AUDI-Insider spricht Klartext über China-Strategie

AUDI-Insider spricht Klartext über China-Strategie

Im Gespräch mit Pirmin Reimeir, Lead Product Manager bei AUDI in China
27 Minuten
Podcast
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Beschreibung

vor 6 Monaten
In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich das Vergnügen, mit Pirmin
Reimeir zu sprechen. Pirmin ist Lead Product Manager bei Audi im
Kooperationsprojekt mit SAIC Motors – und das für die neue Marke
AUDI, die in China bewusst mit vier Großbuchstaben geschrieben
wird. Gemeinsam mit einem kleinen Team arbeitet er daran, eine
eigenständige Audi-Schwester auf dem chinesischen Markt zu
etablieren, die jüngere, technikaffine Kund:innen anspricht – und
sich damit ganz klar von der klassischen Premium-Marke mit den vier
Ringen abgrenzt. Was sofort klar wird: Das Projekt ist mehr als ein
weiterer Marktentritt. Es ist ein Paradigmenwechsel. „Früher haben
wir Technologien aus Deutschland nach China gebracht und sie lokal
adaptiert. Jetzt entwickeln wir direkt vor Ort – mit dem Ohr am
chinesischen Kunden.“ Der Fokus liegt auf einem radikal
lokalisierten Ansatz: Produkte werden in China für China
entwickelt, mit lokaler Plattform, Softwarearchitektur und Design.
Und das ist kein Zufall: Zwei Drittel aller weltweit verkauften
Elektroautos rollen in China vom Band. Wer hier mithalten will,
muss anders denken. Ein Beispiel für diesen neuen Ansatz ist der
Audi Assistant – ein digitaler Avatar im OLED-Display, der mit den
Nutzer:innen interagiert. „So ein Feature würde ein
durchschnittlich 20 Jahre älterer europäischer Kunde vielleicht als
Spielerei empfinden – in China trifft es den Nerv der Zielgruppe,“
so Pirmin. Gleichzeitig bleibt die technische DNA erhalten: das
Premium-Fahrerlebnis, das sich durch die Audi-typische Abstimmung
von Fahrwerk und Quattro-Antrieb auszeichnet, wird weiterhin
maßgeblich in Europa entwickelt. Spannend ist, wie sich das neue
China-Audi bewusst vom traditionellen Joint Venture mit FAW und der
globalen Audi-Marke unterscheidet – und gleichzeitig Verbundenheit
signalisiert. Beide teilen sich den Leitsatz „Vorsprung durch
Technik“, doch die Interpretation unterscheidet sich je nach
Zielgruppe. Die neue Marke spielt stärker mit mutigem Design,
digitalen Features und jugendlicher Bildsprache. Dennoch ist sie
tief in der Audi-Heritage verwurzelt. „Auch die ersten Audis trugen
zunächst vier Buchstaben, bevor die Ringe kamen“, erinnert Pirmin.
Was mich beeindruckt hat, ist der kollaborative Spirit, den Pirmin
beschreibt. In China herrsche eine andere Offenheit – man denke in
Win-win-Szenarien, arbeite transparenter zusammen, auch über
Unternehmensgrenzen hinweg. „In Europa zeigt jeder, was er kann,
aber keiner lässt den anderen reinschauen. Hier versucht man
gemeinsam, den Kuchen größer zu machen.“ Auch organisatorisch
agiert das China-Team agiler, mit flachen Strukturen und schnellen
Entscheidungen – oft per WeChat. Diese Geschwindigkeit – der
berühmte „China Speed“ – ist für Pirmin kein Nachteil, sondern
täglicher Antrieb. „Hier passiert gerade die spannendste
Entwicklung der Automobilindustrie weltweit.“ Er schätzt den
digitalen Alltag, das Tempo, die Dynamik – beruflich wie privat.
Das Projekt ist für ihn mehr als ein Job. Es ist Teil einer
grundlegenden Transformation, die Audi in China gerade durchlebt –
und vielleicht bald auf andere Märkte abstrahlen wird. Nun aber
genug der Vorworte – hör am besten selbst rein und erfahre aus
erster Hand, wie Audi mit vier Buchstaben den vielleicht
wichtigsten Automarkt der Welt neu denkt.

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