Anja: Ich möchte wieder am Leben teilhaben
1 Stunde 8 Minuten
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Beschreibung
vor 1 Monat
Das Interview wurde erstmalig am 05. 03. 2024 veröffentlicht. Es
kann mit Video angesehen werden auf:
https://geimpft-geschaedigt-geleugnet.de/anja/ich-moechte-wieder-am-leben-teilhaben/
Das Interview mit Anja, das im August 2023 aufgenommen wurde,
macht Mut. Mut, weil eine Frau zu sehen ist, die im Juli 2023
noch überlegt hatte, einen Pflegegrad zu beantragen und das Haus
ohne Rollator und Begleitung nicht verlassen konnte, und die nun
aufgrund der stationären Behandlung in einer therapeutischen
Einrichtung in der Lage war, ohne Hilfsmittel vom Auto zum
Drehort zu gehen, und sich dort über eine Stunde lang zu
unterhalten.
Anjas Leidensweg begann sieben Tage nach der 2. Impfung im Januar
2021. Als Klinikmitarbeiterin mit täglichem Patientenkontakt
gehörte sie zur sogenannten priorisierten Gruppe. Und so ließ sie
sich, trotz eines schlechten Bauchgefühls, an zwei Tagen im
Januar 2021 im Abstand von 3 Wochen mit dem Impfstoff der Firma
BioNTech/Pfizer impfen. „Es war ganz normal, dass das ganze
Krankenhaus sich da impfen lässt“, schildert sie. So hat sie
aufkommende Bedenken angesichts des Szenarios eines
Betriebsausfluges verdrängt.
Hat sie die erste Impfung noch gut vertragen, sie litt lediglich
einige Tage unter starken Kopfschmerzen, bemerkte sie 2-3 Tage
nach der zweiten Spritze, dass „irgendwas mit mir nicht
stimmt, irgendwas ist komisch.“ Die Symptome verstärkten
sich, sie hatte Krämpfe in den Händen und Füßen, konnte nicht
mehr richtig gehen. So suchte sie eine Woche der der zweiten
Injektion einen Neurologen im Krankenhaus auf. „Ich weiß
nicht, was das ist.“ Die neurologische Untersuchung ergab
jedoch keinen krankhaften Befund. Sie solle mehr Magnesium
nehmen, so die Empfehlung. Doch immer mehr Symptome wie
Schwindel, unsicherer Gang „wie betrunken“, Schwierigkeiten bei
der Auge-Hand-Koordination, Sehstörungen kamen hinzu, so dass sie
im März unter Tränen eingestehen musste: „Ich kann nicht
mehr“. In der Hoffnung, nach einer Auszeit im Juni wieder
arbeiten zu können, nahm sie im April Überstunden und im Mai
Urlaub. Doch weit gefehlt. Anjas Zustand verschlechterte sich
zusehends, selbst den Urlaub konnte sie nur sitzend mit
Sonnenbrille verbringen, Autofahren war nurmehr liegend und
nachts möglich. Ständige brennende Schmerzen, Kraft- und
Energielosigkeit, Schluckstörungen, Gedächtnis- und
Wortfindungsstörungen kamen hinzu und wurden, zusammen mit den
anderen Symptomen, ihre ständigen Begleiter. Versuchte sie
zunächst noch, ihrer beruflichen Tätigkeit im Home Office bei
freier Zeiteinteilung nachzugehen, musste sie sich irgendwann
eingestehen, dass selbst dies nicht mehr möglich war.
Im Jahr 2021 folgten mindestens fünfzig Arztbesuche bei Ärzten
verschiedenster Fachrichtungen, immer in der Hoffnung, zum
Jahresende 2021 wieder arbeitsfähig zu sein. Interessanterweise
formulierte ein Rheumatologe schon im Jahre 2021 die
Diagnose „Long-Covid-ähnliche Symptome nach Impfung“. Auch
eine Neurologin stellte im Gespräch mündlich einen Zusammenhang
mit der Impfung her, da sie „schon öfters
gehört“ habe, „dass neurologische Probleme auftreten
nach der Impfung. Aber das würde wieder weggehen. [..] Man geht
davon aus“. Leider wurde dieser postulierte Zusammenhang in
der schriftlichen Diagnose nicht formuliert. Hier beschränkte
sich die Medizinerin lediglich auf „Muskelkrämpfe“. Für Anja ein
Schlag ins Gesicht.
Da Arztbesuche und das Verlassen des Hauses nurmehr mit Hilfe
ihres Mannes möglich waren, beendete ihr Mann zum 1.1.2022 seine
berufliche Tätigkeit, um sich ausschließlich Anjas Pflege widmen
zu können. „Ohne meinen Mann wäre ich
untergegangen“. Auch wenn sie diesen Liebesbeweis als großes
Geschenk werten kann, ist es dennoch eine große Belastung für
sie, dass ihr Mann „alles alleine machen“ müsse.
