Der jüngste Bierbraumeister - David Tiefenthaler

Der jüngste Bierbraumeister - David Tiefenthaler

19 Minuten

Beschreibung

vor 3 Monaten

Es gibt Menschen, die stolpern zufällig in ihren Beruf – und dann
gibt es David Tiefenthaler. Einer, der früh erkannt hat, dass
seine Zukunft nicht zwischen Schulbänken, sondern zwischen
dampfenden Sudkesseln, duftendem Malz und gärender Würze liegt.
Geboren 2001 und aufgewachsen in Beschling, stand für ihn mit 15
zwar noch nicht fest, dass er einmal Braumeister werden würde –
aber die erste Schnupperstunde in der Brauerei Frastanzer ließ
eine Tür aufgehen, die er nie wieder schließen wollte.Ein Jahr
später – nach einem kurzen Ausflug an die HTL, der ihm eindeutig
bewies, dass er eher etwas für dampfende Kessel als für trockene
Formeln ist – kehrte er nach Frastanz zurück. Und begann mit 16
seine Lehre in der Brauerei Frastanzer. Ja, richtig: Während
andere Teenager über Mathetests klagten, stand David zwischen
offenen Gärbottichen, wo sich Bier noch verhält wie ein
lebendiges Wesen.Vom Lehrling zum Braumeister – im
SchnellverfahrenWährend viele Brauereien längst vollautomatische
Hightech-Tempel geworden sind, durfte David noch das „alte
Handwerk“ kennenlernen: Bier, das wie früher entsteht – mit
Muskelkraft, Erfahrung und ganz viel Bauchgefühl. Und genau diese
Mischung führte ihn schließlich berufsbegleitend nach Berlin, wo
er nach absolvierter Lehre und schon einigen Jahren praktischer
Erfahrung seinen Braumeistertitel erwarb.Heute zählt er zu den
jüngsten Braumeistern von ganz Österreich. Er ist damit seinem
Arbeitskollegen Laurin, der vor ihm den Titel "Jüngster
Bierbraumeister des Landes" inne hatte, gefolgt - und das mit
Erfolg.125 Hektoliter Leidenschaft pro SudSpricht man mit David
über Bier, bekommt man nicht nur eine Erklärung – man bekommt ein
Universum.Wenn David den Brauprozess erklärt (er kann das Stunden
lange machen), tut er das mit einer Mischung aus Präzision und
Begeisterung. Von der vermälzten Gerste über die Enzyme in der
Maische bis hin zu den Polyphenolen des Hopfens – er beherrscht
die Wissenschaft, aber er liebt die Magie. „Bier ist ein
absolutes Naturprodukt“, sagt er und klingt dabei wie ein junger
Traditionalist in einer digitalisierten Welt.Wer glaubt, dass man
in einer kleinen Vorarlberger Genossenschaftsbrauerei in
gemütlichem Tempo arbeitet, irrt gewaltig. Ein Sud: 12.500 Liter.
Dauer: sechs Stunden. Im Dreischichtbetrieb. Von Sonntagabend bis
Freitagmittag. Und das alles, während die Hefe praktisch rund um
die Uhr arbeitet – 365 Tage im Jahr.Doch trotz der Menge bleibt
der Respekt vor dem Produkt. In Frastanz wird noch kalt
filtriert, kalt abgefüllt und komplett auf pasteurisierte
„Schönheitsbehandlungen“ verzichtet. Ein Bier wie ein ehrlicher
Handschlag.Experimentierfreudig wie ein AlchemistDavid hat
Lieblingsbiere – klar mischt hier "s'Klenne" ganz vorne mit. Aber
richtig spannend wird er, wenn er von seinen Experimenten
erzählt: Pale Ales, IPAs, hopfengestopfte Sommereditionen,
Schokoladenbiere.Seine Augen leuchten dann wie bei jemandem, der
weiß, dass im nächsten Sud ein kleines Abenteuer lauert.Zwar sei
es schwierig, Experimente im großen Maßstab umzusetzen – bei
12.500 Litern ist ein Fehlversuch teuer –, aber dafür gibt es
seine kleine Nebenbrauerei: Ein Labor für Ideen, die mal völlig
verrückt und mal völlig genial sind. Meistens beides.Der
Braumeister, der nicht jeden Tag trinktEin Funfact, den niemand
glauben will: David trinkt nicht jeden Tag Bier.Er lacht über das
Klischee, dass Braumeister ständig probieren müssten. Und
erklärt, dass verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol eben
genauso zum Handwerk gehört wie Hopfen und Malz.

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