Das ewige Kindsein: Warum die Boomer-Generation den Platz nicht räumt
Sich über Boomer oder alte weiße Männer lustig zu machen, ist
eigentlich ein alter Hut – fast so alt wie die Zielgruppe selbst.
Das Thema ist im Grunde genommen „durch“, und das sage ich nicht
nur, weil ich selbst langsam in die Riege der älteren Herren
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14 Minuten
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Ein Late Night Comedy Podcast. Gesellschaft, Politik, Klima, Alltag satirisch betrachtet, mit viel schwarzem Humor.
Je dunkler die Nacht, umso dunkler der Humor.
Beschreibung
vor 1 Monat
Sich über Boomer oder alte weiße Männer lustig zu machen, ist
eigentlich ein alter Hut – fast so alt wie die Zielgruppe selbst.
Das Thema ist im Grunde genommen „durch“, und das sage ich nicht
nur, weil ich selbst langsam in die Riege der älteren Herren
aufsteige. Wer mich kennt, weiß, dass ich auf YouTube bereits
genug Material dazu geliefert habe. Doch in dieser Folge der „Zu
Spät Show“ geht es nicht um bloßen Spott. Wir müssen über ein
tieferliegendes Problem sprechen: Unsere Gesellschaft wird zu
alt. Dass wir Krankheiten heilen und länger gesund bleiben, ist
für das Individuum fantastisch, aber für das gesellschaftliche
Gefüge gravierend. Wenn die Menschen immer älter werden, rückt
die nächste Generation niemals nach. Wir haben heute 50- oder
60-Jährige, die faktisch immer noch das „Kind von jemandem“ sind,
weil die Eltern ihre Posten und ihre Verantwortung nicht
aufgeben.
Wenn Erben zur einzigen Karriereoption wird
Das Resultat dieser Entwicklung ist eine bizarre Verzögerung der
Reife. Wer erst mit 60 wirklich Verantwortung übernehmen kann,
weil die Eltern erst dann das Zeitliche segnen, ist zu diesem
Zeitpunkt oft schon selbst auf dem Sprung in die Pension. Wir
haben eine Generation von „alten Weisen“, die nie die Chance
hatten, aktiv und gestaltend am gesellschaftlichen Leben
teilzunehmen, bevor sie selbst zum Kostenpunkt im Budget wurden.
Sie übernehmen die Verantwortung über das Erbe oder politische
Rollen zu einem Zeitpunkt, an dem sie eigentlich schon den
Leichenschmaus planen sollten. Diese Überzeichnung hat einen
wahren Kern: Die Posten bleiben besetzt, die Jungen können nicht
nachrücken, und die Gesellschaft erstarrt in einer Warteposition
auf das Unvermeidliche.
Das demokratische Dilemma der grauen Mehrheit
Dazu kommt ein massives demokratisches Problem. Da die ältere
Generation zahlenmäßig überlegen ist, besitzt sie ein politisches
Gewicht, das jede Veränderung im Keim ersticken kann. In einer
Demokratie, in der die Stimmstärksten bestimmen, wird niemals
gegen die Interessen der Alten entschieden. Die Konsequenzen
dieses Stillstands müssen jedoch die wenigen Jungen ausbaden, die
es noch gibt. Satirisch könnte man jetzt fordern, mit 75 den
Stecker zu ziehen – ein Gedanke, der uns zwar Milliarden sparen
würde, aber leider an diesen lästigen Menschenrechten scheitert.
Auch die Idee, alle über 75 auf eine warme Insel auszulagern –
eine Art „Australien für Senioren“ –, wird bereits von vielen
freiwillig in Thailand oder auf Gran Canaria praktiziert. Doch
solange die Briefwahl existiert, regieren sie aus dem Liegestuhl
heraus munter weiter in die Zukunft derer hinein, die noch
Jahrzehnte vor sich haben.
Wahlrecht mit Ablaufdatum: Ein Ausweg aus der Sackgasse?
Vielleicht ist die Lösung nicht das Ende des Lebens, sondern das
Ende des Stimmrechts. Wenn wir sagen, dass man erst ab 16 oder 18
reif genug zum Wählen ist, warum sagen wir nicht auch, dass ab 75
Schluss ist? Wenn der Mensch sich biologisch gesehen wieder zum
Kind entwickelt, die Orientierung verliert und nur noch
Breinahrung zu sich nimmt, warum sollte er dann über die
Klimapolitik des nächsten Jahrhunderts entscheiden? Es ist
unwahrscheinlich, dass die Jungen es besser machen würden – sie
würden vermutlich einen ganz anderen „Schaß“ wählen –, aber sie
wären wenigstens selbst schuld daran. Doch in einer Gesellschaft,
in der die Alten die Mehrheit stellen, wird sich niemand selbst
entmachten. So bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als auf den
biologischen Wechsel zu warten. Ein optimistischer Einstieg in
die Zukunft sieht anders aus, aber bis dahin heißt es wohl:
Abwarten, Tee trinken und hoffen, dass man die Verantwortung
nicht erst dann bekommt, wenn man sie selbst nicht mehr
buchstabieren kann.
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