Podcaster
Episoden
13.05.2026
31 Minuten
„Wer bestellt, muss auch bezahlen“ In der Kommune kommt der Staat dem Bürger am nächsten. Annekathrin Grehling, seit 2005 Kämmerin in Aachen, erzählt im dbb Podcast vom Kampf um ausgeglichene Haushalte, entrückten Berliner Politikern und immer komplexeren Aufgaben. Seit den 70er Jahren hat sich die Finanzlage der Kommunen generell verschlechtern. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen vermehrt. Themen wie Denkmal- oder Klimaschutz, Inklusion und Bürgerbeteiligung sind wichtiger geworden, gesellschaftliche Entwicklungen wie Drogenmissbrauch, anhaltende Migration und soziale Spaltung haben sich verschärft und ziehen Investitions- und Personalbedarfe vor Ort in den Kommunen nach sich. Davon berichtete Annekathrin Grehling in der Mai-Folger des dbb-Podcasts „DienstTag“. „Außerdem haben wir eine große Grundsubstanz an Infrastruktur und Gebäuden, die in den 70ern entstanden sind und jetzt natürlich alle gleichzeitig sanierungsreif werden. Und schließlich kommen immer wieder völlig neue staatliche Angebote dazu, die von anderen versprochen, aber vor Ort in den Städten und Gemeinden umgesetzt werden müssen“, so die Kämmerin. Kommunalhaushalte aufzustellen sei früher auch nicht einfach gewesen. „Jetzt sind wir aber mit einem Haushaltsplan befasst, bei dem wir alle Register ziehen müssen, um überhaupt durch die Tür zu kommen. Die Aufgabenlast ist extrem." In der Kommunalverwaltung ist man näher dran am Bürger und auch am Frust, wenn der Staat scheinbar mal wieder nicht liefert. „Mein Glück ist, dass wir noch nicht viele Situationen hatten, wo ich sagen musste, wir können das Schulgebäude da nicht reparieren, weil dafür einfach kein Geld da ist. Viel schwieriger ist, Dinge verantworten zu müssen, die wir gar nicht mitentschieden haben. Oft wird dann Bundes- und Kommunalpolitik verwechselt und die Leute schimpfen über Steuern, die wir vor Ort gar nicht beschlossen haben, sondern die Politiker in Berlin.“ Hier wünscht sich Annekathrin Grehling mehr Konnexität: „Wer bestellt, muss auch bezahlen. Die beschlossene Entlastungsmilliarde für die Kommunen löst das Problem jedenfalls nicht. Eine Milliarde ist viel Geld. Bei der Vielzahl der Kommunen kommt an der Basis trotzdem nicht genug an. Der berühmte Tropfen auf den heißen Stein..."
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10.03.2026
31 Minuten
„Obwohl ich am Nord-Ostsee-Kanal aufgewachsen bin, kannte ich die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung gar nicht“ Käme die Binnenschifffahrt zum Erliegen, wären bald die Regale im Supermarkt leer. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sichert diesen zentralen Teil der Infrastruktur. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung war trotzdem nicht Berufsziel für die 62-jährige Diplom-Verwaltungswirtin Heike Stahl, berichtet sie in der neuen Folge vom dbb-Podcast „DienstTag“: „Ich bin zwar in unmittelbarer Nähe zum Nord-Ostsee-Kanal aufgewachsen, bin zig Mal mit der Fähre über den Kanal oder an den Schleusen vorbei. Ich kannte die Behörde dahinter aber gar nicht.