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100 Episoden
17 Minuten
Wenn Nexhat Maloku von seinen Reisen erzählt, dann funkeln seine Augen. Seit über 30 Jahren führt der 65-Jährige Lehrpersonen aus der Schweiz und Liechtenstein in seine alte Heimat Kosovo, nach Albanien und Nordmazedonien. Was als kleine Initiative begann, ist heute eine einzigartige Bildungsreise, die Brücken baut – zwischen Kulturen, Menschen und Generationen. Doch der Weg dorthin war alles andere als geradlinig.

Maloku wächst im Süden Kosovos auf, studiert albanische Literatur an der Universität Pristina – eine Zeit des Aufbruchs, aber auch der Repression. Als 1981 Studierende auf die Straße gehen, um mehr Autonomie für Kosovo zu fordern, ist Nexhat mittendrin.

„Wir wollten, dass Kosovo eine Republik wird, gleichberechtigt wie die anderen“, erzählt er. Doch die Hoffnung wird brutal niedergeschlagen. Er wird dreimal verhaftet, von 1978 bis 1988, und im Gefängnis gefoltert – psychisch wie physisch.

„Es war schrecklich. Man galt als Verräter“, erinnert er sich. Seine „Schuld“: der Traum von Freiheit und Gleichberechtigung.

Als Jugoslawien zu zerfallen beginnt, flieht Maloku 1990 in die Schweiz – auf illegalen Wegen, mit Hilfe von Freunden. Er spricht kein Wort Deutsch, hat nichts außer seiner Bildung und seinem Überlebenswillen.

Doch er kämpft sich durch. Er lernt die Sprache, findet Arbeit, beginnt als Lehrer für „Heimatliche Sprache und Kultur“ (HSK) zu unterrichten.

Bald unterrichtet er nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene – Lehrpersonen, Sozialarbeitende, Menschen, die Albanisch lernen wollen, um ihre Schülerinnen und Schüler besser zu verstehen. „Ich habe gesehen, dass viele Lehrpersonen kaum wussten, woher ihre albanischsprachigen Kinder kamen“, sagt Maloku. Und so entsteht eine Idee, die sein Leben erneut verändern wird.

2003, kurz nach dem Krieg, organisiert er die erste Studienreise nach Kosovo. „Ich wollte, dass Lehrpersonen das Land mit eigenen Augen sehen“, erklärt er. Schulen besuchen, Familien treffen, Geschichte erleben.

Seitdem begleitet er jedes Jahr Gruppen von Lehrpersonen auf zehntägige Bildungsreisen durch den Balkan – von Pristina bis Tirana, von Berat bis ans Meer. Rund 700 Teilnehmende waren bisher dabei.

Die Begegnungen prägen – auf beiden Seiten. Viele Lehrpersonen halten den Kontakt zu den Familien, die sie dort kennengelernt haben, organisieren Schulprojekte oder private Besuche. „Das Schönste ist, wenn Vorurteile verschwinden“, sagt Nexhat. „Wenn jemand zurückkommt und sagt: Ich sehe dieses Land jetzt mit anderen Augen.“

Heute lebt Maloku in Zürich, aber sein Herz schlägt zwischen den Welten. Auf seinen Reisen wird er überall herzlich empfangen – auf Albanisch oder im breitesten Schweizerdeutsch.

Er lacht, wenn er erzählt, wie er ehemaligen Teilnehmenden in Tirana begegnet, die ihn in Schweizer Dialekt ansprechen.

„Ich wollte einfach etwas Gutes machen“, sagt er bescheiden. Doch tatsächlich hat er mehr getan: Er hat das Verständnis zwischen zwei Kulturen nachhaltig geprägt.

Geboren: im Süden des Kosovo

Wohnort: Zürich, Schweiz

Ausbildung: Studium der albanischen Literatur in Pristina

Beruf: Lehrer und Reiseleiter

Im Gefängnis: Dreimal in den 1980er-Jahren wegen politischer Aktivitäten

In der Schweiz seit: 1990

Organisiert seit: 2003 Bildungsreisen für Lehrpersonen nach Kosovo, Albanien und Nordmazedonien

Teilnehmende: über 700 Lehrpersonen und Studierende

Ziel der Reisen: interkulturelles Verständnis, Einblicke in Bildung, Kultur und Geschichte des Balkans

Website: www.albanienkosovareisen.ch
33 Minuten
Thomas Payr, geboren am 19. September 1940 in Feldkirch-Altenstadt, ist ein Mann, der die Welt durch Linien, Farben und Geschichten erfasst. Sein Leben liest sich wie ein Roman: geprägt von osttirolerischen Wurzeln, künstlerischer Leidenschaft und der unerschütterlichen Überzeugung, dass Kunst nicht nur gemalt, sondern gelebt wird. „Die Kunst ist ein väterliches Erbe“, sagt er – und tatsächlich scheint sie ihm im Blut zu liegen. Schon sein Vater, ein kluger Kopf aus Kals am Großglockner, träumte von einer künstlerischen Laufbahn, doch die Pflichten als Familienvater führten ihn in den Beamtenstand. Thomas Payr aber folgte dem Ruf der Leinwand – wenn auch mit Umwegen.

Nach der Matura und einem kurzen Intermezzo bei der Post, wo er „die Pragmatisierung“ erreichte („Mein Bub, du verstehst“), brach er auf: erst ins Bauhaus nach Bochum, dann als Lehrer nach Tirol und Vorarlberg, immer mit dem Skizzenblock in der Hand. Die Linie, so sagt er, sei sein „dominanter Ratgeber“. Ob im grafischen Design, in der Malerei oder im Unterricht – Payr blieb ein Zeichner, ein Gestalter, ein Mann, der die Welt in Formen und Farben übersetzt.

Payrs Stil ist unverkennbar: klar, expressiv, durchdrungen von der Schule des Bauhauses, doch nie dogmatisch. „Ich bin kein Hungerleiter“, betont er, „aber die Kunst war mir immer den Preis wert.“ Sein Atelier in der alten Dogana in Feldkirch wurde zum kreativen Zentrum – bis die Stadt es ihm eines Tages „wegnahm“. Doch Payr ist kein Mann der Klagen. Stattdessen packte er die Koffer und folgte dem Ruf seines Sohnes Simon auf die Kanarische Insel La Gomera. Dort, zwischen Vulkanen und dem endlosen Blau des Atlantiks, entdeckte er ein neues Farbspektrum: „Die Farbe war wie ein Magnet, der mich überschüttete.“ Monatelang malte er unter freiem Himmel, lernte Spanisch („mit Latein als Wurzel“), und fand in der Galeria Oasis eine zweite Heimat. „Das Licht dort ist eine Droge“, schwärmt er. Seine Bilder wurden intensiver, lebendiger – als würde er seinen Motiven nicht nur Farbe, sondern Leben selbst schenken.

Die Kanaren wurden zu seinem Winterrefugium, ein Ort, an dem er „jeden Tag malte, nicht aus Muss, sondern aus Lust“. Doch selbst im Paradies blieb er ein Vorarlberger: „Die Farbe hier ist verkraut“, sagt er über die Heimat, „aber unten habe ich gelernt, sie zu intensivieren.“ Seine Werke – ob Acryl auf Leinwand oder Mixed-Media-Experimente – erzählen von dieser Dualität: der kühlen Klarheit der Alpen und der glühenden Leuchtkraft des Südens.

