Kein Frieden für die Ukraine | Von Tilo Gräser

Kein Frieden für die Ukraine | Von Tilo Gräser

18 Minuten

Beschreibung

vor 2 Monaten

Warum Selenskyj, Merz & Co. nicht vom Krieg lassen
können


Ein Kommentar von Tilo Gräser.


Manches deutet darauf hin, dass der neue Friedensplan von
US-Präsident Donald Trump zum Scheitern verurteilt
sein könnte. Die Trump-Administration macht
Berichten zufolge Druck auf die ukrainische Führung,
für den Frieden auf verlorenes Territorium zu verzichten. Das
lehnt der Kiewer Präsidentendarsteller Wolodymyr
Selenskyj weiter „kategorisch“ ab. Statt auf die US-Vorschläge
einzugehen, hat er demnach einen auf 20 Punkte reduzierten
„Friedensplan“ an Washington übermittelt. In diesem
seien die „offen Ukraine-feindlichen Positionen“ des US-Entwurfs
gestrichen worden.


Damit bestätigt Selenskyj, der derzeit in Europa bei seinen
Unterstützern um weitere Hilfen und Waffen bittet, dass er nicht
an einem baldigen Ende des Krieges interessiert ist. Russland
wird einen Plan, in dem seine Forderungen und Interessen – so die
nach Anerkennung der nun russischen Gebiete, Verzicht auf die
Nato-Mitgliedschaft der Ukraine und deren teilweise
Demilitarisierung sowie die Anerkennung der Rechte der
russischstämmigen Bevölkerung – nicht berücksichtigt sind, nicht
akzeptieren. Schon hat US-Präsident Trump erklärt,
er sei unzufrieden mit Selenskyj, weil dieser sich nicht richtig
mit dem Plan beschäftigt habe.


Der Kiewer Präsidentendarsteller hatte sich zuvor am Montag in
London mit seinen europäischen Unterstützern, dem britischen
Premierminister Keir Starmer, dem französischen Präsident
Emmanuel Macron und dem bundesdeutschen Kanzler Friedrich Merz
getroffen, bevor er zu EU und Nato weiterfuhr. In der britischen
Hauptstadt wurde ihm erneut alle Unterstützung zugesagt, die er
sich wünscht und die ihn glauben lässt, er könne auch ohne die
USA weiter gegen Russland kämpfen. Sie hätten Selenskyj „ihre
Solidarität mit der Ukraine sowohl gegenüber Russland als auch
gegenüber den USA bekräftigt“, meldete erfreut die
kriegsgrüne Onlinezeitung taz. „Das Schicksal der Ukraine ist das
Schicksal Europas“, hatte Merz auf der Plattform X
erklärt und hinzugefügt. „Dies könnte für uns
alle eine entscheidende Zeit sein.“


Dabei ist nach Ansicht zahlreicher Fachleute aus Militär und
Politik der Krieg in der Ukraine längst zugunsten Russlands
entschieden. Damit ist auch das Schicksal des Landes besiegelt,
dessen Führung einen Stellvertreterkrieg für den Westen gegen
Russland führt, den selbst Kriegstreiber Boris Johnson
eingestanden hat. Jede Verlängerung des Krieges
führt nur zu noch mehr Toten und Verletzten und zu noch mehr
territorialen Verlusten für Kiew. Das lässt seine Truppen für
etwas kämpfen und sterben, was die Ukraine ganz ohne Krieg hätte
behalten können – wenn sich Selenskyj und sein Vorgänger Petro
Poroschenko samt ihrer westlichen Unterstützer an die Minsker
Vereinbarungen gehalten hätten. Der ehemalige ungarische
Botschafter György Varga machte in einem Beitrag für
die NachDenkSeiten darauf aufmerksam:
„Die EU/NATO unterstützt heute die Ukraine bei der gewaltsamen
Rückeroberung von Gebieten, zu deren friedlicher
Wiedereingliederung die ukrainische Führung zwischen 2015 und 2022
trotz einstimmiger Resolution des UN-Sicherheitsrats nicht bereit
war. Die Minsker Vereinbarungen, die auch vom UN-Sicherheitsrat
bestätigt wurden, wurden von der Ukraine nicht umgesetzt, und die
separatistischen Gebiete in der Ostukraine wurden nicht friedlich
reintegriert.“

Es bleibt die Frage, warum europäische Politiker den Krieg
fortsetzen wollen, für den sie mitverantwortlich sind, anstatt
endlich konstruktive Friedensvorschläge für dessen baldiges Ende
vorzulegen. In ihren Reden behaupten sie, sie würden das
erreichen wollen, aber das Einzige was sie tun, ist den Krieg zu
verlängern und ein Ende zu verhindern.


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