Podcaster
Episoden
26.02.2026
47 Minuten
Zwischen den Gipfeln des Rätikons, dem Gamperdonatal und dem
Nenzinger Himmel lebt ein Mann, der sich nie auf eine Rolle
festlegen ließ. Michael Benvenuti, 68 Jahre, Werkzeugmacher,
dreifacher Familienvater, Kommunalpolitiker a.D. und
leidenschaftlicher Fotograf, ist ein Grenzgänger – zwischen
Handwerk und Kunst, zwischen Lokalpolitik und globalem Denken,
zwischen christlich geprägter Heimat und hinduistischer
Spiritualität.Sein Lebensmittelpunkt ist Nenzing. Seine geistige
Heimat ist weiter gefasst.Zur Fotografie kam Benvenuti früh. Ein
Jugendfreund besaß eine Kamera – der Beginn einer lebenslangen
Leidenschaft. Zunächst waren es Familienbilder, Urlaubsaufnahmen
im Nenzinger Himmel, später Landschaften von Skitouren, darunter
die Wildspitze oder sogar der Mont Blanc. Die Kamera wurde
Begleiter auf Bergtouren, Vereinsveranstaltungen und durch alle
Lebensphasen.Richtig intensiv widmet er sich der Fotografie seit
der Pensionierung. Spiegelreflex, Teleobjektiv, Stativ –
professionelle Ausrüstung für eine Passion, die weit über ein
Hobby hinausgeht.Er fotografiert nicht spektakulär, sondern
aufmerksam. „Seit ich wieder intensiv fotografiere, sehe ich die
kleinsten Blumen“, sagt er. Ein Löwenzahn wird bei ihm zum
Kunstwerk, weil er ihn nicht achtlos übergeht.Neun Auflagen hat
sein Kalender mittlerweile erlebt. Rund 150 Exemplare erscheinen
jährlich. Ein fester Kundenstamm wartet bereits im Frühjahr auf
die neue Ausgabe.Der Kalender ist in Nenzing direkt bei ihm
erhältlich, in der Trafik oder im Gasthaus Gampadon im Nenzinger
Himmel – Orte mit Menschen, die für ihn Handschlagqualität
verkörpern.Ein Bild mit 20 bis 30 Hirschen im Nenzinger Himmel
sorgte im vergangenen Jahr für hitzige Diskussionen. Jagd und
Agrargemeinschaft befürchteten, das Foto könne Besucher anlocken
und Unruhe ins Wild bringen und hängten es ab.Benvenuti
argumentierte aus der Perspektive des Fotografen und Wanderers.
Er spricht gern vom „Kuchen und Kuchenstück“: Viele sehen nur
einen Ausschnitt – er sieht das Ganze. Juristisch war er im
Recht. Am Ende kaufte ein Jäger das Bild – heute hängt es in
einer Jagdhütte.Der Konflikt wurde zu einem Lehrstück über
Perspektiven, Verantwortung und Dialog.45 Jahre arbeitete
Benvenuti im Formenbau, unter anderem für international tätige
Unternehmen. Er bewegte sich im Toleranzbereich von wenigen
Tausendstelmillimetern.Lego-Spritzgussformen gehörten zu seinen
Projekten – mit minimalen Abweichungen von plus/minus drei
Tausendstel. Diese Präzision prägte sein Denken. Zwei Hundertstel
fühlten sich für ihn wie „ein Berg“ an.Diese handwerkliche
Genauigkeit spiegelt sich heute in seinen Fotografien:
Komposition, Licht, Detail – nichts ist zufällig.Fast ein
Vierteljahrhundert war Benvenuti in der Gemeindepolitik tätig,
zunächst in einer großen Partei, später parteilos. 2009 gründete
er die Liste „Wir gemeinsam“ und trat bei der Landtagswahl
an.Sein zentrales Prinzip: Handschlagqualität. Nicht über andere
schimpfen, sondern selbst vorleben.Heute betrachtet er Demokratie
kritisch. Er hinterfragt Mehrheitsprinzipien und spricht offen
über alternative Modelle. Dabei geht es ihm weniger um Ideologie
als um Verantwortung, Integrität und geistige Substanz in der
Politik.Benvenuti bezeichnet sich als bekennenden Hinduisten. Für
ihn ist Spiritualität keine Randnotiz, sondern
Grundverständnis.Er glaubt fest an Reinkarnation. Die Menschheit,
sagt er, müsse geistig wachsen. Die Frage nach Gott und Sinn sei
zentral – auch wenn sie heute oft belächelt werde. Dass Jesus,
der später Christus genannt wurde, über mehrere Jahre in einem
Ashram in Indien lernte, ist für ihn logisch nachvollziehbar und
erwiesene Tatsache.Diese Haltung erklärt auch seine Skepsis
gegenüber Modernisierung im Nenzinger Himmel: 5G, Kläranlagen,
zunehmende Technisierung – für ihn Zeichen einer Entwicklung, die
das Ursprüngliche verdrängt.
