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derpodcaster.com Bandi Koeck Archiv

100 Episoden
17 Minuten
Mag. Julia Marte-Schwald hat einen ungewöhnlichen Zugang zum Lernen. Wer mit ihr über Pädagogik spricht, landet früher oder später im Stall – bei Cleo und ihren Eselkollegen. Denn für die Pädagogin sind die Tiere weit mehr als liebenswerte Begleiter: Sie sind geduldige Lernpartner, Beziehungsexperten und manchmal auch kleine Lehrmeister in Sachen Langsamkeit.

Text, Fotos und Podcast: Bandi Koeck

Seit August 2026 ist Marte-Schwald Schulleiterin am Schulstandort Eschen in Liechtenstein. Zuvor leitete sie die Praxisvolks- und Praxismittelschule an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg in Feldkirch. Ihr beruflicher Weg führte sie von der klassischen Lehramtsausbildung über Legasthenietraining und Lerncoaching bis zur Schulentwicklung. Parallel dazu entstand aus ihrer Begeisterung für Tiere ein zweites pädagogisches Standbein: der Verein LEB – „Lernen, Erleben und Begegnen“.

Von der Tierärztin zur Pädagogin

Eigentlich schien ihr beruflicher Weg schon früh vorgezeichnet. Als Kind wollte Julia Marte-Schwald Tierärztin werden. Tiere gehörten immer zu ihrem Leben. Doch für das Studium hätte sie nach Wien gehen müssen – und dieser Weg ließ sich damals nicht mit ihrer Lebenssituation vereinbaren.

Stattdessen entschied sie sich für das Lehramt. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut. Im Gegenteil: Für Marte-Schwald gehört der Lehrerberuf zu den schönsten Berufen überhaupt. Kinder und Jugendliche zu begleiten, ihnen Wissen und Fähigkeiten mitzugeben und damit ein Stück Gesellschaft mitzugestalten, empfindet sie als besondere Aufgabe.

Ihr Interesse geht dabei über den Unterricht hinaus. Schulentwicklung, Teamarbeit und Veränderungsprozesse faszinieren sie. Sie beschreibt es als besonders erfüllend, gemeinsam mit einem Team Visionen zu entwickeln, Konflikte auszuhalten und am Ende zu sehen, dass eine gemeinsame Idee tatsächlich Wirklichkeit wird.

Seit ihrem Start als Schulleiterin in Eschen steht eine große Aufgabe bevor: Zwei Schulen sollen zu einem gemeinsamen Schulstandort zusammengeführt werden. Für eine Pädagogin, die Entwicklung ausdrücklich als Chance begreift, ist das eine anspruchsvolle, aber passende Aufgabe.

Und dann kamen die Esel

Dass ausgerechnet Esel eine zentrale Rolle in ihrem pädagogischen Konzept spielen würden, war zunächst keineswegs geplant.

Marte-Schwald hatte bereits Pferde. Ihr Mann wollte ein eigenes Tier, um sich im Stall ebenfalls kümmern zu können – und entschied sich für einen Esel. Aus einem Esel wurden drei. Und aus der privaten Tierhaltung entwickelte sich schließlich ein pädagogisches Projekt.

Marte-Schwald beobachtete, dass die Esel viel Zeit im Stall verbrachten und vergleichsweise wenig Beschäftigung hatten. Während man mit Pferden reitet, sind Esel häufig einfach da. Also begann sie, intensiver mit ihnen zu arbeiten, absolvierte entsprechende Ausbildungen und besuchte Kurse.

Dabei entdeckte sie Eigenschaften, die die Tiere für die pädagogische Arbeit geradezu prädestinieren.

Esel lassen sich nicht einfach herumkommandieren. Sie machen mit, wenn sie den Sinn einer Aufgabe erkennen. Für Marte-Schwald liegt darin ein wesentlicher Unterschied zum Pferd: Beim Esel müsse man stärker über Beziehung arbeiten. Autorität allein funktioniere nicht.

Genau diese Eigenart macht die Tiere für sie so interessant. „Die akzeptieren nicht einfach so eine Autorität, da muss man wirklich an der Beziehung arbeiten“, beschreibt sie im Gespräch.

Die Kunst der Langsamkeit

Esel bringen etwas mit, das im hektischen Alltag selten geworden ist: Ruhe.

Sie sind keine Fluchttiere und strahlen eine besondere Gelassenheit aus. Im Umgang mit Kindern wirken sie entschleunigend. Diese Ruhe kann sich auf den Menschen übertragen – und auch Marte-Schwald selbst spricht davon, dass ihre Tiere sie „erden“.
51 Sekunden
Kurz vor der hundertsten Folge in einem kurzen Videobeitrag eine kleine Vorstellung:

Willkommen bei „derpodcaster.com“ – deiner wöchentlichen Dosis Vorarlberg, Liechtenstein, Schweiz, Deutschland bis Südtirol sowie den specials "derpodcaster auf Reisen"!

Aus einem gemütlichen Studio im Herzen des Ländles nimmt dich Bandi Koeck mit auf eine unterhaltsame Reise durch Kultur, Kunst und Leben. Mit einer einzigartigen Mischung aus spannenden Interviews, humorvollen Einblicken und tiefgründigen Gesprächen bringt dir dieser Podcast das Beste aus der deutschsprachigen Region und darüber hinaus. Lass dich von authentischen Geschichten inspirieren und sei Teil einer wachsenden Community von Gleichgesinnten.
43 Minuten
Hannes Steinhauser-Teufel ist kein Mensch für einfache Antworten. Der 1971 in Bregenz geborene und heute in Feldkirch lebende Lehrer, Reisende, Rechercheur und leidenschaftliche Autodidakt kann sich stundenlang mit einer geologischen Formation, einer antiken Schiffsreise, einem griechischen Wort oder einer medizinischen Fragestellung beschäftigen. Auffällig ist dabei weniger die Zahl seiner Interessen als die Konsequenz, mit der er ihnen nachgeht. Hat ihn ein Thema gepackt, will er es genau wissen. Und wenn eine etablierte Erklärung für ihn nicht schlüssig erscheint, beginnt die eigentliche Arbeit erst.

Steinhauser-Teufel ist ein kritischer Freigeist im eigentlichen Sinn: nicht deshalb, weil er grundsätzlich gegen etablierte Auffassungen wäre, sondern weil er ihnen nicht allein aufgrund ihrer Autorität vertraut. Er möchte Quellen sehen, Zusammenhänge verstehen, Begriffe auf ihre ursprüngliche Bedeutung zurückführen und Widersprüche aufspüren. Seine Neugier bewegt sich dabei erstaunlich frei zwischen Naturwissenschaft, Geschichte, Religion, Medizin, Sprache, Archäologie und körperlicher Selbsterfahrung.

Seine Denkweise ist von einem Grundimpuls geprägt: Was wissen wir tatsächlich – und was glauben wir nur zu wissen?

Seine Beschäftigung mit der Geologie begann schon in der Kindheit. Aufgewachsen am Blasenberg bei Feldkirch, blickte Steinhauser-Teufel früh auf die Landschaft, die später zu einem seiner großen Forschungsfelder werden sollte. Die Erklärung, die er in der Volksschule für die Entstehung der Illschluchten bekam, überzeugte ihn bereits damals nicht vollständig. Die Ill, so wurde es vermittelt, habe sich über Jahrtausende und Jahrmillionen ihren Weg durch das Gestein gegraben. Für den jungen Hannes passte dieses Bild jedoch nicht recht zu den geradlinigen Schluchten und den auffallend schmalen Bergkämmen der Umgebung.

Bemerkenswert ist, dass aus diesem kindlichen Zweifel keine Ablehnung von Wissenschaft entstand, sondern ein lebenslanges Bedürfnis, wissenschaftliche Erklärungen selbst zu prüfen. Die Landschaft vor seiner Haustür wurde für ihn zu einem offenen Geschichtsbuch.

