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100 Episoden
17 Minuten
Wer das Geschäft „El Paso“ im Feldkircher Illpark betritt, wird nicht nur von buntem Schmuck, handgefertigten Textilien und duftenden Lederwaren begrüßt – sondern vor allem von einem strahlenden Lächeln. Es gehört Beatriz Vargas, gebürtig aus La Paz, Bolivien, und seit über 20 Jahren im Ländle zuhause. Sie ist nicht nur Unternehmerin, sondern auch Botschafterin für Herzlichkeit, Farbe und südamerikanische Lebensfreude mitten in Vorarlberg.

Beatriz stammt aus der bolivianischen Hauptstadt, gelegen auf fast 4.000 Metern Höhe. In einer Autowerkstatt ihres Vaters lernte sie früh, mit Werkzeug umzugehen – „weil es keine Söhne gab“, sagt sie mit einem Lachen. Diese praktische Ausbildung formte sie – doch in Österreich merkte sie bald: „Hier tauscht man lieber ganze Teile aus, statt zu reparieren.“ So folgte sie ihrem Herzen – und eröffnete ein Geschäft für Piercingschmuck, Mode und Handwerk aus Südamerika.

Seit über 12 Jahren betreibt Beatriz das Geschäft „El Paso – Piercing Schmuck“ im Illpark. Es ist weit mehr als ein Laden. Es ist ein Ort zum Stöbern, zum Staunen – und zum Plaudern. Hier gibt es ethnischen Schmuck, farbenfrohe Kindermode, Ponchos aus Alpaka-Wolle, Rucksäcke mit Tiermotiven, Tagua-Anhänger (das „pflanzliche Elfenbein“), bunte Textilien und einzigartige Geschenkideen, die man nicht überall findet.

Das Sortiment ändert sich halbjährlich, passend zur Saison – vom Oktoberfest-Charm bis zum Sommerschmuck mit Blume des Lebens oder Eule. Ein Teil der Ware stammt direkt aus Südamerika, von kleinen Familienbetrieben, die Beatriz persönlich kennt und unterstützt.

Gestochen wird bei „El Paso“ nicht – doch wer sich beraten lassen möchte, ist bei Beatriz in besten Händen. Mit Feingefühl und Erfahrung berät sie Jugendliche, Eltern und Kinder, welche Materialien am besten geeignet sind (vor allem Titan, Chirurgenstahl oder hochwertiger medizinischer Schmuck). Das Ohrlochstechen selbst erfolgt mit einem hochpräzisen System aus Vorarlberg – nahezu schmerzfrei und besonders hygienisch.

Besonders wichtig ist Beatriz der persönliche Zugang. Sie macht nichts gegen den Willen der Kinder. „Wenn ein Kind nicht bereit ist, dann sagen wir: Warten wir lieber noch.“ Diese Haltung hat ihr viele Stammkund:innen eingebracht – oft über Generationen hinweg.

Abseits des Geschäfts liebt Beatriz das Leben in vollen Zügen. Sie geht Skifahren mit ihren zwei Söhnen im Montafon, besucht regelmäßig Thermen, macht Yoga, Fitness – und tanzt leidenschaftlich Salsa und Bachata. „Salsa ist pure Lebensfreude“, sagt sie – und man spürt: Sie lebt das, was sie verkauft.

Sie liebt die Struktur Österreichs, aber sie vermisst manchmal das „Miteinander-nach-der-Arbeit“ aus ihrer Heimat. „In Südamerika arbeiten wir viel, aber wir feiern auch das Leben. Wir gehen nach der Arbeit noch raus, tanzen, trinken Kaffee, lachen.“ In ihrem Alltag in Vorarlberg lebt sie genau diese Verbindung zweier Kulturen: die südamerikanische Wärme mit der mitteleuropäischen Ordnung – eine Kombination, die „El Paso“ so besonders macht.

Name: Beatriz Vargas

Geburtsort: La Paz, Bolivien

Wohnort: Vorarlberg, Österreich

Alter: ca. 40er

Seit wann in Österreich: Seit über 20 Jahren

Beruf: Unternehmerin, Schmuck- und Modehändlerin

Geschäft: „El Paso – Piercing Schmuck“ im Illpark, Feldkirch

Spezialgebiete:

Piercingschmuck & Beratung (Titan, Chirurgenstahl)

Ohrlochstechen mit modernem System

Ethnischer Schmuck & Handarbeit aus Südamerika

Saisonale Textilkollektionen (z. B. Ponchos, Kindermode)

Lieferanten: Kleinbetriebe & Familien aus Südamerika

Material-Highlights: Tagua (pflanzliches Elfenbein), Alpaka-Wolle

Lieblingshobbys: Salsa & Bachata tanzen, Skifahren, Yoga, Reisen

Persönliche Philosophie: „Arbeiten ist wichtig – aber man soll auch leben!“

Typisch Beatriz: Herzlich, farbenfroh, lebensnah, offenherzig
15 Minuten
Zwischen Espresso und Zeitung, irgendwo zwischen Alltag und Erkenntnis, sitzt in einem McDonald's-Restaurant in Hohenems ein Mann mit Laptop, wachem Blick und einem offenen Herzen: Gerd Ender, 62 Jahre alt, aus Altach. Er ist kein gewöhnlicher Gast. Er ist der Mann hinter „Briefe von Gerd“ – ein stiller Chronist des Lebens, dessen Texte nicht laut schreien, sondern tief berühren.

Mehr als 300 Briefe hat er geschrieben. Über das Leben, über Hoffnung, über Vertrauen, über Regen. Es braucht oft nur ein Wort – und Gerd beginnt zu schreiben. Was dabei entsteht, sind Texte, die aus der Tiefe kommen. Kein literarischer Prunk, sondern klare, aufrichtige Gedanken aus einem Leben mit Höhen, Tiefen – und einem unerschütterlichen Glauben daran, dass es immer weitergeht.

Sein Weg zum Schreiben begann nicht mit einem Buchvertrag, sondern mit einem Burnout. In den Vierzigern, nach einer langen Karriere in der öffentlichen Verwaltung und einer privaten Doppelbelastung als Vater von vier Kindern – eines davon mit einer geistigen Behinderung –, wurde sein Leben zu schwer. Der Körper machte dicht, der Geist ging in den Tunnel. „Mein Akku war leer“, sagt er rückblickend. Es folgten eine frühe Pensionierung, eine Ehekrise, eine persönliche Neuorientierung.

Doch Gerd Ender brach nicht – er begann zu schreiben. Zuerst nur für sich, dann für andere. Das McDonald's in Hohenems wurde sein Büro, sein Rückzugsort, sein Inspirationsraum. Zwischen sieben und acht Uhr morgens saß er dort, las Zeitung, tippte seine Gedanken nieder. Bald kannten ihn die Mitarbeiter. Sie gaben ihm Themenvorschläge: Vertrauen. Hoffnung. Neuanfang. Und Gerd schrieb.

