Wie können Städte und Gemeinden Elektromobilität ideal fördern?
Über Wettbewerb bei der Ladeinfrastruktur und Toiletten für
Taxifahrer
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Die Elektromobilität wächst – und wir schauen hinter die Kulissen, beleuchten Trends und Kontroversen.
Beschreibung
vor 5 Tagen
Hohe Rabatte, neue Förderung, politische Richtungswechsel – und
mittendrin die Städte. Wie gelingt Elektromobilität dort, wo sie
am sichtbarsten ist: im urbanen Raum? In der neuen Episode von
„eMobility Insights“ spricht electrive-Chefredakteur Peter
Schwierz mit Christoph Steinkamp,
Geschäftsführer von hySOLUTIONS, über Hamburg als Reallabor der
Verkehrswende – und über die Frage, was andere Kommunen daraus
lernen können.
Hamburg steht beim Hochlauf der Elektromobilität über dem
Bundesschnitt. Mehr als 43.000 E-Pkw sind unterwegs, der Anteil
wächst kontinuierlich. Für Steinkamp ist das kein Zufall, sondern
Ergebnis strategischer Steuerung: frühzeitiger Ausbau der
Ladeinfrastruktur, klare politische Zielsetzungen und eine
Verwaltung, die nicht nur reguliert, sondern selbst vorangeht.
„Wir sind, was die Elektrifizierung des Pkw-Bestands angeht, über
dem Bundesschnitt – und das trägt sich seit Jahren“, sagt er.
Doch in der „Bubble“ der Elektromobilität ist Geduld Mangelware.
Und deshalb hätte auch Steinkamp noch viel mehr erreicht: „Man
denkt immer, es könnte alles schneller gehen.“
Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf einzelne Nutzergruppen.
Hamburg hat den Taximarkt konsequent elektrifiziert – mit
Förderanreizen, Übergangsfristen und klaren Vorgaben. Das
Ergebnis: Ein Viertel der Taxis fährt bereits elektrisch. Und das
ohne Proteste! „Hättest du mich vor fünf Jahren gefragt, hätte
ich mit einer großen Taxidemo gerechnet“, so Steinkamp. „Aber wir
haben das kommunikativ gut begleitet – und die Branche kann
rechnen.“
Auch bei Bussen, Carsharing, Hafenlogistik und sogar im
Fährverkehr auf Elbe und Alster geht Hamburg elektrische Wege.
Reine Batteriefähren sind bestellt, die Ladeinfrastruktur für den
Schwerlastverkehr wird datenbasiert geplant und Ladehubs
entstehen dort, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Eine
Erkenntnis aus Hamburg gilt für Pkw wie Lkw gleichermaßen: Nicht
jede Ladesäule gehört in den öffentlichen Raum. „Wenn wir bei
‚Wünsch dir was‘ wären, würde ich Ladeinfrastruktur am liebsten
nur auf halböffentlichen Flächen aufbauen – dann hätten wir den
öffentlichen Raum für andere Zwecke.“ Aber das reicht natürlich
insbesondere für private E-Autos nicht aus. Deshalb baut auch
Hamburg – mit sechs Anbietern – weiterhin kontinuierlich aus.
Gleichzeitig zeigt das Gespräch mit Christoph Steinkamp, wie
fragil der Fortschritt ist. Politische Signale aus Berlin sorgen
für Verunsicherung. „Warum soll ich mir jetzt ein Elektrofahrzeug
zulegen, wenn gleichzeitig über Technologieoffenheit im
Pkw-Verkehr gesprochen wird?“, fragt Steinkamp. Sein Appell an
die Bundespolitik ist deutlich: „Im Pkw-Verkehr noch über
Technologieoffenheit zu sprechen, ist nicht hilfreich – auch
nicht für die deutsche Automobilwirtschaft.“
Die Hamburger Bevölkerung hat sich unterdessen mit einem
erfolgreichen Volksentscheid noch ambitioniertere Klimaziele
gesetzt: Klimaneutralität bis 2040. Das erhöht den Druck – und
macht deutlich, dass Elektromobilität in der Hansestadt vom
„Nice-to-have“ zum „New Normal“ werden muss. Nur so lässt sich
der CO2-Ausstoß senken.
Wie Städte regulatorisch steuern können, warum Wettbewerb bei
Ladeinfrastruktur entscheidend ist, welche Rolle Parkraum spielt
– und weshalb selbst Toiletten an Ladepunkten ein Thema sind –
all' das beleuchtet diese Episode mit überraschender Offenheit.
Eine Folge für alle, die Elektromobilität nicht nur als
Technologie, sondern als kommunale Gestaltungsaufgabe verstehen.
Und für alle, die wissen wollen, ob Hamburg wirklich einen
Schritt voraus ist – oder einfach nur konsequenter handelt. Und
darum geht es auch bei der ersten Hamburger E-Mobilitätskonferenz
am 18. März, bei der Experten aus ganz Deutschland und Europa
ihre Ideen für die Zukunft teilen.
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