“ Erst mit dem Wechsel von der Bundeswehrverwaltung bekam die Diplom-Verwaltungswirtin einen Eindruck von der Größe und Bedeutung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Inzwischen leitet sie die Abteilung Administration und managt Personal, Haushalt, Orga und IT beim Wasser- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee. In Deutschland gibt es über 7000 Kilometer schiffbare Kanäle und die 17 Wasser- und Schifffahrtsämter sind als Teil der Bundesverwaltung für deren Unterhalt zuständig, von der Wartung und Sanierung, bis zur Betonnung, Tiefenmessung oder Verkehrsüberwachung. Obwohl es auch in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung einen großen Investitionsstau gibt, ist das aktuell nicht Heike Stahls größtes Problem: „Wir leiden seit Jahren vor allem unter einem wachsenden Personalmangel. Die hochspezialisierten Fachkräfte, die wir brauchen, finden sich auf dem freien Markt einfach immer schwerer“, erläutert die Verwaltungswirtin. „Wir bilden deshalb verstärkt selber aus, etwa Seevermessungstechniker oder Wasserbauer, Tischler oder Elektroniker. Ich erinnere mich an Zeiten, da hatten wir für jede Stelle 40-50 Bewerbungen. Davon sind wir inzwischen weit weg.“ Dabei, so Heike Stahl, hat die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nicht nur besonders schöne Arbeitsplätze anzubieten. „Die Bezahlung ist auch OK. Wir haben keine Gender Pay Gap und ziemlich flexible Arbeitszeitregelungen.“
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13.01.2026
36 Minuten
„Wir sind die Schnittstelle zwischen Truppe und Industrie“ Seit der 'Zeitenwende' hat sich der Arbeitsalltag von Maximilian Wergen im Bundesamt für Beschaffung der Bundeswehr sehr verändert - mehr Projekte, mehr Druck, mehr Verantwortung. Nach Maschinenbaustudium und Qualifizierung zum Wehrtechnikingenieur im Rahmen der Beamtenlaufbahn durch Schulungen in Systembewaffnung sowie Luft- und Raumfahrt arbeitet der 30-jährige Rheinländer jetzt beim Beschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz. "Wir sind die Schnittstelle zwischen Truppe und Industrie, zwischen der Entwicklung und der Nutzung von zum Teil extrem komplexen Systemen. Das ist für mich als Ingenieur superspannend", erzählt Maximilian Wergen in dieser Folge von DienstTag - Menschen, die Staat machen. Nicht nur die Systeme sind komplex, die Entscheidungsprozesse der Beschaffung sind es auch: Nach politischer Entscheidung und Bedarfsdefinition folgen Analyse, Erarbeitung von Lösungsvarianten, Auswahl der Best-Vorschläge, Genehmigung durch die militärische Leitung, Leistungsbeschreibung Ausschreibung, Angebotssichtung und Beauftragung, später Testung und Nutzungsfreigabe der Produkte. Wergen: "Was man heute kauft, steht noch lange nicht morgen auf dem Hof. Das dauert. Manchmal müssen erst noch die entsprechenden Produktionskapazitäten aufgebaut werden.“ Die 'Zeitenwende' durch den russischen Überfall auf die Ukraine und die technischen Entwicklungen der letzten Zeit, vor allem bei Drohne und KI haben die Arbeit beim Beschaffungsamt sehr verändert und die Arbeitsbelastung erhöht. Von den 11500 Dienstposten sind 1500 nicht besetzt, bei immer weiter steigender Projektzahl und -volumina. Zur Arbeitsbelastung kommen schwierige ethische Erwägungen, gerade beim Einsatz neuer Technologien. "Wir müssen ungesteuerte Entwicklungen beim Einsatz von KI vermeiden. Zum Beispiel muss auch bei automatisierten Prozessen die Unterscheidung zwischen Zivilpersonen und Kombattanten immer sichergestellt und die Einsatzentscheidung letztlich immer beim Menschen liegen", betont Maximilian Wergen.