Die Briefe waren zunächst Therapie. Später wurden sie Lebenshilfe für andere. Menschen meldeten sich bei ihm, schrieben ihm von ihren Sorgen, von Suizidgedanken. Er antwortete. Persönlich, ehrlich, ermutigend. Mit einer seltenen Mischung aus Tiefe und Bodenständigkeit. Es entstanden echte Brieffreundschaften. Gerd war für viele ein Lichtblick. Ein Mensch, der verstanden hat, wie dunkel es werden kann – und wie man den Weg zurück findet.

Sein stärkster Satz stammt nicht von ihm, aber er lebt ihn seit über 15 Jahren wie ein tägliches Mantra. Er stammt von Émile Coué, einem französischen Apotheker und Begründer der Autosuggestion:

„Es geht mir mit jedem Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser.“

Gerd Ender hat diesen Satz kein einziges Mal ausgelassen – nicht einen Tag. Auch in der dunkelsten Stunde. Und irgendwann, so sagt er, ging die Spirale nicht mehr nach unten, sondern nach oben. Millimeterweise.

Sein ungewöhnlicher „Arbeitsplatz“ hat sich längst herumgesprochen. In den USA nennt man solche Orte Coffices – Cafés als Ersatzbüro. Für Gerd war es der perfekte Platz. WLAN, Espresso, Zeitungen – und Menschen. Menschen, die vorbeikommen, ein Wort dalassen, aus dem ein ganzer Text entstehen kann. Ein modernes Schreibatelier mit Drive-in.

Auch heute schreibt Gerd noch – wenn auch nicht mehr täglich im McDonald's. Oft zuhause, manchmal unterwegs, aber immer dann, wenn ihn ein Gedanke trifft. Wenn seine Finger schneller sind als sein Kopf, wie er sagt. Schreiben ist seine Form, die Welt zu ordnen. Seine Art, anderen etwas zurückzugeben. Und: seine persönliche Stärke.

Gerd Ender ist auch Fußballfan. Schon in jungen Jahren. Er liebt die Stadionatmosphäre – aber heute aus einem ganz anderen Blickwinkel. „Früher saß ich in einem Stadion mit 12.000 Menschen und dachte, ich bin der Ärmste von allen.“ Heute, zehn Jahre später, im gleichen Stadion: „Ich bin der Glücklichste.“

Was hat sich verändert? Die äußeren Umstände kaum. Aber die Gedanken – die haben sich gewandelt. Heute lebt Gerd nach dem Prinzip: „Aussichtslos gibt es nicht.“ Er glaubt an Lösungen. An Möglichkeiten. An Aufbruch – auch mitten in der Nacht.
11 Minuten
Über acht Jahre hinweg legte Björn Richter insgesamt über 5.000 Kilometer zurück – nicht als ein einziger Lauf, sondern als bewusste Etappenreise durch alle Himmelsrichtungen der Republik. Er übernachtete in Hütten, trug sein Hab und Gut im Rucksack, und durchquerte zu Fuß Bundesländer, Städte, Dörfer und Landschaften. Die Strecke von Deutschlands südlichstem Punkt nahe Oberstdorf, über das flache Norddeutschland, den Westen an der französischen Grenze, bis ganz in den Osten an die polnische Linie – das ist nicht nur sportlich beeindruckend, sondern ein einmaliger Erfahrungsraum, der ihn tief geprägt hat.

Er begegnete Menschen, Landschaften und sich selbst – intensiv, entblößt, ungefiltert. „Wenn man denkt, man kann nicht mehr, hat man eigentlich erst 20 Prozent seiner Kapazität ausgeschöpft“, sagt er. Diese Haltung trägt ihn durch Nächte, Schmerzen, Blasen, Hungerphasen – und über Kilometer, die für die meisten Menschen unvorstellbar sind.

Was als lockeres Jogging begann, wurde zur Sucht nach Strecke. Seine persönliche Benchmark: 5.000 Kilometer pro Jahr. „Ich wollte fit genug sein, um jederzeit aufstehen und einen Marathon laufen zu können“, sagt er. Er lief 100 Meilen am Stück – zweimal – beim Berliner Mauerweglauf. 161 Kilometer ohne Schlaf, mit Erbrechen ab Kilometer 80, aber ohne Aufgeben. Selbst als der Körper streikte, blieb sein Wille unerschütterlich.

Doch es war nicht die offizielle Wettkampfatmosphäre, die ihn faszinierte. Es waren die allein durchgeführten Mehrtagesläufe, fernab von Applaus und Medaillen. Autark, auf sich selbst gestellt, manchmal acht Stunden lang auf einer acht Meter hohen Brücke in Schleswig-Holstein auf- und ablaufend, um Höhenmeter zu simulieren. Der Extremsport in seiner rohesten Form – still, fordernd, kompromisslos.

Björn Richter ist ein Extremtyp – nicht nur im Sport. Seit über zwölf Jahren lebt er vegan. In einer Szene, in der tierisches Eiweiß lange Zeit als Leistungsgrundlage galt, beweist er das Gegenteil. Nüsse, Datteln, Marmeladenbrötchen, Pasta – pragmatisch, kalorienreich, pflanzlich. Trotz der Belastung und eines Gewichtsverlusts auf 62 Kilo blieb er leistungsfähig. Heute, nach seinem sportlichen Rückzug, wiegt er wieder 82 Kilo, betreibt regelmäßig Krafttraining – „alles oder nichts“, wie er selbst sagt.

Seine Wahrnehmung während der Läufe schärfte sich. Die Reize intensiver, die Emotionen tiefer. Er schildert Momente der Rührung, des Ergriffenseins – etwa beim Anblick einer Mutter mit ihrem kranken Kind. „Im normalen Leben hätte ich nicht geweint. Aber da – da war alles viel echter.“

Im Alltag unterrichtet Björn Richter an einer Berufsschule in Neumünster. Seine Erfahrung, Disziplin und sein minimalistischer Lebensstil machen ihn zum Vorbild weit über den Sport hinaus. Für ihn ist Bewegung keine Freizeitbeschäftigung – sie ist ein Lebenskonzept. Ein Weg zu körperlicher Selbstachtung und geistiger Erdung.

