EGL099 G.W. Pabst – Pionier des unsichtbaren Schnitts, des Tonfilms und der neuen Sachlichkeit
vor 3 Wochen
"He never gave direction in the usual sense. He would watch and
wait, and when he saw what he wanted, he would say, 'That's it.'"
Louise Brooks über G.W. Pabst in Lulu in Hoolywood
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Beschreibung
vor 3 Wochen
In der 99. Episode unseres Podcasts setzen wir die
Berlinale-Retrospektive zu "Geheimnisse einer Seele" fort und
widmen diese Folge ganz dem Regisseur des Films: Georg Wilhelm
Pabst. G.W. Pabst ist eine der Schlüsselfiguren des Kinos in der
Weimarer Republik. Flo zeichnet seine Biografie nach: geboren in
Böhmen, aufgewachsen in Wien, frühe Theaterarbeit in den USA,
Internierung im Ersten Weltkrieg, danach der Wechsel nach Berlin
und zum Film. Von dort aus entwickelt sich Pabst rasch zu einem
Regisseur, der mehrere Umbrüche des Kinos mitprägt: vom Stummfilm
zum Tonfilm, vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit – während
der Expressionismus innere Zustände stark nach außen kehrt, steht
die Neue Sachlichkeit für eine genauere Beobachtung sozialer
Milieus, psychologischer Konflikte und realistischer Lebenswelten:
Arbeiterwohnungen, Prostitution, Armut, Enge und innere
Zerrissenheit. Dabei baut Pabst die filmtechnische Methode des
"unsichtbaren Schnitts" weiter aus, also eine Form des Continuity
Editing, bei dem der Filmschnitt nicht auffällt, sondern einen
fließenden Erzählraum schafft, der sich an kinematographische
Regeln hält. In den 1930er Jahren gehörte Pabst mit "Westfront
1918" zu den Regisseuren, die den Ton nicht nur technisch
einsetzten, sondern künstlerisch effektiv zu nutzen wussten. In den
Anfangsjahren des Tonfilms war die Filmtechnik noch nicht so auf
die Tonaufnahmen optimiert, es gab keine Richtmikrofone, die
Kugelmikrofone nahmen noch alle Umgebungsgeräusche auf; die Kamera
musste in einer eigenen Kabine stehen, damit das Filmrattern nicht
mit aufgenommen wurde. Der Tonfilm war auch ein Katalysator für das
Genre Musical. 1931 verfilmte G.W. Pabst die "Dreigroschenoper" mit
der grandiosen Musik von Kurt Weill. Brecht wollte diese Umsetzung
seines Stoffes verbieten lassen, er sah seine Theorie zum epischen
Theater verraten. Brecht ging es um die Politisierung der
Zuschauer*innen durch Verfremdungseffekte, während er G.W. Pabst
die Entmündigung derselben durch Emotionalisierung vorwarf. Brecht
verlor den Rechtsstreit. Pabst wirkte auch in dem jungen Genre des
Bergfilms mit. Er war Co-Regisseur bei "Die weiße Hölle vom Piz
Palü" und sorgte für die psychologische Tiefe im Figurenensemble,
während Arnold Fanck für die dramatischen Außenaufnahmen zuständig
war. Eine der Schauspielerinnen war Leni Riefenstahl, die schon
vorher in den Filmen von Fanck tragende Rollen eingenommen hatte.
Leni Riefenstahls späterer Ästhetik in "Triumph des Willens" und
"Olympia", die das herrschende Körperbild der Nationalsozialisten
ideologisch festigte, war maßgeblich von Fanck geprägt. Flo ist
ganz begeistert von den vielen filmhistorischen Innovationen und
Impulsen, die sich in der Figur G.W. Pabst kreuzen. Damit habe er
nicht gerechnet, insofern habe sich die diesjährige Berlinale sehr
gelohnt. Micz und Flo beenden ihre Tour im Tiergarten auf dem
letzten Eis des Winters. Der See dort ist noch zugefroren, aber
beide sind sich sicher, dass das Eis verschwunden sein wird, wenn
diese Episode erscheint. Micz schließt die Episode mit dem Ausblick
auf die Jubiläumsfolge: 99 plus Eis gibt ...
