Gebrauchte Elektroautos: Warum ticken die Käufer anders?

Gebrauchte Elektroautos: Warum ticken die Käufer anders?

Dr. Axel Sprenger über die große EV-Gebrauchtwagenstudie von UScale
27 Minuten
Podcast
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Die Elektromobilität wächst – und wir schauen hinter die Kulissen, beleuchten Trends und Kontroversen.

Beschreibung

vor 1 Monat

Gebrauchte Elektroautos bleiben bei der neuen Bundesförderung
außen vor. Überhaupt kommt der Markt langsamer in Schwung als
vielfach erwartet. Doch woran liegt das wirklich? In dieser
Ausgabe von eMobility Insights spricht Chefredakteur Peter
Schwierz mit Dr. Axel Sprenger, Geschäftsführer
von UScale, über die Ergebnisse der großen
EV-Gebrauchtwagenstudie. Es ist die vielleicht detaillierteste
Untersuchung zum Kaufverhalten von gebrauchten E-Autos überhaupt.
Ein zentrales Ergebnis: Gebrauchtwagenkäufer ticken deutlich
anders als Neuwagenkäufer!

Der wichtigste Unterschied: Während sich Neuwagenkunden häufig
für Mittel- und Oberklassemodelle interessieren, suchen
Gebrauchtkäufer vor allem Klein- und Kompaktwagen. Genau diese
Segmente sind jedoch bislang kaum in relevanten Stückzahlen als
gebrauchte E-Autos verfügbar. „Wenn die Fahrzeuge, die gesucht
werden, schlicht noch nicht da sind, hilft auch keine Förderung“,
bringt Sprenger das Kernproblem auf den Punkt.


Hinzu kommt eine neue Käufergruppe mit deutlich geringerem
Vorwissen zur Elektromobilität. Viele Gebrauchtwagenkäufer
entscheiden sich spontan – und treffen dabei oft auf Verkäufer,
die selbst noch nicht ausreichend geschult sind. „Da haben wir
eine ungünstige Melange aus wenig informierten Kunden und nicht
ausreichend vorbereiteten Verkäufern“, so Sprenger.


Bei den Kaufmotiven ähneln sich Neu- und Gebrauchtkäufer
zunächst: Technologieinteresse, geringere Betriebskosten und
Fahrkomfort spielen eine Rolle. Bei Gebrauchten rückt jedoch der
Preis klar in den Vordergrund. Variable Kosten wie für Ladestrom
oder Wartung werden in der konkreten Kaufentscheidung deutlich
weniger berücksichtigt. Gleichzeitig sehen viele Käufer eine
Besonderheit von Elektroautos als Vorteil: „Der große Wertverlust
ist beim Gebrauchten schon weg.“


Zu den größten Hemmnissen zählen weniger die Reichweite als
vielmehr die Ladeleistung älterer Modelle. Den Kunden sei
bewusst, dass die Reichweiten gebrauchter Elektroautos nicht so
groß sind wie bei Neuwagen mit der aktuellsten Batterietechnik.
Daraus folgt eine Ableitung: „Wenn ich häufiger laden muss, wird
entscheidend, wie lange das dauert.“ Weitere Unsicherheiten
betreffen Batteriealterung, Reparaturfähigkeit, Garantien und die
langfristige Ersatzteilversorgung – insbesondere bei
Elektroautos, die nur kurz auf dem Markt waren.


Ein weiterer entscheidender Unterschied zeigt sich auch beim
Laden: Gebrauchtwagenkäufer wohnen häufiger in Städten und können
deutlich seltener zu Hause oder am Arbeitsplatz laden. Sie sind
stärker auf öffentliche Infrastruktur angewiesen – und genau dort
sieht Axel Sprenger den größten Handlungsbedarf. „Das Sorgenkind
sind die Städte. Besser als Autos zu fördern, sollte die Politik
die Rahmenbedingungen für Ladeinfrastruktur verbessern.“


Förderprogramme für gebrauchte E-Autos bewertet Sprenger daher
skeptisch: Sie könnten zwar helfen, seien aber nicht der
entscheidende Hebel. Wichtiger seien passende Fahrzeuge, mehr
Transparenz zu Batteriezustand und -haltbarkeit, gezielte
Schulungen im Handel und Vertrauen durch belastbare Daten. Dass
die Bundesregierung also beim neuen Förderprogramm die
Gebrauchten ignoriert, ist verkraftbar.


Axel Sprenger findet: Der Hochlauf des
Elektro-Gebrauchtwagenmarkts braucht Geduld – aber auch konkretes
Handeln. „Es gibt viel mehr zu tun, als einfach nur zu warten.“
Schulungen für Händler sowie Aufklärung und Transparenz für die
Kunden zum Beispiel.

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