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Geschichte(n) hören Archiv

547 Episoden
1 Stunde 43 Minuten
Spitzensportler blieben in der DDR nicht von Repression verschont. In zahlreichen Fällen gerieten sie nicht allein ins Visier des MfS, sondern auch in die justiziellen Mühlen des Unrechtsstaates. Ihre berufsbedingten »Westkontakte« ließen die Athleten aus Sicht der SED zu einer besonderen »Risikogruppe« werden, so dass zur Abschreckung strafrechtliche Exempel statuiert wurden. Hierzu gehörten in den 1950er Jahren Schauprozesse in stalinistischer Manier. Doch auch in späteren Dekaden landeten unbotmäßige Athleten infolge politisch gesteuerter Verfahren hinter Gittern. Nach einem Vortrag von Dr. Jutta Braun vom Zentrum deutsche Sportgeschichte sprachen Axel Mitbauer, Wolfgang Schmidt und Manfred Steinbach mit dem Moderator Herbert Fischer-Solms vom Deutschlandfunk über ihre Geschichte.
1 Stunde 48 Minuten
Am 12. Juni 2010 verstarb Bernd Eisenfeld im Alter von 69 Jahren. Eisenfeld hatte sein Leben der kritischen Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur gewidmet - bis 1975 in der DDR und danach im vereinten Deutschland als Historiker und politischer Bildner, zuletzt in der Forschungsabteilung der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Aus Anlass seines ersten Todestages erschien im Ch. Links Verlag eine Monographie zur Geschichte der Bausoldatenbewegung in der DDR, an der Bernd Eisenfeld bis zu seinem Tod gemeinsam mit Peter Schicketanz gearbeitet hat. Die Drucklegung des Buches war von der Bundesstiftung Aufarbeitung gefördert worden. Dessen Präsentation erfolgte in Memoriam Bernd Eisenfelds gemeinsam mit dem BStU, der Robert-Havemann-Gesellschaft und dem Ch. Links Verlag. Nach einer Einführung durch Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk diskutierten auf dem Podium: Rainer Eppelmann, Ralf Hirsch, Detlef Pump und Dr. Peter Schicketanz. Es moderierte Dr. Ulrich Mählert.
1 Stunde 47 Minuten
Michael Wildt, Professor für deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts an der HU Berlin, verglich in seinem Vortrag die beiden großen totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts, den Nationalsozialismus und den Stalinismus. Anders als bei früheren "gleichmachenden" Vergleichen, die zum Historikerstreit führten, ging es Michael Wildt um einen strukturellen, auf die Herrschaftspraxis der beiden Systeme abzielenden "offenen" Vergleich. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, inwiefern Gewalt Gemeinschaft erzeugt und umgekehrt und ob beide Systeme als Gewaltgemeinschaften verstanden werden können.
1 Stunde 33 Minuten
Norman Naimark, Professor an der Stanford-Universität sprach über sein Buch "Stalin und der Genozid" (Suhrkamp 2010). In seinem Vortrag rekapitulierte er die Geschichte des Genozid-Konzepts und erläuterte die Zusammenhänge zwischen den Massentötungen in der Sowjetunion der 1930er und der politischen Linie bzw. dem Vorgehen Stalins. Naimark begründete seine Überzeugung, dass die stalinistischen Verbrechen als Genozid anzusehen und im Vergleich mit denen Hitlers und der Nazis zu betrachten seien.
1 Stunde 28 Minuten
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 mit ihren verheerenden Folgen machte nicht nur die mit der Nutzung der Kernenergie verbundenen Gefahren und Risiken sichtbar, sondern führte innerhalb der staatsozialistischen Gesellschaften zu einer wachsenden Sensibilisierung für die fortschreitende Umweltzerstörung. Die Podiumsdiskussion nahm den 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe zum Anlass, um mit ehemaligen Akteuren der Umweltbewegung in der DDR und den anderen Ländern des Ostblocks über die Zäsur von 1986 und deren Folgen zu diskutieren. Mit Dr. Christian Halbrock, Andreas Schönfelder, Ina Witte, Dr. Ulrich Neumann
2 Stunden 10 Minuten
Die Veranstaltung bildete den Auftakt zur Vortragsreihe »Stalinistischer Terror in der Sowjetunion und in Osteuropa: Neue Forschungen zu Tätern - Opfern - Folgen«, zu der der Lehrstuhl der Geschichte Osteuropas der HU Berlin und die Bundesstiftung Aufarbeitung eingeladen hatten. Für die Podiumsdiskussion "Von den Schauprozessen zu den Massenoperationen - Interpretationen des Großen Terrors in der Sowjetunion" konnten die Professoren Dr. Norman Naimark, Dr. Karl Schlögel und Jörg Baberowski gewonnen werden. Es moderierte Markus Wehner. Zugleich wurde das neue Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung vorgestellt.