Heute beschäftigt er sich intensiv mit der Entstehung der Alpen und mit den geologischen Vorgängen, die Vorarlberg, die Ostschweiz, Tirol und Liechtenstein geprägt haben. Dabei interessiert ihn besonders die lange Geschichte der Region vor dem Menschen – eine Zeit, in der die heutige Alpenlandschaft noch nicht existierte und große Teile Europas unter dem Meer lagen.

Steinhauser-Teufel verweist auf die Tethys, jenes urzeitliche Meer, das im Zusammenhang mit der Entwicklung des Superkontinents Pangaea eine zentrale Rolle spielte. Die Region des heutigen Alpenraums war einst von Meer bedeckt. Aus Ablagerungen, Bewegungen der Erdkruste und späteren geologischen Prozessen entstand schließlich die Landschaft, die wir heute als Alpen kennen.

Dabei begnügt er sich nicht mit der geläufigen Darstellung. Er entwickelt eigene Erklärungsansätze und stellt insbesondere Fragen nach der Wirkung gewaltiger Eismassen und deren Druck auf die Erdkruste. Seine Überlegungen stehen teilweise deutlich außerhalb etablierter wissenschaftlicher Erklärungsmodelle. Gerade das macht die Geologie für ihn interessant: Sie ist für ihn kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein Feld, in dem Beobachtung, Überlieferung und Interpretation miteinander ringen.

Ähnlich kritisch nähert sich Steinhauser-Teufel dem Thema Klima. Er weist die Bezeichnung „Klimaleugner“, die ihm zugeschrieben wird, zurück und bezeichnet sich selbst vielmehr als „Klimabefürworter“. Seine Vorstellung eines stabilen Klimasystems basiert auf der Annahme, dass natürliche Rückkopplungsmechanismen eine wesentlich größere Rolle spielen, als dies in öffentlichen Debatten häufig dargestellt werde.
16 Minuten
Norbert Perger ist Aufgussmeister im Südtiroler Pustertal. Er jongliert Handtücher auf einem Finger, lässt Vulkane in der Sauna ausbrechen und sitzt privat kaum je in einer Kabine.

Es zischt, es duftet nach Wacholder und Zitrone, und ein Handtuch kreist durch die 90 Grad heiße Luft. Dann balanciert es plötzlich auf einem einzigen Finger, als hätte die Schwerkraft frei. In Ehrenburg (Casteldarne) im Südtiroler Pustertal ist das keine Zirkusnummer, sondern ein ganz normaler Aufguss bei Norbert Perger.

Mit Wellness hatte Norbert Perger ursprünglich wenig am Hut. Der Jahrgang 1970 ist gelernter Maler und Lackierer und Trockenbauer. Den Bademeisterschein machte er in jungen Jahren, praktiziert hat er ihn nie. Dann wurde in seiner Gegend ein öffentliches Schwimmbad gebaut, es fehlten Bademeister, und Perger hatte „die Schnauze voll" von der Arbeit auf dem Bau.

Er wechselte kurzfristig die Branche. Ein Jahr lang war er Bademeister, dann rutschte er Stück für Stück in den Saunabereich. Das war vor 13, 14 Jahren, und Schulungen oder Kurse gab es damals nicht. Die Kolleginnen und Kollegen zeigten ihm, was sie konnten, und es dauerte „lange, lange, lange", bis er selbst etwas konnte. Learning by doing, im wörtlichsten Sinn.

Man würde annehmen, dass jemand mit diesem Beruf privat ein Hitze-Junkie ist. Perger sagt das Gegenteil: Wenn er nicht gerade aufgießt, sitzt er vielleicht zweimal im Jahr in einer Kabine. Der Grund ist einfach. Rund 500 Kabinen im Jahr macht er beruflich, da muss er in der Freizeit nicht auch noch reinliegen.

Perger gießt nicht nur Wasser auf. Er arbeitet gern mit Eis, und das hat handfeste Gründe. Wasser braucht zum Verdampfen mehr Sauerstoff als Eis, und mehr Sauerstoff in der Kabine macht das Schwitzen leichter. Außerdem ist Eis der ideale Duftträger: Ätherische Öle mischen sich nicht mit Wasser, auf dem Eis lassen sie sich einfach aufbringen. Aus dem Eis formt er auch Schneekugeln, Herzen oder Pyramiden.

Seine Öle bezieht er am liebsten von einer Ölbrennerei aus der Nachbarschaft, rund zehn Kilometer entfernt. Sie sind biologisch, und die Wege sind kurz. Bei der Show, bei der wir dabei waren, kamen Wacholder, Lavendel, Lärche, Eukalyptus und Zitrone zum Einsatz. Im Dampfbad bietet er zudem jeden Tag ein anderes Peeling an, etwa Echinacea mit Blutorange, Rosmarin oder Latschenkiefer.

Und das Bier? Ein Bieraufguss sieht spektakulär aus, wenn die Flasche über den Ofen kippt. Perger empfiehlt aber, das Bier lieber hinterher zu genießen. Hefeweizen müsste man im Verhältnis 1:10 verdünnen, für die Steine ist es nicht ideal, und danach riecht die Kabine nach Toastbrot.

Wer denkt, ein Aufguss bestehe aus Wedeln und Schwitzen, kennt Perger nicht. Er hat schon Aufgüsse rund um die Schlümpfe, ein Bergwerk und Lasershows inszeniert. Er hat sich als Gladiator verkleidet und Party-Aufgüsse mit Technomusik veranstaltet. Sein größter Coup war ein Vulkan mit Trockeneis und rotem Licht, der mitten in der Sauna Rauch spuckte: „gigantisch".

Sein Erfolgsrezept ist ein Lächeln. „Wenn man einem Gast ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, dann hat man schon gewonnen." Dazu braucht es aber auch die Gäste: „Es braucht immer die Gäste dazu."

Das Handtuch-Jonglieren auf einem Finger hat er in drei Monaten täglichen Übens gelernt, ohne Stangen oder andere Hilfsmittel, nur mit einem normalen Textilhandtuch. Nicht jedes Handtuch fliegt gleich. Länge und Gewicht verändern das Flugverhalten, und viele seiner Tricks funktionieren mit einem fremden Handtuch nicht mehr. Perger vergleicht das mit Skifahrern, die mit der Ausrüstung der Konkurrenz auch nicht ihr Bestes zeigen.

Perger ist zweisprachig aufgewachsen und spricht fließend Deutsch und Italienisch. Als wir ihn fragen, ob er sich eher als Südtiroler, Italiener oder Altösterreicher fühlt, antwortet er ehrlich: Er fühlt sich als Südtiroler. Als Österreicher würde er sich nicht bezeichnen, als Italiener auch nicht. I
8 Minuten
Sie kennt die Welt des Films ebenso wie die Bühne, Hollywood ebenso wie Vorarlberg: Laura Bilgeri ist eine jener Künstlerinnen, die sich nur schwer auf ein einziges Genre festlegen lassen. Als Schauspielerin stand sie unter anderem mit internationalen Größen wie Wesley Snipes vor der Kamera, als Sängerin entwickelt sie ihre eigenen Songs und mit ihrer „Jazz Affair“ widmet sie sich gleichzeitig den zeitlosen Klassikern des American Songbook.

Bei ihrem Auftritt in Frastanz zeigte sich einmal mehr, wie selbstverständlich sich diese unterschiedlichen Seiten miteinander verbinden lassen. Als Support Act von Alvaro Soler präsentierte Bilgeri gemeinsam mit ihrer Band ihre eigenen Songs und sorgte dabei für einen rockigen Auftakt. Für die Künstlerin war der Auftritt in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Zum ersten Mal spielte sie in Frastanz und zugleich in einem Zelt. Gerade die Akustik stellte dabei eine besondere Herausforderung dar, denn ein Zelt verändert seinen Klang erheblich, sobald sich zahlreiche Menschen darin befinden.

