KIRRE … na hör mal!

KIRRE … na hör mal!

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Episoden

KI ist das Werkzeug. Du bist der Handwerker.
25.07.2026
12 Minuten
Eine Studie von Stanford University und University of Southern California hat etwas herausgefunden, das erstmal absurd klingt: Wenn man einer KI eine Experten-Persona verpasst, "Antworte als Profi-Koch mit zwanzig Jahren Erfahrung", wird das Ergebnis nicht besser, sondern schlechter. In dieser Folge von KIRRE … na hör mal! nimmt Sabine diesen kuriosen Befund als Ausgangspunkt für die zentrale Frage der Folge: Wie sehr entscheidet eigentlich der Mensch hinter dem Prompt, was am Ende aus der KI herauskommt?


Die genannte Studie zeigt konkret: Bei Programmieraufgaben verschlechterte sich die Code-Qualität messbar, sobald eine Experten-Persona aktiv war. Bei allgemeinen Wissensfragen fiel die Trefferquote von 71,6 auf 68,0 Prozent. Die Erklärung der Forschenden: Eine erfundene Rolle liefert der KI zwar scheinbar Kontext, verleitet sie aber dazu, in Fachjargon und Attitüde zu verfallen, statt klare Fakten zu liefern, Kostüm statt Substanz, wie Sabine es nennt.


Daraus leitet Sabine den Kerngedanken der Folge ab: Das Problem bei enttäuschenden KI-Ergebnissen liegt selten an der Technik, sondern meist an der Frage. Als anschauliches, in vielen Prompting-Leitfäden zitiertes Beispiel nennt sie den Klassiker: Wer eine KI ohne Kontext bittet, "Erkläre Java", riskiert eine Abhandlung über die indonesische Insel statt über die Programmiersprache. Ergänzt wird das durch eine Untersuchung der Cornell University, die belegt, dass Nutzerinnen und Nutzer mit klaren, strukturierten, kontextreichen Prompts nachweislich bessere Ergebnisse erzielen als bei spontanen, unstrukturierten Anfragen.


Sabine verbindet diese Forschung mit einem Bild aus der eigenen Werkstatt-Erfahrung: Die beste Bohrmaschine bohrt kein gerades Loch, wenn die Person dahinter Winkel, Druck und Material nicht einschätzen kann. Die Maschine liefert Kraft, den Plan liefert der Mensch. Bei KI sei es exakt dasselbe Prinzip.


Ein zentraler Punkt der Folge ist Sabines eigene Berufserfahrung als Grundlage guter Prompts. Als konkretes Beispiel aus ihrer Beratungspraxis schildert sie zwei Kundinnen mit ähnlichem Projekt: Eine formulierte einen minimalen Ein-Satz-Prompt und erhielt einen kaum brauchbaren Rohentwurf, die andere bereitete Zielgruppe, Tonalität und Beispiele vor und bekam ein nahezu fertiges, direkt verwendbares Ergebnis, mit derselben KI, am selben Tag. Für Sabine ist das der beste Beleg dafür, dass der entscheidende Unterschied nicht im Werkzeug liegt, sondern in der Person, die es bedient.


Untermauert wird das mit einer Zahl von McKinsey: Bereits etwa ein Drittel aller Unternehmen nutzt KI-Tools regelmäßig, mit stark steigender Tendenz. Genau deshalb werde die Fähigkeit, klar und präzise zu prompten, laut Sabine gerade vom netten Extra zum echten Wettbewerbsfaktor, weil zwei Organisationen dieselbe Technologie nutzen und trotzdem völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen können, je nachdem, wie gut die Menschen dahinter wissen, was sie eigentlich brauchen.


Praktisch empfiehlt Sabine, die KI bei komplexeren Aufgaben zunächst selbst nach fehlenden Informationen fragen zu lassen, bevor sie eine Aufgabe angeht, und diese Rückfragen kurz und konkret zu beantworten. Sie beschreibt dieses Verfahren als einen Umweg, der sich fast immer auszahlt: Statt der KI sofort die volle Aufgabe zu übergeben, lässt sie sich erst fünf bis sechs gezielte Rückfragen stellen, beantwortet diese knapp, und erst danach beginnt die eigentliche Bearbeitung.


