Wie geht's und warum wir gehen

Wie geht's und warum wir gehen

vor 1 Monat
„Wie geht’s?“: eine Floskel, die wir alle nutzen, die uns aber im Grunde völlig egal ist. Eigentlich ist es eine nette Geste. Man tut so, als würde man sich interessieren. Aber wehe, das Gegenüber antwortet ehrlich. Ein „Schlecht“ oder „Furchtbar“ ist der
17 Minuten
Podcast
Podcaster
Ein Late Night Comedy Podcast. Gesellschaft, Politik, Klima, Alltag satirisch betrachtet, mit viel schwarzem Humor. Je dunkler die Nacht, umso dunkler der Humor.

Beschreibung

vor 1 Monat

„Wie geht’s?“: eine Floskel, die wir alle
nutzen, die uns aber im Grunde völlig egal ist.


Eigentlich ist es eine nette Geste. Man tut so, als würde man
sich interessieren. Aber wehe, das Gegenüber antwortet ehrlich.
Ein „Schlecht“ oder „Furchtbar“ ist der soziale Super-GAU. Es
gibt nur eine akzeptable Antwort: „Gut, und dir?“. Wobei das „und
dir?“ auch gelogen ist, weil es dich eigentlich nicht
interessiert. Doch was passiert, wenn wir die Frage ernst nehmen?
Nicht im emotionalen Sinne, sondern rein mechanisch: Wie
geht gehen?
Die Typologie des Gehens: Sag mir, wie du läufst ...

Wenn man genauer hinschaut, ist Gehen nicht gleich Gehen. Die
Art, wie wir uns fortbewegen, verrät alles über unseren
momentanen Zustand:



Der Fluchtmodus: Man geht schnell, den Kopf
gesenkt, um bloß nicht aufzufallen oder so schnell wie möglich
wieder in der sicheren Wohnung zu verschwinden.


Der Kraftprotz: Brust raus, energetisch,
prescht voran und lässt die „lahmen Schnecken“ hinter sich.


Der Drangvolle: Schnell, aber zusammengezwickt
– der klassische Gang zum nächsten Klo.


Der Bummler: Langsames Schlendern, Mäandern
durch die Stadt, vielleicht weil man zu früh dran ist oder gar
nicht erst zum Termin bei den Schwiegereltern will.


Der Kinder-Stil: Der Boden ist Lava, rückwärts
hüpfen, auf Striche achten – die kreativste Form der
Fortbewegung.

Das Fundament der Menschlichkeit (und der Fetische)

Gehen ist das, was uns zu Menschen macht. Es ist unser
Alleinstellungsmerkmal gegenüber Tieren. Außer Männchen machenden
Hunden.


Deshalb feiern wir die ersten Schritte eines Babys wie ein
monumentales Ereignis (bevor wir merken, dass wir jetzt alles in
der Wohnung 20 Zentimeter höher stellen müssen).


Diese fundamentale Bedeutung erklärt vielleicht auch, warum Füße
ein so prominentes Thema in der Populärkultur und im Internet
sind. Ob man nun – wie ich gehört habe – Urin aus Stöckelschuhen
trinkt oder zu der Gruppe Frauen gehört, die mit Fußfotos im Netz
reich werden: Die Füße tragen uns durchs Leben.
Der Service-Hack: Die Gegenfrage als Filter

Ich möchte dir heute ein Werkzeug an die Hand geben. Wenn dich
das nächste Mal jemand mit einem „Wie geht’s?“ überfällt, nutzt
die Gegenfrage: „Möchtest du wissen, wie mein
Gemütszustand ist, oder willst du wissen, wie meine Fortbewegung
funktioniert?“


Das ist der perfekte Gesprächs-Opener. Es bricht das langweilige
„Gut und dir“ auf und hat einen entscheidenden Vorteil: Wenn dein
Gegenüber daraufhin entnervt abzieht, weißt du sofort, dass du
deine Zeit nicht mit einem humorlosen Bastard verschwenden musst.
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Musik-Credit: „One Too Many Ghosts“ –
PremiumBeat via Envato Elements
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