„Es gibt ein erstes Mal für alles“, beschreibt Bilgeri die Situation gelassen. Trotz des sommerlichen Kaiserwetters freute sie sich auf die ungewohnte Konzertumgebung. Ihr Ziel war klar: das Publikum für den späteren Headliner Alvaro Soler musikalisch in Stimmung zu bringen. Support Acts seien eine besondere Gelegenheit, vor vielen Menschen die eigene Musik vorzustellen. Langfristig gibt es für Bilgeri dabei auch eine klare Perspektive: selbst irgendwann als Headlinerin auf der Bühne zu stehen.

Musikalisch bewegt sich Laura Bilgeri derzeit bewusst zwischen zwei sehr unterschiedlichen Projekten. Auf der einen Seite steht ihre eigene Popmusik, die sie als ihr „Pop-Baby“ bezeichnet. Die Songs schreibt sie selbst – gemeinsam mit ihrem Produzenten Lukas Pitschner. Bilgeri übernimmt dabei die Texte, während Pitschner die Musik komponiert und gleichzeitig als Schlagzeuger Teil ihrer Live-Band ist.

Auf der anderen Seite steht die „Jazz Affair“. Hier zeigt sich eine ganz andere musikalische Seite der Sängerin. Bilgeri bezeichnet sich selbst als „alte Seele“, wenn es um Musik geht, und ihre Vorliebe gilt insbesondere dem American Songbook. Im Mittelpunkt stehen Lieblingssongs aus den 1930er-, 1940er- und 1950er-Jahren.

Was zunächst wie ein Gegensatz klingt, passt für Bilgeri ganz selbstverständlich zusammen. Ihre Liebe zum Jazz ist nicht nur eine Bühnenidee, sondern Teil ihres privaten Musikgeschmacks. Die zeitlosen Melodien und die Atmosphäre dieser Ära faszinieren sie seit Jahren.

Nach dem Auftakt der „Jazz Affair“ im März wurde das Projekt im Herbst weitergeführt. Geplant war eine Tour durch Ostösterreich mit Auftritten unter anderem in Wien und Graz sowie weiteren Stationen. Für diese Konzerte war eine siebenköpfige Band vorgesehen. Die größere Big-Band-Besetzung mit rund 20 Musikern soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder zum Einsatz kommen.

Dass Laura Bilgeri heute zwischen Musik und Film pendelt, hat eine besondere Vorgeschichte. Einen großen Teil ihres bisherigen Lebens verbrachte sie in Los Angeles, wo sie arbeitete und lebte. Hollywood wurde zu einem wichtigen Bestandteil ihrer beruflichen Biografie.

Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Rolle in „Der Atem des Himmels“, die zugleich einen frühen wichtigen Schritt in ihre Filmkarriere markierte. Später folgten internationale Produktionen und Begegnungen mit bekannten Schauspielern. Besonders die Arbeit in Los Angeles prägte Bilgeri nachhaltig.

Dass sie heute wieder stärker musikalisch in Erscheinung tritt, hat auch mit einer unerwarteten Entwicklung während der Lockdowns zu tun. Bilgeri erzählt, dass sie durch diese Zeit zur Musik gekommen sei. Obwohl die Musik inzwischen einen wichtigen Platz in ihrem Leben einnimmt, bezeichnet sie diesen Bereich ihrer Karriere selbst noch als vergleichsweise jung.
23 Minuten
Kerstin Köck Resch macht aus Stoff Figuren, aus Kostümen Charaktere und aus einer Bühne eine eigene Welt.

Die Vorarlberger Schneiderin arbeitet seit vielen Jahren für Theater, Film, Werbung und Fotografie. Ihr Arbeitsplatz ist dort, wo andere längst Feierabend machen: zwischen Nähmaschine, Kostümfundus, Schminkkoffer und den letzten Vorbereitungen hinter der Bühne.

Dass sie einmal Schneiderin werden würde, zeichnete sich früh ab. Stoffe faszinierten sie schon als Kind, richtig konkret wurde der Wunsch im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren. Ein Schulprojekt und eine engagierte Lehrerin gaben den entscheidenden Anstoß. Gemeinsam mit ihrer Mutter suchte sie eine Lehrstelle – und fand sie im Atelier Ärmelfisch in Feldkirch bei Maria Walter. Dort absolvierte Köck Resch ihre dreijährige Lehre.

Ihre Lehrmeisterin erkannte früh, dass in ihr mehr steckte als handwerkliches Talent. Sie ermutigte die junge Schneiderin, den kreativen Weg weiterzugehen. Köck Resch folgte dem Rat und besuchte in Zürich eine zweijährige Modeschule. Der Schritt aus dem Ländle in die Großstadt fiel ihr zunächst nicht leicht. Doch die neue Umgebung eröffnete ihr wichtige Erfahrungen. Bei dem Modedesigner Daniel Herrmann lernte sie anschließend, wie aus ersten Entwürfen komplette Kollektionen entstehen – von der Produktionsvorbereitung bis zum fertigen Kleidungsstück und Fotoshooting.

2005 führte ihr Weg zurück nach Vorarlberg und direkt zu den Bregenzer Festspielen. Ihre erste Produktion war „Der lustige Krieg“ im Kornmarkt. Neun Jahre lang arbeitete sie während der Sommermonate bei den Festspielen. Parallel dazu versuchte sie, ein eigenes Label aufzubauen – ein Vorhaben, das sich als schwierig erwies.

Die entscheidende Tür zur Theaterwelt öffnete sich schließlich mit dem Vorarlberger Volkstheater. Köck Resch wurde gefragt, ob sie Kostümbilder entwickeln und umsetzen wolle. Aus der Arbeit an den Kostümen wurde bald weit mehr. Hinter der Bühne kümmerte sie sich auch um Requisiten, Schminke und die zahlreichen unsichtbaren Abläufe, die eine Vorstellung überhaupt erst möglich machen. Sie lernte von Traudl Meyer und entschloss sich schließlich, auch den Bereich Make-up professionell zu erlernen.

Dafür ging sie nach München und absolvierte eine Ausbildung im Make-up-Bereich – in ungewöhnlich konzentrierter Form. Was normalerweise wesentlich länger dauert, absolvierte sie mit individueller Betreuung innerhalb von vier Wochen. Danach hieß es: lernen durch Erfahrung. Fotografen kamen hinzu, Werbeproduktionen, kleinere Theaterarbeiten und später zunehmend bewegte Bilder. Köck Resch entwickelte sich zu einer vielseitigen Spezialistin, die Kostüm und Maske miteinander verbindet.

Ihr eigentliches Geheimnis liegt jedoch nicht nur im handwerklichen Können. Köck Resch versteht Kostüme als Teil des Erzählens. Sie will nicht einfach historische Kleidung oder schöne Einzelstücke herstellen. Sie möchte, dass ein Kostümbild eine Geschichte sichtbar macht.

Dafür greift sie immer wieder auf ihren gewaltigen Fundus zurück. Von „Tonnen“ an Kleidungsstücken spricht sie selbst. Mittelalterliches findet sich neben Modernem, Bekanntes wird mit Neuem kombiniert. Ein bereits verwendetes Kleidungsstück kann dadurch völlig anders wirken. „Ich möchte auch das Erlebnis für den Zuschauer immer wieder neu gestalten“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise.

Besonders deutlich wird das bei einer Produktion der Werdenberger Schlossfestspiele. Für das dortige Stück wurde die Handlung regional verankert. Köck Resch übersetzte diese Idee in Farben und Kleidung: Werdenberg erschien in Blau-, Braun- und Beigetönen, die Glarner in Rot, Braun und Gold. Die Verschwörer erhielten Grün als eigene Farbe. Kostüme wurden damit zu einer visuellen Orientierung für das Publikum.

