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OE3000 - Ein Podcast über die Organisationen von heute und morgen
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Beschreibung
vor 1 Woche
Jira wird eingeführt. Scrum wird geschult. SAP wird ausgerollt.
Das meistgenutzte Werkzeug der Arbeitswelt wird nichts davon. Es
ist einfach da, und die Menschen nehmen es sich.
Microsoft Excel erscheint 1985, zuerst auf dem Macintosh. Die
Gattung ist älter: 1979 bringt VisiCalc die Tabellenkalkulation
auf den Personal Computer, Anfang der Neunziger überholt Excel
den Marktführer Lotus 1-2-3. Die Schätzungen zur Nutzerschaft
beginnen bei 750 Millionen Menschen. Microsoft Research
behauptet, Excel-Formeln würden von einer Größenordnung mehr
Menschen geschrieben als alle C-, Java- und Python-Programmierer
zusammen. Seit LAMBDA im Jahr 2021 ist die Formelsprache formal
Turing-vollständig. Selbst unter agilen Teams greifen 25 Prozent
zusätzlich zu Excel, mehr als zu Trello.
Der Grund ist das leere Blatt. Kein Prozess, kein Datenmodell,
keine Rollen. Teams bauen sich darin Frameworks, die kein
offizielles System liefert, und diese Blätter werden tragend. Die
Folge nennt das die heimliche Schnittstelle: Weil jede Einheit
anders erfasst, wird von Hand übersetzt, ein Tag im Monat im
Projektbüro.
Der Preis ist dokumentiert. JPMorgan verlor 2012 rund 6,2
Milliarden Dollar, im Risikomodell wurde durch die Summe statt
den Mittelwert geteilt. Im Oktober 2020 fielen in England 15.841
Corona-Fälle aus der Meldung, weil ein altes Dateiformat bei
65.536 Zeilen endet. Und die Genetik benannte siebenundzwanzig
menschliche Gene um, weil Excel ihre Symbole in Datumsangaben
verwandelte. Nicht die Software wurde angepasst, sondern die
Wissenschaft.
Stewart Brands Pace Layering erklärt, warum sich das nicht
abschaffen lässt. Offizielle Systeme sind die langsame Schicht,
sie stabilisieren. Excel ist die schnelle Schicht, hier entsteht
heute Nachmittag, was morgen gebraucht wird. Der Kontrast zur
SAP-Folge: Dort passt sich die Organisation der Software an, hier
passt sich die Software jedem Menschen an. Nur gehört der Kosmos,
in dem sie das tut, einem einzigen Konzern.
Quellen:
- Geschichte der Tabellenkalkulation, VisiCalc 1979 und Lotus
1-2-3: dssresources.com/history/sshistory.html
- Microsoft Research, „LAMBDA: Making Excel Turing-complete",
2021 (Programmiersprachen-Claim des Herstellers):
microsoft.com/en-us/research/blog
- digital.ai, 17. State of Agile Report, 2024, Seite 20 (25
Prozent der Agile-Teams nutzen Excel)
- Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, „Growth in a Time of Debt",
2010, Tabellenfehler öffentlich 2013: theconversation.com
- JPMorgan „London Whale", 2012, rund 6,2 Milliarden US-Dollar
Verlust, Spreadsheet im Risikomodell: fullstackmodeller.com
- Public Health England, Oktober 2020, 15.841 nicht gemeldete
Fälle durch die 65.536-Zeilen-Grenze des XLS-Formats:
theconversation.com
- HUGO Gene Nomenclature Committee, August 2020, Umbenennung von
27 Gensymbolen: theregister.com (06.08.2020)
- Stewart Brand, Pace Layering, in „The Clock of the Long Now",
1999 (Übertragung auf Organisationen als eigene Anwendung)
Schreib mir: mail@robin-taylor.de
Mehr Infos: www.robin-taylor.de
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