Payr unterrichtete an Gymnasien in Tirol und Vorarlberg, prägte Generationen von Schülern – und lernte selbst nie aus. Seine Kontakte zu Schriftstellern, Kunsthistorikern und Kollegen waren ihm stets wichtiger als der große Markt. „Die Zeit ist die Mängelware unserer Epoche“, sagt er. Doch er nahm sie sich: für Gespräche, für die Staffelei, für das „Gespräch mit dem Bild“ – eine private Auseinandersetzung, die er wie eine Liebe pflegt. „Das Bild ist widerspenstig. Es muss in die Spur gebracht werden.“

Sein vielleicht berühmtestes Werk, „Feldkirch vernetzt“ (1974/2024), ist ein dreidimensionales Drahtgeflecht, das die Stadt in Linien auflöst. „Ich habe mit dem Lötkolben gearbeitet, bis die dritte Dimension entstand“, erzählt er. Ein Bild, das nicht nur hängt, sondern Raum schafft – genau wie sein Leben, das sich zwischen Ateliers, Reisen und Familienbanden entfaltet.

Payr schreibt, wie er malt: mit Hingabe und ohne lange zu feilen. Seine Texte – wie das Gedicht „Gestern war ich zu Hause“ – sind voller Erinnerungen an Altenstadt, an eine Kindheit im Schatten der Kirche, an „einen Rosenkranz von Bildern, im Wissen, dass Rosen Dornen tragen“. Doch veröffentlicht hat er sie nie.

Seine Söhne, der Fotograf David Payr (Wien) und der in Berlin lebende Simon, trugen die Kunst in die Welt. Doch Thomas selbst blieb ein Heimkehrer – heute, mit 85 Jahren, bilanziert: „Die Freiheit in der Malerei war mein größtes Geschenk.“
27 Minuten
In einer Welt, die sich immer schneller digitalisiert, gibt es noch kleine analoge Botschafter, die Geschichten erzählen, Emotionen transportieren und Erinnerungen bewahren: Briefmarken. Christine Böhmwalder, Gestalterin bei der Philatelie Liechtenstein, gehört zu den Menschen, die diese kleinen Kunstwerke mit viel Hingabe und Leidenschaft entwerfen.

Seit ihrer Jugend faszinieren sie Briefmarken – damals noch die Entdeckung einer Kollegin, die selbst welche gestalten durfte. Heute ist sie selbst federführend in diesem Bereich tätig und bezeichnet das Entwerfen von Briefmarken als die „höchste Disziplin der Gestaltung“. Denn auf winzigem Raum gilt es, Kunst, Geschichte und Identität so zu vereinen, dass sie weltweit verstanden und geschätzt werden.

Nach vielen Jahren in der Agenturarbeit wechselte Christine 2020 in die Philatelie. Dort verantwortet sie nicht nur die kreative Gestaltung, sondern auch die Themenauswahl für die künftigen Serien. Schon Jahre im Voraus sammelt sie Ideen, die das kulturelle, historische und gesellschaftliche Leben Liechtensteins widerspiegeln. Ob Natur, Architektur, Kunst oder die Fürstenfamilie – jede Marke erzählt eine Geschichte und wird so zu einem Zeitzeugnis.

Besonders stolz ist sie auf die jährliche Friedensbriefmarke, die Liechtenstein gemeinsam mit internationalen Partnern herausgibt. Damit sendet das kleine Land eine große Botschaft in die Welt. Für Böhmwalder sind Briefmarken „kleine Botschafter“, die weit über den Postweg hinaus wirken – ob klassisch auf einem Brief, gestickt auf einem Cap oder als digitale Kryptobriefmarke.

Trotz Digitalisierung glaubt sie an die Zukunft der Philatelie. Denn das Sammeln sei für viele Menschen eine Art Meditation – „Yoga im Kopf“, wie sie es nennt. Es schenke Ruhe, Wertschätzung und Verbundenheit. Junge Menschen würden wieder mehr Postkarten schreiben und sich bewusst Zeit für Handschrift und Haptik nehmen.

Christine Böhmwalder verbindet in ihrer Arbeit Tradition und Innovation. Sie schafft es, mit jeder Marke ein Stück Liechtenstein in die Welt zu tragen – kunstvoll verdichtet auf wenigen Quadratzentimetern.

Wohnort: Götzis, Vorarlberg

Tätig bei: Philatelie Liechtenstein (seit 2020)

Ausbildung: Grafikerin, Gestalterin

Besonderheit: Erste Briefmarke Liechtensteins erschien 1912 – seither weltbekannt für Qualität und Innovation

Innovationen: Gestickte Marken, 3D-Marken, Kryptobriefmarken

Lieblingsthema: Friedensbriefmarke – jährliche Serie mit internationaler Strahlkraft

Auflagenhöhe: meist zwischen 20.000 und 30.000 Stück

Sammler weltweit: in über 67 Ländern

Philosophie: „Briefmarken sind kleine Botschafter – und das Sammeln ist Yoga im Kopf.“
20 Minuten
Wenn man durch den Garten von Nikolaus Peer in Göfis spaziert, wird schnell klar: Hier arbeitet jemand mit Leidenschaft, Geduld und einem tiefen Verständnis für die Natur. Zwischen Obstbäumen, Rebstöcken und Beerenpflanzen gedeihen Kiwipflanzen, die in Vorarlberg noch immer Seltenheitswert haben. Peer war einer der Ersten, die im Ländle vor über 30 Jahren mit der exotischen Frucht zu experimentieren begannen – und das mit großem Erfolg. Heute erntet er jährlich bis zu 2.000 Früchte.

Dabei ist die Kiwi für ihn mehr als nur eine Ergänzung zur Selbstversorgung. Der gelernte Drucker und ausgebildete Baumwärter verbindet in seiner Arbeit fundiertes Wissen mit praktischer Erfahrung. Den entscheidenden Anstoß erhielt er in den 1980er Jahren, als er in Wädenswil in der Schweiz eine professionelle Kiwi-Pflanzung besichtigte. Dort lernte er in wenigen Stunden, wie man die empfindlichen Pflanzen richtig schneidet, erzieht und pflegt. Dieses Wissen hat er über Jahrzehnte verfeinert und an die Bedingungen im Vorarlberger Rheintal angepasst.

Von der Pflanze zur Kulturführung

Peer empfiehlt stets, männliche und weibliche Pflanzen getrennt zu setzen – künstlich gezüchtete Zwitterpflanzen seien keine Lösung, da sie langfristig nicht stabil bleiben. Platz ist entscheidend: Eine männliche Pflanze kann bis zu acht weibliche befruchten, benötigt aber ausreichend Raum. Auch der Boden spielt eine zentrale Rolle – sauer muss er sein, kalkhaltige Erde wäre Gift für die Kiwi.

Das Stützgerüst, das Peer für seine Pflanzen errichtet hat, erinnert an ein Wagenrad oder einen gespannten Schirm. Jahr für Jahr bindet er die neuen, meterlangen Triebe sorgfältig herunter, damit die Früchte in Kopfhöhe hängen und leicht zu ernten sind. Doch nicht die Menge allein zählt: Damit Aroma und Qualität stimmen, dünnt er die Pflanzen im Sommer aus – viele kleine Früchte werden früh entfernt, damit die verbleibenden groß und aromatisch heranreifen können.

Ökologisches Arbeiten und Verarbeitung

Seine Kulturführung ist durchdacht und nachhaltig. Mit einer speziellen Bodenbedeckung aus Laub, Häcksel und Vlies schafft er ein Mikroklima, das Wasser speichert und die Pflanzen auch in heißen Sommern versorgt – ganz ohne tägliches Gießen. Gedüngt wird biologisch im geschlossenen Kreislauf.