Ihre Arbeit ist aufwendig. Ein anspruchsvolles Kostüm kann mehrere Tage beanspruchen. „Nähen braucht Zeit“, sagt Köck Resch. Schnell müsse es nicht unbedingt gehen, denn wer zu schnell arbeite, dem fehle am Ende meistens etwas.
14 Minuten
Für Samuel Summer aus Nofels und Johannes Lins aus Frastanz beginnt eine außergewöhnliche Reise dort, wo ihre Heimat liegt: in Vorarlberg. Ihr Ziel ist Dharamsala im Norden Indiens. Dazwischen liegen rund 12.276 Kilometer, zahlreiche Länder, unterschiedliche Kulturen und eine Route, die sie mit dem Fahrrad bewältigen wollen. Die Reise ist jedoch kein Selbstzweck. Mit ihrer „Spätzletour“ wollen die beiden 100.000 Euro für ein Bildungsprojekt im Senegal sammeln.

Obwohl Frastanz und Nofels geografisch nicht weit auseinanderliegen, haben sich Summer und Lins nicht in Vorarlberg näher kennengelernt. Ihre Freundschaft entstand während ihres Auslandszivildienstes. Beide waren damals 19 Jahre alt und leisteten ihren Dienst in unterschiedlichen Ländern: Samuel Summer in Kanada, Johannes Lins in Indien.

Die gemeinsame Erfahrung, in jungen Jahren für längere Zeit in einer fremden Umgebung zu leben, verband die beiden. Situationen, die man zum ersten Mal erlebt, Unsicherheiten und die vielen kleinen Herausforderungen eines Auslandsaufenthalts wurden zu einer gemeinsamen Erfahrungswelt. Aus ersten Gesprächen entstand eine Freundschaft, die schließlich zur Grundlage für ein gemeinsames Abenteuer werden sollte. Auch ihre Verbindung zum Senegal reicht bereits zurück: Auf der Website der Spätzletour wird festgehalten, dass beide dort schon früher gemeinsam freiwillig für „Wissen macht Stark“ gearbeitet haben.

Für Summer und Lins ist das Fahrrad weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. Es ermöglicht ihnen, langsam genug zu reisen, um Landschaften, Orte und vor allem Menschen wirklich wahrzunehmen.

Mit dem Auto könne man ein Land mit hoher Geschwindigkeit durchqueren, ohne viel davon mitzubekommen, erklären die beiden. Auf dem Fahrrad sei die Distanz zu den Menschen dagegen deutlich geringer. Man sei ansprechbarer, komme leichter ins Gespräch und könne trotzdem an einem Tag große Entfernungen zurücklegen.

Genau diese Mischung fasziniert die beiden: Das Fahrrad verbindet Langsamkeit und Reichweite. Es macht die Reise selbst zum Erlebnis und nicht bloß den jeweiligen Zielort.

Die geplante Route führt zunächst von Frastanz über Tirol und Südtirol auf den Westbalkan. Danach geht es weiter über Griechenland, die Türkei, Armenien, Georgien und Aserbaidschan. Ursprünglich wollten Summer und Lins anschließend durch den Iran reisen. Das Land fasziniert sie besonders, gleichzeitig ist ihnen bewusst, dass die aktuelle politische und sicherheitstechnische Situation eine solche Entscheidung nicht zulässt, wenn die Risiken zu hoch werden.

Eine Reise um jeden Preis ist ausdrücklich nicht ihr Ziel. Den beiden ist wichtig, vernünftig zu entscheiden. Als Alternative steht eine Route über Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan im Raum. Von dort wäre wegen geschlossener Grenzen ein Flug notwendig, bevor die Reise über Nepal nach Dharamsala weitergehen könnte.

Das eigentliche Ziel liegt damit nicht einfach am Ende einer möglichst direkten Strecke. Die Route ist Teil des Abenteuers: Länder, Menschen und Kulturen sollen erfahren werden.

Bei aller Internationalität bleibt die Heimat sichtbar. Rund 22 Kilogramm Gepäck hat Samuel Summer nach eigenen Angaben auf seinem Fahrrad. Ein E-Bike kommt für die beiden nicht infrage: Es wäre unterwegs schwierig zu laden und zu reparieren. Die Energieversorgung übernehmen daher die eigenen Beine – in ihrer scherzhaften Formulierung die „5 PS pro Fuß“.

Mit im Gepäck ist auch ein Stück Vorarlberg: Spätzle. Sie sind das verbindende Element ihrer Reise und zugleich der Namensgeber des Projekts. In verschiedenen Ländern wollen die beiden mit regionalen Zutaten Käsespätzle zubereiten und damit Vorarlberger Kulturgut auf ungewöhnliche Weise in die Welt tragen.

Hinter der Spätzletour steht ein klar definiertes Bildungsprojekt. Summer und Lins wollen mit ihrer Reise Spenden für ein Projekt im Senegal sammeln. Ziel sind 100.000 Euro. Der erste konkrete Schritt ist der Bau eines Kindergartens und einer Spielgruppe.
46 Minuten
Patrick Fitzgerald kennt das Leben aus unterschiedlichen Perspektiven: als ehrgeiziger Nachwuchsspieler in North Carolina, als College-Footballer, als Spieler in Deutschland, als Mitglied der US-Nationalmannschaft, als Trainer und schließlich als Familienvater in Vorarlberg. Sein Lebensweg ist dabei alles andere als geradlinig. Er erzählt von Erfolgen und Rückschlägen, von Verletzungen, beruflichen Umwegen und Entscheidungen, die seine Zukunft verändert haben.

Im Mittelpunkt steht ein Mann, für den American Football zunächst Sport war, später Familie bedeutete und schließlich zum Beruf wurde.

Patrick Fitzgerald wächst in North Carolina auf. Sein Vater stammt aus New York und hat selbst American Football in High School und College gespielt. Auch sein älterer Bruder spielt Football. Die Voraussetzungen sind damit früh geschaffen.

Doch Football ist nicht seine erste Sportart. Bereits mit fünf Jahren beginnt Patrick mit Fußball und spielt bis zu seinem zwölften Lebensjahr. Dazu kommen Baseball, Leichtathletik und Ringen. Erst in der Middle School erhält er die Möglichkeit, American Football zu spielen.

Zunächst ist Fitzgerald keineswegs ein Naturtalent. In der siebten Klasse beginnt er als Tight End. Seine ersten Erfahrungen sind schmerzhaft: Er erinnert sich an blaue Flecken und schmerzende Arme nach den Trainingseinheiten. Er selbst beschreibt seine ersten Jahre als Spieler als ziemlich schlecht.

Doch genau darin liegt eine der wichtigsten Konstanten seines Lebens: Fitzgerald entwickelt sich nicht deshalb weiter, weil ihm alles zufällt, sondern weil er bereit ist, zu arbeiten.

Aus dem Tight End wird ein Fullback – ein Spieler, dessen Aufgabe vor allem darin besteht, Räume zu schaffen, zu blocken und körperlich hart zu arbeiten.

In der High School nimmt seine Karriere Fahrt auf. Fitzgerald spielt vier Jahre und wird in seinem dritten und vierten Jahr zum All-Conference-Spieler gewählt. Damit gehört er zu den herausragenden Spielern seiner Conference.

Ein besonderer Höhepunkt folgt im Dezember 2005: Fitzgerald wird für den Shrine Bowl nominiert, bei dem die besten Spieler aus North Carolina gegen die besten Spieler aus South Carolina antreten.

Für diese Entwicklung hat er hart gearbeitet. Besonders wichtig ist für ihn das Training mit seinem Quarterback und Freund. Fitzgerald beschreibt, wie er ganze Sommer damit verbringt, auf dem Footballplatz zu trainieren, Bälle zu fangen und Routen zu laufen.

Der Aufwand zahlt sich aus. Im Übergang vom zweiten zum dritten High-School-Jahr ist die Veränderung so deutlich, dass Colleges auf ihn aufmerksam werden. Einladungen zu Camps und Besuchen folgen.