Name: Björn Richter

Geburtsjahr: 1978 (46 Jahre alt)

Wohnort: Neumünster, Schleswig-Holstein

Beruf: Berufsschullehrer

Sportart: Ultralauf, Langstreckenlauf, Mehrtageslauf

Gesamtdistanz: Ca. 5.000 km über acht Jahre durch ganz Deutschland

Highlights:

Mauerweglauf Berlin (2×, 100 Meilen / 161 km)

Deutschlandlauf von Süd nach Nord und West nach Ost

1.200 km in ca. 17 Tagen mit 6:00 min/km-Schnitt

Längste Einzeletappe: 161 km in 22,5 Stunden

Training: Tägliches Laufen, u. a. acht Stunden auf einer Brücke für Höhenmetertraining

Ernährung: Seit 12 Jahren streng vegan

Gewicht während des Extremlaufs: 62 kg

Heutige Aktivität: Kraftsport, Fitness 5–6 Mal pro Woche

Philosophie: „Wenn du glaubst, du kannst nicht mehr, hast du erst 20 % ausgeschöpft.“

Besonderheit: Lief durch ganz Deutschland ohne Begleitung, Zelt oder Team – nur mit Rucksack und innerer Stärke

Ultraläufer aus LeidenschaftKörper als Maschine, Geist als AntriebEin Lehrer, der vorlebtFactbox: Björn Richter
46 Minuten
Wenn man das Hallenbad im liechtensteinischen Eschen betritt, weht einem nicht nur der typische Chlorgeruch entgegen – sondern auch der unerschütterliche Geist eines Mannes, der dieses Bad seit über drei Jahrzehnten mit Leben füllt: Michael „Mimo“ Moser. 59 Jahre alt, wortgewandt, herzlich – und eine lokale Institution. Seit 35 Jahren wacht er als Bademeister über das Geschehen im Wasser, hat Generationen von Schulklassen durch das Schwimmen begleitet, Leben gerettet und das Bad mit seiner Handschrift geprägt. Ein Mann, der sich nie scheute, Verantwortung zu übernehmen – weder im Wasser noch am Beckenrand.

Der Weg ins Hallenbad war keiner, den man planen kann. Ursprünglich absolvierte Moser eine Lehre als Autospengler, doch nach seiner Zeit im österreichischen Bundesheer – inklusive Sanitätsausbildung – entschloss er sich, neue Wege zu gehen. Die Autoindustrie war ihm zu eng geworden, der medizinische Bereich lockte. Nach Stationen im Krankenhaus Feldkirch – von der Chirurgie bis zum Krankentransport – hörte er zufällig, dass im Hallenbad Eschen ein Bademeister gesucht werde. „Ich war bei der Wasserrettung aktiv, Einsatztaucher, Notfallsanitäter – ich wusste, dass ich das kann“, sagt Moser rückblickend. Kurzerhand platzte er beim Personalamt in Vaduz während des Neun-Uhr-Kaffees hinein – und wurde zunächst belächelt. Zwei Stunden später hatte er einen Rückruf, ein Jahr später den Job. „Ich hab gespürt, dass ich das kriege. Ich war überzeugt von mir.“

Moser ist nicht nur Bademeister, er ist auch Techniker, Psychologe, Hygienebeauftragter und Mediator. Sein Arbeitsfeld reicht von der Rettung Verunfallter bis zur Koordination der Reinigungsteams. „Ein guter Bademeister läuft barfuß. Nur so merkst du, wo es rutschig ist“, sagt er. Mit akribischer Genauigkeit betreut er zusammen mit seinem Team jährlich über 100.000 Gäste – darunter Schulkinder, Senioren, Familien, Sportler.

„Fast alle sind wirklich nette Menschen“, sagt er – doch es gibt Ausnahmen: Fotografierverbot wird ignoriert, Hormongesteuerte geraten in Rage, Kinder verletzen sich beim Sprungturm. In 35 Jahren hat er Reanimationen durchgeführt, schwere Unfälle behandelt, Schnittwunden versorgt. Aber: „Kein Todesfall. Alle Ertrunkenen konnten wir retten.“

Technisch ist das Bad in Eschen ein Vorzeigemodell. Moser kennt jede Pumpe, jedes Ventil. Chlorproduktion, UV-Filter, Rückspülbecken – kein Detail entgeht ihm. Sogar die Schule nebenan wird mit der Abwärme des Bads beheizt. Der Betrieb ist durchorganisiert, digitalisiert – vom Reinigungsplan bis zum Wasserstand.

„Wir arbeiten mit Abklatschproben, mikroskopisch genaue Reinigungszyklen. Das Gesundheitsamt kommt gerne zu uns – weil wir professionell sind.“ Und das spürt man auch: Täglich wird gereinigt, alle 14 Tage desinfiziert, regelmäßig gemessen und überprüft. Es ist ein Ort der Präzision – mit einem Mann, der darin aufgeht.

Neben dem Becken wartet ein anderes Element: das Meer. Moser ist leidenschaftlicher Taucher. In Ägypten, Thailand oder Südfrankreich hat er Wracks erkundet, abgestürzte Stukas und Handelsschiffe auf bis zu 68 Metern Tiefe besucht. „Unter Wasser bist du in einer anderen Welt. Es ist eine stille Faszination.“

Sein Tauchwissen bringt er auch in die Wasserrettung ein. Schon früh hat er Standards mitentwickelt – lange bevor es Wildwasserschulen gab. Es ist diese Kombination aus medizinischem Know-how, technischem Verständnis und Liebe zum Wasser, die ihn zu einer Ausnahmeerscheinung macht.

Michael „Mimo“ Moser ist mehr als ein Bademeister. Er ist Mentor, Wächter, Erhalter, Optimierer. Er hat die Geschichte des Bads in Eschen mitgeschrieben – und sie mitgeprägt. Bald steht seine Pension bevor. Ganz gehen will er nicht. Vielleicht noch ein bisschen früher als geplant. Aber „noch ist es nicht so weit.“

In einer Welt, in der Vieles flüchtig geworden ist, ist Moser ein Fels in der Brandung. Einer, der Verantwortung lebt – Tag für Tag.
18 Minuten
Der Liechtensteiner Herbert Wilscher, 52 Jahre alt, ist ein Mann voller Energie und Leidenschaft. Mit einem vielseitigen beruflichen Hintergrund und einem tiefen Engagement für die Jugend, hat er sich als Schulsozialarbeiter an der Oberschule in Eschen, etabliert. Doch sein Weg dorthin war alles andere als geradlinig.

Herberts Karriere begann mit einer Ausbildung zum Augenoptiker, doch sein Herz zog ihn bald in andere Richtungen. Er arbeitete auf dem Bau, als Skilehrer und auf einer Hütte, bevor er erkannte, dass seine wahre Berufung im sozialen Bereich lag. Er studierte soziokulturelle Animation in der Schweiz, eine Ausbildung, die ihm den Einstieg in die soziale Arbeit ermöglichte. Lange Jahre arbeitete er in der Jugendarbeit in Liechtenstein, insbesondere in der Jugendarbeitsgemeinschaft Ruggell-Gamprin-Schellenberg.

Seit zwei Jahren ist Herbert nun als Schulsozialarbeiter tätig. In dieser Rolle unterstützt er Schülerinnen und Schüler bei Fragen, Anliegen und Problemen. Sein Büro ist ein Ort der Begegnung, ausgestattet mit einer Ampel beim Eingang, einem Fußballtisch und einem gemütlichen Sofa, das auch für ernste Gespräche genutzt wird.

