OE3000 - Episode 14 - Resilienz? Das Wort kommt einem schon aus den Ohren!

OE3000 - Episode 14 - Resilienz? Das Wort kommt einem schon aus den Ohren!

vor 1 Woche
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Beschreibung

vor 1 Woche

Ich bin Robin, und in Episode 14 von OE3000 wird es
anpassungsfähig.


September 2020: Der erste bundesweite Warntag seit der
Wiedervereinigung. Ein Fiasko. Der zentrale Probealarm verzögerte
sich wegen Systemüberlastung um eine halbe Stunde. Sirenen
blieben stumm. Die Warn-App NINA funktionierte nicht
flächendeckend. Ich kann bis heute nicht fassen, dass die Übung
selbst schon nicht funktioniert hat.


Was danach geschah? Die Behörden haben nachgebessert. Cell
Broadcast wurde eingeführt. Technische Systeme schrittweise
ertüchtigt. September 2025: 97 Prozent der Befragten über
mindestens einen Kanal erreicht. Das ist eine
Resilienzgeschichte. Ein System hat versagt, wurde kritisiert,
hat gelernt. Nur hat dieser Lernprozess fünf Jahre gedauert. Fünf
Jahre für eine zuverlässige Warn-SMS. Wenn Krisen selten fünf
Jahre warten, ist das ernüchternd.


Hier liegt das Missverständnis. Resilienz wird mit
Durchhaltevermögen verwechselt. "Wir müssen jetzt alle
zusammenhalten." "Da müssen wir durch." Gut gemeint, aber falsch.
Resilienz bedeutet nicht, eine Belastung länger auszuhalten,
sondern sich schneller anzupassen. Eine starre Eiche bricht im
Sturm. Ein Bambushalm biegt sich und richtet sich wieder auf.


Die Corona-Pandemie hat das gezeigt. Manche Organisationen
stellten binnen Tagen auf Homeoffice um. Andere kämpften
monatelang mit Faxgeräten. Behörden, die keine digitalen
Signaturen akzeptierten, obwohl die gesetzliche Grundlage
existierte. Schulen, die Arbeitsblätter per Post verschickten.
Das Muster: Wer vor der Krise flexible Strukturen hatte, kam
besser durch. Wer auf Stabilität und Kontrolle gesetzt hatte,
erstarrte.


Aber Resilienz wird fast immer als individuelle Eigenschaft
behandelt. Achtsamkeitsprogramme, Mental-Health-Apps, Coachings –
alles zielt aufs Individuum. Wenn die Fähigkeit als persönliche
Sache gilt, müssen Organisationen nichts ändern. Die
Verantwortung wird privatisiert, die Strukturen bleiben.


Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 120 Millionen Fehltage.
Psychische Erkrankungen als Haupttreiber. 147 Milliarden Euro
Folgekosten jährlich. Das lässt sich nicht durch individuelles
Achtsamkeitstraining erklären. Wenn die Hälfte der Erwerbstätigen
über höheren Zeitdruck klagt und 18 Prozent der 31- bis
40-Jährigen sich als Burnout-gefährdet einschätzen, liegt das
nicht daran, dass all diese Menschen zu wenig Yoga machen. Es
liegt an Arbeitsverdichtung, Fachkräftemangel und Organisationen,
die ihre Beschäftigten als austauschbare Ressourcen behandeln.


Resilienz ist in erster Linie eine strukturelle Eigenschaft. Und
sie entsteht in guten Zeiten, nicht in der Krise. Wer
Redundanzen, Puffer und Experimentierräume als Verschwendung
streicht, bezahlt dafür, wenn es darauf ankommt.


Erwähnte Personen: Martin Voss, Hartmut Rosa


Schreib mir: mail@robin-taylor.de


Mehr Infos: www.robin-taylor.de
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