Die Ernte im Spätherbst reicht oft bis ins nächste Jahr. Kiwis lagert er im Erdkeller, wo sie unter idealen Bedingungen monatelang frisch bleiben. Ein Teil wird frisch verzehrt, ein anderer getrocknet – in aufwendiger Handarbeit, Scheibe für Scheibe, schonend bei niedriger Temperatur. So entstehen süße, grüne Ringe, die optisch wie geschmacklich überzeugen.

Vermittler von Wissen

Peer ist nicht nur Züchter, sondern auch ein leidenschaftlicher Vermittler. Als Mitglied des Obst- und Gartenbauvereins Göfis gibt er sein Wissen in Kursen und Gesprächen weiter. Seine Botschaft: Kiwi-Anbau ist keine Hexerei – mit Geduld, einem geeigneten Standort und der richtigen Pflege können auch heimische Hobbygärtner Erfolg haben.

Über die Jahre hat sich Nikolaus Peer einen Namen als Kiwi-Pionier gemacht – nicht nur in Göfis, sondern weit über die Gemeinde hinaus. Wer ihn erlebt, merkt schnell: Hier spricht einer, der nicht nur gärtnert, sondern im besten Sinne kultiviert.

Factbox: Nikolaus Peer

Wohnort: Göfis, Vorarlberg

Beruf: Gelernter Drucker, ausgebildeter Baumwärter

Spezialgebiet: Kiwi-Anbau seit den 1990er-Jahren

Anbaufläche: ca. 35 Obstbäume, 20 Rebstöcke, zahlreiche Beeren – und mehrere Kiwi-Pflanzungen

Ernte: 1.000–2.000 Früchte jährlich

Besonderheit: erste Kiwi-Pflanzungen in Göfis, nachhaltige Bewirtschaftung, biologische Düngung

Verarbeitung: Frischverzehr, Lagerung im Erdkeller, Trocknung

Engagement: Mitglied im OGV Göfis, gibt Kurse und Tipps für Hobbygärtner
18 Minuten
Stefan Fritsche, geboren 1981, lebt in Ludesch im Walgau. Er ist Berg- und Skiführer seit 2014, technischer Leiter bei der Bergrettung Vorarlberg und ausgebildeter Bergrettungs-Ausbildner. Neben seiner Tätigkeit in den Bergen hat er sich in den vergangenen Jahren auch als leidenschaftlicher Fotograf und Filmemacher etabliert.

Schon früh prägten ihn die Touren mit seiner Familie in die Alpen. Der Vater war selbst Bergsteiger, was Stefan nicht nur Zugang zu Ausrüstung, sondern auch den Mut gab, sich selbst auf die Felsen zu wagen. Was als Hobby begann, entwickelte sich zur großen Leidenschaft: erst Felsklettern, dann alpine Touren, später Hochtouren in der Schweiz und Expeditionen in die weite Welt.

Ursprünglich schlug Fritsche jedoch einen ganz anderen beruflichen Weg ein. Nach der Pflichtschule absolvierte er die HTL Imst für Innenausbau und Möbelbau, wurde Tischlergeselle und technischer Zeichner und führte sogar eine Zeit lang den väterlichen Tischlereibetrieb weiter. Doch das Holzhandwerk trat mehr und mehr in den Hintergrund, bis die Berge endgültig den Mittelpunkt seines Lebens bildeten.

Die Aufnahmeprüfung für die Bergführerlaufbahn gilt als große Hürde: nur ein Bruchteil der Bewerber schafft den Einstieg. Fritsche bestand und absolvierte die zweijährige, sehr intensive Ausbildung. Seitdem führt er Gäste auf klassische Touren in den Alpen – vom Großglockner über den Mont Blanc bis zu Expeditionen in Südamerika, Alaska oder in den Himalaya. Seine besondere Begeisterung gilt Patagonien, wohin ihn bereits mehrere Reisen führten.

Die zweite große Leidenschaft Fritsches ist die Kamera. Erste Erfahrungen sammelte er als Höhenkameramann bei einer ServusTV-Expedition zum Mount Everest, wo er 2011 als Ersatzkameramann einsprang und Aufnahmen auf über 8.000 Metern Höhe machte. Dieses Erlebnis weckte endgültig seine Faszination für die Filmarbeit im extremen alpinen Umfeld.

Später realisierte er eigene Filmprojekte, oft zusammen mit Bergführer- und Kletterkollegen. Besonders bekannt wurde der Film „Vorarlberg Vertikal“, der die Klettergeschichte der Region anhand dreier Generationen porträtiert. Trotz finanzieller Hürden und der Verzögerungen durch die Corona-Pandemie wurde das Projekt erfolgreich abgeschlossen und auf Festivals gezeigt. Weitere Filmideen – insbesondere im alpinen Bereich – stehen für die Zukunft im Raum.

Neben seiner Tätigkeit als Führer und Filmemacher engagiert sich Fritsche stark in der Bergrettung. Als technischer Leiter ist er für Ausbildung, Sicherheit und Ausrüstung verantwortlich. Dieses Engagement ist ehrenamtlich und nimmt dennoch einen bedeutenden Teil seiner Zeit ein.

Im Winter führt Stefan regelmäßig am Arlberg Gäste auf Skitouren. Parallel dazu plant er immer wieder große Reisen – aktuell erneut nach Patagonien, wo er zusammen mit einem Freund anspruchsvolle Routen klettern will. Beruflich wie privat bleibt er dem Berg treu: als Führer, Retter, Kletterer und Filmemacher.

Geboren: 1981

Wohnort: Ludesch, Vorarlberg

Ausbildung: HTL Imst (Innenausbau und Möbelbau), Tischlergeselle, technischer Zeichner, Berg- und Skiführer (seit 2014)

Beruf: Berg- und Skiführer, technischer Leiter Bergrettung Vorarlberg, Filmemacher

Projekte:

Höhenkameramann am Mount Everest (2011, ServusTV/Terra Mater)

Film „Vorarlberg Vertikal“ (Porträt der Kletterszene)

Weitere Expeditionen und Filmprojekte in Patagonien, Alaska, Himalaya, Karakorum

Leidenschaften: Klettern, Skitouren, Hochtouren, Film- und Fotografie

Besonderes: Vier Reisen nach Patagonien, Expeditionserfahrung weltweit, starker Fokus auf regionale Klettergeschichte
41 Minuten
Wenn Arno Brändle erzählt, spürt man sofort: Dieser Mann hat mehr erlebt, als in ein Lehrerleben passt. Und doch ist er seit 35 Jahren Lehrer – und das mit einer Leidenschaft, die man ihm nicht immer zugetraut hätte. Denn eigentlich war es gar nicht sein Traumberuf. Erst in Liechtenstein, als er plötzlich nicht einer von vielen Lehrern war, sondern Klassenlehrer mit Verantwortung für 13 Jugendliche, erkannte er, was Schule wirklich bedeutet: Beziehungsarbeit. Lernen, so sagt er, sei immer Beziehung.

Doch das Klassenzimmer war ihm nie genug. Brändle, heute 59 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder und wohnhaft in Feldkirch-Tosters, hat sich sein Leben immer wieder neu erfunden. Mal als Filmemacher, mal als Bildungspionier, mal als früher Experte für künstliche Intelligenz im Unterricht.

