Wie entsteht eine Borderline-Störung? Frühe Strukturen und Resonanz in der Entwicklung
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vor 5 Monaten
In dieser Episode widmen wir uns einer zentralen Frage: Wie
entsteht eigentlich eine Borderline-Störung? Während der Begriff
vielen geläufig ist, bleibt der Blick auf die
Entstehungsbedingungen oft oberflächlich. Hier setzen wir an und
geben Einblicke in die Konzepte und klinischen Erfahrungen der
Kinder- und Jugendpsychiatrie Walstedde.
Borderline wird in der psychoanalytischen Tradition auch als
„frühe strukturelle Störung“ beschrieben – eine
Erkrankung, die tief in die Persönlichkeit eingebaut ist und
ihren Ursprung in den ersten Lebensmonaten hat. Entscheidend ist
dabei der Hippocampus, eine Hirnregion, die für Affekt-, Impuls-
und Emotionsregulation verantwortlich ist und sich nach der
Geburt über etwa 20 bis 24 Monate weiterentwickelt. Diese Phase
gilt als sensibles Zeitfenster, in dem Resonanz, Bindung und
soziale Interaktion von größter Bedeutung sind.
Doch was bedeutet Resonanz? Ein Kind kommt als „physiologische
Frühgeburt“ zur Welt und ist vollständig auf Versorgung, Schutz
und emotionale Zuwendung angewiesen. Schreien, Lächeln oder
Blicke sind unspezifische Signale, die Erwachsene deuten,
übersetzen und emotional zurückspiegeln. Dieses ständige
Wechselspiel – Trösten, Halten, Reagieren, Einfühlen – macht es
dem Kind möglich, zu lernen: Was fühle ich? Wer bin ich? Wie kann
ich mich beruhigen?
Bleibt diese Resonanz in den ersten 24 Monaten aus, wird das
Zeitfenster verpasst. Die emotionale Selbstregulation entwickelt
sich nicht ausreichend, und der Mensch bleibt gleichsam im
„Nervenkostüm eines Säuglings“ gefangen, auch
wenn er körperlich und kognitiv heranwächst. Hier liegt der Kern
dessen, was später als Borderline-Störung beschrieben wird:
Instabilität, Schwierigkeiten mit Affekten und Beziehungen sowie
das Gefühl, im Innersten keine stabile Identität aufbauen zu
können.
Diese Episode erklärt nicht nur die biologischen und
entwicklungspsychologischen Hintergründe, sondern macht auch
verständlich, warum frühe Interaktionen so prägend sind – und
warum sie nicht einfach nachholbar sind.
Wir laden euch ein, mitzudenken, Fragen zu stellen und
Rückmeldungen zu geben. Denn wie immer gilt: Vor jedem „Erzähl
mal“ kommt ein „Ich hör mal“.
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