lernen, in einer dauerhaft volatilen Welt zu navigieren. Ob das
Prinzip Hoffnung reicht, um die steigenden Kosten und
geopolitischen Tornados zu überstehen, bleibt die spannende Frage
der nächsten Monate. Eines steht fest: Der Schlechtwetterkapitän
mit der sanften Stimme möchte das Steuer fest in die Hand nehmen.
Um den Podcast mit Albin Loidl zu hören, bitte auf das
Kopfhörer-Symbol im Titelbild klicken
Der Beitrag Schlechtwetter-Kapitän im Atlantik DRV-Präsident Albin Loidl und das Prinzip
Hoffnung erschien zuerst auf Was mit Reisen.
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