Eine Episode, die fast filmreif klingt: Mitten in der Flüchtlingskrise 2015 engagiert sich Brändle bei Liechtenstein Languages, einer Stiftung, die Geflüchteten mit innovativen Methoden das Sprachenlernen erleichtert. Aus einer spontanen Idee – unterstützt vom Fürstenhaus – entsteht ein europaweit anerkanntes Projekt. Brändle reist dafür nach Berlin, Genf, Marrakesch, Ankara und bis an die syrische Grenze. Sein Unterricht wird zu einem Instrument, das Integration möglich macht.

Auch privat sucht er Abenteuer jenseits der Komfortzone: Mit seiner Frau reist er in den 90ern im selbst ausgebauten Transporter nach Indien – und heiratet dort am südlichsten Zipfel Keralas. Eine zweite Trauung folgt spontan in Pakistan. Offiziell gültig gemacht wird die Ehe später in Wien. Eine Geschichte, die so nur Brändle schreiben konnte.

Früh fasziniert ihn die Kamera. Erste Super-8-Versuche scheitern an den Kosten, doch mit der Digitalisierung wird Filmemachen leistbar. Brändle dreht mit Schülern Kurzfilme, gewinnt Wettbewerbe in Zürich und Liechtenstein und finanziert damit sogar Abschlussfahrten. Besonders prägend: ein improvisierter Film über Terrorismus – nur Tage vor dem Anschlag auf Charlie Hebdo entstanden. Plötzlich hatte das Projekt politische Brisanz.

Seit 2022 ist Brändle einer der ersten Lehrer im Rheintal, der das Potenzial von ChatGPT erkennt. Während viele noch skeptisch sind, experimentiert er schon im Unterricht. Seine erste Idee: Die Schüler schreiben sich mithilfe von KI gegenseitig Laudatios – ein sozialer, wertschätzender Einsatz, der die Klassengemeinschaft stärkt. Später entstehen sogar eigene Schulmanifeste.

Für Brändle ist KI kein Ersatz, sondern ein Spiegel. Sie zwingt ihn, die eigenen Vorurteile zu erkennen, und eröffnet Schülern neue kreative Räume. Er spricht nicht von Vereinfachung, sondern von Befähigung. KI, so sagt er, ermögliche Dinge, die bisher unmöglich waren.

Arno Brändle – Lehrer, Filmemacher, Weltreisender, KI-Pionier. Ein Mann, der stets neugierig bleibt und der beweist, dass Lernen nie aufhört – weder für Schüler noch für Lehrer.

Geboren: 1964

Wohnort: Feldkirch-Tosters

Familie: Verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern

Beruf: Lehrer an der Oberschule Eschen, Fürstentum Liechtenstein

Weitere Tätigkeiten: Filmemacher, KI-Experte, Bildungsinnovator

Engagement: 6 Jahre bei „Liechtenstein Languages“ – Flüchtlingskurse und Sprachprojekte in Europa, Türkei und Nahost

Besonderes: Heirat in Indien und Pakistan, Kurzfilm-Preise, Auftritte bei internationalen Konferenzen

Motto: „Lernen ist Beziehungsarbeit.“
40 Minuten
Wenn man Johannes Spies begegnet, spürt man sofort seine Leidenschaft für Geschichte und politische Bildung. Er ist Lehrer, Historiker, Kulturvermittler – und ein engagierter Netzwerker, der es versteht, Vergangenheit und Gegenwart in einen lebendigen Dialog zu bringen.

Geboren wurde Johannes Spies 1979 in Graz. Schon früh kam er mit seiner Familie nach Vorarlberg, das seit den 1950er-Jahren Lebensmittelpunkt seiner Großeltern und Eltern geworden war. Auch wenn er also nicht „waschechter“ Vorarlberger ist, fühlt er sich längst als Dornbirner – hier lebt er mit seiner Familie und hier schlägt sein Herz.

Seine eigene Schulerfahrung prägte ihn stark: nicht als Musterschüler, sondern durch Lehrerpersönlichkeiten, die ihn förderten und bestärkten. Dieses Erlebnis wurde zum Keim für seinen Berufswunsch. Nach der Handelsakademie Bregenz und dem Zivildienst begann er an der Pädagogischen Akademie in Feldkirch ein Studium, ursprünglich mit Englisch und Geografie. Ein Zufall lenkte ihn jedoch zur Geschichte – ein Fach, das fortan sein Lebensweg werden sollte.

Sein Berufseinstieg führte ihn nach Bregenz an die Hauptschule Vorkloster, wo er neun Jahre unterrichtete. Parallel bildete er sich kontinuierlich fort, absolvierte unter anderem Lehrgänge zur politischen Bildung und schließlich ein Masterstudium an der Universität Krems. Spies versteht Bildung als lebenslangen Prozess – eine Haltung, die er auch seinen Schüler:innen vorlebt.

Seit vielen Jahren ist er an der Mittelschule Dornbirn Markt tätig, jener Schule, an der er selbst als Jugendlicher wichtige Impulse erhielt. Mit Projekten wie dem Freifach „Politische Bildung“ schafft er Freiräume, in denen Schüler:innen Themen entwickeln, die sie wirklich bewegen – von Sicherheit über Demokratie bis zu gesellschaftlichen Fragen.

Johannes Spies beschränkt seine Bildungsarbeit nicht auf das Klassenzimmer. Er ist seit 2016 Netzwerkkoordinator von erinnern.at in Vorarlberg – einer Initiative, die das Lernen über Nationalsozialismus, Holocaust und Antisemitismus fördert. Dabei unterstützt er Lehrkräfte, organisiert Fortbildungen und vermittelt Workshops.

Darüber hinaus ist er Obmann der Johann-August-Malin-Gesellschaft, die sich kritisch mit der Zeitgeschichte Vorarlbergs auseinandersetzt. Parallel engagiert er sich in der Rheticus-Gesellschaft, die wissenschaftliche Publikationen und historische Forschung fördert.

Seit 2012 ist er außerdem Kulturvermittler im Jüdischen Museum Hohenems, wo er Schulklassen und Erwachsene durch die Ausstellungen führt. An der Fachhochschule Vorarlberg und in der Gewerkschaftsschule des ÖGB gibt er sein Wissen in der politischen Bildung weiter.

Was Spies antreibt, ist die Überzeugung, dass Bildung mehr ist als reines Faktenlernen. Sie bedeutet für ihn, junge Menschen zu befähigen, kritisch zu denken, sich zu orientieren und ihre Welt aktiv mitzugestalten. Gerade in Zeiten von Unsicherheit, Populismus und gesellschaftlichen Umbrüchen sieht er hier eine zentrale Aufgabe der Lehrperson.

Seine eigene Biografie – vom eher mittelmäßigen Schüler zum engagierten Pädagogen – macht ihn glaubwürdig. Er weiß, wie entscheidend gute Lehrer:innen für Lebenswege sein können, und er versucht, diese Rolle für die nächste Generation einzunehmen.

Geboren: 1979 in Graz

Wohnort: Dornbirn

Familie: Vater einer Tochter

Beruf: Lehrer an der Mittelschule Dornbirn Markt, Historiker, Kulturvermittler

Studium: Pädagogische Akademie Feldkirch (Englisch & Geschichte), Masterstudium Politische Bildung (Uni Krems)

Stationen:

Hauptschule Bregenz-Vorkloster (9 Jahre)

Seit 2012 Kulturvermittler im Jüdischen Museum Hohenems

Seit 2016 Netzwerkkoordinator von erinnern.at in Vorarlberg

Lehrender u. a. an der Fachhochschule Vorarlberg und der Gewerkschaftsschule des ÖGB

Funktionen:

Obmann der Johann-August-Malin-Gesellschaft

Vorstandsmitglied der Rheticus-Gesellschaft

Schwerpunkte: Politische Bildung, Zeitgeschichte Vorarlbergs, Nationalsozialismus, Holocaustvermittlung
13 Minuten
Herzblut, Hip-Hop und Horizonterweiterung

Wenn Samantha „Samy“ Fernandez da Silva den Raum betritt, dann bringt sie Energie mit – jene Art von Energie, die sofort überspringt. Sie ist erst 25, geboren im schweizerischen Buchs SG, zuhause in Schaan (FL), und doch schon eine Frau mit einer erstaunlich bunten Vita. Heute ist sie Erasmus-Koordinatorin und Jugendarbeiterin im AHA Liechtenstein, nebenbei leidenschaftliche Tänzerin und Hip-Hop-Coach – und das alles mit einer Leichtigkeit, die ansteckend wirkt.