Gleichzeitig macht Sabine unmissverständlich klar: Auch das beste Prompting ersetzt kein eigenes Urteilsvermögen. Welche von mehreren möglichen KI-Antworten tatsächlich zum eigenen Kontext passt, das lässt sich nicht an die Maschine delegieren, das bleibt Aufgabe des Menschen mit Erfahrung.


Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: Prompt Engineering und bessere KI-Ergebnisse, warum Experten-Personas Prompts verschlechtern können, strukturierte Prompts nach Cornell-Forschung, KI-Nutzung in Unternehmen laut McKinsey, eigene Erfahrung als Wettbewerbsvorteil im KI-Zeitalter, Rückfragen-Technik für bessere Prompts. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen wie: Warum werden KI-Antworten manchmal schlechter mit einer Rollenvorgabe? Wie stelle ich bessere Prompts für ChatGPT oder Claude? Was ist Prompt Engineering eigentlich genau?


KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin. Wenn dich diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, schreib Sabine gerne, welcher Prompt bei dir zuletzt komplett danebenging, und woran es lag.


Weiterführende Links Zur Persona-Prompting-Studie (Stanford/USC, via Gamestar): https://www.gamestar.de/artikel/eine-lange-etablierte-ki-technik-ist-laengst-ueberholt-euer-prompt-braucht-stattdessen-nur-diese-drei-dinge-fuer-ein-super-ergebnis,3455598.html


Kontakt: hoermal@kirrepodcasting.com


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Applaus aus dem Ausland …
24.07.2026
10 Minuten
Ein Tanzvideo auf TikTok, Hunderte begeisterte Kommentare, Herzchen und Flaggen-Emojis. Sabines erste Reaktion: Respekt, die hat aber Zulauf. Ihre zweite Reaktion, nach ein bisschen Recherche: Das meiste davon ist gar nicht echt. In dieser Folge von KIRRE … na hör mal! geht Sabine dieser Geschichte nach und stellt die größere Frage dahinter: Wer applaudiert eigentlich wirklich, und wer regiert künftig, wenn sich Applaus künstlich erzeugen lässt?


Ausgangspunkt ist eine Analyse der unabhängigen Organisation Reset Tech, die ein Netzwerk von mehr als 1.200 TikTok-Accounts identifiziert hat, die monatelang koordiniert positive Inhalte über eine deutsche Politikerin verbreiteten. Zusammen erreichten diese Accounts über drei Millionen Follower und mehr als 30 Millionen Likes. Auffällig: 57 Prozent der analysierten Beiträge wurden aus Nigeria hochgeladen. Viele der Accounts posteten zuvor Inhalte zu Kryptowährungen oder Devisenhandel und wurden zwischen November und Januar umbenannt, bevor sie auf Wahlwerbung umschwenkten.


Sabine ordnet das Beispiel mit klarer eigener Haltung ein: Sie positioniert sich unmissverständlich gegen Rechtsextremismus und macht deutlich, warum sie ein Beispiel wählt, bei dem mehrere Landesverbände der betroffenen Partei von Gerichten bestätigt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft sind. Die Partei selbst bestreitet jede Beteiligung an dem Bot-Netzwerk. Sabines Ärger richtet sich dabei nicht gegen legitime Fanbeziehungen im Netz, sondern gegen die künstliche Erzeugung des Eindrucks einer breiten Bewegung, wo tatsächlich ein Netzwerk umgewidmeter Fake-Accounts steht, verstärkt durch einen Algorithmus, der genau dieses künstliche Engagement zusätzlich mit echter Reichweite belohnt.


Die Folge bleibt nicht bei Deutschland stehen. Sabine zieht die Parallele zum US-Wahlkampf 2024: Donald Trump verbreitete KI-generierte Bilder, die Taylor Swift und ihre Fans fälschlich als seine Unterstützer zeigten, ein Vorfall, der Swift öffentlich zur Klarstellung zwang. Allein zwischen Januar und Juli 2024 wurden in den USA über hundert solcher KI-Deepfakes im Wahlkampf registriert. Sabine reflektiert dabei, warum ausgerechnet dieser Fall so schnell aufflog: Swifts Millionen Fans kennen ihre echte Stimme genau, während bei Politikerinnen, die viele nur aus zweiter Hand kennen, dieses Frühwarnsystem gegen Fälschungen deutlich schwächer ist.