Sein Weg zeigt bereits hier ein Muster, das ihn später begleiten wird: Talent eröffnet Möglichkeiten – Disziplin entscheidet darüber, ob man sie tatsächlich nutzt.

Mit 14 Jahren verliert Patrick seinen Vater an Darmkrebs.

Dieser Verlust verändert sein Leben grundlegend. Football bekommt für ihn eine neue Bedeutung. Die Mannschaft wird zu einer Art Ersatzfamilie. Fitzgerald spricht von seinen Mitspielern als seinen „35 Brüdern“.

Diese Erfahrung prägt auch seinen späteren Wunsch nach einer eigenen Familie. Der frühe Verlust des Vaters bleibt ein wichtiger Hintergrund für viele Entscheidungen, die Fitzgerald später trifft.

Nach der High School erhält Fitzgerald ein Full Scholarship für die Western Carolina University. Doch auch dort verläuft nicht alles nach Plan.

Nach rund eineinhalb Jahren beendet er zunächst seine College-Zeit und nimmt Abstand vom Football. Zwei Jahre lang ist er nicht an der Universität und spielt auch nicht. Er zieht nach New York, wo seine Mutter lebt, arbeitet und versucht, seinen Kopf wieder zu ordnen.

Football scheint zunächst beendet.
26 Minuten
Was als Traum eines elfjährigen Schülers begann, wurde zu einer der ungewöhnlichsten Pionierleistungen der modernen Elektromobilität: Louis Palmer wollte schon als Kind einmal mit einem Auto um die Welt fahren – allerdings nicht auf Kosten der Schönheit unseres Planeten. 2007 setzte er diesen Traum in die Tat um. Mit seinem selbst entwickelten Solartaxi umrundete er als erster Mensch die Erde mit einem solarbetriebenen Fahrzeug. 54.000 Kilometer in 18 Monaten wurden dabei zu einem eindrucksvollen Beweis dafür, dass Mobilität auch ohne fossile Brennstoffe möglich ist.

Palmer war Lehrer. Seine eigentliche Stärke sollte sich später genau dort zeigen, wo Technik allein nicht genügt – beim Erklären, Vermitteln und Begeistern.

1982, Palmer war elf Jahre alt, stellte sein Lehrer der Klasse eine scheinbar einfache Frage: Was wollt ihr später einmal machen?

Palmer wusste es sofort: eine Weltreise. Mit einem Auto wollte er die Erde umrunden.

Doch im gleichen Unterricht wurde über Umweltverschmutzung und den beginnenden Klimawandel gesprochen. Benzin verursachte Abgase, Abgase schädigten das Klima – und Palmer wollte die Schönheit der Welt sehen, nicht zerstören.

Damit war die entscheidende Idee geboren: Wenn er einmal um die Welt fahren würde, dann mit einem Solarauto.

Jahrzehnte später sollte aus dieser kindlichen Vorstellung Realität werden.

Als Palmer Anfang der 2000er Jahre ernsthaft begann, sein Projekt umzusetzen, hatte er weder das technische Studium noch das notwendige Kapital. Er selbst beschreibt die Ausgangslage mit einer fast absurden Rechnung: Für sein Projekt wären rund vier Millionen Franken notwendig gewesen. Auf seinem Konto lagen damals gerade einmal 4.000 Franken.

Aufgeben kam trotzdem nicht infrage.

Palmer begann, Unterstützer zu suchen. Er schrieb 431 Briefe an mögliche Sponsoren. Zunächst ohne Erfolg. Kurz vor dem geplanten Start schickte er noch elf Briefe nach Deutschland. Einer davon führte schließlich zum entscheidenden Durchbruch: Ein Sponsor stellte das benötigte Geld zur Verfügung.

Das Solartaxi konnte gebaut werden.

Die technische Umsetzung entstand mit Unterstützung von Partnern aus der Schweizer Hochschul- und Technikwelt. Entscheidend war dabei jedoch nicht nur Technik, sondern ein Prinzip, das Palmer bis heute begleitet: nicht aufgeben, um Hilfe bitten und kreativ bleiben.

2007 begann die Weltreise. 18 Monate lang fuhr Palmer mit dem Solartaxi rund um die Erde. Insgesamt legte er rund 54.000 Kilometer zurück. Damit gelang ihm die erste Weltumrundung mit einem solarbetriebenen Fahrzeug.

Das Solartaxi war dabei weit mehr als ein Fahrzeug. Es war ein fahrendes Argument.

Palmer wollte zeigen, dass Solarenergie und Elektromobilität keine abstrakten Zukunftsvisionen sein mussten. Man konnte tatsächlich einsteigen, losfahren und mit elektrischer Energie große Entfernungen zurücklegen.

Das Projekt wurde international wahrgenommen. Die Reise erreichte Menschen in zahlreichen Ländern; Schweizer Botschaften unterstützten Veranstaltungen, Medien berichteten, und Palmer wurde in vielen Ländern zu Interviews und Präsentationen eingeladen. Nach Angaben von SolarButterfly erreichte seine Botschaft während der damaligen Weltreise rund 770 Millionen Menschen.

Auch die Vereinten Nationen dokumentierten das Solartaxi bereits während der Reise. Bei der UN-Klimakonferenz 2007 auf Bali wurde das Fahrzeug als solarbetriebenes Taxi eingesetzt.

Bemerkenswert ist dabei eine kleine Episode: Palmer wollte tatsächlich ausschließlich mit Sonnenenergie fahren. Doch eine Weltreise lässt sich schlecht nach dem Wetterbericht eines Fernsehsenders planen. Für rund 150 Pressekonferenzen musste er pünktlich erscheinen. Deshalb entwickelte er ein System, bei dem anderswo eingespeister Solarstrom seine Stromentnahme unterwegs ausglich. So konnte er seine Termine einhalten, ohne das Grundprinzip des Projekts aufzugeben.
39 Minuten
Vom Krankenpfleger und Banker zum Spezialisten für Neurofeedback, Selbstwirksamkeit und die Kunst, das eigene Leben bewusst zu gestalten

Wer Anton Schimmler begegnet, begegnet einem Menschen, der sich nur schwer in eine klassische Berufsbezeichnung einordnen lässt. Der gebürtige Innsbrucker, Jahrgang 1972, lebt heute in Frastanz und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit einer Frage, die ihn offenbar nie losgelassen hat: Wie funktioniert der Mensch – als Körper, als Gehirn und als handelndes Wesen?

Seine Antwort darauf trägt inzwischen einen eigenen Namen: Dopamin-Work.

Der Begriff klingt zunächst nach einem weiteren Modewort aus der Welt von Biohacking, Longevity und Selbstoptimierung. Schimmler selbst versteht darunter allerdings weit mehr. Dopamin-Work ist für ihn die Essenz aus 37 Jahren Aus- und Weiterbildung, aus beruflichen Erfahrungen und aus der intensiven Beschäftigung mit dem Menschen. Es geht um Motivation, Gewohnheiten, Gedanken, Verhalten, Leistungsfähigkeit und letztlich um die Frage, wie ein Mensch sein Leben selbst gestalten kann.

„Dopamin“ steht dabei für die innere Motivation, für Erwartung und Antrieb. „Work“ für das, was notwendig ist, damit aus einem Impuls tatsächlich Veränderung wird. Denn eines ist Schimmler wichtig: Niemand kann das eigene Leben an eine Fabrik auslagern und am Ende ein fertiges Produkt abholen. Veränderung bleibt Arbeit.

Schimmlers Weg begann nicht in einem Seminarraum für Selbstoptimierung, sondern in der Krankenpflege. In Innsbruck absolvierte er die Krankenpflegeschule und arbeitete unter anderem auf Intensivstationen und verschiedenen Stationen im klinischen Bereich. Später war er auch als Banker tätig und absolvierte über die Jahre zahlreiche weitere Ausbildungen und Fortbildungen.