Eigentlich begann alles klassisch: Samy arbeitete in einer Privatbank und im Treuhandwesen. Doch dann kam Erasmus+. Ein Tanztheaterprojekt mit 15 Jahren war der Funke, der das Feuer entfachte. „Ich habe gemerkt, wie viel Freude mir die Arbeit mit Jugendlichen macht“, erzählt sie. Statt Zahlenkolonnen wollte sie Begegnungen schaffen – international, kreativ, lebendig.

Heute organisiert sie Jugendaustausche, Freiwilligendienste und Job-Shadowings in ganz Europa. Ob Sport, Kultur oder Umwelt – Samy bringt junge Menschen zusammen, die voneinander lernen und über Grenzen hinausblicken. Und das mit Erfolg: „Man merkt, dass das Interesse bei Jugendlichen jedes Jahr wächst“, sagt sie strahlend.

Doch wer Samy nur als Koordinatorin sieht, unterschätzt sie. Ihr zweites Herz schlägt für den Tanz – genauer: Hip-Hop und Streetdance. Mit 16 sprang sie spontan als Tanzlehrerin ein, als ihre Trainerin ausfiel. Seitdem unterrichtet sie im Tanzclub Liechtenstein, tanzt zusätzlich in Koblach und bringt internationale Freunde für Workshops ins Land. Afro, Urban, Reggaeton – ihre Styles sind so bunt wie ihre Wurzeln.

Und die sitzen tief: Die Mutter stammt aus Neapel, hat spanisches Blut, dazu kommt portugiesische Herkunft. Italienisch spricht Samy fließend, Spanisch und Portugiesisch „so lala“. Aber beim Tanzen gilt ohnehin: Rhythmus ist die Sprache, die alle verstehen.

Ob Mexiko, Thailand, Sri Lanka oder New York – Reisen sind für Samy mehr als Urlaub, sie sind Lebensschule. Sie hat Polarlichter in Island bestaunt, in Lissabon gesurft und sich in Mexiko von der Leichtigkeit treiben lassen. Ihr Traum? Hawaii. Surfen, Sonne, Aloha-Spirit – es wäre die perfekte Fusion aus Bewegung, Natur und Menschen, die ihr so wichtig sind.

„Am Reisen faszinieren mich die Menschen“, sagt sie. Freundschaften, neue Perspektiven, Horizonterweiterung – das ist der rote Faden, der sich durch ihr Leben zieht.

Tanzen, Reisen, Jugendliche motivieren – Samy kombiniert alles, was ihr wichtig ist. Doch sie denkt weiter. Mehr internationale Tanzprojekte in Liechtenstein, Workshops, vielleicht sogar ein Festival – das sind Visionen, die sie antreiben.

Und während andere noch überlegen, wie sie Job und Leidenschaft verbinden können, lebt Samy längst vor, wie es geht: Mit Herz, Elan und einem Lächeln, das jede Bühne erhellt.

Name: Samantha „Samy“ Fernandez da Silva

Geburtsjahr: 2000 (25 Jahre alt)

Geburtsort: Buchs SG, Schweiz

Wohnort: Schaan, Liechtenstein

Beruf: Erasmus+-Koordinatorin & Jugendarbeiterin im AHA Liechtenstein

Tanzstil: Hip-Hop, Streetdance, Urban, Afro, Reggaeton

Engagement: Organisiert Jugendaustausche, Freiwilligendienste & internationale Mobilitätsprojekte

Sprachen: Deutsch, Italienisch, etwas Spanisch & Portugiesisch

Leidenschaften: Tanzen, Reisen, Menschen verbinden

Lieblingsreiseziele: Island (Polarlichter), Portugal (Lissabon), Traum: Hawaii
20 Minuten
Wer Sandro Frick begegnet, spürt sofort die Leidenschaft, mit der er Menschen bewegt – im wahrsten Sinne des Wortes. Der 46-jährige Physiotherapeut aus Feldkirch verbindet seine tiefe Naturverbundenheit, seinen Sportgeist und sein politisches Engagement zu einer beeindruckenden Lebensgeschichte.

Sein Weg in die Physiotherapie begann eher zufällig: Während des Zivildienstes in einer Werkstätte für Menschen mit Beeinträchtigungen entdeckte er die Freude an der Arbeit mit Menschen. Über den Sport fand er schließlich den Weg zur Physiotherapie-Ausbildung in Landquart, die er als einer der ersten Absolventen mit Bachelor abschloss. Heute blickt er auf über 20 Jahre Berufserfahrung zurück – und immer noch liebt er die Vielfalt der Menschen, die er betreut, von Kreuzband-Patienten bis hin zu Menschen mit Rückenschmerzen.

Neben seiner physiotherapeutischen Arbeit gründete Frick das „Fitnesscenter Natur“. Was als Outdoor-Zirkeltraining begann, entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Senioren-Fitness in Feldkirch und Rankweil. Bei Wind und Wetter treffen sich die Gruppen im Reichenfeld oder an der Frutz, um mit Steinen, Wurzeln und Holzrundlingen Kraft, Beweglichkeit und Koordination zu trainieren. Der Fokus: Bewegung in und mit der Natur, abseits steriler Fitnessräume. „Die Leute genießen die frische Luft und das einfache, ursprüngliche Training“, sagt Frick. Wer möchte, wagt im Anschluss sogar ein regenerierendes Bad im Bach.

Frick selbst lebt, was er lehrt: Ob Fußball, Eishockey, Joggen, E-Mountainbike oder Eisbaden – Bewegung gehört für ihn zum Alltag. Seine Begeisterung für Sport überträgt er mit viel Energie auf seine Patienten und Kursteilnehmenden.

Doch Fricks Engagement endet nicht beim Sport. Seit rund 15 Jahren ist er kommunalpolitisch aktiv. Besonders im Sportausschuss von Feldkirch setzt er sich für Bewegungsangebote und Infrastruktur ein. Seine Motivation: „Man darf nicht nur über Politik schimpfen, sondern muss auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.“

Damit vereint er drei Rollen, die sich gegenseitig ergänzen: Physiotherapeut, Naturtrainer und Kommunalpolitiker – immer mit dem Ziel, Menschen in Bewegung zu bringen, sei es körperlich oder gesellschaftlich.

