Podcaster
Episoden
08.02.2026
8 Minuten
In dieser Folge unserer Narzissmus-Reihe setzen wir den
Schwerpunkt auf die Entstehung narzisstischer
Entwicklungen – und greifen eine Theorie auf, die in
Forschung und klinischer Arbeit häufig verwendet wird: die Idee
einer natürlichen narzisstischen Phase zwischen
dem 3. und 6. Lebensjahr.
In diesem Alter machen Kinder enorme Entwicklungssprünge.
Sprache, Motorik, Denken, soziale Fähigkeiten – vieles wächst
rasant. Das Selbstgefühl ist dabei oft groß: „Da bin ich. Ich
kann alles.“ Freud beschrieb diesen Zustand als
„ozeanisches Gefühl“: ein expansives
Selbstbewusstsein, das sich mächtig und wirksam erlebt. Der
entscheidende Haken daran ist jedoch: Mit dem Gefühl „Ich kann
alles“ kommt schnell auch die Fantasie „Ich bin für alles
verantwortlich“. Genau hier entsteht das Spannungsfeld, in dem
sich eine spätere narzisstische Problematik verankern kann.
Die Folge betrachtet auch kulturelle Faktoren: Heute bekommen
Kinder häufig sehr viel Aufmerksamkeit, sehr viel Bestätigung –
manchmal zu früh, zu oft und ohne die Erfahrung, dass Scheitern,
Schwäche und Frustration normal sind. Gleichzeitig wird es in
vielen Familien schwieriger, kritische
Rückmeldungen so zu geben, dass sie nicht beschämen,
sondern realistische Selbstbilder fördern. Wenn Eltern ihre
eigenen Schwächen nicht humorvoll integrieren können, wird es
auch für Kinder schwer, Unperfektheit auszuhalten.
Ein zentraler Punkt ist die wechselseitige Verschränkung
von Selbstwert: Kinder spüren, dass Eltern sich mit
ihnen „gut fühlen“, wenn sie glänzen – und sich schämen oder in
Stress geraten, wenn etwas nicht gut läuft. Dadurch kann sich
früh ein Muster entwickeln, in dem Leistung nicht einfach
Leistung ist, sondern zu etwas wird, das Beziehung und Wert
bestimmt. Das Kind erlebt: „Wenn ich gut bin, geht es allen gut –
wenn nicht, bin ich das Problem.“ So kann eine
Rollenumkehr entstehen: Kinder fühlen sich
überverantwortlich für die Stimmung und Stabilität der Eltern.
Anhand eines Beispiels wird deutlich, wie Narzissmus nicht nur
mit „Überheblichkeit“ zusammenhängt, sondern auch mit
Vermeidung: Ein hochbegabtes Kind, das vieles
mühelos kann, erlebt beim Fahrradfahren plötzlich Normalität –
hinfallen, lernen, üben. Nicht das Knie ist das Problem, sondern
die Kränkung, sichtbar etwas nicht zu können. Die Folge: Rückzug,
Abbruch, „Dann mache ich es lieber gar nicht.“ Aus dieser Dynamik
kann später Underachievement entstehen – nicht weil Fähigkeiten
fehlen, sondern weil Frustrationstoleranz und
Lernbereitschaft nicht ausreichend wachsen konnten.
Besonders eindrücklich ist die Analyse moderner Botschaften wie
„Wir wollen nur, dass du glücklich bist“. Das klingt liebevoll –
kann aber als Subtext enthalten: „Sei glücklich für uns, am
besten durch uns.“ Ein Anspruch, den kein Kind erfüllen kann.
Wenn Eltern damit schlecht umgehen können, wenn ein Kind traurig,
wütend oder unzufrieden ist, wird aus Begleiten schnell ein
Beglücken-Müssen – und das verstärkt die narzisstische
Verantwortungsfantasie.
Am Ende dieser Phase folgt fast zwangsläufig der
„grandiose Absturz“: Die frühen
Superlativ-Erlebnisse lassen sich nicht dauerhaft
aufrechterhalten. Kränkungen und Enttäuschungen sind
vorprogrammiert. Manche reagieren mit Aufbäumen und
Leistungsdruck, andere mit Rückzug, Gleichgültigkeit oder einem
„Niedergang“ im Sinne des vulnerablen/fragilen
Narzissmus, den wir in der letzten Folge beschrieben
haben.
