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KIRRE … na hör mal!
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Beschreibung
vor 3 Tagen
Eine Band taucht auf Spotify aus dem Nichts auf, veröffentlicht
in sechs Wochen drei komplette Alben und sammelt über eine
Million monatliche Hörer. Vier Bandmitglieder mit Namen,
Instrumenten und Fotos. Nur: Es gibt sie nicht. In dieser Folge
von KIRRE … na hör mal! erzählt Sabine die
Geschichte der KI-Band The Velvet Sundown und verbindet sie mit
einem aktuellen Gerichtssieg deutscher Musikschaffender gegen
einen KI-Musikanbieter.
The Velvet Sundown erschien im Juni 2025 auf Spotify, mit vier
erfundenen Bandmitgliedern samt Namen und Instrumenten. Drei
Alben mit je 13 Titeln erschienen innerhalb von rund anderthalb
Monaten. Aufgeflogen ist das Projekt über Reddit: Nutzerinnen und
Nutzer, denen die Band in ihrer Discover-Weekly-Playlist
vorgeschlagen wurde, fanden bei der Suche nach
Hintergrundinformationen praktisch nichts. Zusätzlich stand auf
dem Profil ein erfundenes Zitat des Musikmagazins Billboard.
Inzwischen bekennt sich das Projekt offen dazu, ein mit KI
komponiertes, synthetisches Musikprojekt zu sein, eine bewusste
Provokation, die Fragen zu Urheberschaft und Identität aufwerfen
soll.
Erfolgreich war diese Provokation zweifellos: Rund 1,4 Millionen
monatliche Hörer verzeichnete das Projekt auf dem Höhepunkt,
allein die Single "Dust on the Wind" wurde fast zwei Millionen
Mal abgespielt. Ein ehemaliger Spotify-Mitarbeiter vermutete
gegenüber dem Rolling Stone bezahlte Playlist-Platzierungen
hinter dem Erfolg und verwies darauf, dass Spotify Songs
zunehmend über Algorithmen anhand akustischer Merkmale auswählt
statt über menschliche Kuratierung. Während der Konkurrent Deezer
KI-Musik inzwischen kennzeichnet, tut Spotify das bislang nicht.
Sabine ordnet den Fall in die angespannte wirtschaftliche Lage
der Musikbranche ein: Seit der Umstellung von physischen
Tonträgern auf Streaming bleiben pro Abspielvorgang nur
Bruchteile von Cents. Da der gesamte Ausschüttungstopf nicht
wächst, wenn mehr Musik hinzukommt, sondern lediglich auf mehr
Beteiligte verteilt wird, verringert jeder zusätzliche KI-Song
rechnerisch die Einnahmen menschlicher Musikschaffender, selbst
ohne böse Absicht, allein durch die schiere Menge neuer Inhalte.
Den zweiten Teil der Folge bildet ein aktueller Erfolg der
Musikbranche vor Gericht: Die deutsche Verwertungsgesellschaft
GEMA hat den amerikanischen KI-Musikanbieter Suno verklagt, eine
App, die auf Zuruf binnen Minuten fertige Songs erzeugt. Im
Prozess ließ die GEMA die KI mit Prompts füttern, die Liedtext
und Titel bekannter deutscher Hits enthielten, darunter "Atemlos
durch die Nacht", "Forever Young", "Rasputin" und "Mambo No. 5".
Das Ergebnis war den Originalen zum Verwechseln ähnlich, ein
Beleg dafür, dass die KI diese Songs nicht nur analysiert,
sondern nahezu vollständig gespeichert hatte.
Das Landgericht München I gab der GEMA im Sommer 2026 weitgehend
recht: Wer geschützte Musik derart speichert und auf Anfrage
nahezu originalgetreu wieder ausgibt, nutzt fremde kreative
Arbeit und muss dafür bezahlen. Suno muss die Nutzung
unterlassen, seine damit erzielten Einnahmen offenlegen und
Schadensersatz leisten.
Bei der Urteilsverkündung waren unter anderem Peter Maffay und
die Künstlerin Balbina anwesend. Die GEMA bezeichnet das Urteil
als weltweit wegweisend, weist aber zugleich darauf hin, dass
nationale Urteile allein nicht ausreichen, solange es keine
einheitlichen europäischen Regeln gibt. Suno kann zudem noch
Berufung einlegen.
Sabine ordnet ein, dass Suno selbst seine Songs als originelle,
mit KI unterstützte Kompositionen bezeichnet, und das für die
allermeisten generierten Stücke vermutlich auch zutrifft.
Ausgerechnet bei den von der GEMA gezielt getesteten Fällen
jedoch nicht, ein Hinweis darauf, wie fließend die Grenze
zwischen echter Neuschöpfung und versteckter Kopie sein kann.
Für Hörerinnen und Hörer zieht Sabine eine unbequeme Erkenntnis:
Bei The Velvet Sundown fiel der Schwindel nicht durchs Hören auf,
sondern erst durch Nachforschung. Anders als bei KI-Bildern, wo
viele Menschen inzwischen ein gewisses Gespür für verräterische
Details entwickelt haben, existiert bei Musik ein solches Gespür
bislang kaum.
Sabines Position bleibt differenziert: Gegen KI-generierte Musik
als Werkzeug oder Experiment hat sie nichts einzuwenden. Zwei
Dinge hält sie jedoch für selbstverständlich, eine klare
Kennzeichnung nach dem Vorbild von Deezer sowie eine faire
Beteiligung derjenigen, deren Arbeit als Trainingsgrundlage
diente. Als generelle Faustregel schlägt sie zwei einfache Fragen
vor: Weiß ich, wer oder was hier eigentlich am Werk war? Und wird
bezahlt, wer die Grundlage dafür geliefert hat?
Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit
folgenden Themen beschäftigen: KI-generierte Musik auf
Streamingplattformen, The Velvet Sundown, GEMA gegen Suno,
Urheberrecht und KI-Training, Kennzeichnungspflicht für
KI-Inhalte, wirtschaftliche Lage von Musikschaffenden im
Streaming-Zeitalter. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen
wie: Wer steckt hinter The Velvet Sundown? Ist die Band auf
Spotify echt? Was hat das Landgericht München zu Suno
entschieden? Kennzeichnet Spotify KI-Musik?
KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger
Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf
Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch
bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei
Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin.
Wenn dich diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, schreib Sabine
gerne, ob dir selbst schon einmal Musik untergekommen ist, bei
der du im Nachhinein gemerkt hast, dass niemand sie wirklich
gespielt hat.
Weiterführende Links
Zur KI-Band The Velvet Sundown (heise online):
https://www.heise.de/news/Wie-die-KI-Band-Velvet-Sundown-die-Musikbranche-aufmischt-10493786.html
Zum GEMA-Urteil gegen Suno (Landgericht München I):
https://www.justiz.bayern.de/gerichte-und-behoerden/landgericht/muenchen-1/presse/2026/16.php
Kontakt:
hoermal@kirrepodcasting.com
Keywords: The Velvet Sundown KI-Band, GEMA
gegen Suno Urteil, KI-Musik Spotify Kennzeichnung, Streaming
Einnahmen Musiker, KIRRE Podcast, Sabine Eckermann,
Applebee
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