Der hilflose Appell | Von Janine Beicht

Der hilflose Appell | Von Janine Beicht

12 Minuten

Beschreibung

vor 1 Tag

Der hilflose Appell eines Kanzlers in der
wirtschaftlichen Sackgasse 


Ein Kommentar von Janine Beicht. 


Bundeskanzler Friedrich Merz hat zu Beginn des Jahres 2026 einen
vierseitigen Brief an die Abgeordneten der Koalition aus Union
und SPD gerichtet, in dem er die wirtschaftliche Lage als
teilweise sehr kritisch (1) beschreibt und Reformen einfordert.
Dieser Schritt offenbart jedoch weniger eine entschlossene
Führung als vielmehr die Ratlosigkeit einer Regierung, die an
ihren eigenen ideologischen Fesseln scheitert und weiterhin auf
einem Kurs beharrt, der Deutschland seit Jahren in den Abgrund
treibt. 


Die bittere Bilanz einer stagnierenden
Volkswirtschaft


Deutschland befindet sich seit Jahren in einer tiefgreifenden
Krise, die weit über konjunkturelle Schwankungen hinausgeht. Das
Bruttoinlandprodukt wuchs 2025 lediglich um magere 0,2 Prozent,
wie der Internationale Währungsfonds schätzte (2), und bleibt
damit auf dem Niveau von 2019 stecken, während andere Länder wie
die USA und China längst wieder kräftig zulegen. Die Industrie,
einst Rückgrat des deutschen Erfolgs, schrumpft seit vier Jahren
in Folge, während sie in anderen europäischen Staaten wächst.


Exporte brechen ein, besonders im Schlüsselmarkt China, wo sie um
mehr als zwölf Prozent sanken, und in den USA um fast acht
Prozent. China, einst größter Abnehmer deutscher Güter, ist nun
nur noch auf Platz sechs abgerutscht, weil die Volksrepublik
immer mehr selbst produziert, was früher aus Deutschland kam. (3)
Die Top-100-Unternehmen verzeichneten zwar einen leichten
Umsatzanstieg auf 1,55 Billionen Euro, doch ihre Gewinne vor
Steuern und Zinsen brachen um 15 Prozent auf 102 Milliarden Euro
ein. Besonders brutal traf es die Autobauer mit einem
Gewinneinbruch von 46 Prozent und die Chemiekonzerne mit minus 71
Prozent. Seit 2023 verschwanden bei diesen Konzernen rund 100.000
Stellen, allein 2025 weitere 17.500. (4)


Der Arbeitsmarkt wirkt starr. Die Quote liegt bei 6,1 Prozent,
doch wer einmal den Job verliert, findet kaum einen neuen, da die
Abgangsrate aus der Arbeitslosigkeit auf einen Tiefstand gesunken
ist. Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit,
beschreibt den Markt als „starr wie ein Brett“, betont, dass
keine Arbeitnehmergruppe vor Verlust geschützt sei. Unternehmen
wie Bosch und Audi strecken Abbaupläne über Jahre, decken sie
teilweise durch Pensionierungen ab, doch der Druck wächst. 22 von
46 Wirtschaftsverbänden rechnen 2026 mit weiterem Stellenabbau,
vor allem in Metall, Chemie, Stahl, Autoindustrie, Maschinenbau
und Handwerk (4).


Die erschreckenden Zahlen spiegeln nur einen Teil der Realität
wider. Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für
Weltwirtschaft, bringt das wirtschaftliche Desaster in einem
Interview mit der Frankfurter Allgemeinen auf den Punkt:
„Wir haben es aber bis heute nicht geschafft, eine Strategie
vorzulegen, wie wir das Geld sinnvoll ausgeben und gleichzeitig
mehr Sicherheit und europäische Unabhängigkeit, industrielle
Impulse und ein technologisches Upgrade hinbekommen. Wir machen im
Prinzip so weiter wie bisher, nur mit mehr Geld. Wenn sich nichts
ändert, werden wir bis zum Ende des Jahrzehnts im Blindflug eine
halbe Billion ausgeben und am Ende genauso abhängig sein von den
USA wie bisher. Das geht besser.“ Moritz Schularick | Frankfurter
Allgemeine (5)
https://apolut.net/der-hilflose-appell-von-janine-beicht/




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