Wenn dich das Thema betrifft – persönlich oder im Umfeld – oder
wenn du Fragen dazu hast, schreib uns gern. Denn: Vor
jedem „Erzähl mal“ kommt ein „Ich hör mal“.
Mehr
15.01.2026
13 Minuten
In dieser Folge unserer Narzissmus-Reihe geht es um die klinische
Einordnung: Was ist eine narzisstische
Persönlichkeitsstörung – und wie entsteht sie? Wir lösen
den Begriff bewusst aus der reinen Popkultur-Debatte („Narzisst =
Täter, andere = Opfer“) und schauen auf das, worum es im Kern
geht: eine schwerwiegende, lebensgeschichtlich geprägte
Störung, die grundlegende Fähigkeiten beeinflussen kann
– Selbstwertregulation, Beziehungsgestaltung, Identität und
Umgang mit Kritik.
Zu Beginn klären wir, was eine
Persönlichkeitsstörung überhaupt bedeutet:
rigide, wiederkehrende Erlebens- und Verhaltensmuster, die in
unterschiedlichen Kontexten ähnlich auftreten und über die Zeit
sehr stabil bleiben. Wichtig dabei: Persönlichkeitsstörungen
beginnen nicht erst im Erwachsenenalter. Heute gilt fachlich als
Konsens, dass man ab etwa dem 12. Lebensjahr
Diagnosen in diesem Spektrum verantwortungsvoll stellen kann –
weil sich die Muster dann oft bereits deutlich zeigen, auch wenn
sie im Kindes- und Jugendalter noch „undifferenziert“ wirken
können.
Ein zentrales Thema dieser Episode ist der scheinbare
Widerspruch: Viele Betroffene sind begabt, talentiert,
leistungsfähig – und doch können sie ihre Fähigkeiten
nicht nutzen, weil sie ihnen innerlich nicht „glauben“. Noch
entscheidender: Selbst wenn etwas gelingt, fühlt es sich
nicht ausreichend an. Anerkennung wird mit Liebe
verwechselt: Wertschätzung wird nicht als Geschenk erlebt,
sondern als etwas, das man sich durch Perfektion
verdienen muss. Der Anspruch steigt auf 100% – und alles, was
„nur“ 80% ist, wird entwertet. Das Ergebnis kann ein paradoxes
Muster sein: hohe Möglichkeiten, aber
Underachievement – nicht aus Faulheit, sondern
aus Angst vor Entdeckung, Scheitern und Kränkung.
Wir unterscheiden außerdem zwei Hauptformen, die im Alltag oft
durcheinandergeraten:
Grandioser/„offensiver“ Narzissmus: nach
außen sichtbar, mit Überlegenheitsgefühl, Anspruchshaltung,
Abwertung anderer – manchmal charmant und verführerisch,
besonders zu Beginn von Beziehungen. Diese Form fällt
schneller auf; der Leidensdruck scheint zunächst eher bei der
Umgebung zu liegen.
Vulnerabler/fragiler Narzissmus: wirkt
häufig depressiv, ängstlich, rückzügig, mit massiver
Selbstabwertung, Bewertungsangst, teils Selbstverletzung oder
Substanzkonsum. Auf den ersten Blick „nicht narzisstisch“ –
im Kern aber ebenfalls geprägt von Größenansprüchen und dem
Alles-oder-Nichts-Prinzip: „Wenn ich nicht perfekt bin, bin
ich nichts.“
Beiden gemeinsam ist die extreme
Kritikempfindlichkeit – nur zeigt sie sich
unterschiedlich: Die einen reagieren mit Rückzug, Selbstabwertung
und Depression, die anderen mit Ärger, Angriff, Abwertung oder
Manipulation. Auch das verbreitete „Empathielos“-Etikett wird
differenziert betrachtet: Viele narzisstisch geprägte Menschen
können andere sehr gut lesen und sich einfühlen – aber dieses
soziale Wissen dient oft primär der
Selbstwertstabilisierung, der Kontrolle, dem
eigenen Zweck, nicht der echten Ausrichtung am Gegenüber.
