064 – Sabine Siegel: Mit Leib und Seele
Sabine Siegel ist viele Wege gegangen und hat gelernt, auf ihr
Bauchgefühl zu hören. Sie spricht über Lebensräume, politische
Verantwortung und darüber, warum Mut manchmal bedeutet, sich selbst
wiederzufinden.
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Beschreibung
vor 1 Tag
Sabine wächst in Fürstenfeld auf – als erstes Kind sehr junger
Eltern, in einem klassischen Rollenbild: der Vater arbeitet, die
Mutter ist zu Hause. Früh zeigt sich ihre Vielseitigkeit. Sie liebt
Kinder genauso wie Technik, Räume und Strukturen. Architektur oder
Arbeit mit Kindern? Beides zieht sie an aber sie landet an der TU
Graz – und bleibt. Ihr Architekturstudium wird begleitet von
Arbeit, denn Praxis ist für sie nie ein Gegensatz zur Theorie,
sondern die logische Ergänzung. Der Weg in die Selbstständigkeit
entsteht nicht aus einem großen Masterplan, sondern aus einem
inneren Unwohlsein. „Ich bin am Montag mit Bauchweh in die Arbeit
gefahren und am Freitag erleichtert heim“, sagt sie rückblickend.
Mit Anfang dreißig kündigt sie – kurz vor Weihnachten – und macht
sich selbstständig. Was folgt, sind 13 Jahre als Architektin mit
eigener Handschrift: Sabine plant vor allem Einfamilienhäuser, aber
nicht als reine Baukörper. Für sie sind es Lebensräume. „Ein Haus
muss funktionieren. Es ist kein Kunstobjekt – es ist der Ort, an
dem Menschen ihr Leben leben.“ Ihre Arbeitsweise ist geprägt von
Zuhören. Der erste Termin findet meist bei den Bauherr:innen zu
Hause statt, dauert Stunden. Sabine schaut, fragt, spürt. Es ist
dieser respektvolle, klare Zugang, der ihr über Jahre hinweg
Aufträge bringt – ganz ohne Homepage, ganz ohne Werbung. „Wenn eine
Tür zugegangen ist, ist eine andere aufgegangen.“ Parallel dazu
passiert aber noch viel mehr: Sabine wird Mutter. Früh ist sie
alleinerziehend, jongliert Selbstständigkeit, Baustellen,
Verantwortung – getragen von einem starken familiären Rückhalt.
„Ohne meine Eltern wäre es nicht gegangen.“ Dieses Netz gibt ihr
Sicherheit, auch in Phasen, in denen alles gleichzeitig passiert.
Ein weiterer Schritt folgt später – einer, den Sabine selbst lange
ausgeschlossen hatte: die Politik. 2020 sagt sie Ja zur Anfrage,
Vizebürgermeisterin von Fürstenfeld zu werden. Drei intensive Jahre
folgen. Jahre, in denen sie ständig unterwegs ist, ansprechbar,
sichtbar. „Politik gehört für Menschen gemacht“, sagt sie – und
lebt genau das. Sie hört zu, erklärt ehrlich, was möglich ist und
was nicht. Doch der Preis ist hoch. Sabine merkt, dass sie sich
selbst verliert. Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Kraftlosigkeit
schleichen sich ein. „Ich habe mich selbst nicht mehr gekannt.“ Der
Entschluss zu gehen ist klar – und mutig. Sie tritt nicht nur vom
Amt zurück, sondern zieht sich aus allen politischen Funktionen
zurück. Die Reaktionen überraschen sie: Dankbarkeit, Respekt,
Verständnis. Es ist ein Abschied ohne Groll, aber mit Klarheit.
Fast zeitgleich öffnet sich eine neue Tür. Ein Anruf, ein Gespräch,
ein schneller Prozess – und Sabine wechselt nach zehn Jahren in der
Baubezirksleitung in eine neue Rolle: Sie wird
Baukulturkoordinatorin der Steiermark. Heute arbeitet sie daran,
Bewusstsein zu schaffen für gute, nachhaltige,
landschaftsverträgliche Gestaltung. „Baukultur machen wir Menschen.
Alles, was draußen gebaut wird, gehört dazu.“ Ihr Ziel ist es,
Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu verbinden – und zu zeigen,
dass gute Baukultur nicht teuer sein muss, sondern Haltung braucht.
