Beschreibung
vor 4 Tagen
Ich bin Robin, und in Episode 13 von OE3000 geht es um
Pfadabhängigkeit. Warum Organisationen so schwer aus
eingefahrenen Mustern herauskommen. Und warum der Ausstieg teurer
wird, je länger man wartet.
1. März 2026: Die Deutsche Bahn legt ihre Bilanz vor. Verlust:
2,3 Milliarden Euro. Pünktlichkeit im Fernverkehr: unter 60
Prozent. Sanierungsrückstau im Schienennetz: 130 Milliarden Euro.
Das ist keine Zahl, die durch ein schlechtes Jahr entsteht. Das
ist das Ergebnis von Jahrzehnten.
Seit der Bahnreform 1994 wurde das Netz unter laufendem Betrieb
geflickt. Jede Sperrung kostet Fahrgäste, Einnahmen, politisches
Kapital. Also lieber tausende kleine Baustellen als große
Einschnitte. Das war nicht irrational. Aber es hat das Netz immer
störanfälliger gemacht – und die Kosten der unvermeidlichen
Sanierung immer weiter aufgestaut.
Das ist Pfadabhängigkeit. Vergangene Entscheidungen schränken die
Handlungsmöglichkeiten der Gegenwart ein. Je länger ein Pfad
beschritten wird, desto teurer wird der Ausstieg. 130 Milliarden
Euro Sanierungsrückstau – das ist Lock-in.
Jetzt versucht die Bahn den Kurswechsel. Generalsanierungen statt
Flickwerk. Vollsperrungen statt Baustellen unter laufendem
Betrieb. Die Strecke Hamburg - Berlin ist seit August 2025
komplett gesperrt. 45 Minuten längere Fahrzeit auf
Umleitungsstrecken. Bahnchefin Palla spricht von mindestens zehn
Jahren, bis das Netz wieder in einem guten Zustand ist. Der
Pfadwechsel kostet, bevor er sich auszahlt.
Und gleichzeitig muss die Bahn sanieren, den Betrieb
aufrechterhalten und wirtschaftlich werden. Das ist der
Zielkonflikt. Nicht als Fehler im System, sondern als eingebaute
Spannung seit 1994.
Renate Mayntz hat das bereits in den 1960ern beschrieben. Und sie
hatte auch eine optimistische Beobachtung: Zielkonflikte können
produktiv sein. Reibung ist nicht das Problem. Sie ist der Motor.
Schreib mir: mail@robin-taylor.de
Mehr Infos: www.robin-taylor.de
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