Erzähl Mal! – Der Podcast zum Thema Mental Health

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Episoden

Schulabsentismus verstehen: Ursachen, Folgen und der Weg zurück in die Schule
13.07.2026
12 Minuten
In dieser besonderen Folge von Erzähl mal bündeln wir unsere bisherigen Beiträge zum Thema Schulabsentismus in einem ausführlichen Supercut. Gemeinsam werfen wir einen Blick darauf, warum Kinder und Jugendliche über längere Zeit der Schule fernbleiben, welche psychischen, familiären und schulischen Faktoren dabei eine Rolle spielen und wie eine erfolgreiche Rückkehr gelingen kann.


Schulabsentismus bedeutet weit mehr als gelegentliches Fehlen. Betroffene verlieren zunehmend den Anschluss an Schule, Klasse und Alltag. Die Ursachen sind vielfältig: Konflikte in der Schule, Leistungsdruck, soziale Ängste, körperliche Erkrankungen oder psychische Belastungen wie Depressionen und Angststörungen. Häufig greifen mehrere Faktoren ineinander.


Ein zentrales Problem ist der entstehende Teufelskreis: Je länger die Schulabwesenheit dauert, desto größer werden Ängste und Unsicherheiten. Verpasster Unterricht, die Sorge vor Bewertungen und das Gefühl, den Anschluss verloren zu haben, erschweren die Rückkehr zusätzlich. Viele Betroffene unterschätzen dabei ihre eigenen Fähigkeiten und trauen sich den Wiedereinstieg kaum noch zu.


Die Folgen reichen weit über schulische Leistungen hinaus. Schulabsentismus kann soziale Isolation, fehlende Schulabschlüsse und langfristige Schwierigkeiten im Berufsleben nach sich ziehen. Gleichzeitig geraten Familien oft unter enormen Druck, während das betroffene Kind selbst unter einer ernsthaften Belastung leidet.


Deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik entscheidend. In der Klinik Walstedde werden mögliche Ursachen und Begleiterkrankungen umfassend betrachtet – von Angststörungen und Depressionen bis hin zu Entwicklungsstörungen oder familiären Belastungen. Daraus entsteht ein individueller Behandlungsplan, denn pauschale Lösungen gibt es nicht.


Im Mittelpunkt steht eine schrittweise Wiedereingliederung. Der Einstieg beginnt häufig nicht sofort mit vollständigem Unterricht, sondern über kleine Erfolgserlebnisse, kreative oder praktische Angebote und den behutsamen Aufbau von Belastbarkeit. Die Klinikschule unterstützt dabei, Lernstände realistisch einzuschätzen und verloren gegangenes Selbstvertrauen zurückzugewinnen.


Auch moderne Möglichkeiten wie der Avatar-Unterricht können den Übergang erleichtern: Betroffene nehmen zunächst digital am Unterricht ihrer Heimatschule teil, bevor die schrittweise Rückkehr in den Klassenverband erfolgt.


Entscheidend ist die Zusammenarbeit zwischen Familie, Schule, Klinikschule und therapeutischem Team. Denn Schulabsentismus lässt sich nicht allein überwinden. Ziel ist nicht, möglichst schnell wieder zu funktionieren, sondern Ängste abzubauen, Selbstvertrauen zu stärken und Schritt für Schritt den Weg zurück in den Schulalltag zu finden.


Diese Folge fasst die wichtigsten Erkenntnisse unserer bisherigen Reihe zusammen und zeigt: Auch nach längerer Schulabwesenheit ist eine Rückkehr möglich – mit Geduld, individueller Unterstützung und einem gemeinsamen Plan.


Habt ihr Fragen oder eigene Erfahrungen mit Schulabsentismus? Schreibt uns gerne in die Kommentare – denn: Vor jedem „Erzähl mal“ kommt ein „Ich hör mal“.
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Therapie bei narzisstischer Persönlichkeitsstörung: Klarheit, Konfrontation und Deutung
06.07.2026
8 Minuten
In dieser Folge der Narzissmus-Reihe geht es um die Frage: Wie lässt sich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung behandeln – und warum ist genau das oft so schwierig? Denn Therapie bedeutet immer auch, Hilfe anzunehmen, Schwäche einzugestehen und sich mit eigenen verletzlichen Anteilen zu beschäftigen. Für Menschen mit narzisstischer Problematik kann genau das wie ein Angriff auf das ohnehin fragile Selbst wirken.