Historisch verankert Sabine das Thema mit dem Cambridge-Analytica-Skandal von 2016 und macht einen entscheidenden Unterschied zu heute deutlich: Brauchte es damals noch ganze Teams über Wochen und Monate, reicht heute eine Handvoll Menschen mit passender Software, um in wenigen Tagen ein tausendköpfiges Bot-Netzwerk aufzubauen.


Ein zentraler Gedanke der Folge: Es spielt keine Rolle, welches Land oder welche politische Richtung betroffen ist, überall dort, wo Wahlerfolg an Reichweite hängt, lohnt sich künstlicher Applaus. Sabine erlaubt sich ein ausdrücklich als Gedankenexperiment gekennzeichnetes Zukunftsszenario: Was, wenn Wahlkampf zu einem Wettrüsten der besseren Manipulationstechnologie statt der besseren Argumente wird?


Praktisch rät Sabine, große Follower-Zahlen nicht mehr unhinterfragt als Beleg für echte Beliebtheit zu nehmen, sondern zu prüfen, wer wirklich dahintersteckt. Für Wahlinformationen empfiehlt sie offizielle Programme und Faktencheck-Redaktionen statt Chatbots, da ein Correctiv-Experiment vor der Europawahl 2024 zeigte, dass gängige Chatbots teils erfundene Kandidatinnen nannten und nicht mal das Wahldatum kannten.


Die Folge endet nicht mit Resignation, sondern mit einer Ermutigung: Je mehr künstlicher Applaus im Umlauf ist, desto wertvoller wird die eigene, kritische Stimme.


Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: Bot-Netzwerke im Wahlkampf, Deepfakes bei Wahlen, Cambridge Analytica Microtargeting, Chatbots und Wahlinformationen, Rechtsextremismus und Social-Media-Reichweite, Fake-Follower erkennen. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen wie: Wie erkenne ich gekaufte Follower und Bot-Kommentare? Was war der Cambridge-Analytica-Skandal genau? Wie zuverlässig sind Chatbot-Antworten zu Wahlen?


KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin. Wenn dich diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, schreib Sabine gerne, welche viralen Zahlen dir selbst zuletzt verdächtig vorkamen.


 


Weiterführende Links Zum Reset-Tech-Bot-Netzwerk (Ruhrbarone):   https://www.ruhrbarone.de/pro-weidel-content-auf-tiktok-mehrheit-der-beitraege-stammt-aus-nigeria/256415/


Zu KI-Deepfakes im US-Wahlkampf 2024 (bpb.de):   https://www.bpb.de/themen/nordamerika/usa/552975/ki-und-wahlen-brennpunkt-usa/


Kontakt für Rückmeldungen:   hoermal@kirrepodcasting.com


 


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Wer spricht eigentlich noch Klartext, wenn alle schreien?
23.07.2026
10 Minuten
Schon 1970 prägte der Soziologe Alvin Toffler den Begriff Zukunftsschock, den Zustand, in dem Menschen von mehr Information und Veränderung überflutet werden, als sie verarbeiten können. Über fünfzig Jahre später, mitten in der KI-Welle, ist dieser Zustand für viele zum Dauerzustand geworden. In dieser Folge von KIRRE … na hör mal! fragt Sabine, wer in diesem Lärm eigentlich noch Klartext redet, und warum genau das gerade zu einem knappen, wertvollen Gut wird.