Berlinale-Retrospektive zu "Geheimnisse einer Seele" fort und
widmen diese Folge ganz dem Regisseur des Films: Georg Wilhelm
Pabst. G.W. Pabst ist eine der Schlüsselfiguren des Kinos in der
Weimarer Republik. Flo zeichnet seine Biografie nach: geboren in
Böhmen, aufgewachsen in Wien, frühe Theaterarbeit in den USA,
Internierung im Ersten Weltkrieg, danach der Wechsel nach Berlin
und zum Film. Von dort aus entwickelt sich Pabst rasch zu einem
Regisseur, der mehrere Umbrüche des Kinos mitprägt: vom Stummfilm
zum Tonfilm, vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit – während
der Expressionismus innere Zustände stark nach außen kehrt, steht
die Neue Sachlichkeit für eine genauere Beobachtung sozialer
Milieus, psychologischer Konflikte und realistischer Lebenswelten:
Arbeiterwohnungen, Prostitution, Armut, Enge und innere
Zerrissenheit. Dabei baut Pabst die filmtechnische Methode des
"unsichtbaren Schnitts" weiter aus, also eine Form des Continuity
Editing, bei dem der Filmschnitt nicht auffällt, sondern einen
fließenden Erzählraum schafft, der sich an kinematographische
Regeln hält. In den 1930er Jahren gehörte Pabst mit "Westfront
1918" zu den Regisseuren, die den Ton nicht nur technisch
einsetzten, sondern künstlerisch effektiv zu nutzen wussten. In den
Anfangsjahren des Tonfilms war die Filmtechnik noch nicht so auf
die Tonaufnahmen optimiert, es gab keine Richtmikrofone, die
Kugelmikrofone nahmen noch alle Umgebungsgeräusche auf; die Kamera
musste in einer eigenen Kabine stehen, damit das Filmrattern nicht
mit aufgenommen wurde. Der Tonfilm war auch ein Katalysator für das
Genre Musical. 1931 verfilmte G.W. Pabst die "Dreigroschenoper" mit
der grandiosen Musik von Kurt Weill. Brecht wollte diese Umsetzung
seines Stoffes verbieten lassen, er sah seine Theorie zum epischen
Theater verraten. Brecht ging es um die Politisierung der
Zuschauer*innen durch Verfremdungseffekte, während er G.W. Pabst
die Entmündigung derselben durch Emotionalisierung vorwarf. Brecht
verlor den Rechtsstreit. Pabst wirkte auch in dem jungen Genre des
Bergfilms mit. Er war Co-Regisseur bei "Die weiße Hölle vom Piz
Palü" und sorgte für die psychologische Tiefe im Figurenensemble,
während Arnold Fanck für die dramatischen Außenaufnahmen zuständig
war. Eine der Schauspielerinnen war Leni Riefenstahl, die schon
vorher in den Filmen von Fanck tragende Rollen eingenommen hatte.
Leni Riefenstahls späterer Ästhetik in "Triumph des Willens" und
"Olympia", die das herrschende Körperbild der Nationalsozialisten
ideologisch festigte, war maßgeblich von Fanck geprägt. Flo ist
ganz begeistert von den vielen filmhistorischen Innovationen und
Impulsen, die sich in der Figur G.W. Pabst kreuzen. Damit habe er
nicht gerechnet, insofern habe sich die diesjährige Berlinale sehr
gelohnt. Micz und Flo beenden ihre Tour im Tiergarten auf dem
letzten Eis des Winters. Der See dort ist noch zugefroren, aber
beide sind sich sicher, dass das Eis verschwunden sein wird, wenn
diese Episode erscheint. Micz schließt die Episode mit dem Ausblick
auf die Jubiläumsfolge: 99 plus Eis gibt ...
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