Kraft schöpft Sabine heute bewusst: im Garten, in der Erde, unter
ihrer Linde. Beim Kinderturnen, das sie seit 1987 begleitet. In
Freundschaften, die geblieben sind. Und im Zulassen von Pausen. „Es
ist auch okay, einmal nichts zu tun“, sagt sie – eine Erkenntnis,
die nicht selbstverständlich war. Am Ende dieses Gesprächs bleibt
ein Satz, der Sabines Haltung zusammenfasst: „Frauen müssen nicht
alles. Aber sie müssen mutiger sein und mehr Selbstvertrauen
haben.“
Eltern, in einem klassischen Rollenbild: der Vater arbeitet, die
Mutter ist zu Hause. Früh zeigt sich ihre Vielseitigkeit. Sie liebt
Kinder genauso wie Technik, Räume und Strukturen. Architektur oder
Arbeit mit Kindern? Beides zieht sie an aber sie landet an der TU
Graz – und bleibt. Ihr Architekturstudium wird begleitet von
Arbeit, denn Praxis ist für sie nie ein Gegensatz zur Theorie,
sondern die logische Ergänzung. Der Weg in die Selbstständigkeit
entsteht nicht aus einem großen Masterplan, sondern aus einem
inneren Unwohlsein. „Ich bin am Montag mit Bauchweh in die Arbeit
gefahren und am Freitag erleichtert heim“, sagt sie rückblickend.
Mit Anfang dreißig kündigt sie – kurz vor Weihnachten – und macht
sich selbstständig. Was folgt, sind 13 Jahre als Architektin mit
eigener Handschrift: Sabine plant vor allem Einfamilienhäuser, aber
nicht als reine Baukörper. Für sie sind es Lebensräume. „Ein Haus
muss funktionieren. Es ist kein Kunstobjekt – es ist der Ort, an
dem Menschen ihr Leben leben.“ Ihre Arbeitsweise ist geprägt von
Zuhören. Der erste Termin findet meist bei den Bauherr:innen zu
Hause statt, dauert Stunden. Sabine schaut, fragt, spürt. Es ist
dieser respektvolle, klare Zugang, der ihr über Jahre hinweg
Aufträge bringt – ganz ohne Homepage, ganz ohne Werbung. „Wenn eine
Tür zugegangen ist, ist eine andere aufgegangen.“ Parallel dazu
passiert aber noch viel mehr: Sabine wird Mutter. Früh ist sie
alleinerziehend, jongliert Selbstständigkeit, Baustellen,
Verantwortung – getragen von einem starken familiären Rückhalt.
„Ohne meine Eltern wäre es nicht gegangen.“ Dieses Netz gibt ihr
Sicherheit, auch in Phasen, in denen alles gleichzeitig passiert.
Ein weiterer Schritt folgt später – einer, den Sabine selbst lange
ausgeschlossen hatte: die Politik. 2020 sagt sie Ja zur Anfrage,
Vizebürgermeisterin von Fürstenfeld zu werden. Drei intensive Jahre
folgen. Jahre, in denen sie ständig unterwegs ist, ansprechbar,
sichtbar. „Politik gehört für Menschen gemacht“, sagt sie – und
lebt genau das. Sie hört zu, erklärt ehrlich, was möglich ist und
was nicht. Doch der Preis ist hoch. Sabine merkt, dass sie sich
selbst verliert. Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Kraftlosigkeit
schleichen sich ein. „Ich habe mich selbst nicht mehr gekannt.“ Der
Entschluss zu gehen ist klar – und mutig. Sie tritt nicht nur vom
Amt zurück, sondern zieht sich aus allen politischen Funktionen
zurück. Die Reaktionen überraschen sie: Dankbarkeit, Respekt,
Verständnis. Es ist ein Abschied ohne Groll, aber mit Klarheit.
Fast zeitgleich öffnet sich eine neue Tür. Ein Anruf, ein Gespräch,
ein schneller Prozess – und Sabine wechselt nach zehn Jahren in der
Baubezirksleitung in eine neue Rolle: Sie wird
Baukulturkoordinatorin der Steiermark. Heute arbeitet sie daran,
Bewusstsein zu schaffen für gute, nachhaltige,
landschaftsverträgliche Gestaltung. „Baukultur machen wir Menschen.
Alles, was draußen gebaut wird, gehört dazu.“ Ihr Ziel ist es,
Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu verbinden – und zu zeigen,
dass gute Baukultur nicht teuer sein muss, sondern Haltung braucht.
Kraft schöpft Sabine heute bewusst: im Garten, in der Erde, unter
ihrer Linde. Beim Kinderturnen, das sie seit 1987 begleitet. In
Freundschaften, die geblieben sind. Und im Zulassen von Pausen. „Es
ist auch okay, einmal nichts zu tun“, sagt sie – eine Erkenntnis,
die nicht selbstverständlich war. Am Ende dieses Gesprächs bleibt
ein Satz, der Sabines Haltung zusammenfasst: „Frauen müssen nicht
alles. Aber sie müssen mutiger sein und mehr Selbstvertrauen
haben.“
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