Folge 140: Gesänge über Chlor - und seinen Geruch

Folge 140: Gesänge über Chlor - und seinen Geruch

39 Minuten

Beschreibung

vor 1 Woche

Heute wollen wir unserem Namen mal alle Ehre machen und über
Chlor reden. Nein, keine Angst, das wird keine Chemiestunde. Aber
die meisten von uns machen sich vermutlich wenig Gedanken
darüber, was eigentlich alles dazu gehört, damit das Wasser im
Schwimmbecken klar, sauber und hygienisch einwandfrei bleibt und
wir bedenkenlos reinspringen können. Was alles so dazu gehört,
das war auch uns nicht wirklich klar und nötigt uns großen
Respekt ab!


Unser Gesprächspartner ist der Sachverständige für
Wasseraufbereitung Dirk Dygutsch, der neben vielen anderen
Tätigkeiten auch in der Schwimm- und Badebeckenwasserkommission
des Bundesgesundheitsministeriums sitzt. Mit anderen Worten: Ein
echter Auskenner. Der zudem noch - obwohl er in Chemie einen
Doktor hat oder vielleicht auch gerade deswegen - sehr
anschaulich erklären kann.


Eins stellt er gleich am Anfang klar: Es reicht nicht, eine
Handvoll Chlor ins Wasser zu schmeißen und dann ist alles prima.
Vielmehr gehören sehr viele komplizierte Abläufe im Hintergrund
dazu, damit wir uns im Schwimmbad weder vor Infektionen noch vor
Verätzungen fürchten müssen und auch nicht ständig irgendwelche
Dinge um uns herumschwinmen, die da nicht reingehören.


Mindestens ebensso wie wichtig wie Chlor sind sehr gute Filter
und weitere Desinfektionsmittel. Dreimal täglich muss
kontrolliert werden, ob das Mischungsverhältnis auch wirklich
stimmt. Das Wasser im Schwimmbecken ist Trinkwasser, für jeden
Badegast müssen rund 30 Liter nachgefüllt werden, also ein
ständiger Kreislauf. Zudem werden die Beckenböden mindestens
zweimal die Woche gereinigt, die Beckenwände alle 14 Tage und die
Überlaufrinne einmal wöchentlich. Und auch das Gesundheitsamt
schaut regelmäßig vorbei.


Im Gespräch geht es natürlich auch darum, wie schlimm es denn
eigentlich ist, wenn man ins Becken pinkelt. Der bekannte
amerikanische Schwimmer Michael Phelps hat dazu mal gesagt: „Ich
denke, jeder pinkelt in den Pool. Wenn man zwei Stunden im Wasser
ist, geht man nicht raus, um Pipi zu machen.“ Er empfände das
aber auch nicht als problematisch, das Chlor im Becken käme damit
schon klar. So ganz stimmt das allerdings nicht, sagt Dirk
Dygutsch. Wenn jeder statt der Toilette das Becken benutze, gäbe
es sehr wohl ein Problem.


Mit geringen Mengen, die Menschen womöglich „aus Versehen“
verlieren, käme das Chlor aber schon klar. Der typische
Chlorgeruch in Schwimmbädern - den wir beide sehr lieben - kommt
allerdings nicht vom Chlor, das riecht kaum. Vielmehr entstehe er
durch flüchtige Gase, die frei werden, wenn Chlor den Harnstoff
abbaut. Es ist also tatsächlich was dran - je mehr es nach Chlor
riecht, desto mehr … Eine andere Story kann Dygutsch aber klar
entkräften: Es ist nicht möglich, dass sich Urin verfärbt, wenn
er dann doch mal ins Beckenwasser fließt. Also keine Sorge.


Mindestens genauso wichtig, um das Badewasser sauber zu halten,
ist das Duschen vorab. Denn das größte Risiko, Schadstoffe ins
Wasser zu tragen, sind wir selbst. Vorher ordentlich einseifen
und gründlich abduschen, rät Dygutsch, das wäre die allerbeste
Hygiene. Wir schauen uns an und müssen ein bisschen lachen. In
Hallenbädern wird das sicher von vielen gemacht. Im Freibad haben
wir noch nie jemanden vor dem Schwimmen mit Seife unter der
Dusche stehen sehen …






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