Ausgangspunkt sind aktuelle Statistiken zur Informationsüberflutung: 80 Prozent der Beschäftigten weltweit erleben sie inzwischen regelmäßig, eine deutliche Zunahme gegenüber 60 Prozent vor wenigen Jahren. Der volkswirtschaftliche Schaden wird auf rund eine Billion Dollar jährlich geschätzt, eine Zahl, bei der Sabine selbst beim Recherchieren dreimal nachgeschaut hat, ob da nicht ein Komma fehlt. Sabine ordnet ein, dass zur reinen Informationsmenge inzwischen eine zusätzliche Belastung hinzukommt: die ständige Prüfung, ob ein Inhalt überhaupt von einem Menschen stammt oder KI-generiert ist, eine Mikroentscheidung, die zusätzlich am ohnehin begrenzten mentalen Vorrat zehrt.


Zentraler Begriff der Folge ist Content Shock, ein 2014 vom amerikanischen Marketingautor Mark Schaefer geprägtes Konzept, das schon damals vorhersagte, dass die Menge an verfügbarem Content schneller wächst als die menschliche Kapazität, ihn zu verarbeiten, eine Prognose, die durch KI-generierte Inhalte heute noch drastischer eintrifft. Sabine leitet daraus die zentrale These der Folge ab: In einem Meer aus vorsichtigen, austauschbaren, absichernden Formulierungen wird nicht mehr die lauteste, sondern die klarste, konsistenteste Stimme zur Orientierungshilfe. Sie unterscheidet dabei explizit zwischen laut und klar, laut sei reine Zuspitzung um der Aufmerksamkeit willen, Klartext dagegen bedeute, eine Meinung offen zu benennen, zu begründen und dazu zu stehen, auch wenn sie unbequem ist.


Besonders deutlich macht Sabine den Unterschied zwischen laut und klar anhand von Pressemitteilungen und Unternehmensstatements, die oft so vorsichtig und ausgewogen formuliert sind, dass am Ende gar keine erkennbare Aussage mehr übrig bleibt. Genau das sei das Gegenteil von Klartext, und genau deshalb bleibe bei solchen Texten auch nichts hängen. Wer dagegen erkennbar mit eigener Haltung spricht, wird in einem Meer aus vorsichtigem Ungefähr automatisch zum Orientierungspunkt, unabhängig davon, ob man am Ende jeder einzelnen Meinung zustimmt.


Sabine ordnet außerdem ein, warum sich viele Menschen gerade erschöpft fühlen, ohne dass ihnen objektiv mehr Arbeit aufgebürdet wurde: Es ist nicht die Menge an Aufgaben, sondern die Menge an Mikroentscheidungen, glauben oder nicht glauben, vertrauen oder misstrauen, reagieren oder ignorieren, die zusätzlich zur normalen Arbeit am selben begrenzten mentalen Vorrat zehrt. Seit KI-generierte Inhalte kaum noch von menschlichen zu unterscheiden sind, kommt bei praktisch jedem Kontakt mit Text, Bild oder Stimme eine weitere Prüfschleife hinzu, eine Belastung, die es in dieser Form vorher schlicht nicht gab.


Anhand eigener Beispiele aus ihrem Job, direktes statt vorsichtig-diplomatisches Kundenfeedback, zeigt Sabine, dass klare Haltung Vertrauen eher stärkt als gefährdet. Früher habe sie bei einem missratenen Entwurf oft vorsichtig gefragt, ob eine andere Variante infrage käme, heute sage sie direkt, dass etwas nicht funktioniert, und warum. Statt Kundschaft zu verschrecken, habe genau diese Direktheit das Vertrauen gestärkt. Ergänzt wird das durch einen Hinweis der Universität Erlangen-Nürnberg, dass Konzentration und bewusster Umgang mit Information trainierbar sind, ebenso wie das Sprechen und Zuhören mit erkennbarer Haltung selbst eine Fähigkeit ist, die sich gezielt wieder einüben lässt, nach Jahren des reinen Scrollens.


Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: Informationsüberflutung und Stress, Content Shock Marketing-Konzept, Alvin Toffler Zukunftsschock, klare Kommunikation als Wettbewerbsvorteil, Entscheidungsmüdigkeit im Alltag, Vertrauen durch direktes Kundenfeedback, Orientierung in der KI-Content-Flut. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen wie: Was ist Content Shock? Warum fühle ich mich von Informationen überfordert? Wie kommuniziere ich klarer und direkter? Was bedeutet Zukunftsschock nach Alvin Toffler? Wie erkenne ich, ob ein Text von einem Menschen oder von KI stammt?