Herberts Arbeit ist vielfältig und herausfordernd. Er bietet Workshops zu aktuellen Themen wie Vapes, Snus, Rassismus und digitale Medien an. Diese Workshops sind nicht nur bei Schülern, sondern auch bei Lehrern und Eltern sehr gefragt. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Sensibilisierung für Themen wie Cybermobbing und die Förderung von Resilienz.

Ein zentrales Thema in seiner Arbeit ist der Umgang mit digitalen Medien. Herbert setzt sich für eine „handyfreie Schule“ ein, um den Schülern eine Auszeit vom ständigen Begleitetsein durch digitale Geräte zu ermöglichen. Er betont die Bedeutung von frischer Luft und Naturerlebnissen für die psychische Gesundheit der Jugendlichen.

In seiner Freizeit ist Herbert am liebsten in den Bergen unterwegs. Zusammen mit einem Kollegen betreibt er eine Wanderfirma, die Touren in Liechtenstein, Vorarlberg und der Schweiz anbietet. Ob Schneeschuhtouren, leichte Wandertouren oder Radfahren – Bewegung ist ein zentraler Bestandteil seines Lebens. Daneben genießt er es, Zeit mit Freunden zu verbringen und neue Aktivitäten wie Schwimmen zu entdecken.

Herbert Wilscher ist ein Mann mit einem großen Herz für die Jugend und die Natur. Seine vielfältigen beruflichen Stationen und sein Engagement als Schulsozialarbeiter zeigen sein tiefes Interesse an der Unterstützung und Förderung junger Menschen. Mit seiner Wanderfirma verbindet er seine Leidenschaft für die Natur mit seinem sozialen Engagement.

Factbox:

Name: Herbert Wilscher

Alter: 52 Jahre

Beruf: Schulsozialarbeiter

Ausbildung: Augenoptiker, Studium der soziokulturellen Animation

Frühere Tätigkeiten: Jugendarbeiter, Skilehrer, Bauarbeiter

Aktuelle Tätigkeit: Schulsozialarbeiter an der Oberschule in Eschen, Liechtenstein

Workshops: Vapes, Snus, Rassismus, digitale Medien

Freizeitaktivitäten: Wandern, Radfahren, Schwimmen, Betrieb einer Wanderfirma

Besonderes Engagement: Sensibilisierung für Cybermobbing, Förderung von Resilienz, „handyfreieie Schule“
16 Minuten
Ein Leben zwischen Wurzelsuche, Schreibkunst und indischem Filmzauber

Claudia Strobl ist vieles: Autorin, Abenteurerin, Wahrheitssucherin und eine Frau, die den Mut hatte, ihrem innersten Drang zu folgen. Ihr Weg führte sie von Vorarlberg über Bonn bis in das bunte Herz Indiens – Goa. Dort, wo andere Urlaub machen, arbeitet sie an ihrem großen Traum: ihre autobiografisch inspirierte Geschichte als Film auf die Leinwand zu bringen.

Geboren und aufgewachsen mit einem Stiefvater, erfuhr Claudia erst mit zwölf Jahren, dass dieser nicht ihr leiblicher Vater war. Diese Erkenntnis löste in ihr einen tiefen inneren Drang aus: die Suche nach dem „echten“ Vater. Erst mit 28 Jahren, unterstützt durch eine Recherche im Telefonbuch, fand sie ihn – in Bonn. Die erste Begegnung war ein hochemotionaler Moment, geprägt von Umarmung, Tränen und dem Gefühl, endlich angekommen zu sein. Zehn Jahre blieb er Teil ihres Lebens, bevor er 2004 verstarb. Doch sein Einfluss wirkt bis heute: Er war es, der sie ermutigte, zu schreiben – und das hat sie getan.

Mit viel Herzblut verfasste Claudia einen Roman, in dem sie ihre Lebensgeschichte verarbeitet. Die Suche nach dem Vater bildet das emotionale Rückgrat des Werks – mit einem Touch Fiktion, um der Dramatik gerecht zu werden. „Ein Teil ist wirklich passiert“, sagt Claudia, aber sie überlässt es den Leser:innen, Realität und Dichtung selbst zu trennen.

Doch damit nicht genug. Die Entstehung des Buches führte sie nach Indien – zunächst nach Bangalore, dann nach Goa. Dort fand sie nicht nur Inspiration, sondern auch kreative Wegbegleiter. In nur zehn Tagen entstanden dort die ersten 10 Exemplare ihres Buches – inklusive Layout und Cover. Das Land, seine Farben, Menschen und die kulturelle Tiefe begeisterten sie zutiefst.

Und so wurde eine neue Vision geboren: die Verfilmung ihrer Geschichte – als indisch-europäischer Spielfilm. In Goa hat sie mittlerweile ein engagiertes Team um sich geschart, darunter einen Regisseur, Darsteller:innen und kreative Köpfe, die ebenso an das Projekt glauben. Ein 100-minütiger Film ist geplant, der ihre bewegende Lebensreise auf eindrucksvolle Weise auf die Kinoleinwand bringen soll.

Ihr Motto? „Gib niemals auf.“ Mit dieser Überzeugung, Glauben und viel Geduld hat sie Rückschläge in Schreibblockaden, technische Hürden und organisatorische Herausforderungen in Meilensteine verwandelt. Ihr Projekt steht nun kurz vor der Umsetzung – was fehlt, sind noch Investoren.

Claudia Strobl ist eine Frau, die zeigt, was es bedeutet, den eigenen Traum zu leben. Und ihr Weg ist noch lange nicht zu Ende.

Factbox: Claudia Strobl

Beruf: Autorin, Self-Publisherin, angehende Filmproduzentin

Bekannt für: Autobiografischer Roman über die Suche nach ihrem Vater

Wichtigstes Werk: Noch unveröffentlichter Roman (erhältlich direkt bei Claudia)

Geburtsort: Vorarlberg, Österreich

Besonderes Erlebnis: Fand ihren Vater mit 28 Jahren über das Telefonbuch

Aktuelles Projekt: Verfilmung ihres Romans in Goa, Indien (100-minütiger Spielfilm)

Filmstatus: Team steht, Drehbuch in Arbeit, Drehbeginn in 10 Monaten geplant

Lebensmotto: „Gib niemals auf“

Kontakt: Direkt über Claudia Strobl via E-Mail oder Telefon (im Buch angegeben)
11 Minuten
Inmitten einer rastlosen Welt, die oft laut, verwirrend und zerrissen erscheint, gibt es Menschen, die wie leise Stimmen der Zuversicht wirken – tragende Säulen im Schatten des Alltags. Einer von ihnen ist Elmar Simma: Priester, Jugendseelsorger, Caritas-Mensch, Autor. Und vor allem: ein Freund des Lebens. Seine Botschaft ist schlicht, aber tief: Hoffnung, Vertrauen, Menschlichkeit.

Geboren 1938, folgt Simma einem Weg, der nicht spektakulär im Äußeren, aber bedeutsam im Inneren verläuft. Nach dem Gymnasium stand er – wie viele – vor der Frage: „Was jetzt?“ Medizin oder Theologie? Die Entscheidung fiel auf Letzteres. Und sie sollte nicht nur seinen eigenen Weg formen, sondern auch unzählige andere berühren.