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17.02.2026
14 Minuten
Gregor Meier – Der Antreiber hinter dem Landesspiegel
Gregor Meier gehört zu jenen Persönlichkeiten, die sich in der
kleinen Medienlandschaft Liechtensteins schnell einen Namen
gemacht haben. Der politisch interessierte Jurist betreibt seit
knapp drei Jahren mit landesspiegel.li eine eigenständige
Online-Zeitung, die sich als journalistische Alternative und
Ergänzung zu den etablierten Medien versteht.
Sein Einstieg in die Branche war ungewöhnlich: Ohne klassische
journalistische Ausbildung nutzte Meier das Ende der
traditionsreichen ältesten Tageszeitung des kleinen Fürstentums,
dem renommierten „Volksblatt“, als Gelegenheit, eine
publizistische Lücke zu schließen. Der Landesspiegel ging genau
an jenem Tag online, an dem die letzte Ausgabe erschien – ein
symbolischer Moment, der den Anspruch unterstrich, weiterhin
kritische Berichterstattung zu bieten.
Meiers Zugang zum Journalismus ist stark von seinem politischen
Interesse geprägt. Inhaltlich dominieren daher innenpolitische
Themen, ergänzt durch internationale Beobachtungen, etwa von
Konferenzen oder diplomatischen Veranstaltungen. Sein
Selbstverständnis zielt auf Hintergrundarbeit, Gespräche mit
Entscheidungsträgern und eigene Recherche statt reiner Wiedergabe
von Presseaussendungen und Medienmitteilungen.
Diese Herangehensweise verschafft ihm Sichtbarkeit, aber auch
Kritik – insbesondere von klassischen Medien, die seine fehlende
formale Journalistenausbildung gelegentlich infrage stellen.
Meier selbst betont dagegen die Bedeutung von Fachwissen, etwa
juristischer und wirtschaftlicher Zusammenhänge, für fundierte
Berichterstattung.
Ein zentraler Konflikt in seiner bisherigen Laufbahn betrifft die
staatliche Medienförderung. Der Landesspiegel erhielt zunächst
Unterstützung, fiel nach einer Gesetzesänderung jedoch aus dem
Förderregime. Meier kritisiert die Kriterien als unausgewogen und
sieht darin ein strukturelles Problem für Medienvielfalt.
Für ihn steht weniger der persönliche Nachteil im Vordergrund als
die grundsätzliche Frage nach fairen Rahmenbedingungen. Seine
Position: Entweder gleiche Unterstützung für vergleichbare
Angebote oder ein System, das ganz ohne Subventionen auskommt.
Wer die politische und gesellschaftliche Szene Liechtensteins
beobachtet, begegnet Meier häufig. Er gilt als ausgesprochen
präsent, besucht Veranstaltungen quer durch Politik, Kultur und
Wirtschaft und versucht, überall Informationen aus erster Hand zu
sammeln.
Diese Omnipräsenz spiegelt auch seine Arbeitsweise wider: Der
Landesspiegel ist weitgehend ein Ein-Mann-Projekt, das durch
effiziente Organisation, digitale Tools wie Künstlicher
Intelligenz und persönliche Netzwerke funktioniert. Parallel
engagiert sich Meier auch beim einzigen Fernsehsender
Liechtensteins, 1FLTV und steht teilweise vor sowie hinter der
Kamera.
