«Generation gottlos»: Wenn Etiketten am Leben scheitern

«Generation gottlos»: Wenn Etiketten am Leben scheitern

1 Stunde 3 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat
Zuerst: der Jahresbeginn wurde in der Schweiz von einer schlimmen
Tragödie überschattet: 40 Menschen sind in Crans-Montana beim Brand
einer Bar ums Leben gekommen, über 100 weitere sind schwer
verletzt. Manuel und Stephan verzichten auf die üblichen
Einstiegskategorien «Hallelujah der Woche» und «Stossgebet der
Woche» und gedenken der Opfer dieser Katastrophe. Zum Thema dieser
Woche: Ist die junge Generation wirklich gottlos – oder schauen wir
einfach durch die falsche Brille? In dieser Folge fragen Manuel und
Stephan, was Generationenlabels leisten, wo sie schaden – und warum
Glauben sich selten an Zielgruppenstrategien hält. «Generation
Golf», «Generation Maybe», «Generation Beziehungsunfähig»:
Unzählige Generationenbezeichnungen machen die Runde, entsprechende
Bücher: Bestseller – versuchen, Alterskohorten zu beschreiben,
unter gemeinsamen Eigenschaften zusammenzufassen. Und Kirchen
greifen diese Begriffe gerne auf und fragen sich: Wie erreichen wir
diese Menschen? Was müssen wir tun, wie die Botschaft verpacken,
welche Sprache sprechen und welche Jeans tragen, um bei dieser
Generation zu landen? Stephan hat sich letzte Woche über einen
NZZ-Beitrag aufgeregt, der die Generation «Alpha» als
«lebensunfähig» schlechtredete – und dabei zeigte, wo die
Grenzen und Gefahren solcher Beschreibungen liegt: man schert ganze
Jahrgangsgruppen über einen Kamm… und lässt dabei meist
sozioökonomische Hintergründe, Milieuzugehörigkeiten,
Klassenunterschiede ausser Acht. Den einzelnen Menschen wird das
nicht gerecht. Denn es doch klar: Diese Generationen gibt es ja gar
nicht (und auch nicht die verschiedenen «Milieus»): das sind alles
Abstraktbegrife, die versuchen, die grossen Linien zu sehen. Die
aber gerade dann gefährlich werden, wenn sie die persönliche
Auseinandersetzung mit einzelnen Menschen zu ersetzen drohen. Wenn
sie zu einer Brille werden, mit der man eine «Generation»
wahrnimmt, um dann die «Kommunikation des Evangeliums» darauf
auszurichten: Die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei zu Kopfgeburten
kommt, zu Versuchen, die zu Scheitern verurteilt sind, ist gross.
Aber was stattdessen tun? Manuel und Stephan diskutieren über
gelungene und misslungene Versuche, die christliche Botschaft zu
kontextualisieren, über ein Evangelium, dass sich in verschiedenen
Lebenswelten inkarniert – und über Kirchen, die oft verpassen,
Formen des Glaubens und der Nachfolge Jesu überhaupt zu sehen, wenn
sie nicht den eigenen institutionellen Erwartungen entsprechen…
Eine Folge über die Grenzen von Etiketten, die Sehnsucht nach
Verstehen – und die Einsicht, dass Glauben meist dort entsteht, wo
niemand ihn geplant hat.

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