„Wenn du niemand hast, du bist aufgeschmissen, du kommst nicht
zum Arzt, du kommst nicht zum Einkaufen, was machst du? Und es
wird nicht anerkannt als Pflegegrad, es wird nicht anerkannt als
Schwerbehinderung, es gibt auch keine Unterstützung.“
Enttäuscht von den Ärzten bestimmte Anja ihre Behandlung
zunehmend selbst, da sie die schmerzhafte Erfahrung machen
musste, von den Medizinern nicht ernst genommen zu werden, ihr
keine richtige Diagnose gestellt und, außer dem Wirkstoff
Alphaliponsäure, auch kein hilfreiches Medikament empfohlen und
zudem jeder Zusammenhang zur Impfung abgewehrt wurde. „Das
tut weh“. Denn für Anja liegt es auf der Hand, dass die Impfung
die Ursache für ihre Erkrankung gewesen sein musste, „[…] weil es
so plötzlich mich so ausgebremst hat von 180 auf 0 […] Das kann
keine andere Erkrankung. […] Jedes Medikament, jedes
Nahrungsergänzungsmittel hat Nebenwirkungen. Und warum soll diese
Spritze jetzt keine haben?“
So begann sie nach intensiver Internetrecherche mit der Einnahme
vieler verschiedener Nahrungsergänzungsmittel, deren Wirkung und
Sinnhaftigkeit sie selbst eruiert, und die sie sich auch selbst
besorgt und finanziert hatte. Das Behandlungsschema der
therapeutischen Einrichtung, in der sie sich zum Zeitpunkt des
Interviews befand, und in der sie deutliche Besserung ihres
Zustandes erfahren durfte, gibt ihr recht: Auch hier wird,
allerdings per Infusion, mit hochdosierten Vitaminen,
Mineralstoffen, Aminosäuren gearbeitet. Zudem wurde von den
Ärzten der Einrichtung die Diagnose ME/CFS gestellt, eine
neuroimmunologische Erkrankung, unter der die meisten
Impfgeschädigten leiden.
Anja gibt trotz dieser Diagnose nicht auf. Sie will BioNTech
verklagen, denn „die haben mir mein Leben
geraubt.“ Zudem ist sie aktiv in mehreren
Selbsthilfegruppen. Dort organisieren sich „sehr viele Menschen“,
die meisten ebenfalls an den ihr so gut bekannten Symptomen wie
Müdigkeit, Erschöpfung und neurologischen Problemen leidend.
Gemeinsam mit diesen ist sie auch politisch aktiv geworden, hat
ihre Landtagsabgeordneten angeschrieben, um Hilfe zu bekommen.
„Wir brauchen Hilfe, dass es überhaupt anerkannt wird, dass es
bekannt wird, dass es Leute gibt, die […] Impfschäden haben und
wirklich schwer betroffen sind.“
Bisher werden Post-Vac-Geschädigte als Long-Covid-Kranke
gelabelt. Auch die Long-Covid-Ambulanz, bei der sich beworben
hatte, gibt PostVac-Patienten eigentlich keinen Termin.
„Die sagen nein, sie machen nur Long-Covid. Und ich hab ja kein
Corona gehabt, als kann ich nicht in die Long-Covid-Ambulanz. […]
Ich hab mit denen so lange diskutiert, bis ich einen Termin
gekriegt hab. […] Die haben nur psychologische Tests gemacht.“
Und so wurde auch ihr eine sogenannte F-Diagnose gestellt, was
sie „ganz wild“ gemacht habe. „Für F-Diagnosen kriegen die
Ärzte mehr Geld“, berichtet sie ernüchtert. Viele Betroffene aus
ihrer und anderen Selbsthilfegruppen hätten eine psychiatrische
Diagnose akzeptiert, um Leistungen wie Schwerbehinderung, Rente
oder einen Pflegegrad zu erhalten.
„Aber das will ich nicht. […] Das ist nicht mein Weg. Das ist
nicht gerecht. […]. Es geht darum, dass diese Erkrankung
anerkannt werden muss.“
Bitter beklagt sie, dass man bei „Post-Vac gar nichts
kriegen“ würde, dass sie und ihre
Leidensgenossen „unsichtbar“ bleiben würden.
„Es ist nicht in Ordnung, [..] dass man da nicht offen drüber
sprechen darf, dass die Ärzte nicht drüber sprechen dürfen, dass
man keine Diagnose kriegen darf, dass ich als Patient komisch
angeguckt werde. [..] Es müssten sehr viele Leute sich
entschuldigen.“
Entschädigung sei notwendig, so ihre deutliche Forderung. Anja
ist froh und dankbar, dass sie durch die interdisziplinäre
Behandlung in der therapeutischen Einrichtung die Erfahrung
machen darf, dass ihre quälenden Symptome mit den richtigen
Behandlungsschritten rückläufig sind und ist fest entschlossen,
diese Therapie zu Hause fortzuführen.
„Den Zustand, so wie es jetzt ist, [..] möcht ich gern behalten.
[..] Ich möchte wieder am Leben teilhaben.“
Leider hat sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Interviews
im März 2024 Anjas Zustand wieder deutlich verschlechtert, da es
ihr nicht möglich war, die eingeleitete Infusionstherapie zu
Hause ambulant in dem Maße fortzuführen, wie es für ihre weitere
Genesung notwendig gewesen wäre. Dennoch betont sie, dass es für
sie eine hoffnungsspendende und mutmachende Erfahrung war, zu
erleben, dass ihr Körper trotz der schweren Schädigung, die er
erlitten hat, regenerieren kann, wenn ihm nur die richtigen
Baustoffe und Heilungsimpulse zur Verfügung gestellt werden. Wir
wünschen ihr und allen Betroffenen, dass zeitnah die hilfreichen
Behandlungsschemata, Infusionen und Nahrungsergänzungsmittel
flächendeckend angeboten und von den Kassen finanziert werden.
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