Kunst, Kitsch und Kraftfelder: Kann eine Kunstfigur authentisch sein?
In der letzten Folge ging es um das Plantschbecken der
Authentizität. Heute springen wir eine Ebene tiefer: Wie passt das
eigentlich zusammen, wenn man – so wie ich – eine Kunstfigur
erschaffen hat? Kann Ian DeBay überhaupt echt sein, oder ist das
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Ein Late Night Comedy Podcast. Gesellschaft, Politik, Klima, Alltag satirisch betrachtet, mit viel schwarzem Humor.
Je dunkler die Nacht, umso dunkler der Humor.
Beschreibung
vor 1 Monat
In der letzten Folge ging es um das Plantschbecken der
Authentizität. Heute springen wir eine Ebene tiefer: Wie passt
das eigentlich zusammen, wenn man – so wie ich – eine
Kunstfigur erschaffen hat? Kann Ian DeBay
überhaupt echt sein, oder ist das alles nur ein künstliches
Konstrukt in einem dunklen Kämmerchen?
Die Angst vor dem „K-Wort“
Eines vorweg: Ich bezeichne das, was ich hier mache, nicht als
Kunst. Ein ehemaliger Kollege sagte mal: „Kunst ist, was Scheiße
ist.“ Aber selbst das trifft es nicht ganz. Das Wort „Kunst“ ist
mir zu groß, zu überwältigend. Es macht mir Angst.
Während andere sich mutig Künstler nennen, habe ich es nur zum
Content Creator geschafft (und das nicht mal bei
Humboldt). Um mich zu schützen, habe ich Ian DeBay erschaffen.
Ein Alias, ein Schutzschild, eine Maske.
Warum Ian DeBay existiert
Warum ein Pseudonym? Ganz einfach:
Schutz: Das Internet ist kein Streichelzoo.
Ein Alias fängt den Hass ab, bevor er mein echtes Ich erreicht.
Freiheit: Als Ian DeBay kann ich Dinge sagen,
die ich mich im „echten“ Leben vielleicht nicht trauen würde
(obwohl ich dort noch viel schlimmere Dinge tue).
Aber die Frage bleibt: Wenn Ian DeBay eine Erfindung ist, ist er
dann unauthentisch?
Das künstliche Gespräch in der dunklen Kammer
Hier sitzen wir nun. Ich in meiner dunklen Kammer, allein mit dem
Mikrofon, und stelle mir dich vor. (Du siehst übrigens verdammt
gut aus heute!)
Eigentlich ist diese Situation hier – so künstlich sie auch sein
mag – viel authentischer als ein Treffen im echten Leben. Warum?
Weil ich im realen Leben viel zu schüchtern wäre. Ich würde
unpassend lachen, Plattitüden von mir geben und beschämt auf den
Boden schauen.
In diesem künstlichen Raum hier habe ich mir einen
Kokon gebaut. Mikrofon, Schnittprogramm,
Firewall. Alles schützt mich vor dir. Und genau dieser Schutz
erlaubt es mir, mein wahres Ich zu zeigen – inklusive der dunklen
Facetten und der Tatsache, dass ich eigentlich ein „kleiner
perverser Sack“ bin, der versucht, sein Inneres zu verstecken.
Ritterrüstung vs. Enterprise-Schutzschild
Authentisch zu sein bedeutet, sein Schutzschild herunterzufahren.
Aber es gibt verschiedene Arten von Schilden:
Die Ritterrüstung: Schweres Eisen, man sieht
kaum noch, wer darin steckt. Das ist die klassische Verstellung.
Das Enterprise-Kraftfeld: Das ist die Kunstfigur.
Man sieht alles, man erkennt den Captain, aber die Laserstrahlen
der Bösen prallen einfach ab.
Die Kunstfigur Ian DeBay ist mein unsichtbares Kraftfeld. Sie
hilft mir, echt zu sein, ohne dabei völlig schutzlos zu
verbrennen.
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