1 Stunde 46 Minuten
Die Charta der Vereinten Nationen formulierte 1945 das hehre Ziel, "die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu fördern und zu festigen". Die internationale Staatengemeinschaft ist weit von diesem Ziel entfernt. Und dennoch scheinen Menschenrechte in der internationalen Politik seit der Überwindung des Kalten Krieges an Bedeutung gewonnen zu haben. Was hat sich durch die friedlichen Revolutionen des Jahres 1989, mit denen die kommunistischen Diktaturen Ostmitteleuropas überwunden wurden, in der internationalen Menschenrechtspolitik verändert? Welchen Stellenwert hat die Umbruchserfahrung für politische Protagonisten innerhalb und außerhalb des einstigen Ostblocks? In welchem Maße ist Menschenrechtspolitik Teil der Außenpolitik europäischer Staaten geworden? Sind die Menschenrechte auch weiterhin unteilbar, wenn diese mit Sicherheitsfragen und Handelsinteressen kollidieren? Antworten auf diese Fragen hatten die Veranstalter (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Menschenrechtsbeauftragter im Auswärtigen Amt, Heinrich-Böll-Stiftung und Robert-Havemann-Gesellschaft) im Rahmen eines Podiumsgesprächs gesucht. Es diskutierten: Volker Beck, Iwona Kozlowska, Gerd Poppe und Irina Scherbakowa. Moderation: Margit Miosga.
2 Stunden 3 Minuten
Die politische und historische Debatte wird immer wieder geprägt von der Frage, wie wir uns richtig an die SED-Diktatur erinnern sollen. Erinnerungskultur und Wissenschaft befinden sich dabei in einem spannungsvollen Verhältnis. Hinter dem gerne zitierten Bonmot vom »Zeitzeugen als natürlichem Feind des Historikers« geht es um einen weit tieferen Konflikt zwischen dem moralischen Duktus der Erinnerung und dem rationalen Erklärungsanspruch der Wissenschaft. Zeitzeugen vermitteln oft emotionale Bilder von der erlebten Vergangenheit. Indem sie von ihren persönlichen Erfahrungen berichten, tragen sie zur Individualisierung der Geschichte bei. Dagegen bemüht sich der Historiker um eine distanzierte, weitgehender Objektivität verpflichteten Herangehensweise. Für ihn ist der Zeitzeuge eine von vielen wichtigen Quellen und zugleich authentischer Rahmen der wissenschaftlichen Erzählung. Längst aber hat sich die Generation der Mitlebenden von ihrer Rolle als Quelle emanzipiert und beansprucht eine eigene Deutungskompetenz. Droht hier eine Entmachtung der Historikerzunft? Was leisten Zeitzeugen, was Historiker nicht können? Was können Historiker, was Zeitzeugen fehlt? Welche Ansprüche, Sichtweisen und Deutungskompetenzen können sie jeweils in der Erinnerungsarbeit geltend machen? Nach einer Einführung durch Prof. Dr. Alexander von Plato diskutierten auf dem Podium: Prof. Dr. Bernd Faulenbach, Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk, Dr. Günter Kröber und Bettina Effner. Es moderierte Dr. Jens Hüttmann.
1 Stunde 31 Minuten
Seltener sind es Wissenschaftler, jedoch häufiger Politiker und Vertreter von Medien, die die Kontinuitätsthese propagieren, d. h. eine in wesentlichen Bereichen bestehende Kontinuität von der SED bis hin zur LINKEN, die 2007 aus WASG und PDS gebildet worden ist. Im Vortrag von Dr. Gero Neugebauer, FU Berlin, wurden unter einer primär parteisoziologischen Fragestellung Aspekte aufgezeigt, die für Kontinuität als auch für Diskontinuität sprechen. Darstellung und Analyse wurden dxabei in den Kontext der Rahmenbedingungen, in der sich die Entwicklung der Partei von einer ostdeutschen Regionalpartei in eine gesamtdeutsche Partei vollzogen hat, eingebunden. Vortrag von Dr. Gero Neugebauer. Veranstaltung des Insituts für Zeitgeschichte München-Berlin, ZZF Potsdam und der Bundesstiftung Aufarbeitung 2010/2011.
55 Minuten
Anlässlich des »Tags der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden« widmete die Bundesstiftung Aufarbeitung dem Schicksal von Frauen, die Opfer politischer Verfolgung in der SBZ und DDR wurden, eine Gedenkveranstaltung. Die Burg Hoheneck in Stollberg (Sachsen) war das größte Frauengefängnis der DDR, in dem zahllose Frauen aus politischen Gründen inhaftiert waren. Der Dokumentarfilm »Ein Tag zählt wie ein Jahr« von Kristin Derfler und Dietmar Klein erzählt eindringlich und einfühlsam die Geschichten von Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gründen dort inhaftiert waren. Am Podiumsgespräch nahmen teil: Ingeborg Linke (* 1927), 1947 wegen angeblicher Spionage verhaftet und 1948 zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt; ab 1950 in Hoheneck inhaftiert, 1955 entlassen / Ellen Thiemann (* 1937), 1972 wegen geplanter Republikflucht verhaftet, 1973 verurteilt und in Hoheneck inhaftiert; 1975 nach Ost-Berlin entlassen und Übersiedlung in die Bundesrepublik / Uta Franke (* 1955), 1979 wegen »staatsfeindlicher Hetze« verhaftet und nach der Verurteilung in Hoheneck inhaftiert; 1981 vom Westen freigekauft und Übersiedlung in die Bundesrepublik. Moderation: Doris Liebermann.
