Folge 146: Für die Badi immer bereit

Folge 146: Für die Badi immer bereit

37 Minuten

Beschreibung

vor 1 Woche

Diesmal haben wir so richtig was gelernt - denn dass ausgerechnet
die Schweiz eine jahrhundertealte Badetradition hat und Zürich
eine der höchsten Bäderdichten Europas war uns absolut neu. Aber
tatsächlich: Auf rund 440.000 Einwohner:innen kommen hier
tatsächlich allein 24 (!) Freibäder, von den Schweizern liebevoll
Badis genannt. Und das sind nicht nur klassische Bäder mit
Schwimmbecken, so wie wir sie hierzulande kennen, sondern auch
See- und Flussbäder und das mitten in der Stadt. Bärbel Buchholz,
die hier als deutsche Architektin seit rund 10 Jahren lebt, ist
immer noch beeindruckt davon. Hier habe praktisch jeder und jede
immer Badezeug dabei, erzählt sie uns, in der Mittagspause mal
eben ein paar Bahnen ziehen gehört praktisch zum Alltag. Aber die
Bäder in Zürich snd nicht nur viele, sie sind auch wahre
Schönheiten. Das 1864 erbaute Männerbadi am Schanzengraben ist
ein klassischer Holzkastenbau inmitten der Altstadt, das
Frauenbadi am Stadthausquai, direkt an der Limmat, wurde 1888 als
Holzbad in orientalischem Stil erbaut. Bis heute schwimmen Männer
und Frauen hier jeweils unter sich, ganz herrliche Orte zum
Entspannen.


Bärbel selbst ist Mitglied im Winterschwimmen-Verein Utoquai, ein
Badepalast direkt am Zürisee, erbaut im Jahr 1890. Sie liebt es,
auch im kalten Wasser schwimmen zu gehen, eben das ganze Jahr
hindurch. Wobei es in Zürich natürlich auch Hallenbäder gibt. Ein
ganz klassisches Freibad wiederum ist hier das Letzigraben-Bad,
1949 eröffnet und von niemand geringerem entworfen als von Max
Frisch, den viele von uns vor allem als Schriftsteller kennen,
der sich aber vorher bereits als Architekt einen Namen gemacht
hat.


Einer der Gründe für die ausgeprägte Schweizer Badekultur ist die
hervorragende Wasserqualität der Seen und Flüsse. Hinzu kommt:
Das Badevergnügen ist für Schweizer Verhältnisse überaus
erschwinglich und viele Flussbäder verlangen gar keinen Eintritt.
Damit nicht genug: Schweizer Badis verwandeln sich abends in
vielbesuchte Kulturorte und soziale Treffpunkte. Hier gibt es
dann offene Bars oder Kinovorstellungen oder auch Tanzabende.


Überhaupt haben die Schweizer:innen ein ganz besonderes
Verhältnis zu ihren Gewässern und nutzen ihre Flüsse auch einfach
mal für einen Schwumm nach Hause. Zum Beispiel in der Aare, ein
Fluß, der mit ziemlich großer Geschwindigkeit durch Bern fließt.
Die Klamotten werden in einen so genannten Wickelfisch
eingerollt, der dann als eine Art Schwimmbrett dient, mit dem man
herrlich auf dem Wasser treiben kann. Ganz ungefährlich ist
dieses Vergnügen allerdings nicht, die Strömung mitunter ganz
schön stark, erzählt Bärbel, die das auch schon ein paarmal
mitgemacht hat. Man muss sich schon an die Anweisungen auf den
Schildern halten, damit man nicht in den Schiffsverkehr oder an
einen Brückenpfeiler gerät.


Trotzdem lockt dieser Spaß jedes Jahr viele auch deutsche
Touristen an. Denn die Schweiz ist eben nicht nur eine große
Ski-Nation: Der Schweizer Noè Ponti aus dem Tessin wurde 2024
Weltmeister über 50 Meter Schmetterling.






























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