Zunächst ergänzen wir einen wichtigen Punkt zur Entstehung: Vernachlässigung und Missbrauch können ebenfalls narzisstische Reaktionsweisen begünstigen. Wenn das Selbst früh massiv verletzt oder emotional angegriffen wurde, kann eine narzisstische Position wie ein Schutzschild entstehen: unantastbar werden, unverletzlich wirken, Kritik abwehren, bevor sie erneut zerstörerisch erlebt wird. Hinter der Oberfläche aus Grandiosität, Abwertung oder scheinbarer Stärke können also auch reale Erfahrungen von Schmerz, Ohnmacht und Beschämung liegen.


Gerade deshalb ist der therapeutische Zugang so anspruchsvoll. Der Begriff „Narzissmus“ ist gesellschaftlich stark negativ aufgeladen – oft fast ein Schimpfwort. Psychoedukation ist daher ein zentraler erster Schritt: Betroffene müssen verstehen können, dass es nicht um Abwertung geht, sondern um das Erkennen einer ernsthaften Erkrankung, die das Selbstwertgefühl, die Identität und Beziehungen stark beeinträchtigen kann.


Vorgestellt werden drei therapeutische Ansätze, die in der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen eine Rolle spielen: DBT (dialektisch-behaviorale Therapie), MBT (mentalisierungsbasierte Therapie) und besonders die übertragungsfokussierte Psychotherapie nach Otto Kernberg. Letztere steht in dieser Folge im Mittelpunkt, weil sie genau dort ansetzt, wo narzisstische Dynamiken sichtbar werden: in der Beziehung, im Kontakt, im unmittelbaren therapeutischen Geschehen.


Drei Schritte sind dabei besonders wichtig:


Klarifikation: Wenn Widersprüche, Unklarheiten oder Ausweichbewegungen entstehen, wird gemeinsam sortiert. Was wurde gesagt? Was ist gemeint? Was passiert gerade im Kontakt? Klarheit ist der erste Schritt, weil Unklarheit oft auch Schutz vor schmerzhafter Realität ist.


Wohlwollende Konfrontation: Konfrontation bedeutet hier nicht Angriff oder Bloßstellung, sondern eine Form von Wertschätzung. Nicht zu schweigen, nur damit es angenehm bleibt, sondern ehrlich zu benennen, was sichtbar wird – ohne Abwertung, ohne Beschämung, aber auch ohne Ausweichen.


Deutung: Im dritten Schritt werden aktuelle Muster mit früheren Erfahrungen verbunden: Was zeigt sich hier in der Therapie? Wo taucht das auch außerhalb auf? Welche Rolle spielen Kindheit, Verletzungen, Scham, Kritikempfindlichkeit und das Bedürfnis nach Pseudostabilität?


Die Folge macht deutlich: Narzissmus-Therapie ist möglich, aber sie braucht Spezialisierung, Geduld und ein gutes Verständnis der zugrunde liegenden Dynamiken. Allgemeine therapeutische Verfahren greifen häufig zu kurz, weil sie leicht abgewertet, sabotiert oder wirkungslos gemacht werden können, wenn die narzisstische Schutzstruktur nicht mitbehandelt wird.


Wichtig bleibt: Ziel ist nicht Stigmatisierung, sondern Zugang. Nicht Beschämung, sondern Verstehen. Nicht „Du bist falsch“, sondern: Was schützt dich – und was verhindert gleichzeitig Entwicklung?


Wenn ihr selbst betroffen seid, Betroffene kennt oder Erfahrungen aus therapeutischen Kontexten habt, schreibt uns gern eure Fragen und Rückmeldungen. Denn: Vor jedem „Erzähl mal“ steht ein „Ich hör mal“.
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Wenn Kinder "alles können": Narzissmus als Entwicklungsdynamik
08.02.2026
8 Minuten
In dieser Folge unserer Narzissmus-Reihe setzen wir den Schwerpunkt auf die Entstehung narzisstischer Entwicklungen – und greifen eine Theorie auf, die in Forschung und klinischer Arbeit häufig verwendet wird: die Idee einer natürlichen narzisstischen Phase zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr.


