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  4. Zupancic trotzt Klick-Kultur VDRJ ehrt Print-Pionier mit langem Atem
Scrollst du noch oder reist du schon? Ein Reiseradio-Gespräch
darüber, warum wahre Insider nicht auf Algorithmen setzen.
Abseits von SEO-Wahn und Gratis-Content feiert ein Urgestein des
Reisejournalismus das 40-jährige Überleben der gedruckten
Reise-Recherche: Wie Chefredakteur und Verleger Jürgen Zupancic
mit seinem Print-Magazin „Clever reisen!“ dem Kiosk-Sterben
trotzt und deshalb für seinen langen Atem nun den VDRJ-Ehrenpreis
erhält.

Es war einmal ein Duisburger Biergarten, das Jahr 1986 und eine
gehörige Portion „Größenwahnsinn im guten Sinne“. Mit 3.000 Mark
Startkapital und einer geliehenen Schreibmaschine hoben Jürgen
Zupancic und sein Schulfreund Wolfgang Grahl ein Magazin aus der
Taufe, das heute – vier Jahrzehnte später – wie ein gallisches
Dorf in einer Welt voller kostenloser Digital-Häppchen wirkt.
Während die großen Flaggschiffe der Reisepresse im Sturm des
digitalen Wandels die Segel streichen mussten, hält Zupancic das
Steuer von „Clever reisen!“ unerschütterlich fest in der
Hand.

Der 50. VDRJ Ehrenpreisträger Jürgen Zupancic zwischen der
Laudatorin Marina Noble und dem 1. Vorsitzenden der VDRJ, Dr.
Martin Wein (Foto Jürgen Drensek)

Für diesen „langen Atem“ erhält er nun den 50. Ehrenpreis der
Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ) – eine
Auszeichnung für ein Lebenswerk, das beweist, dass
journalistisches Rückgrat und wirtschaftlicher Überlebenswille
kein Widerspruch sein müssen.

Algorithmus vs. Gummibrötchen

Der Markt für gedruckte Reisemagazine gleicht heute einer
einsamen Insel, die vom digitalen Meer immer weiter unterspült
wird. Online-Content ist praktisch unbegrenzt und kostenlos
verfügbar; wer „3 Tage Lissabon mit Kind“ sucht, bekommt die
Antwort in Millisekunden. Doch Zupancic weiß um die
Schattenseiten der Gratis-Kultur: „Ein Algorithmus merkt
nicht, wenn der Traumstrand direkt neben dem Klärwerk liegt“,
konstatiert er trocken.

Während Google nur sortiert, muss der echte Reisejournalist noch
hinreisen und die Realität prüfen. Zupancic versteht sich und
sein Team als „journalistische Trüffelschweinchen“, die die Spreu
vom Weizen trennen. Er testet lieber persönlich das
„Gummibrötchen für sechs Euro“ in der Economy Class, statt
PR-Botschaften abzuschreiben. Für ihn ist klar: Wer nichts
ausprobiert, bleibt stehen – und in der Verlagswelt bedeutet das
das Aus.

Nutzwert statt Coffee-Table-Kitsch

In einem Markt, der oft nur noch aus „Content-Marketing“ besteht,
setzt Zupancic auf „100% Nutzwert“. Sein Magazin ist kein
dekorativer Hochglanz-Schmuck für den Wohnzimmertisch, sondern
ein echtes Arbeitswerkzeug. Er sagt selbst: „Clever reisen liegt
wahrscheinlich nicht im Wohnzimmer, sondern auf dem Schreibtisch
oder in der Küche. Dort wird gearbeitet.“

Seine Leser, vor allem die kaufkräftigen „Best Ager 50+“,
schätzen diese haptische Qualität und die verlässliche
Orientierung. Diese „Silver Surfer“ verfügen über hohe
Reisebudgets und einen hohen Bildungsstandard. Sie suchen keine
flüchtigen Instagram-Inszenierungen, sondern Fakten, auf die sie
ihre Urlaubsplanung stützen können.

Siebenmal hinfallen, achtmal aufstehen

Im Ruhrgebiet lernt man früh: „Siebenmal hinfallen, achtmal
aufstehen“. Diese Mentalität rettete das Magazin durch Krisen wie
den plötzlichen Tod seines Mitgründers 2003 oder die
Corona-Pandemie, die der Branche schlichtweg den Stecker zog.
Zupancic beschreibt sein Wirken als „kuriosen Balanceakt“
zwischen dem Chefredakteur, der Neues wagen will, und dem
Verleger, der die Finanzen im Blick behalten muss.

Dieser Pragmatismus führte dazu, dass er schon früh mit
technischen Neuerungen wie Augmented Reality experimentierte.
Heute nutzt er die KI als „kleines Helferlein“ für Fakten-Checks
und Rechtschreibung, betont aber: „Alles, was Verantwortung
braucht, bleibt beim Menschen.“ Sein Verlag ruht heute auf drei
Säulen: Print für die Glaubwürdigkeit, Online-Portale für den
schnellen Service und neue Nischen wie das Luxus-Segment.

Ein Manifest für die Recherche

Dass Zupancic nun den VDRJ-Ehrenpreis erhält – eine
Bronzeskulptur, die dem ältesten Wagenrad der Geschichte
nachempfunden ist –, ist ein starkes Signal gegen die
Beliebigkeit digitaler Informationen. Es würdigt einen Verleger,
der auch in stürmischen Zeiten an journalistischen Standards
festgehalten hat. „Ohne Print gäbe es kaum noch unabhängigen
Reisejournalismus“, mahnt er.

Sein Erfolg ist ein Plädoyer für den langen Atem und die
unstillbare Neugier, die ihn schon als Zwölfjährigen auf seiner
ersten Reise nach Barcelona antrieb. Am Ende des Tages bleibt
Zupancic lieber Lotse im Zeitschriftenregal, als – wie er selbst
sagt – „Bratwurst auf Schalke“ zu verkaufen. Nicht nur wir
von der VDRJ sind froh, dass er sich gegen die Wurst und für das
Wort entschieden hat.

Zwei Jürgens im Gespräch: VDRJ-Ehrenpräsident Jürgen Drensek (li)
interviewt Preisträger Jürgen Zupancic für den Reiseradio-Podcast
(Foto Marina Noble)

Vor der Preisverleihung in Duisburg hatte ich die Gelegenheit,
mit Jürgen Zupancic meinen Reiseradio-Podcast aufzunehmen. Ein
munteres Gespräch unter Reisejournalisten, denen es wichtig ist,
dass Leser, Hörer oder Zuschauer neben Inspiration vor allem auch
glaubwürdige und gut recherchierte, verwertbare Information
bekommen. Um das Gespräch zu hören, bitte auf den PLAY Button im
Titelbild klicken.

Hintergrund-Link zum Preisträger auf der Webseite der
VDRJ

Der Beitrag Zupancic trotzt Klick-Kultur VDRJ ehrt Print-Pionier mit langem
Atem erschien zuerst auf Was mit Reisen.
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