Sein Interesse an medienpolitischen Fragen zeigt sich auch
institutionell. Vor Kurzem wurde Meier in den Vorstand des
Internationaler Liechtensteiner Presseclub (kurz LPC) gewählt,
nachdem er bereits zuvor aktives Mitglied war. Dort möchte er
nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit innerhalb der Branche
stärken und den Austausch zwischen Journalisten fördern.
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten verfolgt Meier das Ziel,
den Landesspiegel langfristig zu etablieren. Eine Teilanstellung
bei 1FLTV sorgt für finanzielle Stabilität, während er
gleichzeitig am Ausbau seines Online-Mediums arbeitet.
Sein Profil vereint Idealismus – den Anspruch auf unabhängige
Berichterstattung – mit pragmatischen Lösungen, um ein kleines
Medienprojekt am Leben zu halten. Damit verkörpert er einen neuen
Typus von Medienmacher im Kleinstaat: flexibel, vernetzt und
stark persönlich geprägt.
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11.02.2026
23 Minuten
Wer die Praxis im Schwarzwidaweg 4 in 6800 Feldkirch-Nofels
betritt, spürt sofort eine besondere Atmosphäre. Helle Räume, der
Blick hinaus ins Ried, Stille, Weite – und eine Gastgeberin, die
mit ruhiger Präsenz empfängt. Heike Leuchter verbindet in ihrer
Arbeit psychosoziale Beratung, Supervision, Yoga, Humanenergetik
und pädagogische Erfahrung zu einem ganzheitlichen Angebot, das
Körper, Geist und Seele gleichermaßen anspricht.
Heike Leuchters beruflicher Weg begann im Schulwesen. Als
ausgebildete Mittelschullehrerin unterrichtete sie viele Jahre
mit Begeisterung unter anderem Englisch, Biologie und Sport.
Bildung bedeutete für sie stets Freiheit – die Möglichkeit,
selbstbestimmt zu denken und zu handeln. Die Arbeit mit Kindern
und Jugendlichen war für sie ein wertvolles Lernfeld, geprägt von
Begegnungen, Entwicklung und gegenseitiger Inspiration.
2018 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Die
Entscheidung war kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung. Die
pädagogische Grundhaltung – Menschen achtsam zu begleiten,
Potenziale zu erkennen und zu fördern – bildet bis heute das
Fundament ihrer Arbeit.
Yoga begleitet Heike seit ihrer Jugend. Mit 18 Jahren, in einer
Phase starker innerer Anspannung vor der Matura, suchte sie nach
Ruhe und Orientierung. In einem Yogakurs fand sie, was sie
suchte: Zentrierung, Rückverbindung zu sich selbst und eine
Methode, Spannungen loszulassen.
Was damals begann, wurde zu einem lebenslangen Weg. 2010 schloss
sie ihre Yogalehrerausbildung ab. Für sie ist Yoga weit mehr als
körperliche Übung. Die Asanas und Pranayamas – die Körper- und
Atemübungen – dienen als Zugang zur inneren Balance. Sie
beruhigen Geist und Nerven, vertiefen den Atem, fördern Kreislauf
und Stoffwechsel und stärken die Selbstwahrnehmung.
Im Zentrum steht die Idee der Rückverbindung: Yoga bedeutet,
wieder bei sich selbst anzukommen. Prägungen, Konditionierungen
und Spannungsmuster dürfen sich lösen, damit der eigene
Wesenskern – das „goldene Ei“ der Yogaphilosophie – wieder
sichtbar wird.
Auszeiten führten Heike nach Indien, Nepal und Thailand – Länder,
in denen Yoga und spirituelle Traditionen tief verwurzelt sind.
In Indien besuchte sie unterschiedlichste Yogastile: von sehr
spirituellen, meditativen Formen bis zu dynamischem
Ashtanga-Yoga. Diese Erfahrungen stärkten ihr Bewusstsein dafür,
dass Yoga überall dort authentisch ist, wo es um innere
Entwicklung geht – und nicht um äußere Akrobatik.