1 Stunde 20 Minuten
Was ist mit über achtzig Jahren für einen Schriftsteller zu tun? Den nächsten Roman beginnen? Warum noch einen - alle Geschichten sind erzählt. Doch was jeder Tag aufs Neue bringt, das sind Begegnungen und Erkenntnisse. Erich Loest hat sie notiert und ausgeformt zu Miniaturen voller Weisheit und trockenem Humor. Zwischen August 2008 und September 2010 hielt er fest, was ihn beschäftigte und bewegte: Politisches und Persönliches, Geschichten von unterwegs und von daheim. Heiter-gelassen beobachtet er auch sich selbst. Um das Leben von Tag zu Tag auf den Punkt zu bringen, ist das Tagebuch die ideale Form - für sein erklärtes »Letztbuch« bedient sich Erich Loest ihrer zum ersten Mal. Kurz vor seinem 85. Geburtstag präsentierten die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Steidl Verlag Erich Loests »Man ist ja keine Achtzig mehr« in einer gemeinsamen Veranstaltung der Öffentlichkeit.
1 Stunde 33 Minuten
Die Vorstellung, die Akteure der SED auf Bezirks- und Kreisebene seien lediglich Befehlsempfänger zentraler Beschlüsse gewesen, vermittelt ein unvollständiges Bild der DDR-Herrschaftspraxis. Eigeninitiative und auch die Durchsetzung von Eigeninteressen regionaler Machtgrößen wurden von der Zentrale in Berlin häufig ausdrücklich begrüßt. Die führende Rolle der SED mit ihren hauptamtlichen Funktionären galt zwar als unantastbar und das Misstrauen gegenüber Reformen war groß, dennoch zeigte sich das System zuweilen flexibel bei der Suche nach Lösungen für die Probleme im Alltag. Letztlich stieß diese Politik jedoch schnell an Grenzen. Betrieben wurden häufig »Feuerwehreinsätze« statt eine nachhaltige Politik. Ein Vortrag von Dr. Heinz Mestrup, Universität Jena. Veranstaltungsreihe des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, ZZF Potsdam und der Bundesstiftung Aufarbeitung 2010/2011.
1 Stunde 44 Minuten
Vielfach werden Unrecht und menschenrechtswidrige Machenschaften in der DDR allein ihrer Geheimpolizei zugeschrieben, dem Ministerium für Staatssicherheit. Allerdings lautete schon die Selbstbestimmung des MfS, es habe »Schild und Schwert der Partei«, d. h. der SED zu sein. Die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen SED und MfS gestaltete, ist bislang nur unzureichend beleuchtet. War das MfS tatsächlich nur ausführendes Organ der Staatspartei? Wenn ja, wie wurden Aufträge an das MfS weitergegeben? Oder handelte der Geheimdienst doch weitgehend unabhängig von unmittelbaren Anweisungen, nur lose an eine große politische Linie angebunden? Zur Klärung dieser Fragen trug Dr. Helge Heidemeyer mit seinem Vortrag ein weiteres Stück bei. Veranstaltungsreihe des Instituts für Zeitgeschichte, ZZF Potsdam und der Bundesstiftung Aufarbeitung 2010/2011.
1 Stunde 32 Minuten
Den "50 Jahre Mauerbau: Formen des Gedenkens und Erinnerns an die SED-Diktatur" war am 8. Juni 2011 ein Podiumsgespräch gewidmet, zu dem die Gesellschaft für Deutschlandforschung ins Bonner Haus der Geschichte eingeladen hatte. Es diskutierten Prof. Dr. Arnulf Baring, Publizist und Historiker, Prof. Dr. Hans Walter Hütter, Präsident Haus der Geschichte, Dr. Ulrich Mählert, Leiter Arbeitsbereich Wissenschaft der Bundesstiftung Aufarbeitung, Prof. Dr. Manfred Wilke, Zeithistoriker. Die Moderation oblag Prof. Dr. Dominik Geppert vom Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn.
1 Stunde 53 Minuten
Im historischen Rückblick erscheint die SED mit ihren 2,3 Millionen Mitgliedern als monolithischer Block politisch Gleichgesinnter. Dennoch gab es immer wieder Versuche, die Staatspartei und ihr Gesellschaftssystem zu reformieren. Sie alle scheiterten am kompromisslosen Machtwillen der SED-Spitze. Die zaghaften Reformversuche wurden rasch abgebrochen, nachdem die politische Labilität der SED-Herrschaft offen zutage getreten war. Welche Ziele und Konzepte verfolgten die Reformer und warum waren sie zum Scheitern verurteilt? Mit der Antwort auf diese Fragen spannt sich der Bogen des Vortrages von Dr. Andreas Malycha, Institut für Zeitgeschichte, von der Gründung der Partei 1946 bis zu ihrem Untergang 1989. Im Zentrum steht letztlich die Frage, ob die SED als Grundpfeiler des diktatorischen Herrschaftssystems reformfähig war.