Geboren: 1977 in Feldkirch/Österreich

Beruf: Physiotherapeut (seit über 20 Jahren)

Spezialisierungen: Orthopädie, Rehabilitation nach Operationen, KPNI (klinische Psychoneuroimmunologie)

Projekt: Gründer von Fitnesscenter Natur (Outdoor-Training, v. a. für Senior*innen in Feldkirch & Rankweil)

Sportarten: Fußball, Eishockey, Joggen, Paddletennis, E-Mountainbike, Eisbaden

Politik: Seit 15 Jahren aktiv in der Gemeindepolitik Feldkirch, Mitglied des Sportausschusses

Philosophie: „Bewegung ist die beste Medizin – und die Natur der beste Trainingsraum.“
18 Minuten
Eliane Vogt – Mit Energie, Herz und Verstand zu einem gesünderen Leben

Mitten im idyllischen Liechtenstein, mit Blick auf Schaanwald, liegt ein Ort voller Vitalität, Motivation und Wissen: das Ernährungs- und Bewegungsstudio von Eliane Vogt in Mauren. Die sympathische Expertin lebt, was sie lehrt – und das mit spürbarer Begeisterung.

Schon als Kind interessierte sich Eliane für gesunde Ernährung und Bewegung – kein Wunder, denn seit über 40 Jahren tanzt sie Rock’n’Roll. Was mit persönlicher Leidenschaft begann, wurde mit Mitte 30 zum Beruf: Sie ließ sich zur Ernährungsberaterin, Fitness- und Wellness-Trainerin ausbilden – mit klarem Fokus auf Ganzheitlichkeit. „Es reicht nicht, nur auf die Ernährung zu schauen oder nur zu trainieren – beides gehört zusammen“, erklärt sie.

Besonders bekannt ist Eliane für ihre Kurse, die Ernährungsthemen mit gezieltem Krafttraining verbinden – und das ohne Geräte, nur mit dem eigenen Körpergewicht. Ob Jugendliche, Erwachsene oder Senioren: Ihre Programme sind auf Alltagstauglichkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Ein Highlight ist ihre jährliche 40-Tage-Challenge während der Fastenzeit: Online erhalten die Teilnehmenden tägliche Tipps zu Lebensmitteln, Gesundheit, Schlaf, Bewegung und Motivation – inklusive Rezepten und kurzen Videoeinheiten. Besonders beliebt sind auch die Studio-Tipps und Kochvideos, die einfach und praxisnah vermitteln, wie gesunde Ernährung im Alltag gelingt.

Eliane arbeitet auch intensiv mit Schulen und Familien. Ein Schwerpunkt: Zuckerfallen in Alltagsprodukten. „Viele wissen gar nicht, wie viel Zucker im Fruchtjoghurt oder im Eistee steckt“, sagt sie. Ihre anschaulichen Zucker-Ausstellungen sorgen regelmäßig für Aha-Erlebnisse – bei Kindern wie bei Eltern.

Statt zu belehren, zeigt sie einfache Alternativen: Wasser mit Beeren statt Limonade, Nüsse statt Kekse. Auch künstliche Süßstoffe und Light-Produkte lehnt sie ab: „Besser natürlich und bewusst genießen.“

Ob Omega-3-Fettsäuren, Eiweißversorgung, Frühstücksgewohnheiten oder Alltagsbewegung – Eliane hat zu allem fundierte, umsetzbare Tipps. Sie rät: „Lieber kleine, machbare Schritte als radikale Diäten.“ Ein Apfel als Znüni, ein Spaziergang nach dem Abendessen oder ein proteinreiches Frühstück können bereits viel bewirken.

Selbst das Thema Alkohol fasst sie praxisnah an: „Ein schönes Glas Wasser mit Orangenschnitz und Beeren ersetzt den Wein oft besser als man denkt.“

Neben ihrer Beratertätigkeit ist Eliane auch Präsidentin des Business Club Liechtenstein, einem Netzwerk engagierter Unternehmer. Im zweiwöchentlichen Austausch stehen gegenseitige Empfehlungen, Austausch und Unterstützung im Vordergrund – ganz im Sinne von "gemeinsam weiterkommen".
19 Minuten
Alexander Bösch – Der stille Meister vom Kutschbock

Er wirkt ruhig, fast bescheiden, doch wenn Alexander Bösch aus Rankweil mit seinen Pferden ins Gelände fährt, zählt nur eines: Präzision, Vertrauen und der absolute Siegeswille. Der mittlerweile 30-jährige Fahrsportler ist einer der erfolgreichsten Athleten Österreichs – und das, obwohl seine Disziplin kaum im Rampenlicht steht. Drei Weltmeistertitel in der Jugendklasse hat er bereits geholt. Jetzt kämpft er um die Krönung: den Weltmeistertitel in der Allgemeinen Klasse.

Böschs Weg war früh vorgezeichnet. Bereits mit vier Jahren saß er das erste Mal auf dem Kutschbock – sein Vater führte damals den Pferdehandel Bösch. Nach der Mittelschule stieg Alexander ohne Umwege in den Familienbetrieb ein, übernahm Verantwortung – und startete gleichzeitig seine sportliche Karriere.

2004 wurde er mit zehn Jahren Jugendweltmeister im Fahrsport. Es folgten der Vizeweltmeistertitel in Belgien und ein weiterer Triumph bei der Heim-WM 2008 in Österreich. Mit 16 schließlich krönte er sich in der höchsten Jugendklasse erneut zum Weltmeister. Drei Titel, vier Jahre, ein außergewöhnliches Talent.

Am Bösch-Hof in Rankweil sind aktuell alle 39 Boxen belegt – von Hobbyreitern bis zu internationalen Sportreitern. Alexander unterrichtet, trainiert und organisiert. Ein echtes Familienunternehmen: 2020 hat er den Betrieb von seinem Vater übernommen, seine Brüder sind ebenfalls eingebunden – einer davon betreut den Nachwuchs im Fahrsport.

Der eigene Trainingsalltag ist streng strukturiert. Vier Einheiten pro Woche am Wagen, zwei auf dem Laufband, ein Ruhetag – „aber nie zwei Tage dasselbe“, betont Bösch. Er legt großen Wert auf mentale Stärke, nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei seinen Pferden. Und er weiß: Jedes Tier ist individuell. Ernährung, Aufbau und Training werden exakt abgestimmt – wie bei Hochleistungssportlern.

Der internationale Fahrsport ist komplex und fordert das Maximum. Dressur, Geländefahrt und Kegelfahren müssen in einem Mehrkampf bewältigt werden. Jeder Ball, der im Parcours fällt, kostet wertvolle Punkte. Millimeterarbeit ist gefragt. Der Beifahrer auf dem Wagen gleicht dabei die Balance aus – in Kurven ist das der Unterschied zwischen Erfolg und Sturz.

Unfälle? „Ich habe einmal die Kutsche umgeworfen – da habe ich mir das Kreuzband gerissen“, erzählt Bösch. Neun Monate Zwangspause – und trotzdem kehrte er schneller zurück als geplant. Die Weltmeisterschaft stand bevor.

Der nächste große Meilenstein steht kurz bevor: die Weltmeisterschaft im August 2025 in Beekbergen, Niederlande. Dort wird entschieden, wer ganz oben steht. Bösch hat die Anlage bereits kennengelernt – ein Vorteil, denn nervöse Pferde verlieren schnell den Fokus, wenn das Gelände unbekannt ist.

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Nach Qualifikationen in Tschechien und Deutschland und einem Vorbereitungswettkampf in München geht es zur alles entscheidenden WM. Der erste Weltmeistertitel in der Allgemeinen Klasse ist das erklärte Ziel. Der vierte Titel insgesamt – aber der erste unter den „Großen“.

