Wer spukt eigentlich durch deinen Alltag?

Wer spukt eigentlich durch deinen Alltag?

vor 14 Stunden
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Beschreibung

vor 14 Stunden

Eine Familie in Portland unterhält sich zu Hause über
Hartholzfußböden. Zwei Wochen später ruft ein Bekannter aus
dreihundert Kilometer Entfernung an und sagt, er habe eine
Audioaufnahme genau dieses Gesprächs erhalten, sein Amazon Echo
hatte heimlich mitgehört und die Aufnahme verschickt. Mit dieser
wahren Geschichte und zwei weiteren eröffnet Sabine diese Folge
von KIRRE … na hör mal! und fragt: Wer spukt eigentlich alles
unbemerkt durch unseren Alltag?


Die Portland-Geschichte von 2018 ist gut dokumentiert: Amazon
bestätigte, dass der Echo-Lautsprecher der Familie ein
Hintergrundgeräusch für das Aktivierungswort "Alexa" hielt, das
folgende Gespräch als Befehl zum Nachrichtenversand
interpretierte, einen zufälligen Namen aus der Kontaktliste als
Empfänger verstand und eine beiläufige Gesprächsäußerung als
Bestätigung wertete. Eine Kette aus fünf Fehlinterpretationen, an
deren Ende ein Bekannter in Seattle eine private Unterhaltung
über Bodenbeläge zu hören bekam.


Als zweite, deutlich humorvollere Geschichte erzählt Sabine den
Fall des Nachrichtensprechers Jim Patton aus San Diego, der 2017
live im Fernsehen über ein Mädchen berichtete, das versehentlich
per Amazon Echo ein Puppenhaus bestellt hatte. Sein im Beitrag
gesprochener Satz "Alexa hat mir ein Puppenhaus bestellt"
aktivierte daraufhin bei zahlreichen Zuschauerinnen und
Zuschauern mit eingeschaltetem Echo-Gerät im Wohnzimmer eine
zweite Bestellwelle, ausgelöst durch den Fernseher selbst.


Als dritte, ältere Geschichte zieht Sabine den bekannten Fall der
US-Kette Target heran: Ein Algorithmus erkannte am
Einkaufsverhalten, welche Kundinnen schwanger waren. Ein Vater in
Minneapolis beschwerte sich empört bei Target, weil seine
minderjährige Tochter Baby-Gutscheine erhielt, entschuldigte sich
jedoch kurz darauf, seine Tochter war tatsächlich schwanger, der
Algorithmus hatte es früher erkannt als er selbst. Sabine ergänzt
dazu ein wenig bekanntes Detail: Target habe die Babygutscheine
bewusst zwischen unauffällige Werbung gemischt, um weniger
befremdlich zu wirken.


Aus allen drei Geschichten leitet Sabine ein gemeinsames Muster
ab: Systeme ziehen aus Daten, die eigentlich nichts mit der
einzelnen Person zu tun haben sollten, weitreichende Schlüsse,
ohne dass jemand dem je bewusst zugestimmt hätte. Sie
unterscheidet dabei zwischen dem lauten, in die Schlagzeilen
geratenen Spuk und dem viel häufigeren, leisen Spuk des Alltags:
Spamfilter, Autokorrektur und Empfehlungsalgorithmen.


Persönlich wird die Folge durch Sabines eigene kleine
Alltagsmacke: Da ihre Cousine Alexa heißt, muss sie beim Erzählen
darauf achten, dass kein Amazon-Lautsprecher im Raum sich
angesprochen fühlt, ein humorvoller Einstieg, der die größere
Frage der Folge auf sehr persönliche Weise einleitet.


Wichtig ist Sabine dabei die Feststellung, dass in keiner der
drei großen Geschichten böse Absicht im Spiel war, sondern
jeweils eine Kette technisch nachvollziehbarer, aber im Ergebnis
absurder Fehlinterpretationen. Genau das mache ihr mehr Sorgen
als bewusste Überwachung, gegen Absicht könne man sich wehren,
gegen ein System, das aus gut gemeinten Regeln heraus einfach
falsch reagiert, sei das deutlich schwerer.


Gleichzeitig warnt Sabine ausdrücklich vor Panik: Die
geschilderten Geräte würden für die allermeisten Menschen an den
allermeisten Tagen genau das tun, wofür sie gebaut wurden.


Ganz praktisch empfiehlt Sabine, sich einmal jährlich bewusst
anzuschauen, welche Geräte zu Hause dauerhaft zuhören und welche
Apps auf dem Smartphone Zugriff aufs Mikrofon haben, sowie bei
wirklich privaten Gesprächen kurz auf die Leuchtanzeige smarter
Lautsprecher zu achten. Für alle, die selbst online sichtbar sein
müssen, etwa als Selbstständige, macht sie zudem die Doppelrolle
deutlich, die jede und jeder in diesem System einnimmt:
gleichzeitig Nutznießerin zielgerichteter Algorithmen und Teil
des Datenmaterials, aus dem andere ihre Schlüsse ziehen.


Am Ende der Folge zieht Sabine ein bewusst beruhigendes Fazit: In
allen drei geschilderten Fällen ist der jeweilige Spuk irgendwann
aufgeflogen, weil Menschen genau hingeschaut, nachgefragt oder
sich beschwert haben. Das sei zwar kein Freibrief für
Nachlässigkeit, aber ein guter Grund, dem Thema mit wacher
Neugier statt mit Ohnmacht zu begegnen.


Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit
folgenden Themen beschäftigen: Amazon Echo Datenschutz-Pannen,
Alexa hört heimlich mit, Target Schwangerschafts-Algorithmus,
Spamfilter und Autokorrektur im Alltag, unsichtbare
KI-Entscheidungen. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen wie:
Hört Alexa wirklich immer mit? Was ist beim Amazon-Echo-Vorfall
in Portland passiert? Wie hat Target eine Schwangerschaft vor dem
Vater erkannt?


KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger
Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf
Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch
bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei
Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin.
Wenn dich diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, schreib Sabine
gerne, welcher digitale Spuk dir selbst schon mal begegnet
ist.



Weiterführende Links
Zum Amazon-Echo-Vorfall in Portland (t-online):
https://www.t-online.de/digital/aktuelles/id_83827668/amazons-echo-alexa-nimmt-heimlich-gespraech-auf-und-verschickt-die-aufnahme.html


Zum Puppenhaus-Vorfall San Diego (heise online):
https://www.heise.de/news/Amazon-Echo-Nachrichtensprecher-loest-Massenbestellung-aus-3591039.html


Kontakt:
hoermal@kirrepodcasting.com



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