055 – Sylvia Klee: Mit Respekt

055 – Sylvia Klee: Mit Respekt

Sylvia begegnet Menschen mit Ruhe und einer Offenheit, die tief in ihrer Lebenserfahrung verwurzelt ist. Die Fähigkeit, sich nicht von Äußerlichkeiten leiten zu lassen, hilft ihr, objektiv und respektvoll zu handeln.
59 Minuten

Beschreibung

vor 10 Monaten
Sylvia wurde in Villach geboren und wuchs dort als jüngstes von
vier Kindern auf. Ihre Kindheit war von Geborgenheit und Liebe
geprägt. Besonders ihre Mutter, die viel Liebe in die Pflege naher
Angehöriger legte, prägte ihren sozialen Weg. Ihr Vater, der als
Kriminalbeamter in Villach beim Erkennungsdienst arbeitete,
strahlte ebenfalls eine tiefe Menschlichkeit aus, die Sylvia
formte. Schon als Kind war sie von seinem Beruf fasziniert, und er
wurde zu ihrem Vorbild. Der frühe Tod ihres Vaters, als Sylvia
gerade einmal 15 Jahre alt war, traf sie hart und hinterließ eine
große Lücke. Doch an diesem Verlust wuchs sie und entwickelte eine
Stärke, die sie bis heute begleitet. Die Entscheidung, die
Handelsakademie in Villach zu besuchen, war für Sylvia ein Schritt
in eine Richtung, die sie letztlich nicht erfüllte. Sie wollte
keine Sekretärin werden, sondern suchte nach einer Berufung, die
mehr mit ihrem inneren Antrieb in Verbindung stand. Der Wunsch, zur
Polizei zu gehen, wuchs immer stärker in ihr. Ein Kollege ihres
verstorbenen Vaters, half ihr. und Renate Petz, die erste Frau in
der Kärntner Polizei sollte ihren Lebensweg maßgeblich verändern.
Sylvia entschloss sich, die Sozialakademie in Wien zu besuchen,
doch die Ausbildung war vor allem auf soziale Berufe ausgerichtet –
nicht das, was sie suchte. Im zweiten Ausbildungsjahr bot sich ihr
die Chance, bei der Gendarmerie aufgenommen zu werden, die zu
dieser Zeit begann, Frauen in den Dienst zu integrieren. Sylvia
trat 1985 in den Gendarmeriedienst ein und brach dafür ihre
Ausbildung an der Sozialakademie ab. Sie wurde direkt in die
Kriminalabteilung versetzt, in den Bereich der Sexual- und
Gewaltdelikte, was besonders für Frauen und Kinder von Bedeutung
war. Sylvia war nie in Uniform und sah sich von Anfang an mit
schweren Fällen wie Mord und sexuellen Übergriffen konfrontiert.
Aber es waren nicht nur die Gräueltaten, die sie prägten, sondern
auch der respektvolle Umgang mit den Opfern, der ihr während ihrer
gesamten Karriere wichtig blieb. In den ersten Jahren war sie oft
von den erlebten Fällen überwältigt. Aber ihre Erfahrung zeigte
ihr, wie wichtig es ist, Abstand zu wahren, Beruf und Privatleben
klar zu trennen und mit Kollegen über die Belastungen zu sprechen.
Sylvia lernte, dass sie als Ermittlerin nicht urteilen muss,
sondern lediglich der Wahrheit auf den Grund gehen soll. Heute,
nach über 40 Jahren im Polizeidienst, hat sich viel verändert.
Besonders die Arbeit im Bereich der Internetkriminalität, speziell
bei Kinderpornografie, hat enorme Herausforderungen mit sich
gebracht. Ein weiterer wichtiger Aspekt in Sylvias Arbeit ist ihre
Zusammenarbeit mit den Opfer- und Gewaltschutzzentren in Kärnten.
Seit 25 Jahren arbeitet sie eng mit diesen wichtigen Einrichtungen
zusammen, die Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch begleiten
und ihnen als erste Anlaufstelle dienen. Für Sylvias Engagement und
ihre unermüdliche Arbeit wurde ihr 2024 der Gewaltschutzpreis
verliehen – eine wohlverdiente Anerkennung für ihre jahrelange
Arbeit und ihren unerschütterlichen Einsatz für die Opfer. Sylvia
lebt nach dem Lebensmotto: „Ich lasse Schwäche zu, darf diese auch
zeigen und ich kann Hilfe annehmen.“ Sie weiß, dass es nicht nur
die Stärke ist, die uns im Leben weiterbringt, sondern auch die
Fähigkeit, Schwächen zu akzeptieren und sich Unterstützung zu
holen. Ihre Geschichte ist ein beeindruckendes Beispiel für die
Stärke einer Frau, die ihre Berufung gefunden hat und dabei ihre
Menschlichkeit bewahrt.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15