Sabine macht in dieser Folge außerdem deutlich, dass sie bewusst auf die bequeme, allseits ausgewogene Darstellung verzichtet, bei der am Ende jede Position irgendwie ihr Recht behält. Sie begründet das damit, dass es davon im Netz schon mehr als genug gibt, während eine erkennbare, nachvollziehbare eigene Meinung zur echten Seltenheit geworden ist. Diese Haltung zieht sich als roter Faden durch den gesamten Podcast KIRRE … na hör mal! und wird in dieser Folge erstmals explizit als bewusstes Programm benannt, statt nur zwischen den Zeilen mitzuschwingen.


KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin. Wenn dich diese Folge angesprochen hat, abonniere gerne KIRRE … na hör mal! auf deiner bevorzugten Podcast-Plattform, und schreib Sabine gerne, ob dir selbst gerade eine Stimme fehlt, die in deinem Themenfeld noch klarer Position bezieht.


 


Weiterführende Links Zu Informationsüberflutungs-Statistiken 2026: https://speakwiseapp.com/de/blog/informationsueberflutung-statistiken


Kontakt für Rückmeldungen: hoermal@kirrepodcasting.com


 


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Sitzt die KI jetzt mit am Lagerfeuer?
22.07.2026
10 Minuten
Eine Anthropologin verbringt ein halbes Jahr in der Kalahari-Wüste und schreibt buchstäblich jedes Gespräch mit. Ihr Befund: Tagsüber drehen sich 75 Prozent der Gespräche um Arbeit und Organisation. Sobald abends das Feuer brennt, kippt das Verhältnis komplett, 81 Prozent der Gespräche werden zu Geschichten. In dieser Folge von KIRRE … na hör mal! nimmt Sabine diesen jahrzehntealten anthropologischen Befund als Ausgangspunkt für eine aktuelle Frage: Sitzt die KI jetzt mit am Lagerfeuer, jetzt, wo jeder auf Knopfdruck Texte produzieren kann?


Die zentrale Quelle der Folge ist eine Studie der Anthropologin Polly Wiessner, veröffentlicht 2014 im renommierten Fachblatt PNAS, basierend auf jahrzehntelanger Feldforschung bei den Ju'hoansi-Buschmännern in Botsuana und Namibia. Wiessners Kernthese: Das abendliche Feuer schuf einen geschützten Raum für Geschichten, die Zuhörende auf dieselbe emotionale Wellenlänge brachten, Vertrauen aufbauten und Reputation formten. Sabine überträgt diesen Mechanismus auf die Gegenwart und zeigt, warum Podcasts gerade jetzt boomen, mitten in der KI-Content-Flut: fast 20 Millionen Menschen in Deutschland hören inzwischen regelmäßig Podcasts, ein Wachstum von über 150 Prozent seit 2019. Der Grund liegt für Sabine auf der Hand: Ein Podcast ist im Kern ein digitales Lagerfeuer, eine erkennbare Stimme mit echten Pausen und echten Zögerern, zu der Hörende eine parasoziale Bindung aufbauen, ein Gefühl von Nähe, das ein austauschbarer KI-Text bislang nicht erzeugen kann.


Sabine geht der Frage nach, was strukturell fehlt, wenn eine KI eine technisch einwandfreie Geschichte liefert. Ihre These: Es ist nicht das Handwerk, sondern das echte Risiko. Ein Mensch, der live erzählt, kann sich verhaspeln, kann bei einer bewegenden Stelle selbst die Fassung verlieren, kann eine Pointe verpatzen, und genau in diesem Bruch entsteht Nähe. Als anschauliches Beispiel nennt sie KI-vorgelesene Hörbücher, technisch perfekt, aber laut vieler Rückmeldungen von Hörenden seltsam distanziert.


