Epstein-Files: Die Büchse der Pandora ist geöffnet | Von Paul Clemente

Epstein-Files: Die Büchse der Pandora ist geöffnet | Von Paul Clemente

8 Minuten

Beschreibung

vor 3 Wochen

Ein Kommentar von Paul Clemente.


Das hatte man sich anders vorgestellt. Noch vor wenigen Wochen
hofften US-Demokraten, dass eine Publikation der Epstein-Akten
das Ende der Trump-Regierung einleiten würde. Dass dieses Leaking
zum politischen Super-GAU ausarten würde: Unvorstellbar. Und dann
geschah es. Vor knapp zwei Wochen öffneten das Department of
Justice und die CIA die Büchse der Pandora: 300 Gigabyte an
Dokumenten, Videos und Fotos wurden freigeschaltet. 


Der Inhalt versetzte den Mainstream in Schock-Starre. Die hielt
eine ganze Woche. Die Files enthielten nämlich nicht bloß Namen
von US-Politikern und britischen Aristokraten. Nein, zahllose
Promis aus aller Welt – aus Politik, Kultur, Wissenschaft und
Entertainment – sind hier gelistet. Auf drei Millionen Seiten.
Und das ist bloß die Hälfte. Laut dem demokratischen Abgeordneten
Ro Khanna hat das Department of Justice weitere drei Millionen
Dokumente gebunkert. Da gibt’s noch eine Menge zu enthüllen.


Die ersten Reaktionen? Schock und Desillusionierung. Sogar der
Investigativ-Journalist Boris Reitschuster schrieb:
„Meine ausländischen Freunde überhäufen mich mit Nachrichten in
Sachen Epstein, sind völlig entsetzt, einige sagen, ihr Weltbild
sei zusammengebrochen.“

Ja, was haben die denn erwartet? Dass Menschen, die Macht
besitzen, diese nicht missbrauchen? Wann gab es das jemals? 


Die Konfusion ging so weit, dass die linksgrüne Taz und Springers
Welt sogar eine Rehabilitierung der QAnon-Anhänger erwogen. Unter
der ironischen Schlagzeile „Mr. Epstein und die Guten, Wahren und
Schönen“ fragt die Welt:


Könnte es sein, dass die Irren, die an die
QAnon-Verschwörungsreligion glaubten,


„von Anfang an einfach recht hatten?“ Denn es „gab tatsächlich
ein weltweites Netzwerk von Wirtschaftsmagnaten, Prinzen,
Prinzessinnen, Politikern; ein gewisser Jeffrey Epstein hatte es
geknüpft. Dabei ging es zwar nicht um Kinderblut, aber es ging um
minderjährige Mädchen.“


Der letzte Satz stimmt leider nicht. In dem Taz-Artikel „Akten
des Grauens“ heißt es:
„Tatsächlich beinhalten die neusten Veröffentlichungen unter
anderem bizarr wirkende Aussagen aus einem angeblichen
FBI-Interview mit einem mutmaßlichen Opfer, in denen es um
,zerstückelte Babys’ und ,rituelle Opfer’ auf einer Jacht Epsteins
im Jahr 2000 geht.“

Sogar Ex-Präsident George Bush Senior soll daran beteiligt
gewesen sein. Natürlich beeilt sich die Taz, ihre Leserschaft zu
beruhigen: Diese Aussagen deckten sich bislang nicht mit anderen
Hinweisen... 


Zugegeben: Baby-Kannibalismus ist schon sehr extrem. Anderseits:
Gibt es für Upper Class-Mitglieder bessere Machtdemonstrationen
als das Überschreiten sämtlicher Grenzen? Man tut das
Scheußlichste, begeht den maximalen Tabubruch, weil man es sich
leisten kann. Man erinnere sich an die Romane des radikalsten
Aufklärers, des Marquis de Sade: Selber Sprössling der
französischen Upper Class, schilderte er in dem Roman „Die 120
Tage von Sodom“ den Machtrausch von vier Würdenträgern des
Absolutismus: Sie vergewaltigen und morden Minderjährige, sogar
die eigenen Töchter. Ein neueres Beispiel liefert Chinas
Star-Autor Mo Yang. In seinem Roman „Die Schnapsstadt“
recherchiert ein Kommissar, ob neureiche Parteikader tatsächlich
Kinder kochen und verspeisen. Auch hier steht das Verspeisen von
Kinderfleisch als Symbol absoluter Macht.


...https://apolut.net/epstein-files-die-buchse-der-pandora-ist-geoffnet-von-paul-clemente/


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