In diesem Alter machen Kinder enorme Entwicklungssprünge. Sprache, Motorik, Denken, soziale Fähigkeiten – vieles wächst rasant. Das Selbstgefühl ist dabei oft groß: „Da bin ich. Ich kann alles.“ Freud beschrieb diesen Zustand als „ozeanisches Gefühl“: ein expansives Selbstbewusstsein, das sich mächtig und wirksam erlebt. Der entscheidende Haken daran ist jedoch: Mit dem Gefühl „Ich kann alles“ kommt schnell auch die Fantasie „Ich bin für alles verantwortlich“. Genau hier entsteht das Spannungsfeld, in dem sich eine spätere narzisstische Problematik verankern kann.


Die Folge betrachtet auch kulturelle Faktoren: Heute bekommen Kinder häufig sehr viel Aufmerksamkeit, sehr viel Bestätigung – manchmal zu früh, zu oft und ohne die Erfahrung, dass Scheitern, Schwäche und Frustration normal sind. Gleichzeitig wird es in vielen Familien schwieriger, kritische Rückmeldungen so zu geben, dass sie nicht beschämen, sondern realistische Selbstbilder fördern. Wenn Eltern ihre eigenen Schwächen nicht humorvoll integrieren können, wird es auch für Kinder schwer, Unperfektheit auszuhalten.


Ein zentraler Punkt ist die wechselseitige Verschränkung von Selbstwert: Kinder spüren, dass Eltern sich mit ihnen „gut fühlen“, wenn sie glänzen – und sich schämen oder in Stress geraten, wenn etwas nicht gut läuft. Dadurch kann sich früh ein Muster entwickeln, in dem Leistung nicht einfach Leistung ist, sondern zu etwas wird, das Beziehung und Wert bestimmt. Das Kind erlebt: „Wenn ich gut bin, geht es allen gut – wenn nicht, bin ich das Problem.“ So kann eine Rollenumkehr entstehen: Kinder fühlen sich überverantwortlich für die Stimmung und Stabilität der Eltern.


Anhand eines Beispiels wird deutlich, wie Narzissmus nicht nur mit „Überheblichkeit“ zusammenhängt, sondern auch mit Vermeidung: Ein hochbegabtes Kind, das vieles mühelos kann, erlebt beim Fahrradfahren plötzlich Normalität – hinfallen, lernen, üben. Nicht das Knie ist das Problem, sondern die Kränkung, sichtbar etwas nicht zu können. Die Folge: Rückzug, Abbruch, „Dann mache ich es lieber gar nicht.“ Aus dieser Dynamik kann später Underachievement entstehen – nicht weil Fähigkeiten fehlen, sondern weil Frustrationstoleranz und Lernbereitschaft nicht ausreichend wachsen konnten.


Besonders eindrücklich ist die Analyse moderner Botschaften wie „Wir wollen nur, dass du glücklich bist“. Das klingt liebevoll – kann aber als Subtext enthalten: „Sei glücklich für uns, am besten durch uns.“ Ein Anspruch, den kein Kind erfüllen kann. Wenn Eltern damit schlecht umgehen können, wenn ein Kind traurig, wütend oder unzufrieden ist, wird aus Begleiten schnell ein Beglücken-Müssen – und das verstärkt die narzisstische Verantwortungsfantasie.


Am Ende dieser Phase folgt fast zwangsläufig der „grandiose Absturz“: Die frühen Superlativ-Erlebnisse lassen sich nicht dauerhaft aufrechterhalten. Kränkungen und Enttäuschungen sind vorprogrammiert. Manche reagieren mit Aufbäumen und Leistungsdruck, andere mit Rückzug, Gleichgültigkeit oder einem „Niedergang“ im Sinne des vulnerablen/fragilen Narzissmus, den wir in der letzten Folge beschrieben haben.


