Warum Ärzt:innen nicht mehr selbstständig sein wollen | Johannes Wagner, MdB
vor 2 Wochen
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Beschreibung
vor 2 Wochen
Wie steht es gerade politisch um die Gesundheitsversorgung? Warum
wollen so viele Ärzt:innen nicht mehr selbstständig arbeiten? Und
wie steht ein Kinderarzt zu Zuckersteuer und einem Social
Media-Verbot?
Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus
– Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Johannes
Wagner. Er macht gerade seinen Facharzt für Pädiatrie und ist
außerdem Bundestagsabgeordneter bei den Grünen.
Die beiden sind sich einig: Kinder haben keine Lobby. Zurzeit
wird ein Social Media-Verbot für unter-14-jährige diskutiert.
Johannes selbst spricht lieber von einem Mindestalter statt einem
Verbot. Lange war er ein Gegner, doch er hat seine Meinung
geändert und ist für eine deutlich schärfere Regulierung. Die
Plattformen machen süchtig und treiben Kinder in ungesunde
Verhaltensweisen.
Das hat Einfluss auf die mentale Gesundheit, welche immer noch
ein Randthema ist. Hersteller haben allerdings ein Interesse
daran, Kinder möglichst lange vor den Bildschirmen zu halten.
Dahinter steckt ein Milliardenmarkt. Es geht also nicht nur um
die Plattformen selbst, sondern das gesamte System dahinter.
Auch die Zuckersteuer hat eine riesige Debatte ausgelöst, vor
allem, weil viele Produkte im Supermarkt gezielt auf Kinder
ausgerichtet sind. Den Eltern wird es schwer gemacht.
Eigenverantwortung schön und gut – Johannes ist trotzdem der
Meinung, dass die starken Konzerne mehr gesetzliche
Rahmenbedingungen benötigen. Für Eltern ist es anstrengend und
zeitraubend, Aufklärungsarbeit gegen Kampagnen der
Lebensmittelindustrie zu führen.
Auch die Gesellschaft steht dahinter: Über 60% plädieren für eine
Zuckersteuer.
Die Debatte auf dem CDU-Parteitag dazu fand Laura zum
Fremdschämen.
Viele Jugendliche erlebt Johannes als nicht politisch.
Erstwähler:innen entscheiden sich oft für die AfD, weil diese
eine starke emotionale Stimmung erzeugen.
Die beiden diskutieren außerdem über die Versorgung in
Deutschland und die Situation von niedergelassenen Ärzt:innen und
Hausärzt:innen. Über 80% der Niedergelassenen arbeiten in der
spezialisierten Medizin. Ein Grund, warum sich Johannes ein
Primärversorgungs-System wünscht. Es kann außerdem nicht sein,
dass Versorgung einen so unterschiedlichen Wert hat: Auf der
einen Seite kämpfen Ärzt:innen mit Energiepreisen, auf der
anderen Seite entstehen Einkommensmillionäre.
Versorgung auf dem Land ist ein weiteres großes Problem. Laura
erzählt vom Ärztenetzwerk BOHRIS, das z.B. Ärzte nach Bocholt
akquiriert.
Laura sieht als eine Möglichkeit, Regresse abzuschaffen. Sie
kennt in ihrem Umfeld keinen Kollegen, der bisher noch keinen
Regress hatte.
Die Niederlassung muss attraktiver gestaltet werden. Angestellte
Ärzt:innen erwirtschaften in der Regel nicht das, was sie als
Gehalt erhalten.
Die Versorgung könnte auf jeden Fall verbessert werden durch den
Einsatz von Physician Assistants und Primary Care Manager.
Bei den Wahlen ist Gesundheit und Gesundheitspolitik oft kein
großer Faktor, obwohl es uns allen so wichtig ist, gesund zu
sein.
Johannes möchte perspektivisch wieder in den Arztberuf
zurückgehen, auch wenn die Politik motivierte Menschen wie ihn
benötigt.
Laura betont:
Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist ein gesellschaftlich
stabilisierender Faktor.
Deswegen ist es so wichtig, Berufspolitik zu machen.
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