Als Kaplan in Bregenz St. Gallus entdeckte Simma seine Leidenschaft für die Jugendarbeit – eine Berufung, keine Aufgabe. Er wurde Diözesanjugendseelsorger, später Pfarrer in Göfis, ab 1990 Seelsorger der Caritas. Dort prägte er maßgeblich die Hospizbewegung in Vorarlberg – ein Dienst am Menschen bis in den letzten Lebensabschnitt.

Doch Elmar Simma ist mehr als Seelsorger. Er ist ein literarischer Gärtner. Über 20 Bücher stammen aus seiner Feder, darunter Dem Weg vertrauen, Hätte aber die Liebe nicht oder Was das Herz erwärmt. Seine Texte sind keine theologischen Abhandlungen, sondern lebensnahe, warmherzige Impulse – Gedanken, die wurzeln und Früchte tragen wie ein Baum, dem er das Symbol des Vertrauens widmet.

Simma spricht viel vom Heute. Von der Kraft des gegenwärtigen Moments. Von Begegnungen, Dankbarkeit, Selbstachtung. Er lädt ein, sich selbst etwas Gutes zu tun – nicht aus Egoismus, sondern als Voraussetzung für echte Liebe zu anderen. In Zeiten, in denen Menschen Halt suchen, ist Simma ein Anker – geerdet, einfühlsam, klar.

Trotz seiner 87 Jahre ist er noch voller Tatkraft: Er predigt, schreibt, leitet Hospiz-Klausuren und konzipiert Impulskarten, mit denen Menschen sich selbst inspirieren können. Seine geistige Beweglichkeit ist so präsent wie sein bescheidenes Charisma. Sein neues Projekt? Eine Impulskartenbox mit 56 Botschaften – Gedanken auf der Vorderseite, Umsetzungstipps auf der Rückseite.

Wenn er über junge Menschen spricht, tut er das ohne Nostalgie. Ihre Fragen, sagt er, seien heute dieselben wie früher: Wo gehöre ich hin? Was ist meine Aufgabe? Wer liebt mich? Und vor allem: Wozu lebe ich? Seine Erfahrung lehrt ihn: Die spirituelle Sehnsucht bleibt – still vielleicht, aber wach.
9 Minuten
Im äußersten Westen Österreichs, wo sich Rheintal, Berge und Bodensee die Hand reichen, lebt einer, der das Wetter nicht nur liest – er lebt es: Lukas Alton, Gründer des „Wetterring Vorarlberg“, leidenschaftlicher Wettermoderator, Fotograf und Naturfreund. Ein Porträt über einen Mann, dessen Herz bei jeder Schneeflocke höherschlägt.

Bereits mit zwölf Jahren war für Lukas klar: Wetter ist mehr als nur Regen oder Sonne. Es ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Natur, Wissenschaft und Gefühl. Während andere in den Ferien Schlittschuh liefen oder Sandburgen bauten, las er Wetterkarten und hoffte inständig auf Schneefall. Diese frühe Leidenschaft führte ihn später zum Meteorologiestudium in Innsbruck – und schließlich zur Gründung des Wetterrings im Jahr 2006.

Damals war Facebook gerade geboren und YouTube noch ein Experiment. Doch Lukas hatte eine Vision: ein Netzwerk privater Wetterstationen, das aktuelle Daten aus der Region sammelt und für jedermann zugänglich macht. Heute umfasst dieses Netzwerk über 300 Stationen, verteilt über Vorarlberg, die Ostschweiz, das Allgäu bis nach Tirol – sogar für das kleine Liechtenstein existiert eine eigene Plattform: wettering.li.

Was Lukas Alton von anderen Wettermoderatoren unterscheidet? Seine Nähe zum Publikum. Im eigenen Studio in Nofels entstehen Wettervideos im charmanten Vorarlberger Dialekt – echt, authentisch, nahbar. Auch wenn man in Zürich oder München vielleicht zweimal hinhören muss – der Stil kommt an. „Die Leute schätzen es, dass wir nicht wie ein Konzern auftreten, sondern als Menschen, die mit Herz dabei sind“, erklärt Lukas.

Unterstützt wird er von einem siebenköpfigen Team – darunter Prognostiker, Programmierer und ein Archivar, der seit über 40 Jahren Wetterdaten sammelt. KI spielt im Wetterring noch keine Rolle – hier wird alles von Hand analysiert und formuliert. „Das Wetter lebt von Erfahrung und Gefühl. Da ersetzt ein Algorithmus noch lange keinen Menschen“, sagt Lukas überzeugt.

Doch das Wetter ist nur ein Teil von Lukas' Leben. Der Familienvater engagiert sich seit fast zwei Jahrzehnten in der sozialen Arbeit – insbesondere in der Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Diese Tätigkeit verbindet seine Bodenständigkeit mit einem echten sozialen Gewissen.

Darüber hinaus widmet sich Lukas mit wachsender Begeisterung der Foto- und Videografie. Mit Drohnen und professionellem Kameraequipment produziert er Imagefilme für Unternehmen, Hochzeiten oder auch Naturreportagen. „Es ist schön, wenn sich die Dinge ergänzen. Das eine beflügelt das andere“, sagt er.

Wenn die Arbeit getan ist, zieht es Lukas hinaus. Im Sommer auf das Mountainbike, im Winter auf Skitour. Am liebsten abseits der Pisten, mitten in der unberührten Natur. Das nächste große Ziel: die Besteigung des Großglockners – mit Tourenski, versteht sich. „Das wird ein persönlicher Meilenstein“, sagt er mit einem Lächeln, das verrät: Dieser Mann geht seinen Weg – bei jedem Wetter.
20 Minuten
Natascha Marxer, gebürtige Österreicherin und leidenschaftliche Wahl-Liechtensteinerin, ist die energiegeladene Kraft hinter einigen der bedeutendsten Veranstaltungen Liechtensteins. Vor allem bekannt ist sie durch ihre zentrale Rolle beim traditionsreichen Staatsfeiertag am 15. August – liebevoll als „Fürstenfest“ bezeichnet – sowie dem beliebten Musikfestival FL1.Life in Schaan.

Ihre berufliche Laufbahn begann sie ursprünglich als Schriftsetzerin (heute Typografin) in Dornbirn. Hier lernte sie noch ganz traditionell den Umgang mit Bleisatz und Druckfarben – eine Erfahrung, die ihren Sinn für Ästhetik und Detail nachhaltig prägte. Nach beruflichen Stationen in Liechtenstein und Zürich, wo sie ihre Kenntnisse im Dialogmarketing vertiefte, führte sie ihr Weg wieder zurück nach Liechtenstein, zunächst in die Agenturwelt und schließlich zu Liechtenstein Marketing.

