Der Balkanreiseleiter - Nexhat Maloku
17 Minuten
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vor 4 Monaten
Wenn Nexhat Maloku von seinen Reisen erzählt, dann funkeln seine
Augen. Seit über 30 Jahren führt der 65-Jährige Lehrpersonen aus
der Schweiz und Liechtenstein in seine alte Heimat Kosovo, nach
Albanien und Nordmazedonien. Was als kleine Initiative begann,
ist heute eine einzigartige Bildungsreise, die Brücken baut –
zwischen Kulturen, Menschen und Generationen. Doch der Weg
dorthin war alles andere als geradlinig.
Maloku wächst im Süden Kosovos auf, studiert albanische Literatur
an der Universität Pristina – eine Zeit des Aufbruchs, aber auch
der Repression. Als 1981 Studierende auf die Straße gehen, um
mehr Autonomie für Kosovo zu fordern, ist Nexhat
mittendrin.
„Wir wollten, dass Kosovo eine Republik wird, gleichberechtigt
wie die anderen“, erzählt er. Doch die Hoffnung wird brutal
niedergeschlagen. Er wird dreimal verhaftet, von
1978 bis 1988, und im Gefängnis gefoltert – psychisch wie
physisch.
„Es war schrecklich. Man galt als Verräter“, erinnert er sich.
Seine „Schuld“: der Traum von Freiheit und Gleichberechtigung.
Als Jugoslawien zu zerfallen beginnt, flieht Maloku 1990 in die
Schweiz – auf illegalen Wegen, mit Hilfe von Freunden. Er spricht
kein Wort Deutsch, hat nichts außer seiner Bildung und seinem
Überlebenswillen.
Doch er kämpft sich durch. Er lernt die Sprache, findet Arbeit,
beginnt als Lehrer für „Heimatliche Sprache und Kultur“ (HSK) zu
unterrichten.
Bald unterrichtet er nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene –
Lehrpersonen, Sozialarbeitende, Menschen, die Albanisch lernen
wollen, um ihre Schülerinnen und Schüler besser zu verstehen.
„Ich habe gesehen, dass viele Lehrpersonen kaum wussten, woher
ihre albanischsprachigen Kinder kamen“, sagt Maloku. Und so
entsteht eine Idee, die sein Leben erneut verändern wird.
2003, kurz nach dem Krieg, organisiert er die erste Studienreise
nach Kosovo. „Ich wollte, dass Lehrpersonen das Land mit eigenen
Augen sehen“, erklärt er. Schulen besuchen, Familien treffen,
Geschichte erleben.
Seitdem begleitet er jedes Jahr Gruppen von Lehrpersonen auf
zehntägige Bildungsreisen durch den Balkan – von
Pristina bis Tirana, von Berat bis ans Meer. Rund 700
Teilnehmende waren bisher dabei.
Die Begegnungen prägen – auf beiden Seiten. Viele Lehrpersonen
halten den Kontakt zu den Familien, die sie dort kennengelernt
haben, organisieren Schulprojekte oder private Besuche. „Das
Schönste ist, wenn Vorurteile verschwinden“, sagt Nexhat. „Wenn
jemand zurückkommt und sagt: Ich sehe dieses Land jetzt mit
anderen Augen.“
Heute lebt Maloku in Zürich, aber sein Herz schlägt zwischen den
Welten. Auf seinen Reisen wird er überall herzlich empfangen –
auf Albanisch oder im breitesten Schweizerdeutsch.
Er lacht, wenn er erzählt, wie er ehemaligen Teilnehmenden in
Tirana begegnet, die ihn in Schweizer Dialekt ansprechen.
„Ich wollte einfach etwas Gutes machen“, sagt er bescheiden. Doch
tatsächlich hat er mehr getan: Er hat das Verständnis zwischen
zwei Kulturen nachhaltig geprägt.
Geboren: im Süden des Kosovo
Wohnort: Zürich, Schweiz
Ausbildung: Studium der albanischen
Literatur in Pristina
Beruf: Lehrer und Reiseleiter
Im Gefängnis: Dreimal in den 1980er-Jahren
wegen politischer Aktivitäten
In der Schweiz seit: 1990
Organisiert seit: 2003 Bildungsreisen für
Lehrpersonen nach Kosovo, Albanien und Nordmazedonien
Teilnehmende: über 700 Lehrpersonen und
Studierende
Ziel der Reisen: interkulturelles
Verständnis, Einblicke in Bildung, Kultur und Geschichte des
Balkans
Website: www.albanienkosovareisen.ch
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