Fachkräftemangel und Weiterbildung im Krankenhaus | Dr. Susanne Johna
1 Stunde 7 Minuten
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Beschreibung
vor 5 Tagen
Wie steht es um die Aus- und Weiterbildung in Krankenhäusern? Was
können wir gegen den Fachkräftemangel machen und lohnt sich
Berufspolitik überhaupt?
Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus
– Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Susanne
Johna, der Vorsitzenden des Marburger Bunds.
Dieser vertritt vorwiegend die Belange von angestellten
Ärzt:innen und somit auch einem Großteil der
Krankenhausärzt:innen.
Susanne Johna hat gerade bei einer Anhörung im Bundestag darüber
gesprochen, dass in manchen Fächern die Weiterbildungsstellen
verloren gehen. Ein weiteres Problem ist die Bürokratie:
Angestellte Ärzt:innen müssen sich immer wieder neu von der
Rentenversicherungspflicht befreien lassen, wenn sie den Job
wechseln – ein unnötiger Akt.
Als Hausärzt:in ist man immer sehr pragmatisch, sonst würde man
den Alltag nicht schaffen, fehlenden Pragmatismus kann Laura
deswegen gar nicht nachvollziehen.
Auch Bereitschaftsdienste und Arbeitszeiterfassung sind ein
großes Thema.
Mit den Unikliniken gibt es jetzt einen Tarifvertrag, dass
Arbeitszeiterfassung elektronisch sein muss, aber ein Teil der
Kliniken macht das nicht. Auch die Bundesregierung will
flexiblere Arbeitszeiten, da stellt sich aber die Frage: Was
bedeutet überhaupt flexibel?
Laura wird richtig wütend, wenn über steigende Behandlungsfehler
gesprochen wird, gleichzeitig werden auch die Arbeitsbedingungen
immer schlechter.
Susanne Johna sagt dazu einen starken Satz: Nicht die Menschen
sind das Risiko im System, sondern die Menschen sind der
Sicherheitsfaktor im System.
In der Folge mit Eli Inhester hat Laura herausgefunden, dass
viele Bereitschaftsdienste nur zu 60% bezahlt werden, wie
selbstverständlich wird aber durchgearbeitet.
Susanne erklärt, dass man das nicht akzeptieren muss. Allerdings
sind dann die Grenzen zum Schichtdienst fließend.
Die beiden diskutieren auch über die Krankenhaus-Reform, durch
die beispielsweise die spezialisierte Kinderheilkunde
verschwindet. Dies ist ein systematisches Problem.
Bei der Definition von Leistungsgruppen entsteht auch die Frage,
wie viel Personal man benötigt. Dieses Personal muss allerdings
auch ausgebildet werden.
In anderen Ländern gibt es explizite Weiterbildungsstellen. Denn
man kann Menschen in Ausbildung nicht als Vollzeitstellen rechnen
– schließlich müssen sie noch lernen.
Medizin ist unfassbar hierarchisch. Es kommen immer wieder Fälle
ans Licht zum Thema Machtmissbrauch und schlechte Führungskultur.
Auch Sexismus und Rassismus, sowie Homophobie sind hier Themen.
Schockierend ist, dass Dinge gesagt werden, von denen man gehofft
hat, dass sie nicht mal mehr gedacht werden.
Junge Kolleg:innen kehren so dem System den Rücken. Beide sind
aber überzeugt: Wir brauchen multikulturelle und junge Teams!
Ein weiteres Thema ist eine fehlende Gleichbehandlung bei den
Geschlechtern. Das Medizinstudium ist sehr weiblich, trotzdem
sind die meisten Chefärzte männlich.
Die beiden diskutieren auch über fehlende Kinderbetreuung. Das
Thema ist einfach nicht gut gelöst in Deutschland.
Selbst wenn wir jetzt mehr Studienplätze für Medizin haben, die
Menschen aber dann nicht im System halten können, hilft das auch
nicht.
Susanne ist als Berufspolitikerin sehr engagiert, sie erklärt,
dass man sich oft mit den kleinen Schritten anfreunden und
manchmal auch verstehen muss, dass man Schlimmeres verhindert
hätte.
Laura ist teilweise resigniert, denn die Vorschläge aus der
Ärzteschaft sind wissenschaftlich begründet – trotzdem passiert
nichts. Ein Beispiel ist der Paragraph 218.
Dr. Johna wünscht sich von der Bundesgesundheitsministerin Frau
Warken besonders eine Stärkung des Bereichs Prävention. Das wird
sich rechnen – nicht in einer Legislaturperiode – aber
langfristig.
Sparen...
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