Ihre besondere Begabung für die Planung und Durchführung großer Events zeigte sich bei der ehemaligen Rankweilerin rasch bei Liechtenstein Marketing. Dort verantwortet sie seit Jahren die Organisation des offiziellen Staatsakts des liechtensteinischen Nationalfeiertages, der jedes Jahr mit großem Aufwand und höchsten protokollarischen Ansprüchen auf Schloss Vaduz gefeiert wird. Die Koordination von Ehrengästen, Abläufen und der öffentlichen Wahrnehmung erfordert präzise Planung und Fingerspitzengefühl, Qualitäten, die Marxer meisterhaft beherrscht.

Parallel dazu lebt Natascha Marxer ihre Leidenschaft für Musik und Gemeinschaftsveranstaltungen im ehrenamtlichen Organisationsteam des FL1.Life-Festivals in Schaan aus. Das Festival, bekannt für sein einzigartiges Flair und seine Nähe zu Künstlern und Publikum, verdankt ihr maßgeblich seine kommunikative Ausstrahlung und mediale Präsenz. Marxer betont die Bedeutung der Gemeinschaft und Ehrenamtlichkeit, wodurch FL1.Life nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern auch ein Symbol lebendiger regionaler Kultur geworden ist.

Abseits ihrer beruflichen und ehrenamtlichen Verpflichtungen ist Marxer eine passionierte Fotografin. Inspiriert durch ihren Vater und geprägt von weltweiten Reisen, schafft sie beeindruckende Fotografien, die sowohl Landschaften als auch Portraits mit intensiver Ausdruckskraft einfangen. Besonders fasziniert sie die Fotografie in den eisigen Regionen der Erde, von den Polarlichtern bis hin zu Pinguinkolonien in der Antarktis.

Natascha Marxer verkörpert durch ihr vielseitiges Engagement und ihre kreative Energie eine herausragende Persönlichkeit der Liechtensteiner Kulturszene.
17 Minuten
Sabine Benzer, Geschäftsführerin des Theater am Saumarkt (TAS) in Feldkirch, prägt seit Jahren maßgeblich die Kulturlandschaft Vorarlbergs. Ursprünglich studierte sie Kunstgeschichte und Kulturmanagement in Wien, wo sie erste berufliche Erfahrungen im kulturellen Bereich sammelte. Ihre Rückkehr nach Vorarlberg erfolgte, als sie auf Initiative des damaligen Kulturstadtrats Karl-Heinz Alberg zur Geschäftsführerin des Saumarkts berufen wurde.

Das Theater am Saumarkt, entstanden aus einem Handwerksbetrieb in den 1970er Jahren, entwickelte sich unter ihrer Leitung zu einer lebendigen, vielseitigen Kulturstätte. Sabine Benzer betont stets die Wichtigkeit eines breitgefächerten Programms, das von Kindertheater über Profitheater bis hin zu Seniorentheater reicht. Auch andere kulturelle Sparten wie Literatur, Kino und Open-Air-Veranstaltungen bereichern das Programm. Besonderes Augenmerk legt sie auf Kooperationen und die Einbindung der lokalen Kulturschaffenden und Vereine, was den Saumarkt zu einer essentiellen Plattform für die regionale Kulturszene macht.

Sabine Benzer zeichnet sich durch ihren partizipativen Führungsstil aus, indem sie den Mitgliedern des Kulturkreises Feldkirch aktiven Gestaltungsspielraum gewährt. Neben der Veranstaltungsorganisation engagiert sie sich in Projekten zur Kulturvermittlung und kuratiert Ausstellungen, wie etwa jene des Fotografen Nikolaus Walter anlässlich des Jubiläums "Feldkirch 100".

Darüber hinaus beschäftigt sie sich intensiv mit aktuellen kulturpolitischen Themen und hat mehrere Interviewbände herausgegeben. Ihre jüngste Publikation widmet sich dem Thema "Kulturarbeit und Arbeit der Zukunft", in der sie vielfältige Perspektiven auf die Zukunft der Arbeit und die Rolle von Kulturinitiativen aufzeigt.

Sabine Benzer setzt sich leidenschaftlich dafür ein, die kulturelle Landschaft Vorarlbergs weiterzuentwickeln, insbesondere indem sie niederschwellige Formate unterstützt und Offenheit für junge Talente schafft. Ihre Arbeit steht sinnbildlich für kulturelles Engagement, Kreativität und Dialogfähigkeit in der Region.
19 Minuten
Wer Heike Montiperle begegnet, trifft auf eine Frau, die mit sprachlicher Finesse, charmanter Schlagfertigkeit und einer ordentlichen Portion Humor durchs Leben tanzt. Ob als Textprofi, Moderatorin, Autorin oder Theatermensch – sie bewegt sich souverän zwischen Bühne, Büro und Buffet. Heike ist nicht nur eine Meisterin des geschriebenen Wortes, sondern versteht es auch, dieses mit theatralischem Esprit in Szene zu setzen – etwa bei ihrem legendären „Tödlichen Dinner“.

Ein Leben zwischen Text, Bühne und Tafelspitz

Heike Montiperle stammt aus Satteins, wo sie heute auch wieder lebt. Ihre kreative Reise begann nach der Matura als Werbetexterin. Doch die Welt der Slogans und Claims war ihr zu eng – also studierte sie Deutsch und Sport und unterrichtete viele Jahre als Lehrerin. Die Leidenschaft fürs Schreiben und die Bühne begleitete sie dabei stets. Schließlich entschied sie sich, aus dem Korsett des Schulalltags auszubrechen: „Ich wollte eigentlich nur ein Jahr pausieren. Doch dann sagte man mir: Nur mit Kündigung. Und so war’s dann halt“, erzählt sie mit einem Schmunzeln.

Tatort Theater: Wenn aus Mördern gute Gastgeber werden

Seit 2006 begeistert Heike mit ihrer Agentur „Montiperle“ ein immer größer werdendes Publikum mit ihren „Tödlichen Dinnern“ – einer Mischung aus Theater, Mitmachkrimi und kulinarischem Genuss. Das Erfolgsgeheimnis? „Die Gäste tauchen ein in unsere Welt. Wir geben ihnen den Raum, selbst mitzumischen – verrückt, verkleidet, verspielt.“ Ihre Stücke schreibt sie selbst – neun sind es bisher. Ob Mafia, Maskenball oder Irrenanstalt – jedes Setting ist ein Ereignis für sich. Besonders beliebt: „Die Anstalt“, ein irrwitziger Ausflug ins 50er-Jahre-Psychiatrie-Milieu. 2025 soll es eine neue Ausgabe davon geben – ein Heimspiel in der Promonta in Satteins.

