Ist grüne Verkehrspolitik noch grün genug, Winfried Hermann?

Ist grüne Verkehrspolitik noch grün genug, Winfried Hermann?

vor 1 Woche
Ein Abschiedsgespräch über Elektromobilität, die Mühen der Transformation und die Fehler der Ampel-Regierung
41 Minuten
Podcast
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Die Elektromobilität wächst – und wir schauen hinter die Kulissen, beleuchten Trends und Kontroversen.

Beschreibung

vor 1 Woche

Zum Abschied wird es noch einmal grundsätzlich: Nach 15
Jahren an der Spitze des Verkehrsministeriums in
Baden-Württemberg zieht Winfried Hermann eine
persönliche und politische Bilanz. Und die fällt differenziert,
aber keineswegs leise aus. Zwischen Stolz auf Erreichtes, klarer
Kritik an politischen Prozessen und einem ungebrochenen Glauben
an die Verkehrswende entsteht ein Gespräch, das weit über die
Landespolitik hinausweist.


Hermann, der als grüner Verkehrsminister im Autoland lange als
Ausnahme galt, beschreibt, wie mühsam und zugleich notwendig
langfristige Veränderungen im Verkehrssektor sind. Seine zentrale
Botschaft: Transformation braucht Zeit, Konsequenz – und den Mut,
auch gegen Widerstände zu handeln. Dabei spart er weder eigene
Rückschläge noch strukturelle Probleme aus, etwa die
Kurzfristlogik in der quartalsorientierten Wirtschaft. Das
Dilemma: Unternehmen müssten eigentlich eine langfristige
Orientierung haben, seien aber stets kurzfristig getrieben.


Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt (natürlich) auf der
Elektromobilität. Hermann betont, deutlich früher ein E-Auto von
Mercedes gefahren zu haben, als der damalige Chef des
Herstellers. Und Baden-Württemberg habe früh auf den Ausbau der
Ladeinfrastruktur gesetzt und damit eine Grundlage geschaffen,
die heute Wirkung zeige. Doch für Hermann ist klar, dass Technik
allein nicht reicht: Akzeptanz, klare Rahmenbedingungen und
gesellschaftliche Beteiligung sind entscheidend. Der
Noch-Verkehrsminister macht deutlich: „Die Zukunft des Autos ist
eine klimafreundliche – sonst hat das Auto keine Zukunft.“
Pragmatismus statt Grabenkämpfe

Auch die Bundespolitik bekommt in Hermanns Rückblick ihr Fett
weg. Die Ampel-Koalition sei an ihren inneren Widersprüchen
gescheitert, wichtige Entscheidungen – etwa bei Förderprogrammen
oder der Zusammenarbeit mit den Ländern – seien inkonsequent
gewesen. Hermann gesteht: „Im Nachhinein bin ich froh, dass ich
mit der Ampel nichts zu tun hatte als Politiker.“ Die
Konstruktion aus SPD, Grünen und FDP sei so verkehrt gewesen,
dass man eigentlich nur verlieren konnte.


Politisch plädiert Hermann dagegen für mehr Pragmatismus statt
ideologischer Grabenkämpfe. Den Vorwurf, die Grünen aus
Baden-Württemberg hätten das Aus vom Verbrenner-Aus unterstützt,
will Hermann nicht gelten lassen. Bei der Verkehrspolitik seien
die Grünen die progressivste Partei. Grundsätzlich gelte: „Du
musst kompromissfähig sein und kannst nicht nur grüne Politik
machen, sondern musst eine Politik machen, wo möglichst viele
dabei sind.“
Verschleppte Transformation

Besonders deutlich wird der Noch-Verkehrsminister bei der
Transformation der Automobilindustrie. Während einige Hersteller
(konkret BMW und Volvo) den Wandel aktiv gestalten, hätten andere
(darunter auch Mercedes) zu lange gezögert – aus kurzfristigen
wirtschaftlichen Überlegungen heraus. Für Hermann ist das ein
strukturelles Problem des Systems: „Solange man mit dem Alten
noch gutes Geschäft macht, macht man das – und genau das bremst
die Transformation.“


Das Gespräch mit electrive-Chefredakteur Peter Schwierz zeigt:
Verkehrspolitik ist kein schneller Sprint, sondern ein Marathon
mit vielen Zielkonflikten. Hermann bleibt dabei seinem Ruf als
„Berufsoptimist“ treu – auch wenn er weiß, wie steinig der Weg
ist. Seine klare Empfehlung an seine Nachfolge: Kurs halten,
Tempo erhöhen und die Verkehrswende konsequent weiterdenken.


Eine Episode über Macht, Märkte und Mobilität – und über die
Frage, ob Deutschland den Wandel auf der Straße wirklich will.

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