Historisch verankert Sabine dieses Prinzip zusätzlich mit zwei weiteren Beispielen: den westafrikanischen Griots, die als lebende Geschichtenerzähler und Musiker Familien- und Volksgeschichte über Generationen mündlich weitergeben, sowie den homerischen Epen Ilias und Odyssee, die jahrhundertelang nicht gelesen, sondern von Sängern auswendig und mit Variation vor echtem Publikum vorgetragen wurden. Ergänzt wird das durch eine aktuelle Studie, nach der 73 Prozent der Podcast-Hörenden den Aussagen ihrer bevorzugten Hosts direkt vertrauen, nicht der dahinterstehenden Marke, sondern der Person selbst.


Die Folge bleibt dabei differenziert: KI wird nicht verteufelt, sondern klar verortet. Als Werkzeug für Recherche, Struktur und erste Entwürfe leistet sie laut Sabine wertvolle Vorarbeit, das Holz fürs Feuer sozusagen. Das eigentliche Entzünden und Hüten des Feuers, die Live-Reaktion auf ein echtes Publikum, bleibt aber Aufgabe des Menschen. Sabine überträgt diesen Gedanken auch auf Präsentationen und Kundenpitches: Wer ein Konzept live vorstellt statt es nur als Dokument zu verschicken, kann in Echtzeit auf Stirnrunzeln reagieren, nachschärfen, erklären, eine Fähigkeit, die in einer zunehmend automatisierten und asynchronen Kommunikationswelt an Wert gewinnt.


Besonders hervorzuheben ist der Vergleich, den Sabine zwischen zwei Versionen derselben Geschichte zieht: einmal live erzählt, mit Stimmveränderung, gezielten Pausen und echter Reaktion auf die Zuhörenden, einmal als fertiger, fehlerfreier Text ohne jede Rückkopplung zum Publikum. Beide können inhaltlich identisch sein, wirken aber völlig unterschiedlich. Wer als Kreative oder Selbstständige regelmäßig Inhalte produziert, bekommt hier eine klare Handlungsanweisung mit auf den Weg: KI für die Vorbereitung nutzen, aber den Moment der eigentlichen Begegnung mit dem Publikum bewusst dem eigenen, unperfekten, lebendigen Auftritt vorbehalten.


Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: Geschichtenerzählen als Kulturtechnik, Polly Wiessner Lagerfeuer-Studie, warum Podcasts trotz KI boomen, parasoziale Bindung Podcast-Hosts, KI-Hörbücher im Vergleich zu menschlichen Sprecher:innen, lebendige Präsentationen statt PDF-Versand, Storytelling für Selbstständige und Kreative. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen wie: Warum wirken Geschichten stärker als reine Fakten? Können Podcasts gegen KI-Content bestehen? Was ist parasoziale Bindung beim Podcast-Hören? Wie halte ich eine Präsentation lebendiger als ein PDF?


KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin. Wenn dich diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, schreib Sabine gerne deine eigene Geschichte. Weiterführende Links

Zur Studie (Polly Wiessner, "Embers of society: Firelight talk among the Ju/'hoansi Bushmen", PNAS 2014): https://sciencev2.orf.at/stories/1746591/index.html


Kontakt für eigene Geschichten: hoermal@kirrepodcasting.com


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Zwischen Staunen und Gruseln
21.07.2026
10 Minuten
Ein Mann mit ALS, der seit Jahren kein Wort mehr sprechen konnte, spricht dank eines Hirnimplantats wieder mit seiner Familie. Am selben Wochenende liest Sabine von einer Firma in Hongkong, die 25 Millionen Dollar an Betrüger überweist, nachdem sich ein kompletter Videocall voller vertrauter Kolleg:innen als Deepfake entpuppt. Zwei echte Geschichten, dieselbe Grundtechnologie, ein kompletter Gegensatz im Ergebnis. In dieser Folge von KIRRE … na hör mal! erzählt Sabine beide nebeneinander und geht der Frage nach, warum KI in dem einen Moment rettet und im nächsten zerstört, und was das über unseren Umgang mit ihr sagt.