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11.11.2025
29 Minuten
„Die Wachabteilung funktioniert wie eine WG – zwei Mal die Woche, 24 Stunden“ Der Dienstplan entscheidet, ob Tim Gaumann als Feuerwehrmann oder als Notfallsanitäter in den Einsatz geht. Entweder-oder, maximal einen Monat im Voraus, erzählt er in der November-Folge von DienstTag – Menschen, die Staat machen. In Nordrhein-Westfalen sind Feuerwehr und Rettungsdienst integriert. Für den 29-jährigen Siegener hieß das: Erst eine Handwerks- und Feuerwehrausbildung, inklusive Rettungssanitäter und dann zusätzlich die dreijährige Ausbildung, plus Staatsexamen zum Notfallsanitäter: „Der höchste nichtakademische medizinische Berufsabschluss.“ Im Berufsalltag, bei der Feuerwehr in Wuppertal, ist für Tim Gaumann nicht der Umgang mit zum Teil schweren Verletzungen und tragischen Unfällen, zu denen sie gerufen werden, die größte Herausforderung, sondern der jahrelange Schichtdienst: „Anderthalb bis vier Stunden Schlaf pro Nach maximal, meist nicht am Stück und der absolut ungeregelte Schlafrhythmus, das ist das größte Problem. An die Dramatik der Vorfälle gewöhnt man sich, schon aus Selbstschutz. Für mich ist das Routine, für die Betroffenen sind das Ausnahmesituationen, oft mit starken Schmerzen, Angst und Überforderung.“ Wenn Eindrücke einen vom Unfallort zurück zur Feuerwache begleiten, helfen vor allem die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Tim Gaumann: „Die Wachabteilung ist wie eine WG oder Familie. Da wird viel besprochen und – falls nötig – nachgearbeitet, zwei Mal in der Woche, 24 Stunden. Und bei wirklich schlimmen Fällen hilf die PSU – die Profis von der psycho-sozialen Unterstützung.“
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09.09.2025
41 Minuten
„Wir sind die Staubsaugervertreter der Bundesrepublik“ „Es passieren regelmäßig Dinge, die man sich ein paar Tage vorher gar nicht vorstellen konnte“, erzählt Bianca Drogosch in der aktuellen DienstTag-Folge. Langweilig sei der Berufsalltag der Diplomatin auf jeden Fall nicht. N’Djamena, Rangun oder Ramallah, das waren die Top-Drei auf der Wunschliste von Bianca Drogosch für ihren nächsten Auslandsposten. Klingt weniger nach Cocktail-Empfang und mehr nach Herausforderung und Risiko, passt aber zu der 36-jährigen Diplomatin. „Es ist ein ganz toller Job, wenn man die Neugierde und Bereitschaft mitbringt, sich auf anderen Kulturen und Menschen einzulassen. Überspitzt formuliert sind wir ja so was wie die Staubsaugervertreter der Bundesrepublik im Ausland.“ Die kleinen Botschaften abseits der Weltmetropolen seien dabei oft die interessanteren Posten, weil die Arbeit vor Ort abwechslungsreicher und konkreter sei, erzählt Drogosch. Die Vertretung in Myanmar ist in einem schlichten 70er-Jahre Bürohaus in Rangun untergebracht. Neben den neun Diplomaten halten dabei vor allem die angestellten Einheimischen den Betrieb aufrecht: „Ohne die Locals könnten wir gar nicht arbeiten. Die sprechen die Landessprache, kennen Kultur und Gewohnheiten in Myanmar, wissen, wen man anrufen muss, wenn Ersatzteile fehlen oder Handwerker organisiert werden müssen.“ Nach Militärputsch, Bürgerkrieg und Überschwemmungen wurde Myanmar im Frühjahr auch noch von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Obwohl die Bundesrepublik mit dem Militärregime keine offiziellen Beziehungen unterhält, war die Hilfsbereitschaft trotzdem sehr hoch. „Das die aktuelle Regierung dann aber versucht hat, die Hilfe aus Drittstaaten als politisches Tool einzusetzen und Menschen, die vom Widerstand gehaltenen Gebieten leben, vorzuenthalten, war schon sehr frustrierend“, erinnert sich Drogosch. Umso wichtiger seien für die Hilfe deshalb die Netzwerkarbeit der Diplomaten, die direkten Kontakte zur Bevölkerung in Myanmar und in die Zivilgesellschaft.
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Über diesen Podcast
Hallo und herzlichen Willkommen zu DienstTag – Menschen, die Staat
machen. Der Podcast des dbb – beamtenbund und tarifunion. Über den
öffentlichen Dienst gibt es viele Klischees. Zu langsam, zu
bürokratisch, „Schreibtischtäter“. Es wird Zeit, dass jemand mit
den Vorurteilen aufräumt! Der Öffentliche Dienst - Das sind
Lehrkräfte, Jobcenter-Mitarbeitende, Lokführer - und
Polizist:innen, Steuerfachleute, Kita-Beschäftigte und noch so
viele mehr. Der dbb setzt sich für alle diese Menschen ein und ist
als Dachverband für über 40 Gewerkschaften zuständig. Was erlebt
eine Streifenpolizistin mit Migrationshintergrund? Warum
entscheidet man sich als Berufseinsteiger für den öffentlichen
Dienst? Wie steht es um die Digitalisierung an den Schulen? Diesen
und noch mehr Fragen geht unsere Moderatorin Steffi Schaller auf
den Grund und sie werden alle bei „DienstTag“ beantwortet. Überall,
wo es Podcasts gibt.
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