Diese unterschiedlichen Stationen sind für das Verständnis seiner heutigen Arbeit entscheidend. Schimmler betrachtet den Menschen nicht isoliert. Gedanken, Schlaf, Ernährung, Bewegung, Atmung, Gewohnheiten und Umwelt gehören für ihn zu einem einzigen System.

Sein Zugang ist deshalb ausdrücklich ganzheitlich – oder, wie er es selbst beschreibt, der eines „Systemmenschen“.

Seit rund acht Jahren arbeitet er in Frastanz mit Menschen, die häufig bereits einen langen Weg hinter sich haben. Zu seinen Klienten gehören Menschen, die von Neurologen, Psychiatern oder Psychologen zugewiesen werden. Andere kommen mit Problemen, bei denen sie das Gefühl haben, trotz bisheriger Bemühungen nicht so im Leben zu stehen, wie sie es gerne möchten.

Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: Woher kommt jemand? Was sind die Beschwerden? Was sind die Ziele? Und wie funktioniert das individuelle System?

Ein wichtiges Instrument in Schimmlers Arbeit ist das Neurofeedback. Mithilfe eines FunktionseEG kann die elektrische Aktivität des Gehirns in Echtzeit erfasst werden.

Für Schimmler ist das mehr als eine technische Spielerei. Die Hirnaktivität liefert ihm Hinweise darauf, wie es um Konzentrationsfähigkeit, Schlaf, Stressverarbeitung und bestimmte kognitive Funktionen steht. Entscheidend ist für ihn dabei nicht nur die Diagnose eines Problems, sondern die Frage: Was lässt sich konkret verändern?

Seine Arbeit setzt deshalb an den alltäglichen Strukturen an. Wie sieht der Tagesrhythmus aus? Was denkt ein Mensch den ganzen Tag? Wie ernährt er sich? Welche Gewohnheiten bestimmen seinen Alltag? Welche Nahrungsergänzungsmittel nimmt er? Wie geht er mit Stress um?

Die technischen Anwendungen des Recovery-Bereichs versteht Schimmler dabei als Unterstützung. Seine eigene Arbeit beginnt für ihn davor und endet danach.

Ein Aufenthalt in einer Kältekammer könne beispielsweise einen starken körperlichen Reiz setzen. Doch wenn ein Mensch anschließend wieder in dieselben destruktiven Gedanken- und Verhaltensmuster zurückfällt, bleibt ein Teil des Potenzials ungenutzt.

Sein zentraler Begriff lautet deshalb: Selbstwirksamkeit.
18 Minuten
Auf einem kleinen Hügel in Eschen bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick. Alte Container, ein Holzboot mit Aussicht auf die Drei Schwestern, dazwischen Baucontainer und Maschinen. Was hier bis vor kurzem entstand, verschwindet bereits wieder. Es ist das Ende eines Projekts, das sein Schöpfer schlicht das «Gelobte Land» nennt.

Carl Batliner nimmt es mit bemerkenswerter Gelassenheit. Schlechte Laune habe er grundsätzlich nie, sagt der 46-Jährige. «Ausser wenn ich mit dem Staat interagiere.» Der Satz fällt mit einem Lächeln – und beschreibt doch ziemlich genau, weshalb sein jüngstes Vorhaben nun Geschichte ist.

Batliner ist kein gewöhnlicher Tüftler. Der Eschner ist Erfinder, Unternehmer, Weltreisender und Ideensammler. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Bei ihm entsteht kaum eine Idee am Schreibtisch. Inspiration findet er unterwegs – auf Reisen, in Gesprächen oder beim zufälligen Fund eines ausrangierten Containers.

Die Vision des «Gelobten Landes» wuchs über mehrere Jahre. Aus gebrauchten Wohncontainern, Tiny Houses und einfachen Bauten sollte eine kleine Gemeinschaft entstehen. Menschen in schwierigen Lebenssituationen, Reisende oder Freiwillige hätten hier wohnen, arbeiten und sich gegenseitig unterstützen können – ohne grossen finanziellen Aufwand, dafür mit Eigenverantwortung und Gemeinschaftssinn.

Die Idee entstand nicht zufällig. Nach einem Hausbrand im Jahr 2017 restaurierte Batliner sein eigenes Haus während fünf Jahren. Immer wieder halfen ihm Freunde oder Menschen, die selbst eine Auszeit brauchten. Daraus entwickelte sich der Wunsch, einen Ort zu schaffen, an dem gegenseitige Hilfe zum Alltag gehört.

Den Namen fand das Projekt nach Reisen durch Israel und Palästina. Zwar sollte kein religiöser Ort entstehen, wohl aber ein Platz, an dem Menschen unabhängig von Herkunft oder Überzeugung gemeinsam leben und arbeiten können. Moderne Elemente wie ein Blockchain-basiertes Beitragssystem sollten dabei sichtbar machen, wer sich wie stark in die Gemeinschaft einbringt.

Doch bevor das Projekt überhaupt richtig starten konnte, griffen die Behörden ein. Nach baupolizeilichen Verfahren und einem langwierigen Rechtsstreit wurde der Abbruch verfügt. Die Container verschwinden, das Gelände wird wieder eingeebnet. Für Batliner endet damit ein Projekt, in das er Monate intensiver Arbeit investiert hatte, noch bevor der erste Gast dort übernachten konnte.

Aufgeben gehört allerdings nicht zu seinem Wesen. Seit über fünfzehn Jahren entwickelt Batliner Produkte, Geschäftsmodelle und technische Lösungen. Er bezeichnet sich selbst als «Inventerpreneur» – eine Mischung aus Inventor und Entrepreneur.

Zu seinen bekanntesten Entwicklungen zählt Joint Magic, ein patentiertes Gerät zum Mahlen und Befüllen vorgedrehter Cannabis-Hülsen. Die internationale Patentanmeldung lief parallel zum Aufbau des «Gelobten Landes». Durch den juristischen Streit um das Bauprojekt fehlte schliesslich die Zeit, das Patent rechtzeitig auf weitere Länder auszuweiten – ein weiterer Rückschlag.

Daneben entwickelte Batliner unter anderem ein Schaukelbett namens Sweetspot, mit dem er sogar bei der Schweizer Ausgabe der Fernsehsendung «Die Höhle der Löwen» auftrat. Hinzu kommen Brettspiele, verschiedene Alltagsprodukte und zahlreiche weitere Ideen, von denen viele nie den Sprung in die Serienproduktion schafften.

Für Batliner gehört das zum kreativen Prozess. Nicht jede Erfindung müsse wirtschaftlich erfolgreich sein. Entscheidend sei, Neues auszuprobieren und dabei ständig dazuzulernen.

Sein eigentliches Zuhause ist für Batliner jedoch weniger eine Werkstatt als die Welt.

Er studierte unter anderem in Melbourne, Puebla in Mexiko und Kapstadt, baute eine Firma in Taiwan auf und bereiste bereits weit über hundert Länder. Noch immer verfolgt er das Ziel, eines Tages jedes Land der Erde zu besuchen.

Nach dem Ende des «Gelobten Landes» zieht es ihn erneut hinaus. Wohin genau, weiss er noch nicht. Indien reizt ihn ebenso wie Südamerika oder unbekannte Regionen Asiens.
32 Minuten
Chrisi Kindle prägte über vier Jahrzehnte den Sportjournalismus in Liechtenstein

Wer in Liechtenstein Fussball liebte, kannte seine Stimme. Ob packende Cup-Nächte des FC Vaduz, Länderspiele der Nationalmannschaft oder grosse Ski-Erfolge – Chrisi Kindle war über Jahrzehnte der Mann hinter dem Mikrofon. Mit rund 600 kommentierten Spielen, davon etwa 500 Begegnungen des FC Vaduz und rund 100 Länderspielen, gehört er zu den prägendsten Sportjournalisten des Landes. Seine Karriere führte ihn von der Schreibmaschine über Telex und Telefax bis ins digitale Zeitalter – und immer stand eines im Mittelpunkt: die Leidenschaft für den Sport.

