Das Wahl-O-Mat-Experiment enthüllt alles | Von Janine Beicht

Das Wahl-O-Mat-Experiment enthüllt alles | Von Janine Beicht

21 Minuten

Beschreibung

vor 2 Wochen

Maximale Provokation, klare Ergebnisse: Das
Wahl-O-Mat-Experiment enthüllt alles


Der Wahl-O-Mat als gnadenloser Spiegel des deutschen
Irrsinns und was die falsche Wahl über den strukturellen
Selbstmord unseres Landes verrät. Dieses Experiment legt offen,
wie Grundannahmen über Staat, Markt und Freiheit politische
Realität formen und wie jede Entscheidung systematische
Konsequenzen entfaltet, die weit über „Wahlversprechen“
hinausreichen.


Ein Kommentar von Janine Beicht.


Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung gilt
seit seiner Einführung im Jahr 2002 als feste Größe im Vorfeld
von Wahlen. Er wurde nach offiziellen Angaben (1) rund
einhundertsechzig Millionen Mal genutzt und genießt den Ruf eines
niedrigschwelligen Informationsinstruments. Achtunddreißig
Thesen, drei Antwortmöglichkeiten und die Option einer doppelten
Gewichtung sollen politische Nähe berechenbar machen. Die
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) beschreibt die
Funktion wie folgt:
“Der Wahl-O-Mat ist ein Frage-und-Antwort-Tool, das zeigt,
welche zu einer Wahl zugelassene Partei der eigenen politischen
Position am nächsten steht. 38 Thesen können mit "stimme zu",
"stimme nicht zu", "neutral" oder "These überspringen" beantwortet
werden - alle zur Wahl zugelassenen Parteien können sich am
Wahl-O-Mat beteiligen. Auf diese Weise können die Nutzerinnen und
Nutzer die eigenen Antworten mit denen der Parteien abgleichen. Der
Wahl-O-Mat errechnet daraufhin den Grad der persönlichen
Übereinstimmung mit den ausgewählten Parteien. “ bpb (1)

Die Antworten der Parteien werden übernommen, die Thesen in
Workshops unter Beteiligung junger Redaktionsmitglieder
formuliert. Formal handelt es sich um ein neutrales Verfahren.
Doch was geschieht, wenn man dieses Instrument nicht nutzt, um
die eigene Überzeugung abzubilden, sondern um politische
Denkmuster gezielt zu verdichten und ihre praktischen Folgen
schonungslos offenzulegen?


Genau hier setzte mein Experiment zur Landtagswahl in
Baden-Württemberg an.


Die bewusst destruktive Antwortstrategie


Bei diesem ersten Durchgang des Wahl-O-Mat-Experiments ging es
mir nicht darum, meine persönlichen Vorlieben abzubilden, sondern
die zugrunde liegende Logik politischer Entscheidungen und
vorherrschender Narrative in einen Kontext zu stellen. Jede
meiner Antworten folgte einer bewusst destruktiven Strategie: Ich
wählte also systematisch diejenigen Optionen, die aus meiner
Sicht die wirtschaftlichen Belastungen erhöhen, staatliche
Kontrolle ausweiten, Eigentumsrechte relativieren, Bürokratie
verstärken, ideologische Weltanschauungen institutionalisieren,
sicherheitspolitische Eskalationen normalisieren und
gesellschaftliche Fragmentierung begünstigen. Die Ironie liegt
darin, dass die Antworten formal korrekt, logisch konsistent und
politisch nachvollziehbar sind, wenn man die Ziele dieser Politik
auf die Spitze treibt.


Beispielsweise stimmte ich der Unterstützung von Unternehmen zu,
die Rüstungsgüter herstellen. Mein Argument für diese Wahl war
bewusst sarkastisch formuliert. Mehr Waffen bedeuten natürlich
mehr Sicherheit und die Verteidigung von Frieden und Freiheit, so
wie es uns unablässig vermittelt wird, während Krieg letztlich
ein schmutziges Geschäft für wenige bleibt und die Milliarden
dieser Industrie gezielt in die Taschen einiger weniger Akteure
fließen. Noch Ende Januar schwor Merz heldenhaft auf „unsere
Verteidigungsfähigkeit“, ein heroisches Bekenntnis, das ich bei
meiner Auswahl selbstverständlich nicht unberücksichtigt lassen
konnte. Er postete:
„Unsere Verteidigungsfähigkeit ist keine Aufgabe, die wir in
die Zukunft verschieben können. Mit dem
Beschaffungsbeschleunigungsgesetz sorgen wir dafür, dass unsere
Soldatinnen und Soldaten das bekommen, was sie brauchen. Wir nehmen
unsere Sicherheit selbst in die Hand.“ Merz | 𝕏 (2)

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