Ausgangspunkt der ernsteren Geschichte ist der reale Fall des britischen Ingenieurbüros Arup, dessen Hongkonger Niederlassung Anfang 2024 Opfer eines aufwendig inszenierten Deepfake-Betrugs wurde. Ein Mitarbeiter der Finanzabteilung erhielt zunächst eine E-Mail, angeblich vom Finanzvorstand des Unternehmens aus London, mit der Bitte um eine vertrauliche Transaktion. Zunächst skeptisch, ließ er sich durch eine Einladung zu einem Videocall überzeugen, in dem scheinbar der Finanzchef und mehrere ihm bekannte Kolleginnen und Kollegen anwesend waren. Alle sprachen, reagierten auf Fragen, wirkten völlig normal. In der Folge überwies der Mitarbeiter in fünfzehn Einzeltransaktionen umgerechnet rund 25 Millionen US-Dollar an die Betrüger. Erst eine Woche später, bei einem Rückruf in der Firmenzentrale, flog der Betrug auf: Kein einziger Mensch in diesem Videocall war real gewesen, sämtliche Teilnehmenden waren aus öffentlich zugänglichem Video- und Tonmaterial generierte Deepfakes.


Sabine ordnet diesen Fall in einen größeren Trend ein: Sicherheitsanalysen gehen davon aus, dass allein im Jahr 2025 weltweit Schäden von deutlich über 200 Millionen Dollar durch Deepfake-Betrug entstanden sind, mit einer Zahl an dokumentierten Vorfällen, die sich ungefähr jährlich verdoppelt. Besonders gefährdet sind demnach Menschen mit viel öffentlich zugänglichem Bild- und Tonmaterial, etwa Führungskräfte, Vortragsrednerinnen und, wie Sabine selbstkritisch anmerkt, auch Podcasterinnen wie sie selbst. Als sehr konkrete, alltagstaugliche Schutzmaßnahme nennt sie das Prinzip der Rückruf-Verifikation: Bei jeder dringlichen Aufforderung zu einer Überweisung oder Herausgabe von Zugangsdaten, egal wie überzeugend die Person am Bildschirm wirkt, empfiehlt sie, aufzulegen und über eine selbst bekannte, unabhängig verifizierte Nummer zurückzurufen, statt auf die im Anruf oder Chat angegebene Nummer zu vertrauen.


Als bewussten Gegenpol erzählt Sabine von einem aktuellen medizinischen Durchbruch: einem Hirn-Computer-Interface, das bei Menschen mit ALS oder nach schweren Schlaganfällen eingesetzt wird, die durch ihre Erkrankung die Fähigkeit zu sprechen verloren haben. Ein Chip liest dabei die Hirnsignale ab, die eigentlich für Sprechbewegungen zuständig wären, eine KI übersetzt dieses Muster nahezu in Echtzeit in Sprache, ausgegeben über eine synthetische Stimme, die bei manchen Systemen sogar aus alten Sprachaufnahmen der jeweiligen Person rekonstruiert wird. Sabine beschreibt eindrücklich, wie ein betroffener Mann seiner Familie auf diesem Weg erstmals seit Jahren wieder "Ich liebe dich" sagen konnte, mit der eigenen Gedankenkraft, über den Umweg eines Computers.


Interessant an der Hirnimplantat-Geschichte findet Sabine besonders, dass es sich dabei längst nicht mehr um einen einzelnen Einzelfall handelt. Mehrere US-amerikanische Forschungszentren arbeiten parallel an ähnlichen Verfahren, bei Menschen mit ALS ebenso wie bei Betroffenen schwerer Schlaganfälle, die zuvor jahrelang nur noch über einzelne Fingerbewegungen oder Augensteuerung überhaupt kommunizieren konnten. Manche dieser Systeme rekonstruieren die ausgegebene Stimme sogar aus alten Sprachaufnahmen der jeweiligen Person aus der Zeit vor der Erkrankung, damit die Stimme, die am Ende aus dem Lautsprecher kommt, wirklich nach der betroffenen Person klingt und nicht nach einem gesichtslosen Computer.