Nach dem Ende von Radio Liechtenstein Anfang 2025 ist es ruhiger um den langjährigen Sportreporter geworden. Doch wer ihm zuhört, merkt schnell: Die Begeisterung für den Fussball ist ungebrochen. Ebenso wie die Erinnerungen an eine Zeit, in der Sportjournalismus oft Improvisation, Abenteuer und Herzblut bedeutete.

Schon als kleiner Junge wusste Chrisi Kindle, wohin sein Weg führen sollte. Während andere Kinder einfach Fussball schauten, kommentierte er die Spiele zu Hause gleich selbst.

Dass daraus tatsächlich ein Beruf werden könnte, glaubte allerdings kaum jemand.

«Diesen Beruf gibt es gar nicht», bekam er damals von Berufsberatern immer wieder zu hören. Man riet ihm zu einer «richtigen» Ausbildung.

Kindle liess sich davon nicht beirren.

Beim Liechtensteiner Volksblatt absolvierte er zunächst eine kaufmännische Lehre. Parallel durfte er erste Erfahrungen in der Sportredaktion sammeln. Dort wurde sein Talent rasch erkannt. Sein damaliger Lehrmeister übertrug ihm immer mehr Verantwortung – und warf den 19-Jährigen bereits 1978 bei der Ski-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen ins kalte Wasser.

«Mach einfach», hiess es damals.

Für Kindle wurde diese erste Weltmeisterschaft zum Start einer aussergewöhnlichen Laufbahn.

Zwanzig Jahre arbeitete Chrisi Kindle beim Liechtensteiner Volksblatt. Ende der 1990er-Jahre suchte er eine neue Herausforderung.

Sie hiess Radio.

1998 wechselte er zu Radio Liechtenstein und fand dort seine eigentliche Bühne. Seine markante Stimme wurde für Generationen von Sportfans zum festen Begleiter an den Wochenenden.

Bis zum Sendeschluss des Radios im Jahr 2025 berichtete er praktisch ohne Unterbruch über das Sportgeschehen im Land.

Wer heute einen Bericht schreibt, braucht Laptop, Smartphone und Internet.

Damals war alles anders.

Bei seiner ersten Ski-WM schrieb Kindle seine Texte noch auf einer Schreibmaschine. Anschliessend mussten sie auf einer Telex-Station übertragen werden. Jede Zeile bedeutete zusätzliche Arbeit, jede Übermittlung kostete Zeit.

Noch schwieriger hatten es die Fotografen.

Mit seinem langjährigen Kollegen Eddi Risch war Kindle bei unzähligen Grossanlässen unterwegs. Während Kindle schrieb, verwandelte Risch Hotelbadezimmer in improvisierte Dunkelkammern.

Anschliessend begann der eigentliche Kraftakt.

Ein einziges Foto benötigte rund sechs Minuten, bis es über eine Telefonleitung in der Redaktion ankam.

Heute dauert derselbe Vorgang wenige Sekunden.

Eine seiner liebsten Erinnerungen stammt vom berühmten Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel.

Im Hotel gab es lediglich eine Telefonkabine.

Während Fotograf Edi Rich den Telefonhörer auseinanderbaute und sein Übertragungsgerät anschloss, musste Kindle den Hotelangestellten beschäftigen.

«Er braucht einfach noch etwas», erklärte er immer wieder.

Während draussen Gäste ungeduldig auf die Telefonleitung warteten, wurden drinnen Bild für Bild Richtung Liechtenstein geschickt.

Improvisation gehörte damals zum Berufsalltag.

Nicht weniger filmreif verlief eine Reise nach Nordirland.

1994 bestritt Liechtenstein in Belfast sein erstes Pflichtspiel überhaupt in einer EM-Qualifikation.

Den Spielbericht schrieb Kindle auf dem Rückflug – mit der Schreibmaschine auf den Knien.

Neben ihm sass Nationaltorhüter Martin Öhri.
22 Minuten
Oliver Sprenger: Ein Mann, der zuhört – und Räume für Gespräche schafft

Manchmal braucht es keinen Therapeuten, keine komplizierten Konzepte und keine langen Wartezeiten. Manchmal genügt ein offenes Ohr, eine Tasse Kaffee und einen Ort, an dem man ohne Vorurteile reden kann. Genau dafür engagiert sich Oliver Sprenger mit grosser Leidenschaft. Als Vizepräsident des Vereins für Männerfragen Liechtenstein und Ansprechpartner im Männercafé in Schaan setzt er sich dafür ein, dass Männer ihre Sorgen nicht länger für sich behalten müssen.

Das Männercafé an der Liechtensteinerstrasse 50 in Schaan ist weit mehr als ein Treffpunkt. Es ist ein niederschwelliges Angebot für Männer – aber auch für Familien und Interessierte –, die einfach einmal reden möchten. Ohne Anmeldung, ohne Verpflichtungen und ohne Berührungsängste.

Die Inspiration kam aus Vorarlberg. Dort existierten bereits Männercafés, deren unkompliziertes Konzept Oliver Sprenger und seine Mitstreiter überzeugte. Gemeinsam entschloss sich der Verein für Männerfragen, ein ähnliches Pilotprojekt auch in Liechtenstein zu starten.

Seit der Eröffnung im vergangenen Herbst hat sich das Angebot etabliert. Zwar sei der Anfang nicht einfach gewesen, erzählt Sprenger, inzwischen habe sich jedoch ein fester Kreis von Besuchern entwickelt. Wöchentlich nutzen mehrere Männer das Angebot, um sich auszutauschen, Rat zu suchen oder einfach einen Kaffee in angenehmer Atmosphäre zu trinken. Besonders wichtig sei ihm dabei, dass niemand eine Hemmschwelle verspüren müsse.

"Viele laufen zunächst zweimal am Café vorbei, bevor sie sich trauen hereinzukommen", beobachtet Sprenger. Ist das Eis jedoch einmal gebrochen, entstünden oft intensive und ehrliche Gespräche.

Im Mittelpunkt steht der Austausch unter Männern. Nicht als Therapie, sondern als gegenseitige Unterstützung. Erfahrungen teilen, voneinander lernen und Probleme ansprechen, bevor sie eskalieren – das ist das Grundprinzip.

Gerade Männer würden häufig versuchen, Belastungen mit sich selbst auszumachen. Gefühle offen anzusprechen falle vielen schwer. Genau hier setzt das Männercafé an.

Sprenger ist überzeugt, dass viele Konflikte entschärft werden könnten, wenn Männer früher über ihre Sorgen sprechen würden. Oft gehe es um Beziehungsprobleme, Trennungen, beruflichen Druck oder die Frage, wie sich die Rolle des Mannes in einer sich wandelnden Gesellschaft verändert habe.

Dabei betont er immer wieder, dass das Männercafé kein Ersatz für professionelle Hilfe sein wolle, sondern eine erste Anlaufstelle, bevor aus kleinen Problemen grosse Krisen werden.

Hinter dem Männercafé steht der Verein für Männerfragen Liechtenstein, der seit vielen Jahren Beratungsangebote für Männer, Familien und Paare anbietet. Das Spektrum reicht von Trennungs- und Scheidungsberatung bis hin zu rechtlichen Erstinformationen.

Besonders wenig bekannt ist, dass der Verein auch ein Männerhaus betreibt – eine geschützte Unterkunft für Männer, die aufgrund familiärer Konflikte kurzfristig nicht mehr in ihre Wohnung zurückkehren können. Mehrere Betroffene nehmen dieses Angebot jedes Jahr in Anspruch.

Mit rund 320 Mitgliedern gehört der Verein zu den grösseren sozialen Organisationen des Landes. Dank eines Leistungsauftrags des Landes kann zudem eine erste juristische Beratung kostenlos angeboten werden – ein Angebot, das insbesondere in Trennungssituationen häufig genutzt wird.