Am Ende wird klar: Narzissmus ist nicht „ein Charakterfehler“,
sondern eine ernste innere Konfliktproblematik
mit relevantem Behandlungsbedarf. In der nächsten Folge sprechen
wir darüber, wie narzisstische Entwicklungen in der
frühen Kindheit entstehen – und warum sich hinter
Perfektion, Abwertung oder Rückzug oft derselbe Versuch verbirgt,
ein fragiles Selbst zusammenzuhalten.
Schreibt uns eure Fragen und Rückmeldungen in die Kommentare –
denn: Vor jedem „Erzähl mal“ steht ein „Ich hör
mal“.
Mehr
04.01.2026
6 Minuten
Mit dieser Episode starten wir in ein neues Themenfeld:
Narzissmus. In der Öffentlichkeit wird der
Begriff oft vor allem über Beziehungserfahrungen erzählt – „Opfer
von Narzissten“, Manipulation, Missbrauch, toxische Dynamiken.
Das kann reale Erlebnisse abbilden, greift klinisch aber zu kurz.
Denn Narzissmus ist mehr als ein „böses“ Verhalten nach außen: Er
ist auch eine innere Struktur, eine spezifische
Art, mit Selbstwert, Ohnmacht und unerfüllbaren Ansprüchen
umzugehen.
Als Einstieg wählen wir deshalb einen ungewohnten, aber sehr
aufschlussreichen Zugang: die Herkunft des Namens aus der
griechischen Mythologie. Wir begegnen Narziss nicht als
Meme-Figur der Selbstverliebtheit, sondern als tragischer
Charakter mit einer komplexen Ausgangslage: halb göttlich, hoch
begabt, begehrt – und gleichzeitig geprägt von einem frühen,
verletzenden Start ins Leben. Eine nicht einvernehmliche Zeugung,
ein verschwundener Vater, eine verwundete Mutter: Narziss wächst
in einer Konstellation auf, in der er vieles „könnte“, aber das
Entscheidende nicht kann – seine Mutter retten, schützen,
ungeschehen machen, was geschehen ist. Genau hier
entstehen Ohnmacht und ein innerer Auftrag, der niemals erfüllbar
ist.
Im Zentrum steht die berühmte Szene am Wasser: Narziss beugt sich
zum See, sieht ein Bild – und kann nicht mehr weg. Üblicherweise
heißt es: „Er verliebt sich in sich selbst.“ Diese Folge stellt
die zentrale Korrektur heraus: Narziss erkennt nicht,
dass er sich selbst sieht. Er hält das Spiegelbild für
jemand anderen. Und noch tiefer: Er verliebt sich nicht in
„sich“, sondern in eine Vorstellung, in ein Idealbild – in das,
was er glaubt, sein zu müssen, um wirklich geliebt zu werden.
Damit wird die Mythologie plötzlich psychologisch: Narziss hängt
an einem Bild, weil er innerlich nicht spüren kann, dass er
bereits hinreichend gut ist – dass er das Kind
ist, das ohne Bedingungen geliebt werden dürfte. Stattdessen
entsteht ein überhöhter Anspruch: mehr sein, mehr leisten, etwas
reparieren, etwas retten, rückwirkend beweisen, dass man wertvoll
ist. Das führt nicht zu echter Selbstliebe, sondern zu einem
Leben, das hinter den eigenen Möglichkeiten bleibt – ein
„Underachiever“ im tragischen Sinn: viel Potenzial, wenig innerer
Halt, hoher Druck und ein permanentes Scheitern an einem
unmöglichen Maßstab.
Diese Episode ist der Auftakt zu einer Reihe, in der wir
Narzissmus als Entwicklungsweg und als klinisches Thema weiter
entfalten: Welche Kernelemente sehen wir bei narzisstischen
Entwicklungen? Welche inneren Konflikte stecken dahinter – und
was bedeutet das für Beziehungen, Therapie und Selbstverständnis?
Wenn dich das interessiert, lass gerne einen Kommentar da oder
schick uns deine Fragen – denn: Vor jedem „Erzähl mal“
kommt ein „Ich hör mal“.
