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  4. OE3000 - Episode 12 - Kollaboration, Kompromiss und Protest
Die Tarifrunde 2026 liefert gerade in Echtzeit das gesamte
Spektrum. Kollaboration, Kompromiss und Protest. Gleichzeitig. In
derselben Woche. Teils in derselben Branche.

1. März 2026: Die GDL schließt mit der Deutschen Bahn einen neuen
Tarifvertrag. Ohne Streik. Bewusst. "Friedenszeit" nennen sie
das. Das Ergebnis: 24 Monate Laufzeit, die ersten sieben Monate
keine Lohnerhöhung. Die GDL hatte vorher selbst erklärt: 13
Prozent Reallohnverlust durch Inflation. Die Forderung lag bei 8
Prozent. Die Bahn spricht von "intelligentem Kompromiss". Man
kann das als pragmatische Einigung lesen. Oder als Kapitulation.
Oder als strategische Neuausrichtung unter neuer Führung.

Derselbe Tag: ver.di ruft erneut zu Warnstreiks auf.
Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hamburg, Sachsen-Anhalt – keine
Busse, keine Bahnen. In Sachsen-Anhalt vier Tage lang. Der dritte
großflächig koordinierte Arbeitskampf in dieser Runde. Aber: In
Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gab es bereits
Einigungen. In Hessen wurde ein Ergebnis erzielt, über das die
Mitglieder abstimmen sollten. Brandenburg verzichtete auf Streik,
setzte auf Weiterverhandlung.

Das heißt: Kollaboration, Kompromiss und Protest fanden in
derselben Tarifrunde, in derselben Woche, in derselben Branche
statt. Nur eben in verschiedenen Regionen. Von außen wirkt das
chaotisch. Aber es zeigt: Verschiedene Akteure reagieren auf
verschiedene lokale Bedingungen mit den Mitteln, die ihnen zur
Verfügung stehen.

1. März: ver.di ruft die rund 800 Beschäftigten der Deutschen
Presse-Agentur zum ganztägigen Streik auf. Der erste vollständige
Streik in der Geschichte der dpa. Die Ausgangslage: 2,3 Prozent
Erhöhung oder 110 Euro. Die Forderung: 250 Euro. In vier Runden
hatte sich die Gegenseite nicht bewegt. Irgendwann ist der Punkt
erreicht, an dem nicht mehr verhandelt wird, sondern gemauert.

Jeder Kompromiss spiegelt die Machtverhältnisse wider, unter
denen er zustande kam. Die GDL hatte sich vorab auf Friedenszeit
festgelegt – und damit ihr stärkstes Druckmittel aus der Hand
gegeben. Ver.di eskaliert regional unterschiedlich, je nach
Fortschritt der Verhandlungen. Die dpa-Beschäftigten greifen zum
härtesten Mittel, weil vier Runden zu nichts geführt haben.

Protest ist nicht das Gegenteil von Zusammenarbeit. Er ist eine
Eskalationsstufe innerhalb eines Aushandlungsprozesses. Und
Reibung ist nicht das Problem. Sie ist der Motor.

Erwähnte Personen: -

Schreib mir: mail@robin-taylor.de

Mehr Infos: www.robin-taylor.de
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„OE3000 - Episode 12 - Kollaboration, Kompromiss und Protest“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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