Kreative Multitaskerin mit Herz

Was viele nicht wissen: Neben ihrer Theaterleidenschaft bietet Montiperle auch maßgeschneiderte Texte, Kabarettformate und individuelle Event-Konzepte für Firmen und Institutionen an. Vom Kühlgerät-Sketch bis zur maßgeschneiderten Moderation – wenn’s um Humor und Ideenreichtum geht, ist sie eine gefragte Adresse. Dabei bleibt sie bodenständig und betont stets: „Wichtig ist das Team. Und bei uns gilt nur eine Regel: Heike muss es fein haben.“

Ein Name, der Programm ist

Ihr Künstlername entstand übrigens nicht am Reißbrett, sondern durch Heirat: „Wir waren eh schon 19 Jahre zusammen. Alle nannten uns die Montiperles.“ Der Name passt – wie maßgeschneidert für eine Frau, die das Theater liebt, die Sprache lebt und die Kriminalistik zur Kunstform erhebt.

Leidenschaftliche Netzwerkerin

Heike Montiperle ist mehr als eine Krimi-Moderatorin – sie ist eine leidenschaftliche Erzählerin, Sprachakrobatin und leidenschaftliche Netzwerkerin, die mit kreativer Energie und viel Humor das Leben aufmischt – auf der Bühne wie im Alltag. Ihre Dinner-Events sind nicht nur ein Erlebnis, sondern auch eine Einladung, sich selbst ein bisschen weniger ernst und das Leben ein bisschen mehr mit Augenzwinkern zu nehmen.
20 Minuten
Wer Martin Schwarz begegnet, merkt schnell: Hier unterrichtet jemand nicht nur, hier brennt jemand für den Beruf. Der 62-jährige gebürtige Niederösterreicher hat über Umwege zum Lehrberuf gefunden - und ihn dann mit umso größerer Leidenschaft ergriffen. Heute unterrichtet er als Volksschullehrer in Feldkirch und ist dort weit mehr als "nur" ein Lehrer: Er ist Bezugsperson, Vorbild, Motivator, Musiker und Mitgestalter einer besonderen Lernatmosphäre. #schule #lehrer #niederöstereich #integration #bildung #leidenschaft #montessori #oldschool

Dabei wollte Martin Schwarz ursprünglich gar nicht Lehrer werden. Nach einer Zeit in der Privatwirtschaft - unter anderem in der Baubranche - entdeckte er durch eine glückliche Fügung die Welt der Heilpädagogik. Über eine Ausbildung an der renommierten Kathi-Lampert-Schule in Götzis führte ihn sein Weg an eine Sonderschule (Jupident), später absolvierte er berufsbegleitend das Volksschullehramt. Seit zehn Jahren arbeitet er nun im Regelschulbereich - mit ungebrochener Begeisterung.

"Ich liebe die Vielseitigkeit", sagt Schwarz. "In der Volksschule kann ich meine Interessen ausleben - von Mathematik über Sport bis zur Musik." Seine Klassen profitieren davon: Als Oberstufenlehrer (3. und 4. Schulstufe) begleitet er die Kinder durch wichtige Jahre und unterrichtet beinahe alle Fächer selbst. Besonders wichtig ist ihm dabei die Beziehungsarbeit: "Lernen funktioniert nur über Beziehung. Wir singen, basteln, reden - so entsteht Vertrauen."

Ein Herzstück seines Unterrichts ist die Musik. Mit Begeisterung begleitet Schwarz seine Schülerinnen und Schüler auf der Gitarre oder am Keyboard, nimmt mit ihnen Lieder auf, stellt eigene CDs zusammen und lässt auch auf Weihnachtsmärkten oder Schulfeiern musikalisch von sich hören. "Ich bin kein großer Sänger", meint er schmunzelnd, "aber ich begleite gern - die Kinder sind die Stars."

Neben seiner pädagogischen Arbeit ist Martin Schwarz ein naturverbundener Mensch, der beim Wandern, Radfahren oder Schwimmen neue Energie tankt. Auch seine Liebe zur Literatur, zu den Beatles und zu alten Klassikern fließt in seinen Unterricht ein. Dass er viele Jahre in der Wirtschaft tätig war, macht ihn zu einem Lehrer mit erweitertem Blickwinkel - eine Qualität, die nicht nur von den Eltern geschätzt wird, sondern auch den Kindern zugutekommt.

Kritisch sieht er jedoch das österreichische Bildungssystem, das Kinder bereits nach der vierten Klasse in unterschiedliche Schultypen teilt. "Diese frühe Selektion macht allen Beteiligten Stress - Schülern, Eltern, Lehrern." Auch Digitalisierung in der Volksschule sieht er differenziert. Er selbst nutzt noch bewusst eine klassische Kreidetafel: "In dieser Altersstufe geht es um grundlegende Kompetenzen."

Was Schwarz in seinen Klassen fördert, ist Selbstständigkeit, Neugierde und Freude am Lernen. Seine Botschaft an die Eltern: "Hilf mir, es selbst zu tun - das ist der beste Weg, Kinder zu stärken."

Ein Lehrer aus Berufung - und mit Herz und Ohr für jedes einzelne Kind.
21 Minuten
Wenn andere noch am warmen Tee nippen, steigt er ins Eiswasser: Sascha Babel aus Gais ist 54 Jahre alt und leidenschaftlicher Eisbader. Was für viele eine unvorstellbare Mutprobe ist, wurde für ihn zum Rettungsanker – denn Sascha hatte gleich zwei Krebsdiagnosen: Haut- und Nierenkrebs. Doch statt zu resignieren, suchte er nach Wegen, um Körper und Geist zu stärken. Seine Inspiration? Der weltberühmte Wim Hof, bekannt für Kälteexposition und Atemtechniken.

Saschas Weg begann mit einem ersten, mutigen Schritt: Bei minus fünf Grad Lufttemperatur wagte er sich im Dezember 2023 für 20 Sekunden ins eiskalte Wasser. Dieser Moment ließ ihn nicht mehr los. Er lernte mehr, absolvierte eine Ausbildung bei der erfahrenen Eisbad-Ausbilderin Martina Hädge aus Hard am Bodensee und machte das Eisbaden zu einem täglichen Ritual. Dabei geht es ihm nicht um Rekorde, sondern um Achtsamkeit, Respekt vor der Natur – und Dankbarkeit. Vor jedem Bad spricht er ein Vaterunser, bedankt sich bei seinen Organen und dem Gewässer.

Besonders beeindruckend: Sascha engagiert sich mit den „Eiswasserhelden“ ehrenamtlich für arme und kranke Kinder. Seit 2018 haben sie über 80.000 Euro gesammelt. Dabei geht es nie um waghalsige Stunts oder Social-Media-Aufmerksamkeit, sondern um einen respektvollen Zugang zur Natur. Saschas Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie innere Stärke, ein gesunder Lebensstil und die Kraft des Wassers helfen können, selbst schwere Krankheiten zu überwinden. „Ich bin ein Lebensgenießer“, sagt er – und jeder Tag im Wasser ist für ihn ein kleines Wunder.