Was Alexander Bösch antreibt? „Pferde geben dir etwas zurück, was Menschen manchmal nicht können“, sagt er ruhig. „Wenn du mit ihnen korrekt arbeitest, geben sie dir Vertrauen. Und das ist unbezahlbar.“

Geboren: 1995 in Rankweil (Vorarlberg)

Wohnort: Rankweil, Pferdehof Bösch

Disziplin: Fahrsport (Zweispänner)

Weltmeistertitel:

2004 (Jugend)

2008 (Junioren)

2011 (Junge Fahrer)

WM-Ziel 2025: Erste Medaille in der Allgemeinen Klasse in Beekbergen (NL)

Beruf: Pferdetrainer, Stallbetreiber

Besonderheit: Betreibt den Hof mit seinen Brüdern – Familienunternehmen in zweiter Generation

Pferde im Stall: 39, davon 6 eigene Turnierpferde

Eigenes Gespann: Drei Pferde pro Turnier, davon eines als Reserve

Verletzung: Kreuzbandriss 2021, Rückkehr binnen neun Monaten

Trainingsroutine: 6 Einheiten pro Woche, abwechslungsreich, mit Fokus auf mentale Stärke
24 Minuten
Richard Schmidt ist ein außergewöhnlicher Mensch mit einer ebenso außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Geboren vor 40 Jahren als Sohn einer Schweizer Mutter und eines deutschen Vaters, trägt er heute nicht nur den deutschen und schweizerischen, sondern auch den spanischen Pass – ein Ausdruck seiner vielfältigen Wurzeln und internationalen Lebensweise. Aufgewachsen auf der wunderschönen Kanareninsel La Palma, lebt und arbeitet er heute als Berufsschullehrer im Kanton St. Gallen. Doch Richard ist weit mehr als das: Er ist Abenteurer, Sportler, Sozialunternehmer, Drohnenpilot, Handwerker und Weltverbesserer.

Wurzeln auf La Palma

Mit neuneinhalb Jahren zog Richard mit seiner Familie auf die Insel La Palma – die „Isla Bonita“, wie sie auch genannt wird. Dort lernte er schnell Spanisch und half mit seinen Geschwistern beim Aufbau der Familienfinca „El Morro“. Diese Tourismusanlage mit Apartments und Pool war das Lebensprojekt seiner Eltern, das später durch Corona, Brände und den Vulkanausbruch schwer getroffen wurde.

Ein bunter Lebenslauf – vom Stripper zum Lehrer

Richards Jugend und frühes Erwachsenenleben auf La Palma und in Andalusien war geprägt von einem breiten Erfahrungsschatz: Rettungsschwimmer, Masseur, Maler, Mechaniker, Feuerwehranwärter – sogar Stripper für Junggesellinnenabschiede war er. Doch irgendwann rief ihn die Schweiz, wo er seine heutige Frau – ebenfalls von La Palma – mitnahm. Der Start war holprig: Sprachbarrieren, ein gescheitertes Polizeistudium, erste Jobs in der Sauna. Doch Richard lernte schnell, verbesserte sein Deutsch und ließ sein Sportdiplom anerkennen. Heute unterrichtet er mit Leidenschaft rund 26 Stunden Sport pro Woche an einer Oberstufe in Rheineck – ergänzt durch Werken.

Kampfsport als Lebensstil

Seit 15 Jahren ist Richard begeisterter Kampfsportler im brasilianischen Jiu-Jitsu und Grappling – Techniken, die auch aus der MMA- und UFC-Welt bekannt sind. Diese körperliche Disziplin spiegelt seine Lebenshaltung wider: kraftvoll, ausdauernd, kontrolliert und kreativ.

Technik trifft Landwirtschaft – Drohnen für die Zukunft

Zusammen mit einem Freund entwickelte Richard auf den Kanaren ein innovatives Agrarprojekt mit Drohnentechnologie. Ziel ist es, umweltfreundlicher, effizienter und mit weniger Personalaufwand Felder zu düngen, Samen zu streuen oder sogar Pflanzen in schwer zugängliche Bergregionen zurückzubringen. Auch im Umweltschutz setzt er damit neue Maßstäbe.

Soziales Engagement in Uganda

Mit der „Raising Future Charity Organisation“ betreibt Richard eine Auffangstation in Uganda für Kinder, die von ihren Familien verstoßen wurden. Sie erhalten dort nicht nur Nahrung und Schutz, sondern auch eine Ausbildung in handwerklichen Berufen. Mit einem Fußballprogramm, Coiffeurkursen für Mädchen und Schulungen in Blindenschrift ermöglicht er Perspektiven. Die Jugendlichen zahlen später einen kleinen Anteil ihres Einkommens zurück – ein System mit Multiplikationseffekt, das auf Hilfe zur Selbsthilfe basiert.

Handwerk & Mobilität – seine zweite Leidenschaft

In seiner Freizeit baut Richard leidenschaftlich Campingmobile um – mit Solarpanels, Ambientebeleuchtung, Heizung und modularer Einrichtung. Dabei bleibt der Van stets auch als Transporter nutzbar – zweckmäßig und stilvoll zugleich. Es ist dieses Zusammenspiel von Praxisnähe und Ästhetik, das Richard ausmacht.

Ein Mann mit Visionen

Ob in Uganda, Spanien oder der Schweiz – Richard denkt global, handelt lokal und bleibt sich selbst treu. Sein Credo: „Liebe fängt zu Hause an.“ Als pragmatischer Idealist glaubt er nicht an leere Worte, sondern an tatkräftige Hilfe, Respekt, Eigenverantwortung – und daran, dass man sich seine Meinung selbst bilden sollte, statt der Masse zu folgen.
49 Minuten
Friedrich Fels ist mehr als ein Fotograf – er ist ein lebendiges Stück Stadtgeschichte. Aufgewachsen in der Felsenau, geprägt von einer Kindheit zwischen Lausbubenstreichen und Obstbäumen, führte ihn sein Weg über Irrwege, Umwege und Umstürze zu dem, was er heute ist: Ein Original, Künstler, Lebemann – und ein Feldkircher Urgestein.

Schon früh zeigte sich sein künstlerisches Talent – das Zeichnen, Malen und das Spiel mit Perspektive lagen ihm im Blut. Doch der Weg zur Kunst führte über viele Hürden: Zuerst die Handelsschule, dann die HTL, schließlich eine Ausbildung zum Fotografen bei Romberg und später die Meisterprüfung beim legendären Fotografen Winsauer.

Der hippie-eske Freiheitsdrang trieb ihn in die Wiener Avantgarde-Szene der 70er, wo er wilde Nächte, LSD-Erfahrungen und künstlerische Experimente durchlebte. Als Maler arbeitete er in einem Kelleratelier, schuf Werke bei Nacht, philosophierte über Beuys und die Freiheit – und rührte seine Gäste zu Tränen.

Sein fotografisches Werk reicht von Passbildern über Auftragsarbeiten bis zur künstlerischen Fotografie. In Liechtenstein entwickelte er schließlich seinen unverwechselbaren Stil. Parallel zur Kamera begleitete ihn stets die Malerei – oft nächtelang, oft im Rausch, stets mit Leidenschaft.

1975 gründete er sein eigenes Fotostudio in der Schmiedgasse 8, das heute noch wie ein begehbares Museum wirkt. Hier dokumentierte er Generationen von Feldkircher, arbeitete mit dem renommierten Grafiker Reinhard Gassner zusammen und war Mitinitiator des Gauklerfests, das Feldkirch bis heute kulturell prägt.

Fels’ Herz schlägt für die Felsenau – für das Freibad, die alten Gärten, das bäuerliche Leben. Noch heute, über 70 Jahre später, pilgert er regelmäßig zum Baden an den Ort seiner Kindheit. Dort, wo französische Besatzungssoldaten einst lagen, machte er seine ersten Sprünge vom 1- und 3-Meter-Brett – ein Ritual, das bis heute lebt.

