Kulturtechnik Alkohol: Warum wir unsere Probleme lieber ersaufen als lösen

Kulturtechnik Alkohol: Warum wir unsere Probleme lieber ersaufen als lösen

In dieser Folge räume ich mit einem grundlegenden Missverständnis auf. Bisher habe ich diesen Podcast immer mit den klassischen Late-Night-Shows aus dem Fernsehen verglichen. Doch das weckt vielleicht falsche Hoffnungen auf Glanz, Glamour und eine gut gel
14 Minuten
Podcast
Podcaster
Ein Late Night Comedy Podcast. Gesellschaft, Politik, Klima, Alltag satirisch betrachtet, mit viel schwarzem Humor. Je dunkler die Nacht, umso dunkler der Humor.

Beschreibung

vor 2 Wochen

In dieser Folge räume ich mit einem grundlegenden Missverständnis
auf. Bisher habe ich diesen Podcast immer mit den klassischen
Late-Night-Shows aus dem Fernsehen verglichen. Doch das weckt
vielleicht falsche Hoffnungen auf Glanz, Glamour und eine gut
gelaunte Band im Hintergrund.


In Wirklich ist dieser Podcast aber mehr wie eine Bar. Die früher
einmal schick war, mit dunklem Holz und großen schweren
Ledersesseln, aber jetzt nur noch eine Absteige ist, für
Schnapsleichen, die noch einen Absacker, vor dem nachhause gehen
brauchen.


In dieser Bar sitze ich am Barhocker neben dir und monologisiere
dich ungefragt zu. Und du bist zu höflich und bleibst sitzen.
Zwischen Whisky-Bar und Gosse: Das wahre Gesicht der Show

Das Paradoxe daran: Ich selbst trinke gar nichts mehr. Seit über
eineinhalb Jahren bin ich abstinent, angefangen hat es nach einer
Reha wegen meines Herzens. Jetzt ist es eine Gewohnheit.


Ich vermisse nicht den Alkohol – ich vermisse den Spaß am Leben,
den man scheinbar nur im Rausch hat. Während ich allein in meiner
Kammer monologisiere, ist der Rest der Welt da draußen unterwegs,
hat den „besten Sex“ mit Fremden und wacht am nächsten Tag mit
einem halb gegessenem und halb verdautem Kebab im BEtt auf.
Der gesellschaftlich anerkannte Alkoholmissbrauch als
Kulturtechnik

Ohne Alkohol ist man in unserer Gesellschaft schnell der
Aussätzige. Bei Familienfeiern bin ich das Problem, weil ich
nicht schon vor dem Mittagessen drei Gläser Wein kippe.


Wir verteidigen unseren Alkoholkonsum als „Kulturtechnik“, dabei
ist er oft nur ein Werkzeug, um nicht über die eigentlichen
Probleme reden zu müssen. Wir ersaufen unsere Sorgen, weil wir es
uns schlicht nicht leisten können, zu erkennen, wie sehr wir
eigentlich im Arsch sind. Das System wird uns nicht retten, also
betäuben wir uns lieber. Es ist die ultimative Lösung: Wenn man
lang genug trinkt, verschwinden die Probleme zwar nicht, aber man
stumpft so weit ab, bis man sie nicht mehr sieht. Wenn man Glück
hat, trinkt der Alkohol einen direkt ins Grab – das ist dann die
endgültige Problemlösung.
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