Die Begegnungen mit anderen Kulturen, Landschaften und
Lebensweisen vertieften ihr Verständnis für Spiritualität,
Achtsamkeit und Einfachheit. Naturerfahrungen – ob im Himalaya
oder im heimischen Ried – sind für sie Orte der Rückverbindung.
In ihrer Praxis kombiniert Heike psychosoziale Beratung mit
humanenergetischen Methoden. Klienten kommen mit
unterschiedlichsten Anliegen: Stress, innere Unruhe,
Entscheidungsfragen, Lebensübergänge oder psychosomatische
Beschwerden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Regulation des
Nervensystems. Atemübungen und körperorientierte Methoden
aktivieren den Parasympathikus – den sogenannten Ruhenerv – und
unterstützen die Balance des Vagusnervs. Ziel ist es,
gespeicherte Spannungen zu lösen, Stress abzubauen und Zugang zu
den eigenen Ressourcen zu ermöglichen.
Heike ist überzeugt: Jeder Mensch trägt großes Potenzial in sich.
Manchmal braucht es Raum, Begleitung und geeignete Methoden, um
wieder darauf zugreifen zu können.
Die Natur ist für sie Kraftquelle und Lehrmeisterin. Im Winter
findet man sie auf Langlaufskiern, im Sommer auf dem Fahrrad.
Mobilität ohne eigenes Auto, bewusste Ernährung und ein achtsamer
Lebensstil spiegeln ihre Werte wider.
Seit ihrem 20. Lebensjahr lebt sie vegetarisch, heute weitgehend
vegan – inspiriert vom yogischen Prinzip der Gewaltlosigkeit
(Ahimsa). Für sie ist Ernährung Teil einer ethischen und
gesundheitlichen Gesamthaltung.
Im Zentrum ihres Wirkens steht eine klare Vision: Menschen zu
mehr Energie, Selbstbestimmung und ganzheitlicher Gesundheit zu
führen.
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28.01.2026
32 Minuten
Ivan Lefkovits ist fast 90 Jahre alt. Ein Mann mit ruhiger
Stimme, klarem Blick und einer Geschichte, die kaum auszuhalten
ist – und gerade deshalb erzählt werden muss. Er gehört zu jener
immer kleiner werdenden Gruppe von Menschen, die das
Unvorstellbare überlebt haben. Nicht als Symbol, sondern als
Mensch. Als Kind.
Geboren 1937 in der damaligen Tschechoslowakei, wurde seine
Kindheit jäh beendet, als er 1944 gemeinsam mit seiner Mutter und
seinem Bruder deportiert wurde. Ravensbrück, ein Lager primär für
Frauen, ein Ort des Schreckens, folgte. Dort verlor er seinen
Bruder und erzählt auf die Frage von Bandi Koeck - und nicht vor
Schülern - wie genau sein sechs Jahre älterer Bruder qualvoll aus
dem Leben schied. Später folgte der Todesmarsch bis zum
Konzentraionslager Bergen-Belsen. Er überlebte diesen nur, weil
ihn eine andere Frau auf dem Rücken trug. Hunger, Kälte,
Entmenschlichung – und ein Durst, den er bis heute als schlimmer
als alles andere beschreibt. Elf Tage lang kein Wasser nach der
Befreiung, denn die SS-Wachen ließen alle Wasserleitungen
explodieren, als sie vor den heranrückenden Alliierten flohen.
Wer das hört, begreift, wie nah Leben und Tod beieinanderlagen.
Und doch überlebten er und seine Mutter wie durch ein Wunder –
als Einzige der gesamten Familie.
„Meine Mutter hat mich in Ravensbrück sehr
geschützt.
