Runter mit den Masken: Warum die Fastenzeit besser ist als Fasching

Runter mit den Masken: Warum die Fastenzeit besser ist als Fasching

Aschermittwoch: Der Fasching ist vorbei. Die Zeit von Jux und Tollerei, wie wir jungen Menschen sagen würden, hat ein Ende gefunden. Endlich ist die Ballsaison in Wien vorbei, die grölenden Massen ziehen ab und das Zuckerbrot wird durch die Peitsche erset
19 Minuten
Podcast
Podcaster
Ein Late Night Comedy Podcast. Gesellschaft, Politik, Klima, Alltag satirisch betrachtet, mit viel schwarzem Humor. Je dunkler die Nacht, umso dunkler der Humor.

Beschreibung

vor 3 Tagen

Aschermittwoch: Der Fasching ist vorbei. Die Zeit von Jux und
Tollerei, wie wir jungen Menschen sagen würden, hat ein Ende
gefunden. Endlich ist die Ballsaison in Wien vorbei, die
grölenden Massen ziehen ab und das Zuckerbrot wird durch die
Peitsche ersetzt. Die Fastenzeit ist da – und damit endlich
wieder ein bisschen Ruhe und Bescheidenheit.
Der Alltag als eigentlicher Maskenball

Ich werde oft als Verkleidungsbanause bezeichnet, und das stimmt:
Alles, was über das Kämmen meiner Haare hinausgeht, ist mir zu
viel Aufwand. Aber ich habe eine Theorie: Diejenigen, die sich
zum Fasching verkleiden, tun das eigentlich gar nicht. Die wahre
Verkleidung tragen wir im Alltag. Wenn wir uns in Anzüge, Blusen
und Arbeitskluft zwängen, um genau so auszusehen, wie die
Gesellschaft es von uns erwartet, unterdrücken wir jede
individuelle Freiheit und Kreativität.


Der Fasching ist die einzige Zeit im Jahr, in der die Menschen
aufhören, sich zu verkleiden. Endlich darfst du der Clown sein,
der du bist, die Meerjungfrau, die du gerne wärst, oder der
Serienkiller, für den dir im Alltag der Mut fehlt. Plötzlich ist
es „empowering“, wenn ein Mann als Frau geht oder umgekehrt –
Kulturkämpfe pausieren für 48 Stunden, weil es ja „nur ein Spaß“
ist. Es ist faszinierend, wie dieselben Leute, die im Alltag
gegen alles Fremde hetzen, im Fasching mit Begeisterung in eine
andere Haut schlüpfen.
Besoffene Helden und die Rückkehr des Abschaums

Was ich am Fasching am wenigsten vermissen werde? Menschen, die
bereits um 10 Uhr vormittags sturzbesoffen sind und sich dafür
auch noch feiern lassen. Im Alltag ist das ein Fall für die
Suchtberatung, im Fasching bist du ein Held. Ich bin froh, dass
diese Leute jetzt wieder zum „Abschaum“ werden, der heimlich
trinken oder seine Vorlieben im Verborgenen ausleben muss. Die
Peitsche der Fastenzeit sorgt dafür, dass die gesellschaftliche
Ordnung wiederhergestellt wird.


Ich persönlich faste zwar nicht – ich lasse mir doch von der
Kirche nichts vorschreiben –, aber ich verstehe den Reiz der
extrinsischen Motivation. Die Fastenzeit ist im Grunde nur die
zweite Chance für alle, die ihre Neujahrsvorsätze schon am 3.
Januar vergessen haben. Es ist die Zeit, in der man sich
gegenseitig daran erinnert, dass man eigentlich abnehmen wollte
oder die Kinder weniger schlagen sollte.
Fasten als Tarnung für das Existenzminimum

Das Schönste an der Fastenzeit ist jedoch ihre soziale
Komponente: Sie macht uns alle gleich. Man kann den frommen
Asketen nicht mehr vom armen Schlucker unterscheiden. Wenn man
wie ich als Comedian und Content Creator knapp am Existenzminimum
entlangschrammt, ist die Fastenzeit ein Segen.


Man muss nicht mehr zugeben, dass man sich das Abendessen beim
Italiener oder die Kinokarte nicht leisten kann. Man sagt
einfach: „Ich faste gerade.“ Es ist die perfekte Ausrede, um
weniger zu konsumieren, weniger fortzugehen und kein Geld
auszugeben. In der Fastenzeit sind wir eine Gemeinschaft – wir
sind zusammen arm und nennen es Spiritualität. Das spart
ordentlich Geld für die Zeit, in der uns schon wieder der nächste
Konsumterror namens Ostern blüht.
Links & Hinweise

YouTube-Kanal:
https://www.youtube.com/@comedIAN_DeBay Abonniere meinen
Newsletter:
https://steady.page/iandebay/newsletter/sign_up
E-Mail: comedian@iandebay.com
Podcast-Startseite:
https://iandebay.com/die-zu-spaet-show


Die Folge über Alkohol:

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15