Auch dunkle Kapitel gehören zu seiner Geschichte: Nervenzusammenbrüche, der Druck der Erwartungen, familiäre Tragödien (wie der frühe Tod des Großvaters und Onkels), der Absturz von Reichtum zu einfachen Verhältnissen – Fels hat alles erlebt. Doch immer wieder fand er Wege zurück: über Kunst, Fotografie, das Schreiben seiner Memoiren – und die Liebe zum Leben.
7 Minuten
Das FL1.Life Festival in Schaan hat sich nicht nur als Bühne für Musikgrößen etabliert, sondern auch als Raum für experimentelle Klangformate. In diesem Jahr sorgte ein besonderes Highlight für Gänsehaut und Gesprächsstoff: Eine immersive Sound Experience mit Thomas D von den Fantastischen Vier, unterstützt von Flo Mega und den KBCS, kuratiert vom Little Konzett von den Little Big Beat Studios in Eschen. Was zunächst wie ein Studio-Konzert klang, entpuppte sich als tiefgreifendes, audiovisuelles Erlebnis mit Podcast-Charakter – ganz nah, ganz roh, ganz echt.

In einem kleinen, intimen Rahmen trugen die Künstler ihre Musik nicht einfach vor – sie lebten sie. Das Publikum trug zwar keine Kopfhörer ("wir hatten einfach zu wenig" betonte der in Satteins wohnhafte Produzent Little Konzett), bewegte sich mitten im Geschehen, war Teil des Sounds, der sich von allen Seiten näherte und das ganze Setup war sehr intim. „Normalerweise schicken wir den Sound von der Bühne ins Publikum – diesmal kam er uns entgegen“, so Thomas D. Ein experimentelles Setup, bei dem Technik, Nähe und Spontaneität auf faszinierende Weise verschmolzen. Die Nähe zu den Zuschauern war wortwörtlich – „man sieht jede Zahnlücke“, scherzte Thomas, der sich gleichzeitig akribisch auf die intensive Erfahrung vorbereitete und damit scherzte, Zahnseide zu verwenden.

Auch zur Entstehung eines der bekanntesten Fanta-4-Hits, „Troy“, gab es im Gespräch mit dem Podcaster spannende Einblicke. Der Titel ist offenbar im Bregenzer Wald, genauer gesagt in einem ehemaligen Schießstand in Egg entstanden, der den Fantastischen Vier über Jahre hinweg als kreativer Rückzugsort diente. Thomas D erzählt: „Da sind viele Ideen entstanden, ganze Platten. Und ich nehme an, dass auch ‚Troy‘ dort seinen Ursprung hatte.“ Dabei kursiert im Bregenzer Wald sogar das Gerücht, dass eine lokale Familie als Namensgeber diente – als augenzwinkernde Hommage. Ob das stimmt? „Genau so war’s“, antwortete Thomas augenzwinkernd und ließ damit Raum für Fantasie.

Die Anekdote führt weiter zur Titelwahl: „‚Wir bleiben Troy‘ klang uns zu deutsch“, so Thomas, „deshalb wollten wir es internationaler aussprechen – wie ‚Alright‘ oder ‚Firelighter‘.“ Und dann dieser Schlag: „Ich muss bei ‚Troy‘ immer an Brad Pitt denken, wie er in ‚Troja‘ diesen Krieger niederstreckt – so hat auch unser Song damals Deutschland getroffen.“

Was bleibt, ist nicht nur ein Klangbild, sondern ein Gefühl. Die Mischung aus Podcast-Dialog, Live-Session, Klangexperiment und nahbarer Künstlerbegegnung machte das Erlebnis einzigartig – und zeigte erneut, welch kreatives Potenzial in der Verbindung von Musik, Raum und Menschen steckt. Das Fürstentum Liechtenstein, einst vielleicht „nur“ Kulisse, wurde hier selbst zum Resonanzkörper – ein kleines Land mit großen Momenten.

 Und Rapper-Kollege Flo Mega scherzt darüber, dass er nur des Geldes hier sei, gleichzeitig aber angetan von den schwarzen Nummernschildern, welche Liechtensteinische PKWs zieren.
20 Minuten
Porträt einer außergewöhnlichen Frau: Anita Vincenz, geborene Lenti, ist eine gebürtige Ungarin, die seit über 40 Jahren in der Schweiz lebt und sich ganz dem Triathlonsport verschrieben hat. Die heute 60-Jährige ist nicht nur passionierte Sportlerin, sondern auch engagierte Lehrerin, Lebenspartnerin, Gärtnerin und Mentorin.

Ihr Weg war von Anfang an alles andere als leicht: Als Kind wurde bei ihr eine Lungenfehlbildung diagnostiziert – die Ärzte sagten ihr ein kurzes Leben voraus. Doch mit unerschütterlicher Willenskraft, unterstützt durch ihre Eltern, lernte sie, mit der Krankheit umzugehen. Erste positive Erfahrungen machte sie durch Schwimmen und Aufenthalte in feuchter Umgebung, etwa Tropfsteinhöhlen – eine frühe „Therapie“, und Hallenbädern, die zum Startpunkt für ihre sportliche Laufbahn wurde.

Nach ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin in Ungarn zog sie in die Schweiz – ursprünglich nur für zwei Jahre. Doch geblieben ist sie für immer. Über Umwege kam sie als Sportlehrerin nach Liechtenstein, wo sie seit fast 30 Jahren mit Begeisterung unterrichtet und ihre Liebe zum Sport auch an die nächste Generation weitergibt.

Anita Vincenz begann früh mit dem Schwimmsport, spezialisierte sich später auf den Triathlon – eine Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen. Ihre sportlichen Erfolge sind beeindruckend:

Dritte beim Ironman Hawaii 2010 in ihrer Altersklasse

Teilnahme am Ironman Hawaii 2009, 2010 und erneut im Oktober 2025

Ironman Europameisterin 2025 im Juni in Hamburg in der Altersklasse W60–64 mit der besten Schwimm- und Radzeit

Neunfache ungarische Meisterin auf olympischer Triathlondistanz

Ihr täglicher Trainingsplan ist beeindruckend strukturiert: Meist zwei Trainingseinheiten pro Tag, Schwimmen um 6 Uhr früh, dazu gezieltes Lauf- und Radtraining – alles angepasst an ihren Stundenplan in der Schule.

Anita lebt mit ihrem Ehemann Claudio, einem ehemaligen Elite-Rennradfahrer, in einem Haus mit großem Garten – ohne Kinder oder Haustiere, aber mit viel Liebe zur Natur und zum Detail. Die Ernährung ist vegetarisch und gesund, Brot und Teigwaren werden selbst gemacht.

Ihr jährliches Geburtstagsritual – so viele 100-Meter-Bahnen zu schwimmen, wie sie alt ist – nutzt sie als symbolischen Rückblick und inneres Resümee. Es ist Ausdruck einer tiefen Achtsamkeit gegenüber dem Leben.

Der Ironman auf Hawaii ist einer der härtesten Ausdauerwettkämpfe der Welt – tropisches Klima, extreme Hitze und mentale Belastung über mehr als 11 Stunden Wettkampf. Nach 15 Jahren wagt sie nun erneut den Sprung ins Lavafeld von Kona. Sie bereitet sich physisch wie psychisch minutiös vor, inklusive Kältetraining im Schnee zur mentalen Abhärtung gegen Hitze.

Ihr Ziel? „Vorne mit dabei“ – aber der größte Sieg ist für sie ohnehin das Ankommen, das Erleben, das Über-sich-Hinauswachsen.