Mehr
28.11.2025
11 Minuten
️ Triggerwarnung:
In dieser Episode wird selbstverletzendes Verhalten als Teil der
Erfahrung von Borderline-Betroffenen thematisiert. Die Inhalte
können emotional belastend oder retraumatisierend wirken. Bitte
achte gut auf dich. Du kannst den Beitrag jederzeit pausieren
oder abbrechen.
Wenn du selbst betroffen bist oder Unterstützung brauchst, wende
dich an eine vertraute Person oder an eine Beratungsstelle – z.
B. an krisenchat.de oder die
TelefonSeelsorge Deutschland unter 0800
111 0 111 (kostenlos & anonym).
In dieser abschließenden Folge der Reihe zur
Borderline-Persönlichkeitsstörung geht es um das, was nach der
Diagnostik und den Modellen folgt:
Lebensgestaltung – also den Weg vom Verstehen
ins Handeln. Nach dem Hausmodell und Eiermodell richtet sich der
Blick nun auf die Frage: Wie kann man mit einer
Borderline-Struktur leben, arbeiten, Beziehungen führen – ohne
ständig an die eigenen Grenzen zu stoßen?
Im Zentrum steht die kognitive
Entscheidung:
„Ich will, dass das aufhört.“
„Ich will das in den Griff bekommen.“
„Ich will das verändern.“
Diese bewusste Haltung ist kein einfacher Akt der Willenskraft,
sondern ein therapeutischer Wendepunkt. Denn erst, wenn die
Entscheidung fällt, kann das Wissen aus Psychoedukation und
Therapie überhaupt wirksam werden – ob in Einzelgesprächen,
Skills-Training oder sozialpädagogischen Angeboten.
Dr. Murafi beschreibt, warum die Jugendzeit bei
Borderline-Betroffenen häufig die kritischste Phase ist: Das
Gehirn im Umbau, die Impulskontrolle eingeschränkt, Beziehung und
Identität hochrelevant – ein „MegagaU“ für eine ohnehin instabile
Struktur. Umso wichtiger ist die kontinuierliche Begleitung über
diesen Lebensabschnitt hinaus, besonders beim Übergang
ins Erwachsenenalter. Viele erleben mit 18 den Verlust
von Schutz und Zugehörigkeit, was zu schweren Krisen führen kann.
Gleichzeitig macht die Folge Mut: Mit therapeutischer Begleitung,
Bewusstsein für die eigenen Muster und einer realistischen
Haltung ist es möglich, ein stabiles, erfülltes und
funktionales Leben zu führen – Beruf, Partnerschaft,
Alltag. Vollständige Heilung im engeren Sinne gibt es zwar nicht,
aber deutliche Verbesserung und Stabilisierung.
Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung der
therapeutischen Beziehung. Methoden wie die
übertragungsfokussierte Psychotherapie nach Otto Kernberg,
mentalisierungsbasierte Ansätze und dialektisch-behaviorale
Therapie (DBT) können, richtig eingebettet, langfristige
Fortschritte ermöglichen. Entscheidend ist, dass Therapie nicht
nur auf Skills und Symptome fokussiert, sondern die
tiefen Beziehungsmuster und Übertragungsprozesse
in den Blick nimmt.
Der Blick in die Zukunft bleibt offen – aber optimistisch: Mit
Geduld, professioneller Begleitung und einer Haltung von
Akzeptanz statt Perfektion lässt sich das Leben mit Borderline
gestalten, nicht nur ertragen.
Damit schließt sich die Borderline-Reihe. In der nächsten Staffel
widmen wir uns einem verwandten, aber sehr anders strukturierten
Thema: Narzissmus – seine psychodynamischen
Wurzeln, seine sozialen Masken und die therapeutischen
Herausforderungen.
Wir freuen uns über eure Rückmeldungen, Fragen und Themenwünsche
– denn: Vor jedem „Erzähl mal“ steht ein „Ich hör mal“.
Mehr
14.11.2025
7 Minuten
In dieser Folge von Erzähl mal setzen wir die Reihe zur
Borderline-Störung fort – mit einem weiteren Einblick in die
Psychoedukation und therapeutischen Strategien. Nach dem
„Hausmodell“ der letzten Episode geht es diesmal um das
Eiermodell – ein Bild, das verdeutlicht, warum
der Weg aus der Destruktivität heraus so oft von Rückschlägen
begleitet wird und warum Fortschritt sich manchmal paradox
anfühlt.