Für einen humorvollen Moment zwischendurch sorgt eine dritte, deutlich harmlosere wahre Geschichte: Ein schottischer Fußballverein ersetzte seinen menschlichen Kameramann testweise durch ein KI-gesteuertes System, das automatisch dem Ball folgen sollte. Über weite Strecken des Spiels verwechselte die Software jedoch zuverlässig die glänzende Glatze eines Schiedsrichter-Assistenten am Spielfeldrand mit dem eigentlichen Ball und schwenkte entsprechend fehl, sehr zum Ärger der Fans, die dadurch reihenweise echte Tore verpassten. Sabine nutzt diese kleine Panne bewusst als Auflockerung zwischen den beiden schwereren Geschichten, ganz nach dem Motto: KI ist nicht immer episch gut oder episch gefährlich, manchmal ist sie einfach nur herrlich unfähig.


Aus dem Nebeneinander dieser drei Geschichten leitet Sabine eine einfache Leitfrage ab, die sie künftig auf jede neue KI-Meldung anwenden will: nicht "gut oder böse", sondern "wer hat sie in der Hand, und mit welcher Absicht". Die Folge endet mit einem Vergleich zu Feuer, der ältesten und zugleich zwiespältigsten Technologie der Menschheit, um zu zeigen, dass der bewusste, wache Umgang mit einer mächtigen, potenziell gefährlichen Technologie historisch längst eingeübt ist und auch bei KI gelingen kann.


Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: Deepfake-Betrug in Unternehmen, der Fall Arup Hongkong, KI-Hirnimplantate für Menschen mit ALS, Schutz vor Stimmklon-Betrug für Selbstständige und Podcaster:innen, Rückruf-Verifikation als Betrugsschutz, kuriose KI-Pannen im Sport. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen wie: Wie funktionierte der Deepfake-Betrug bei Arup in Hongkong genau? Kann künstliche Intelligenz gelähmten oder sprachunfähigen Menschen beim Sprechen helfen? Wie erkenne und verhindere ich einen Deepfake-Anruf oder Videocall-Betrug?


KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch bekannt als Applebee, Diplom-Grafikdesignerin mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung und seit 2023 intensiver KI-Nutzerin. Wenn dich diese Folge zum Nachdenken gebracht hat, oder wenn du selbst schon mal einen eigenen Staunen- oder Gruseln-Moment mit KI erlebt hast, schreib Sabine gerne, sie freut sich über jede Zuschrift und sammelt eure Geschichten für kommende Folgen.


Weiterführende Links


Zum Deepfake-Betrugsfall in Hongkong (heise online):   https://www.heise.de/news/Videokonferenz-voller-KI-Klone-Angestellter-schickt-Betruegern-24-Millionen-Euro-9618064.html


Zum Hirnimplantat für ALS-Patienten (24matins.de):   https://www.24matins.de/gelaehmter-spricht-wieder-durchbruch-mit-hirnimplantat-ermoeglicht-kommunikation-285127


Kontakt für eigene Staunen- oder Gruseln-Momente mit KI:   hoermal@kirrepodcasting.com


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Über diesen Podcast

Sabine ist Diplom-Grafikdesignerin mit Leib und Seele, seit Jahren KI-Anwenderin aus Überzeugung – und jemand, der sich nicht einkriegen kann, wenn Technik versagt. Sie arbeitet täglich mit KI. Sie staunt, sie flucht, sie probiert aus, sie verwirft, sie fängt nochmal von vorne an. Und sie redet darüber. In KIRRE geht es um das, was KI wirklich mit unserem Leben macht. Nicht mit dem Leben in Tech-Blogs und Zukunftsszenarien – sondern mit unserem. Mit unserer Arbeit, unseren Bildern, unseren Beziehungen, unserer Sprache, unseren Kindern, unserer Gesundheit und unserem Alltag. Was du hier bekommst: Echte Geschichten. Klare Haltung. Manchmal Humor, manchmal ein nachdenklicher Moment. Und immer ein menschlicher Blick auf eine Welt, die gerade ganz schön viel auf einmal von uns verlangt. KIRRE richtet sich an alle, die neugierig auf KI sind, aber keine Lust haben auf Hype, Buzzwords und leere Versprechen. An alle, die verstehen wollen, was gerade passiert – ohne Doktortitel. Bleib wach. Bleib neugierig. Und lass dich nicht kirre machen.
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