Vom Krankenpfleger und Banker zum Spezialisten für Neurofeedback, Selbstwirksamkeit und die Kunst, das eigene Leben bewusst zu gestalten
Wer Anton Schimmler begegnet, begegnet einem Menschen, der sich nur schwer in eine klassische Berufsbezeichnung einordnen lässt. Der gebürtige Innsbrucker, Jahrgang 1972, lebt heute in Frastanz und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit einer Frage, die ihn offenbar nie losgelassen hat: Wie funktioniert der Mensch – als Körper, als Gehirn und als handelndes Wesen?
Seine Antwort darauf trägt inzwischen einen eigenen Namen: Dopamin-Work.
Der Begriff klingt zunächst nach einem weiteren Modewort aus der Welt von Biohacking, Longevity und Selbstoptimierung. Schimmler selbst versteht darunter allerdings weit mehr. Dopamin-Work ist für ihn die Essenz aus 37 Jahren Aus- und Weiterbildung, aus beruflichen Erfahrungen und aus der intensiven Beschäftigung mit dem Menschen. Es geht um Motivation, Gewohnheiten, Gedanken, Verhalten, Leistungsfähigkeit und letztlich um die Frage, wie ein Mensch sein Leben selbst gestalten kann.
„Dopamin“ steht dabei für die innere Motivation, für Erwartung und Antrieb. „Work“ für das, was notwendig ist, damit aus einem Impuls tatsächlich Veränderung wird. Denn eines ist Schimmler wichtig: Niemand kann das eigene Leben an eine Fabrik auslagern und am Ende ein fertiges Produkt abholen. Veränderung bleibt Arbeit.
Schimmlers Weg begann nicht in einem Seminarraum für Selbstoptimierung, sondern in der Krankenpflege. In Innsbruck absolvierte er die Krankenpflegeschule und arbeitete unter anderem auf Intensivstationen und verschiedenen Stationen im klinischen Bereich. Später war er auch als Banker tätig und absolvierte über die Jahre zahlreiche weitere Ausbildungen und Fortbildungen.
Diese unterschiedlichen Stationen sind für das Verständnis seiner heutigen Arbeit entscheidend. Schimmler betrachtet den Menschen nicht isoliert. Gedanken, Schlaf, Ernährung, Bewegung, Atmung, Gewohnheiten und Umwelt gehören für ihn zu einem einzigen System.
Sein Zugang ist deshalb ausdrücklich ganzheitlich – oder, wie er es selbst beschreibt, der eines „Systemmenschen“.
Seit rund acht Jahren arbeitet er in Frastanz mit Menschen, die häufig bereits einen langen Weg hinter sich haben. Zu seinen Klienten gehören Menschen, die von Neurologen, Psychiatern oder Psychologen zugewiesen werden. Andere kommen mit Problemen, bei denen sie das Gefühl haben, trotz bisheriger Bemühungen nicht so im Leben zu stehen, wie sie es gerne möchten.
Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: Woher kommt jemand? Was sind die Beschwerden? Was sind die Ziele? Und wie funktioniert das individuelle System?
Ein wichtiges Instrument in Schimmlers Arbeit ist das Neurofeedback. Mithilfe eines FunktionseEG kann die elektrische Aktivität des Gehirns in Echtzeit erfasst werden.
Für Schimmler ist das mehr als eine technische Spielerei. Die Hirnaktivität liefert ihm Hinweise darauf, wie es um Konzentrationsfähigkeit, Schlaf, Stressverarbeitung und bestimmte kognitive Funktionen steht. Entscheidend ist für ihn dabei nicht nur die Diagnose eines Problems, sondern die Frage: Was lässt sich konkret verändern?
Seine Arbeit setzt deshalb an den alltäglichen Strukturen an. Wie sieht der Tagesrhythmus aus? Was denkt ein Mensch den ganzen Tag? Wie ernährt er sich? Welche Gewohnheiten bestimmen seinen Alltag? Welche Nahrungsergänzungsmittel nimmt er? Wie geht er mit Stress um?
Die technischen Anwendungen des Recovery-Bereichs versteht Schimmler dabei als Unterstützung. Seine eigene Arbeit beginnt für ihn davor und endet danach.
Ein Aufenthalt in einer Kältekammer könne beispielsweise einen starken körperlichen Reiz setzen. Doch wenn ein Mensch anschließend wieder in dieselben destruktiven Gedanken- und Verhaltensmuster zurückfällt, bleibt ein Teil des Potenzials ungenutzt.
Sein zentraler Begriff lautet deshalb: Selbstwirksamkeit.
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