059 – Kathrin Stainer-Hämmerle: Klarheit und Haltung

059 – Kathrin Stainer-Hämmerle: Klarheit und Haltung

Kathrin Stainer-Hämmerle erhebt ihre Stimme und geht in die erste Reihe – sie erklärt Politik, ohne zu polarisieren, und zeigt, wie Wissen, Haltung und Sichtbarkeit zusammengehören.
59 Minuten

Beschreibung

vor 6 Monaten
Wenn eine Frau in Österreich politische Entscheidungen verständlich
macht, dann ist es meist sie: Kathrin Stainer-Hämmerle. Geboren und
aufgewachsen ist Kathrin in Lustenau in Vorarlberg, in einem
Haushalt, den sie selbst als „frauenlastig“ beschreibt: Großmutter,
Mutter, ältere Schwester und sie – und ein Vater, der als Musiker
viel zu Hause war und seine Töchter zur Selbstständigkeit erzog.
Ihre Großmutter war eine eigenwillige, selbstbestimmte Frau – ihr
Vater ein leiser Rebell, der Staatswissenschaften studierte, das
Diplom an die Wand hängte und Musiker wurde. Es war klar, dass sie
studieren wird und durch das Handeln ihres Vaters nahm sie als
Botschaft aus ihrem Elternhaus mit, dass sie ihrer Leidenschaft
folgen soll, auch wenn der Weg nicht linear ist. Kathrin selbst
beginnt mit Politikwissenschaft, später kommt Jus dazu. Sie
studiert in Innsbruck, geprägt von Lehrer:innen mit 68er-Spirit,
von der Aufbruchsstimmung der 80er – und vom politischen
Zeitgeschehen: Waldheim, Haider, Mauerfall, Gründung der Grünen.
Doch bevor sie ihr Gerichtsjahr absolvieren kann, wird sie Mutter.
Mit einem kleinen Baby auf dem Arm bekommt sie zu hören, das gehe
jetzt nicht mit dem Gerichtsjahr. Also ruft sie beim Institut für
Politikwissenschaft an – nicht, weil es geplant war, sondern weil
sie sich „wieder nach Erwachsenengesprächen gesehnt“ hat. Das war
der Beginn einer langen, erfolgreichen Laufbahn in der
Politikwissenschaft. Gemeinsam mit Peter Filzmaier wechselt sie an
die Universität Klagenfurt – und bleibt in Kärnten, obwohl das
ursprünglich nicht geplant war. Die Alpen-Adria-Region, die
Lebensqualität, die Herausforderung – all das begeistert sie. Als
Jörg Haider 2004 überraschend die Landtagswahl gewinnt, ist Kathrin
zur Stelle und wurde – unabhängig, unverbunden, analytisch –
plötzlich eine gefragte Stimme in den Medien. Ihre Karriere als
politische Analystin beginnt. Heute ist sie
Politikwissenschaftlerin, Medienanalystin, Hochschullehrerin und
österreichweit bekannt. Sie lehrt sie an der Fachhochschule
Kärnten, leitet den Studienzweig Public Management, betreut
Forschungsprojekte zur Regionalentwicklung im Donauraum und ist
regelmäßig in Fernsehen, Radio und Print präsent. Sie kommentiert,
erklärt, ordnet ein – mit Sachverstand, Überblick und einem feinen
Gespür für gesellschaftliche Strömungen. Sie selbst sagt: „Ich bin
keine Politikerin. Ich erkläre. Und ich weiß, wo die Grenzen sind –
auch die demokratischen.“ Dass sie dabei so oft die erste Frau war
– als Analystin, als Stimme in der ZiB, als Erklärerin der Macht –
ist ihr erst spät bewusst geworden. Doch sie trägt diese Rolle mit
Freude, und mit einer guten Portion Humor. „Wenn’s mir zu viel
wird, gehe ich in den Garten und gieße Blumen. Oder ich schnipple
Gemüse. Dann bin ich wieder bei mir.“ Das kann sogar während einer
Videobesprechung passieren, sie schaltet dann einfach die Kamera
aus. Kathrin ist keine, die laut sein muss. Sie ist eine, die klar
bleibt. Die weiß, dass Sichtbarkeit für Frauen kein Selbstzweck
ist, sondern ein Beitrag zur Veränderung. Und dass Demokratie
erklärt werden muss, damit sie verstanden – und geschützt – werden
kann. Sie reist gern, schaltet ab, wenn’s sein muss, und gibt sich
selbst die Erlaubnis, nicht perfekt zu sein. Mut, sagt sie, brauche
es vor allem für das eigene Leben. Und für die Momente, in denen
man sich einmischt, wenn andere schweigen. Eine Folge über klare
Worte, feine Zwischentöne und die Kraft, auch ohne Macht Wirkung zu
entfalten.

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