Sie machte Extrakommandos für eine zusätzliche Portion
Suppe, die sie mir dann gab. Ich habe Lesen und Schreiben, das
ganze Einmaleins unter schlimmsten Umständen gelernt. Meine
Mutter hat gesagt:
‹Das wirst du in deinem Leben noch
brauchen.›
Das war magisch. Das hiess, du wirst überleben.“
— Ivan Lefkovits
Was Ivan Lefkovits von vielen unterscheidet, ist nicht nur seine
Geschichte, sondern seine Haltung. Hass und Rache sind für ihn
kein Thema. Nicht aus Vergessen, sondern aus bewusster
Entscheidung. Er spricht nicht anklagend, sondern mahnend. Nicht
laut, sondern eindringlich. Seine Mutter lenkte ihn im Lager mit
Mathematikaufgaben ab – vielleicht der erste Keim für jenen Weg,
den er später einschlagen sollte.
Nach dem Krieg widmete er sein Leben ganz der Wissenschaft. Er
wurde ein international anerkannter Immunologe, gründete in
Bern ein weltbekanntes Institut, sprach bei der
UNO und forschte an den Grundlagen des Lebens. Er wollte nicht
auf seine Opferrolle reduziert werden. Erst spät begann er, über
den Holocaust zu sprechen – bewusst getrennt von seiner
wissenschaftlichen Arbeit. Heute weiss er: Das Erzählen ist
notwendig.
Wenn er vor Jugendlichen spricht, geschieht etwas Besonderes.
Geschichte wird greifbar. Zahlen bekommen Gesichter. Leid bekommt
eine Stimme. Und Hoffnung eine Form. Lefkovits appelliert nicht
mit erhobenem Zeigefinger. Er fordert Achtsamkeit, Gespräch,
Menschlichkeit. Er weiß, wie zerbrechlich Zivilisation ist.
Sein Leben ist ein Beweis dafür, dass Überleben mehr sein kann
als Weiterexistieren. Es kann Verantwortung bedeuten.
Factbox: Prof. Ivan Lefkovits
Geboren: 1937 in Presov, Tschechoslowakei (heutige Slowakei)
Holocaust-Überlebender von Ravensbrück, Todesmarsch und
Bergen-Belsen
Verlust fast der gesamten Familie, Überleben gemeinsam mit
der Mutter
Renommierter Immunologe, Promotion in Molekularbiologie
(arbeitete mit drei späteren Nobelpreisträgern zusammen)
Herausgeber des "Immunology Methods Manual", dem Standardwerk
für Immunologie
Gründer eines international anerkannten Forschungsinstituts
in Basel (Basler Institute)
Referent bei internationalen Organisationen, unter anderem
bei der UNO
Setzt sich heute fuer Holocaust-Education und Dialog mit
Jugendlichen ein
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25.01.2026
35 Minuten
Wenn Kristl Moosbrugger über den Weißen Ring spricht, dann nicht
mit Nostalgie, sondern mit wacher Freude. Mit 83 Jahren stand sie
kürzlich auch beim 20-jährigen Jubiläum des legendären Rennens
wieder am Start – eines Rennens über 22 Pistenkilometer, das wie
kaum ein anderes für Lech am Arlberg steht. Für sie ist es
selbstverständlich: Solange es geht, wird gefahren. Nicht aus
Ehrgeiz, sondern aus Begeisterung für Bewegung, Berge und
Gemeinschaft.
Geboren in St. Anton am Arlberg, ist sie mit den Skiern
aufgewachsen. Präparierte Pisten, Skischulen oder
Sicherheitsnetze gab es damals nicht. Man fuhr einfach los, wild,
frei, mit Respekt vor dem Berg. Diese frühe Prägung –
Eigenverantwortung, Mut und Bodenhaftung – zieht sich wie ein
roter Faden durch ihr Leben.
Seit den 1960er-Jahren ist Kristl Moosbrugger untrennbar mit dem
Hotel Gasthof Post in Lech verbunden. Die Gastronomie war für sie
nie bloß ein Beruf, sondern Ausdruck von Persönlichkeit. Auf die
Frage, ob sie diesen Weg noch einmal gehen würde, kommt die
Antwort ohne Zögern: Ja. Weil es ihr Leben ist. Weil sie ein
Mensch der Berge ist. Und weil echte Gastfreundschaft nur dort
entsteht, wo jemand mit ganzem Herzen dahintersteht.