Wenn dich das Thema betrifft – persönlich oder im Umfeld – oder wenn du Fragen dazu hast, schreib uns gern. Denn: Vor jedem „Erzähl mal“ kommt ein „Ich hör mal“.
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Narzisstische Persönlichkeitsstörung: Zwei Gesichter, ein Kernkonflikt
15.01.2026
13 Minuten
In dieser Folge unserer Narzissmus-Reihe geht es um die klinische Einordnung: Was ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung – und wie entsteht sie? Wir lösen den Begriff bewusst aus der reinen Popkultur-Debatte („Narzisst = Täter, andere = Opfer“) und schauen auf das, worum es im Kern geht: eine schwerwiegende, lebensgeschichtlich geprägte Störung, die grundlegende Fähigkeiten beeinflussen kann – Selbstwertregulation, Beziehungsgestaltung, Identität und Umgang mit Kritik.


Zu Beginn klären wir, was eine Persönlichkeitsstörung überhaupt bedeutet: rigide, wiederkehrende Erlebens- und Verhaltensmuster, die in unterschiedlichen Kontexten ähnlich auftreten und über die Zeit sehr stabil bleiben. Wichtig dabei: Persönlichkeitsstörungen beginnen nicht erst im Erwachsenenalter. Heute gilt fachlich als Konsens, dass man ab etwa dem 12. Lebensjahr Diagnosen in diesem Spektrum verantwortungsvoll stellen kann – weil sich die Muster dann oft bereits deutlich zeigen, auch wenn sie im Kindes- und Jugendalter noch „undifferenziert“ wirken können.


Ein zentrales Thema dieser Episode ist der scheinbare Widerspruch: Viele Betroffene sind begabt, talentiert, leistungsfähig – und doch können sie ihre Fähigkeiten nicht nutzen, weil sie ihnen innerlich nicht „glauben“. Noch entscheidender: Selbst wenn etwas gelingt, fühlt es sich nicht ausreichend an. Anerkennung wird mit Liebe verwechselt: Wertschätzung wird nicht als Geschenk erlebt, sondern als etwas, das man sich durch Perfektion verdienen muss. Der Anspruch steigt auf 100% – und alles, was „nur“ 80% ist, wird entwertet. Das Ergebnis kann ein paradoxes Muster sein: hohe Möglichkeiten, aber Underachievement – nicht aus Faulheit, sondern aus Angst vor Entdeckung, Scheitern und Kränkung.


Wir unterscheiden außerdem zwei Hauptformen, die im Alltag oft durcheinandergeraten:


Grandioser/„offensiver“ Narzissmus: nach außen sichtbar, mit Überlegenheitsgefühl, Anspruchshaltung, Abwertung anderer – manchmal charmant und verführerisch, besonders zu Beginn von Beziehungen. Diese Form fällt schneller auf; der Leidensdruck scheint zunächst eher bei der Umgebung zu liegen. Vulnerabler/fragiler Narzissmus: wirkt häufig depressiv, ängstlich, rückzügig, mit massiver Selbstabwertung, Bewertungsangst, teils Selbstverletzung oder Substanzkonsum. Auf den ersten Blick „nicht narzisstisch“ – im Kern aber ebenfalls geprägt von Größenansprüchen und dem Alles-oder-Nichts-Prinzip: „Wenn ich nicht perfekt bin, bin ich nichts.“


Beiden gemeinsam ist die extreme Kritikempfindlichkeit – nur zeigt sie sich unterschiedlich: Die einen reagieren mit Rückzug, Selbstabwertung und Depression, die anderen mit Ärger, Angriff, Abwertung oder Manipulation. Auch das verbreitete „Empathielos“-Etikett wird differenziert betrachtet: Viele narzisstisch geprägte Menschen können andere sehr gut lesen und sich einfühlen – aber dieses soziale Wissen dient oft primär der Selbstwertstabilisierung, der Kontrolle, dem eigenen Zweck, nicht der echten Ausrichtung am Gegenüber.


Am Ende wird klar: Narzissmus ist nicht „ein Charakterfehler“, sondern eine ernste innere Konfliktproblematik mit relevantem Behandlungsbedarf. In der nächsten Folge sprechen wir darüber, wie narzisstische Entwicklungen in der frühen Kindheit entstehen – und warum sich hinter Perfektion, Abwertung oder Rückzug oft derselbe Versuch verbirgt, ein fragiles Selbst zusammenzuhalten.