Saschas Botschaft: Eisbaden ist kein leichtfertiges Abenteuer. Es braucht Vorbereitung, Wissen und Respekt. Und: Es macht glücklich. Die Endorphine, die nach dem Kältebad durch den Körper strömen, haben seine Träume verwandelt – von schlechten Gedanken zu märchenhaften Bildern. Heute lebt Sascha ohne Medikamente, ohne Chemo, aber mit einer großen Portion Lebensfreude.
22 Minuten
Wer am 9. Mai 2025 in Feldkirch zum Himmel schaut, wird Zeuge eines ungewöhnlichen und tiefgründigen Kunstprojekts: der Eutererhebung von Barbara Husar. Doch was verbirgt sich hinter diesem schillernden Begriff? Es ist mehr als ein spektakuläres Heißluftballon-Event – es ist ein künstlerisches Statement über Verbindung, Bewusstsein und den respektvollen Umgang mit Natur.

Barbara Husar, Künstlerin aus Feldkirch, ist eine echte Grenzgängerin: zwischen Kunst und Natur, zwischen Tradition und Zukunft, zwischen Bodenständigkeit und Himmelsdrang. Inspiriert durch Jahre in der Wüste Sinai, wo sie Ziegen hütete und Nabelschnüre sammelte, entwickelte Husar die Idee, aus diesen Symbolen der Verbindung und des Ursprungs Kunstwerke zu schaffen. Ihr wohl bekanntestes Projekt: das „Goldene Euter“ – ein pinkfarbener Heißluftballon in Euterform, der als „Diskurswerkzeug“ gesellschaftliche Fragen sichtbar machen soll.

Zum 100-Jahr-Jubiläum der Vereinigung der Feldkircher Stadtteile bringt Husar ihre Eutererhebung nach Feldkirch. 100 Kinder wurden über eine Fantasieaktion ausgewählt, bei der sie Bilder oder Geschichten zu den Themen „Universum, Euter und Verbindung“ gestalteten. Sie dürfen nun an Bord des Ballons steigen, der an Seilen gesichert ist und von der Erde aus langsam in die Höhe steigt. Oben angekommen erwartet sie eine symbolische Reise – eine Vogelperspektive auf die Montfortstadt und eine eindrucksvolle Erfahrung von Perspektivenwechsel und Verbindung.

Die Idee dahinter? Ein Kreis aus Menschen am Boden bildet den Rahmen, während der Ballon als Zeichen der Verbundenheit zwischen Himmel und Erde schwebt. „Verbindung ist eine emotionale Qualität und eine Fähigkeit zur Friedensbildung“, erklärt Husar. In Zeiten globaler Krisen will sie ein künstlerisches Signal setzen – für Bewusstsein, Respekt vor der Natur und die Kraft gemeinsamer Impulse.

Das Euter, so Husar, stehe nicht nur für Milch und Landwirtschaft, sondern als Symbol für den Übergang, das Nähren, die Verbindung. Der Verein „Goldenes Euter“, gegründet 2018, begleitet und organisiert diese Projekte. Es geht um Diskurs, um Umdenken, nicht um Provokation. „Ich bin Veganerin und sehe den Umgang mit Mutterkühen kritisch“, betont Husar, „aber unser Fokus liegt darauf, durch Kunst Bewusstseinswandel anzustoßen.“

Auch der Zufall spielt eine Rolle: Der 9. Mai ist der Europatag, ein Tag der Friedensbewegung. Und so passt es, dass an diesem Tag Kinder in Feldkirch mit einem pinken Euterballon in die Lüfte steigen – als Zeichen, dass die großen Themen unserer Zeit nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Kunst, Fantasie und Verbindung angegangen werden können.

Barbara Husar lebt und arbeitet für diese Botschaften. Ihre Eutererhebungen sind nicht nur ein künstlerisches Spektakel, sondern eine Einladung, hinzusehen, nachzudenken – und neue Wege zu gehen.
25 Minuten
Der sanfte Kämpfer von Tisis – Sifu Günter König und seine Schule der Selbstbehauptung

Zwischen Schatten und Licht, zwischen verbaler Entwaffnung und innerer Stärke bewegt sich das Leben von Günter König – einem Mann, der heute als Wing-Tsun-Lehrer in Feldkirch-Tisis nicht nur Technik vermittelt, sondern eine Lebensphilosophie lebt. In einem lichtdurchfluteten Dojo mit filigran gefertigter Papierdecke lehrt er, wie man sich behauptet – ohne Aggression, aber mit Haltung. Was ihn besonders macht? König ist ein Macher, ein Menschenfreund – einer, der leise wirkt, aber viel bewegt.

Günter König stammt aus einer Familie, die in Lustenau tief verwurzelt ist. Sein Vater war Gastronom und DJ, betrieb mit dem „Babylon“ und der „Blauen Sau“ legendäre Treffpunkte. Auch Günter arbeitete dort früh mit – erst als Gläsersammler, später als Barchef. Doch der junge Mann wollte mehr. Als Installateur erlernte er einen bodenständigen Beruf, aber es war seine Erfahrung als Türsteher, die ihn auf Wing Tsun brachte. Die Kampfkunst half ihm, Eskalationen zu vermeiden und Grenzen zu setzen, ohne zu verletzen.

Wing Tsun ist keine Wettkampfsportart. Es geht nicht um Punkte, nicht um Siege. Es geht um Selbstbehauptung, Körpersprache, Szenarien. König lehrt, wie man mit einem klaren "Stopp" Konflikte frühzeitig entschärft – mit offenen Händen, nicht geballten Fäusten. Seine Schule sei kein Ort für brutale Techniken, sondern für Persönlichkeitsbildung, sagt er. „Wer Wing Tsun lernt, lernt vor allem, ruhig zu bleiben“, so König.

Nach Jahren in der Schweiz, wo er drei eigene Wing-Tsun-Schulen führte, erfüllte sich König 2024 seinen Lebenstraum: eine eigene Schule in Feldkirch-Tisis. Die Räume sind hell, einladend, bewusst offen gestaltet – ein Kontrast zu vielen dunklen Selbstverteidigungskellern. Die von regionalen Künstlerinnen konzipierte Papierdecke ist das Herzstück – Symbol für Klarheit und Leichtigkeit. König unterrichtet Kinder ab sechs Jahren, Erwachsene bis ins hohe Alter, manchmal bis zu fünf Mal die Woche.

König liebt das Reisen mit seiner Familie, zuletzt war er in Georgien und Albanien. Er liebt Eintöpfe und einfache Gerichte, die er auf seinen Reisen entdeckt. Seine Freizeit ist knapp, aber wenn sie sich ergibt, steht er auf dem Snowboard, fährt Rad oder gärtnert.

Was Günter König besonders auszeichnet, ist sein Engagement für Schulen. In Feldkirch und Liechtenstein hat er unzählige Workshops gehalten – über Selbstbehauptung, Stoppsignale, Cybermobbing. Ihm ist wichtig, Kinder zu stärken, bevor sie in gefährliche Rollen rutschen – ob als Opfer oder als Täter. Wing Tsun sei für ihn mehr als Kampfkunst: Es sei ein Beitrag zu einer besseren, achtsameren Welt.