Was sie von Anfang an ausgezeichnet hat, war Haltung. Diskretion
gegenüber prominenten Gästen – ob europäische Königshäuser,
Staatsmänner oder internationale Persönlichkeiten – war für sie
selbstverständlich. Sie begegnete allen Menschen gleich: Mit
Respekt, Freundlichkeit und ohne Unterwürfigkeit. Legendär ist
die Episode aus dem Jahr 1966, als sie hochschwanger bewusst
keinen Hofknicks vor dem Schah von Persien machte. Nicht aus
Provokation, sondern aus Selbstachtung.
Gerade diese Natürlichkeit machte das Haus Post zu einem Ort, an
dem sich auch royale Gäste als Menschen bewegen konnten.
Skifahren, Jagen, Kegeln, gemeinsame Zeit – fern von
Öffentlichkeit. Dass Lech durch die regelmäßige Präsenz des
niederländischen Königshauses international bekannt wurde, war
kein Marketingkonzept, sondern ein glücklicher Zufall, getragen
von Vertrauen und Charakter.
Kristl Moosbrugger blickt ohne Verklärung auf die Veränderungen
der Branche und benennt diese im ausführlichen Gespräch mit Bandi
Koeck konkret: "Früher blieben Gäste zwei Wochen, heute wenige
Tage. Früher kam man mit 50 ins Grandhotel, heute reist ein
junges, internationales Publikum an. Früher war formelle Kleidung
am Abend selbstverständlich, heute ist sie die Ausnahme." Sie
urteilt nicht hart, aber klar: Kultur zeigt sich auch im Umgang
miteinander – und im Respekt vor dem Ort, den Menschen und der
Arbeit, die dahintersteht. Auch dass ihr Sohn den
"Krawattenzwang" in der Gaststube beendet hat, ist für sie etwas,
dem sie mit einer anderen Haltung gegenübersteht.
Sorgen bereiten ihr weniger modische Fragen als strukturelle:
Fehlende Nachfolge in Familienbetrieben, steigende
Immobilienpreise, der Verlust gewachsener Dorfstrukturen. Sie
fürchtet eine Zukunft, in der Hotels nur noch von Konzernen
geführt werden – funktional, aber seelenlos.
Vielleicht am eindrücklichsten ist ihr soziales Engagement. Nicht
als Beiwerk, sondern als zweites Lebenswerk. Ihr größtes Projekt
führte sie nach Nepal. Aus einer zufälligen Begegnung entstand
die Mitarbeit am Verein „Nepalimed“, der den Bau eines
Krankenhauses ermöglichte – inklusive Krankenschwesternschule,
Personalhäusern und einer der ersten biologischen Kläranlagen des
Landes.
Später folgten ein Waisenhaus, das sie bis heute unterstützt, und
zahlreiche weitere Initiativen. Besonders stolz ist sie auf das
neue Wirtschaftsgebäude des Wildparks Feldkirch (Kosten 2,2 Mio
Euro), das ohne Kredit, allein durch Spenden von Land, Stadt und
regionalen Betrieben realisiert wurde. Hinzu kommen regelmäßige
Unterstützungen für Organisationen wie "CliniClowns", "Tischlein
deck dich", "Stunde des Herzens" oder Einzelinitiativen.
Auch mit 83 Jahren denkt Kristl Moosbrugger weiter. Sie wünscht
sich Orte der Begegnung in Lech und die Bereitschaft, füreinander
Zeit zu haben.
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Über diesen Podcast
Deine Geschichte bewegt: Geschichten verbinden uns, berühren unsere
Herzen und schaffen unvergessliche Momente. Jeder von uns trägt
eine einzigartige Geschichte in sich – vielleicht eine lustige
Anekdote, eine bewegende Begegnung oder ein Erlebnis, das das Leben
verändert hat. Hast du auch so eine besondere Geschichte, die du
mit anderen teilen möchtest? Eine Geschichte, die zum Nachdenken
anregt, zum Lachen bringt oder einfach nur gut unterhält? Dann bist
du bei uns genau richtig! Wir glauben fest daran, dass geteilte
Geschichten doppelte Freude bereiten. Sie schaffen Verbindungen
zwischen
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