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Woher stammt der Begriff Narzissmus?
04.01.2026
6 Minuten
Mit dieser Episode starten wir in ein neues Themenfeld: Narzissmus. In der Öffentlichkeit wird der Begriff oft vor allem über Beziehungserfahrungen erzählt – „Opfer von Narzissten“, Manipulation, Missbrauch, toxische Dynamiken. Das kann reale Erlebnisse abbilden, greift klinisch aber zu kurz. Denn Narzissmus ist mehr als ein „böses“ Verhalten nach außen: Er ist auch eine innere Struktur, eine spezifische Art, mit Selbstwert, Ohnmacht und unerfüllbaren Ansprüchen umzugehen.


Als Einstieg wählen wir deshalb einen ungewohnten, aber sehr aufschlussreichen Zugang: die Herkunft des Namens aus der griechischen Mythologie. Wir begegnen Narziss nicht als Meme-Figur der Selbstverliebtheit, sondern als tragischer Charakter mit einer komplexen Ausgangslage: halb göttlich, hoch begabt, begehrt – und gleichzeitig geprägt von einem frühen, verletzenden Start ins Leben. Eine nicht einvernehmliche Zeugung, ein verschwundener Vater, eine verwundete Mutter: Narziss wächst in einer Konstellation auf, in der er vieles „könnte“, aber das Entscheidende nicht kann – seine Mutter retten, schützen, ungeschehen machen, was geschehen ist. Genau hier entstehen Ohnmacht und ein innerer Auftrag, der niemals erfüllbar ist.


Im Zentrum steht die berühmte Szene am Wasser: Narziss beugt sich zum See, sieht ein Bild – und kann nicht mehr weg. Üblicherweise heißt es: „Er verliebt sich in sich selbst.“ Diese Folge stellt die zentrale Korrektur heraus: Narziss erkennt nicht, dass er sich selbst sieht. Er hält das Spiegelbild für jemand anderen. Und noch tiefer: Er verliebt sich nicht in „sich“, sondern in eine Vorstellung, in ein Idealbild – in das, was er glaubt, sein zu müssen, um wirklich geliebt zu werden.


Damit wird die Mythologie plötzlich psychologisch: Narziss hängt an einem Bild, weil er innerlich nicht spüren kann, dass er bereits hinreichend gut ist – dass er das Kind ist, das ohne Bedingungen geliebt werden dürfte. Stattdessen entsteht ein überhöhter Anspruch: mehr sein, mehr leisten, etwas reparieren, etwas retten, rückwirkend beweisen, dass man wertvoll ist. Das führt nicht zu echter Selbstliebe, sondern zu einem Leben, das hinter den eigenen Möglichkeiten bleibt – ein „Underachiever“ im tragischen Sinn: viel Potenzial, wenig innerer Halt, hoher Druck und ein permanentes Scheitern an einem unmöglichen Maßstab.


Diese Episode ist der Auftakt zu einer Reihe, in der wir Narzissmus als Entwicklungsweg und als klinisches Thema weiter entfalten: Welche Kernelemente sehen wir bei narzisstischen Entwicklungen? Welche inneren Konflikte stecken dahinter – und was bedeutet das für Beziehungen, Therapie und Selbstverständnis?


Wenn dich das interessiert, lass gerne einen Kommentar da oder schick uns deine Fragen – denn: Vor jedem „Erzähl mal“ kommt ein „Ich hör mal“.
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Über diesen Podcast

In diesem Podcast erklärt Dr. Murafi – Chefarzt der Klinik Walstedde für Kinder- und Jugendpsychiatrie – verständlich und praxisnah psychische Erkrankungen wie Trauma, Borderline, Depression so wie viele weitere. Mit Beispielen aus Klinik und Forschung werden komplexe psychodynamische Zusammenhänge greifbar gemacht. Betroffene, Angehörige und Fachleute erhalten Einblicke in Symptome, Ursachen und Behandlungskonzepte – immer mit dem Ziel, mehr Verständnis, Aufklärung und Hoffnung zu vermitteln.
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Woher stammt der Begriff Narzissmus?
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