Social Media als Wirtschaftsfaktor: Strategie statt Likes - Interview mit Hans Neubert

Social Media als Wirtschaftsfaktor: Strategie statt Likes - Interview mit Hans Neubert

vor 1 Woche
Interview mit Hans Neubert
53 Minuten
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Beschreibung

vor 1 Woche
Viele Unternehmen behandeln Social Media noch immer wie ein
Schwarzes Brett für Ankündigungen und haben Social Media als
Wirtschaftsfaktor nicht verstanden. Für Hans Neubert,
Vorstandsvorsitzender der Bundesgesellschaft für Digitale Medien,
und Consulting Director bei charles & charlotte, ist dieses
Denken wirtschaftlich gefährlich und zu kurzsichtig. Social Media
ist längst nicht nur ein Kommunikationskanal. Es ist zum Leitmedium
unserer Gesellschaft geworden, das Kauf- und
Lebensstilentscheidungen massiv beeinflusst. Große Konzerne wie
Procter & Gamble und L'Oreal haben das verstanden. Sie haben
ihre Budgets konsequent auf Social Media Plattformen verlagert und
ihre gesamten Marketing- und Verkaufsstrukturen daran angepasst.
Dass sie dort ihr Kerngeschäft und Marktanteile sehen, sollte ein
Weckruf für andere Unternehmen sein. Viele Firmen messen
Social-Media-Erfolg an Vanity Metrics wie Likes und Impressionen.
Dabei sollte jede Strategie mit konkreten Geschäftszielen verbunden
sein und über Likes hinausgehen. Im B2C können Marken schnell
Kunden durch direkte Strategien gewinnen. Bei den Verkaufszielen
könnte der ROI zum Beispiel durch Link-Klicks und Umsätze gemessen
werden. Bei B2B kommt es auf das Top-of-Mind-Prinzip an: die
richtige Person muss sich an die Firma erinnern, wenn der Bedarf
entsteht. Das braucht eine kontinuierliche, strategische Präsenz
und Geduld über Jahre. Unternehmen verschwenden Chancen, wenn sie
nicht strategisch, sondern nur gelegentlich posten. Konsistenz
schlägt Intensität. Ein regelmäßiger wöchentlicher Rhythmus über
lange Zeit funktioniert besser als intensive, unregelmäßige
Aktivitäten mit großem Budget. Kleinere Firmen können mit einer
authentischen, kontinuierlichen Präsenz gegen große Konzerne
konkurrieren, ohne deren Budgets zu haben. Social Media sollte
integraler Bestandteil der Markenstrategie sein. Beim Markenaufbau
kann eine fokussierte Social Media Strategie zum Beispiel 34
Prozent mehr Markensympathie erzeugen. Auch die Fachkräftegewinnung
geschieht heute über Social Media Plattformen und sollte nicht
ignoriert werden. Erfolgreiche Marken wachsen am besten mit einem
70-30-Split, wobei 70 Prozent in Brand Building und nur 30 Prozent
in Sales-Aktivierung fließen sollten. Unternehmen haben mit Social
Media eine einzigartige Chance, weltweite Kommunikation mit ihrer
Zielgruppe in Echtzeit zu betreiben und statt teurer Marktforschung
direktes Kundenfeedback in Produktverbesserungen umzuwandeln. Doch
zu lange Abstimmungsprozesse blockieren authentische
Social-Media-Inhalte. Dazu kommt Silo-Denken in einem Bereich, das
multidisziplinäres Wissen braucht. Oft arbeiten PR, Social Media,
Events und Influencer-Marketing separat statt an einer
einheitlichen Strategie. Doch auf Social Media gilt: wer schneller
und integrierter denkt, gewinnt. Hans empfiehlt, operative Aufgaben
wie Videobearbeitung und Captions durch KI-Tools zu automatisieren,
während kreative Konzepte und strategische Überlegungen menschliche
Aufmerksamkeit erfordern. Die alte Werbelogik ist tot.
Top-Down-Botschaften, die in die Köpfe der Zielgruppe gepresst
werden, funktionieren nicht mehr. Menschen nutzen Social Media
heute primär für Unterhaltung. Unternehmen müssen Bottom-Up denken:
Was interessiert und unterhält meine Audience wirklich und was
biete ich ihnen? Was sind ihre Lebensrealitäten und ihre wirklichen
Interessen? Auch die Plattformauswahl ist strategisch entscheidend.
Wobei gilt: die Zielgruppe bestimmt die Plattform. Automatisch alle
großen Kanäle zu bespielen ist Ressourcenverschwendung, die Wahl
hängt von Zielgruppe und Ziel ab. Hans' Bestseller "Der Social
Media Faktor" gibt konkrete Handlungsempfehlungen und positioniert
Social Media nicht als reines Kommunikationsinstrument, sondern als
wirtschaftlichen Erfolgsfaktor: Social Media ist eine
Geschäftsnotwendigkeit!
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