Der dirigierende Musikschuldirektor - Nikolaus Netzer
34 Minuten
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Beschreibung
vor 3 Monaten
Wenn Nikolaus Netzer über seine Arbeit spricht, leuchten seine
Augen. Es ist dieselbe Mischung aus Leidenschaft, Hingabe und
feinem Humor, die ihn seit Jahrzehnten antreibt – ob am
Dirigentenpult, im Orchestergraben oder als Direktor einer der
traditionsreichsten Musikschulen Vorarlbergs. Wer ihn erlebt,
merkt rasch: Dieser Mann lebt Musik nicht nur, er vermittelt sie
mit ganzem Herzen.
Seit 2009 steht Netzer an der Spitze der Musikschule Feldkirch,
der ältesten Musikschule Vorarlbergs, gegründet 1888. Eine
Aufgabe, die ihm gewissermaßen zufiel – und die er heute als
„Geschenk“ bezeichnet. Damals rief der Stadtamtsdirektor an und
fragte, ob seine Jahre zurückliegende Bewerbung noch gelte;
Netzer selbst konnte sich kaum mehr daran erinnern. Doch er
spürte: Jetzt ist die Zeit reif.
Dabei war seine Karriere auf einem ganz anderen Weg unterwegs.
Netzer, in der Blasmusik groß geworden, studierte Posaune,
Klavier und später Dirigieren. Er unterrichtete in Innsbruck,
arbeitete am Theater Ulm – wo schon Herbert von Karajan begann –
und dirigierte später am Tiroler Landestheater unter Brigitte
Fassbender. Sein Weg führte ihn durch Orchestergräben,
Opernhäuser und Konzertstätten, bis er sich entschied, den
Kompass neu auszurichten: zurück zur pädagogischen Arbeit, zurück
zu den Kindern, zurück zur gesellschaftlichen Wirkung von Musik.
Heute führt er ein Haus, das jährlich rund 1700 Schüler erreicht
– und dessen Klang weit über Feldkirch hinausstrahlt. Im
Reichenfeld hört man in jedem Stockwerk andere Instrumente; die
Schule ist ein lebendiges Biotop für musikalische Entwicklung.
Besonders bekannt ist das große Klangfest, das aus dem „Tag der
offenen Tür“ hervorging – ein bewusst lautes, fröhliches Zeichen
nach der Corona-Stille, bei dem hunderte Menschen musizierend,
grillend und miteinander feiernd das Gelände beleben.
Netzer betrachtet die Musikschule nicht nur als Bildungsanstalt,
sondern als sozialen Raum, in dem kulturelle Teilhabe Realität
wird. Kooperationen mit Volksschulen sorgen dafür, dass jedes
Kind in Feldkirch zwei Jahre lang verpflichtend Kontakt mit Musik
hat – unabhängig von Herkunft oder sozialen Voraussetzungen. Ein
muslimischer Vater mit vier Töchtern brachte es laut Netzer
einmal auf den Punkt: Musik habe seinen Kindern Türen geöffnet,
von denen er nie zu träumen wagte.
Doch Netzer wäre nicht Netzer, wenn er nur auf einem Gleis fahren
würde. Noch immer schlägt sein Herz für die Bühne. Seit 2006 ist
er künstlerischer Leiter und Intendant des Musiktheaters
Vorarlberg. Dort hat er ein Ensemble geschaffen, das wie eine
große Familie funktioniert – ein Wiedersehen im Herbst, wie
andere es in Berghütten erleben, nur eben mit Partituren und
Bühnenstaub. Junge Sänger finden hier ein Sprungbrett, etablierte
Stimmen kehren als „Mikey kommt wieder heim“-Momente zurück.
Für viele stellte sich die Frage: Wie passt das alles zusammen –
Schule und Theater, Kinder und Oper, Verwaltung und Kunst? Bei
Netzer verschmelzen diese Welten. Er sucht die Verbindung, nicht
die Trennung. Er fördert Nachwuchs, modernisiert Strukturen,
öffnet Türen zur Oper für Kinder wie Erwachsene und denkt
gleichzeitig darüber nach, das Image der Oper neu zu erfinden –
weg vom steifen Sitzen, hin zum geselligen Erleben, wie es einst
im Barock üblich war.
Vielleicht ist es genau das, was seine Arbeit auszeichnet: Netzer
will nicht nur musikalische Bildung vermitteln, sondern
Begeisterung, Lebensfreude und Teilhabe. Unter seiner Leitung ist
die Musikschule Feldkirch bunter, offener und vielfältiger
geworden. Und er selbst – ein Dirigent mit Herz, Visionen und
einem untrüglichen Gefühl für Menschen – sorgt dafür, dass Musik
in Feldkirch nicht nur gehört, sondern erlebt wird.
Geburtsort & musikalische Wurzeln:
– Musikalisch sozialisiert in der Harmoniemusik Schruns
Studium:
– Posaune und Klavier (Lehramt)
– Diplomstudium Dirigieren
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