Das Ei steht symbolisch für die Entwicklung in der Therapie:
Am unteren Ende finden wir die destruktive Zone
– das Chaos, die Verzweiflung, die Selbstabwertung. Von hier aus
beginnt der therapeutische Aufstieg: Schritt für Schritt, mit
ersten Erfolgen, mit wachsender Hoffnung. Doch anders als viele
glauben, wird der Weg nach oben nicht leichter – sondern
steiler. Je weiter man sich von der Verzweiflung
entfernt, desto intensiver werden die inneren Konflikte.
Genau hier entsteht ein Dilemma: Wenn Betroffene hören, dass „es
gerade richtig gut läuft“, kann das unbewusst Angst auslösen –
die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, verlassen zu
werden, wieder allein zu sein. Das positive Feedback
wird dann nicht als Ermutigung, sondern als drohender Abschied
erlebt. Aus Schutz vor diesem Verlust kippt die Stimmung – und
der Aufstieg verwandelt sich in einen Absturz.
Das Eiermodell beschreibt auch die Tendenz zum
Alles-oder-Nichts-Denken: Wenn nicht alles gut wird, ist
alles schlecht. Wenn Glück nicht vollkommen ist, lohnt sich
nichts. Viele erleben an dieser Stelle tiefe Frustration und Wut:
Wenn die innere Leere bleibt, obwohl sie sich so bemüht haben,
folgt nicht selten ein Impuls zur Selbstzerstörung – Abbruch der
Therapie, Selbstverletzung, Drogenkonsum oder impulsive
Beziehungsabbrüche.
Therapeutisch ist wichtig: Diese Abstürze sind nicht
Scheitern, sondern Teil der Erkrankungslogik. Sie
zeigen, wie früh erworbene Strukturen wirken – insbesondere das
Misstrauen gegenüber Stabilität. Ziel ist deshalb nicht, das
„Loch“ der Leere zu schließen, sondern darüber zu
arbeiten, trotz der Leere zu leben. Das bedeutet:
Stabilität von außen aufbauen, ohne Heilungsillusionen zu nähren.
Das Eiermodell hilft, Rückfälle vorhersehbar zu machen. Wenn
Therapeut:innen und Patient:innen gemeinsam verstehen, dass der
Weg aus der Destruktivität immer wieder durch Phasen der
Instabilität führt, lässt sich verhindern, dass Abstürze als
persönliches Versagen gedeutet werden. Stattdessen entsteht die
Haltung: „Ich weiß, warum das passiert – und wir gehen weiter.“
Das Ziel bleibt realistisch: kein Versprechen von Glückseligkeit,
sondern mehr Lebensfähigkeit im Alltag – wohnen,
Schule oder Arbeit halten, Beziehungen gestalten,
Selbstverletzung reduzieren, Drogen vermeiden, Therapie
fortsetzen. Keine großen Wunder, aber echte Fortschritte.
Damit wird das Eiermodell zu einem Werkzeug, um die Dynamik
zwischen Aufstieg und Rückfall zu verstehen – und um Halt zu
finden, wo vorher nur Kreisen war.
Wir freuen uns über Rückmeldungen, Fragen und Erfahrungen zu
diesem Modell – denn: Vor jedem „Erzähl mal“ steht ein „Ich hör
mal“.
Mehr
Über diesen Podcast
In diesem Podcast erklärt Dr. Murafi – Chefarzt der Klinik
Walstedde für Kinder- und Jugendpsychiatrie – verständlich und
praxisnah psychische Erkrankungen wie Trauma, Borderline,
Depression so wie viele weitere. Mit Beispielen aus Klinik und
Forschung werden komplexe psychodynamische Zusammenhänge greifbar
gemacht. Betroffene, Angehörige und Fachleute erhalten Einblicke in
Symptome, Ursachen und Behandlungskonzepte – immer mit dem Ziel,
mehr Verständnis, Aufklärung und Hoffnung zu vermitteln.
Kommentare (0)