Oliver Sprenger weiss aus eigener Erfahrung, wie belastend räumliche Trennungen und familiäre Herausforderungen sein können. Während seiner langjährigen Zeit in Berlin lebte er zeitweise in einer Fernbeziehung und sah seine Töchter oft nur während der Ferien.

Heute lebt der verheiratete Vater zweier Töchter wieder in Liechtenstein. Seine Motivation beschreibt er schlicht: Ihm selbst sei im Leben oft geholfen worden. Nun wolle er etwas zurückgeben.

Diese Haltung prägt auch seine Arbeit im Männercafé. Nicht belehren, sondern zuhören. Nicht urteilen, sondern begleiten.
38 Minuten
Wie „Sporty Paz“ Unternehmern, Führungskräften und vielbeschäftigten Menschen zu mehr Energie, Klarheit und Lebensqualität verhilft

Wenn Paz Lavie einen Raum betritt, spürt man sofort ihre Energie. Nicht die hektische Energie unserer Zeit, sondern eine ruhige, fokussierte Kraft. Eine Ausstrahlung, die aus Überzeugung entsteht. Aus Disziplin. Aus Lebensfreude. Und aus dem Wissen, dass Erfolg und Gesundheit keine Gegensätze sein müssen.

Im Bodenseeraum kennt man sie mittlerweile als „Sporty Paz“ – Positive Mental Fitness Coach, Motivatorin, Unternehmerin und Vorbild für einen aktiven Lebensstil. Ihre Botschaft ist klar: Wer dauerhaft Leistung bringen will, muss zuerst in sich selbst investieren.

„No time is a lie“, sagt sie gerne. Keine Zeit zu haben, sei oft nur eine Ausrede. Denn Fitness beginnt nicht erst im Fitnessstudio. Sie beginnt bei den täglichen Entscheidungen.

Geboren und aufgewachsen in Israel, zwischen Rehovot und Ness Ziona nahe Tel Aviv, entdeckte Paz schon früh ihre Leidenschaft für Kreativität und Bewegung. Als Kind liebte sie Kunst, Tanz und Gymnastik. Nach ihrem Militärdienst absolvierte sie ein Studium im Produktdesign und schlug zunächst eine klassische internationale Karriere ein.

2011 kam sie nach Deutschland – ursprünglich für ein befristetes Projekt in der Automobilindustrie. Doch aus einem Jahr wurden viele. Ihre berufliche Reise führte sie schließlich an den Bodensee, wo sie heute mit ihrer Familie lebt.

Der Bodensee wurde für sie schnell mehr als nur ein Wohnort. Die Region wurde zu ihrer Bühne für ein neues Kapitel: Menschen dabei zu unterstützen, gesünder, leistungsfähiger und ausgeglichener zu leben.

Paz kennt die Herausforderungen moderner Arbeitswelten aus eigener Erfahrung. Meetings, Verantwortung, Termindruck und ständige Erreichbarkeit gehören für viele Führungskräfte zum Alltag.

Genau hier setzt ihre Arbeit an.

Als Positive Mental Fitness Coach begleitet sie Unternehmer, Selbständige und Führungskräfte dabei, ihre körperliche und mentale Leistungsfähigkeit nachhaltig zu steigern. Ihr Ansatz basiert auf drei zentralen Säulen:

Aktiver Lebensstil

Funktionale Ernährung

Starkes Mindset

Dabei geht es ihr nicht um radikale Programme oder unrealistische Fitnessziele.

„Wir brauchen keine drei Stunden Fitnessstudio am Tag“, sagt sie. „Wir brauchen bessere Gewohnheiten.“

Für Paz bedeutet Fitness weit mehr als Muskeln oder Kalorienverbrauch.
32 Minuten
Wer Armin Rainer begegnet, spürt rasch seine ruhige, reflektierte Art. Der gebürtige Kärntner-Steirer spricht über Musik, Bildung und Vereinsleben mit derselben Begeisterung, mit der er seit Jahren junge Menschen begleitet. Als Jugendreferent der Bürgermusik Rankweil ist er weit mehr als Organisator von Proben und Lagern. Er ist Motivator, Netzwerker und Brückenbauer zwischen den Generationen.

Dabei führte sein Weg alles andere als geradlinig nach Vorarlberg.

Geboren wurde Armin Rainer am 4. April 1988 in St. Veit an der Glan in Kärnten. Seine Kindheit verbrachte er im Grenzgebiet zwischen Kärnten und der Steiermark. Bis heute beschreibt er sich augenzwinkernd als jemanden, der nie ganz eindeutig einer Region zugeordnet werden konnte. In der Steiermark galt er als Kärntner, in Kärnten als Steirer. Vielleicht ist gerade diese Erfahrung mit unterschiedlichen Identitäten eine jener Eigenschaften, die ihn heute so offen und verbindend auftreten lassen.

Nach der Matura und dem Bundesheer zog es Rainer zunächst nach Wien. Dort arbeitete er viereinhalb Jahre lang in der internationalen Transportlogistik und koordinierte Lkw-Transporte zwischen Deutschland und Großbritannien. Eine anspruchsvolle Tätigkeit, die ihm wertvolle Erfahrungen vermittelte, aber langfristig nicht die Erfüllung brachte, die er suchte.

Der Wunsch zu studieren war immer vorhanden. So begann er ein Studium der Volkswirtschaft, wechselte später jedoch ins Lehramt und kombinierte Deutsch mit Spanisch. Während dieser Zeit entdeckte er seine eigentliche Berufung: das Unterrichten.

Heute arbeitet Armin Rainer als Lehrer in Eschen im Fürstentum Liechtenstein. Besonders wichtig ist ihm dabei nicht nur die Vermittlung von Fachwissen, sondern die soziale Entwicklung junger Menschen. Schule versteht er als Ort, an dem Kinder lernen, Konflikte zu lösen, Verantwortung zu übernehmen und respektvoll miteinander umzugehen.

„Das gesellschaftliche Zusammenleben zu lernen, ist mindestens so wichtig wie der fachliche Unterricht“, lautet eine seiner zentralen Überzeugungen.

Die Liebe zur Blasmusik begann früh. Als Achtjähriger hörte Armin Rainer bei einer Veranstaltung ein Tenorhorn-Duo spielen. Der Klang faszinierte ihn sofort. Noch am selben Tag stand für ihn fest: Dieses Instrument wollte er lernen.

Aus dem ersten Tenorhornunterricht entwickelte sich eine lebenslange Leidenschaft. Später kamen Zugposaune und Tuba hinzu. Heute gehört die Tuba zu seinen Hauptinstrumenten in der Bürgermusik Rankweil.

Die Musik begleitet ihn seit Jahrzehnten – und sie prägt auch sein ehrenamtliches Engagement.

Seit 2022 ist Armin Rainer Jugendreferent der Bürgermusik Rankweil. Als er die Aufgabe übernahm, befand sich die Nachwuchsarbeit nach den schwierigen Corona-Jahren in einer herausfordernden Phase. Die Zahl der Jugendlichen war deutlich zurückgegangen.

Rainer sah darin jedoch keine Belastung, sondern eine Chance.

Mit Beharrlichkeit, vielen Gesprächen und großem persönlichem Einsatz gelang es ihm gemeinsam mit seinem Team, die Jugendarbeit neu zu beleben. Innerhalb weniger Jahre konnte die Zahl der aktiven Nachwuchsmusiker mehr als verdoppelt werden.

Besonders stolz ist er auf den Sieg beim Jugendblasorchester-Wettbewerb in Götzis. Für ihn war dieser Erfolg der Beweis, dass Ausdauer und konsequente Arbeit Früchte tragen.

„Wenn du hartnäckig bleibst und dich nicht unterkriegen lässt, dann schaut am Ende wirklich etwas heraus“, sagt er rückblickend.