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Beschreibung
vor 1 Woche
In dieser Folge der Narzissmus-Reihe geht es um die Frage:
Wie lässt sich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung
behandeln – und warum ist genau das oft so schwierig?
Denn Therapie bedeutet immer auch, Hilfe anzunehmen, Schwäche
einzugestehen und sich mit eigenen verletzlichen Anteilen zu
beschäftigen. Für Menschen mit narzisstischer Problematik kann
genau das wie ein Angriff auf das ohnehin fragile Selbst wirken.
Zunächst ergänzen wir einen wichtigen Punkt zur Entstehung:
Vernachlässigung und Missbrauch können ebenfalls
narzisstische Reaktionsweisen begünstigen. Wenn das Selbst früh
massiv verletzt oder emotional angegriffen wurde, kann eine
narzisstische Position wie ein Schutzschild entstehen:
unantastbar werden, unverletzlich wirken, Kritik abwehren, bevor
sie erneut zerstörerisch erlebt wird. Hinter der Oberfläche aus
Grandiosität, Abwertung oder scheinbarer Stärke können also auch
reale Erfahrungen von Schmerz, Ohnmacht und Beschämung liegen.
Gerade deshalb ist der therapeutische Zugang so anspruchsvoll.
Der Begriff „Narzissmus“ ist gesellschaftlich stark negativ
aufgeladen – oft fast ein Schimpfwort. Psychoedukation ist daher
ein zentraler erster Schritt: Betroffene müssen verstehen können,
dass es nicht um Abwertung geht, sondern um das Erkennen einer
ernsthaften Erkrankung, die das Selbstwertgefühl, die Identität
und Beziehungen stark beeinträchtigen kann.
Vorgestellt werden drei therapeutische Ansätze, die in der
Behandlung von Persönlichkeitsstörungen eine Rolle spielen:
DBT (dialektisch-behaviorale Therapie),
MBT (mentalisierungsbasierte Therapie) und
besonders die übertragungsfokussierte
Psychotherapie nach Otto Kernberg. Letztere steht in
dieser Folge im Mittelpunkt, weil sie genau dort ansetzt, wo
narzisstische Dynamiken sichtbar werden: in der Beziehung, im
Kontakt, im unmittelbaren therapeutischen Geschehen.
Drei Schritte sind dabei besonders wichtig:
Klarifikation: Wenn Widersprüche, Unklarheiten
oder Ausweichbewegungen entstehen, wird gemeinsam sortiert. Was
wurde gesagt? Was ist gemeint? Was passiert gerade im Kontakt?
Klarheit ist der erste Schritt, weil Unklarheit oft auch Schutz
vor schmerzhafter Realität ist.
Wohlwollende Konfrontation: Konfrontation
bedeutet hier nicht Angriff oder Bloßstellung, sondern eine Form
von Wertschätzung. Nicht zu schweigen, nur damit es angenehm
bleibt, sondern ehrlich zu benennen, was sichtbar wird – ohne
Abwertung, ohne Beschämung, aber auch ohne Ausweichen.
Deutung: Im dritten Schritt werden aktuelle
Muster mit früheren Erfahrungen verbunden: Was zeigt sich hier in
der Therapie? Wo taucht das auch außerhalb auf? Welche Rolle
spielen Kindheit, Verletzungen, Scham, Kritikempfindlichkeit und
das Bedürfnis nach Pseudostabilität?
Die Folge macht deutlich: Narzissmus-Therapie ist möglich, aber
sie braucht Spezialisierung, Geduld und ein gutes Verständnis der
zugrunde liegenden Dynamiken. Allgemeine therapeutische Verfahren
greifen häufig zu kurz, weil sie leicht abgewertet, sabotiert
oder wirkungslos gemacht werden können, wenn die narzisstische
Schutzstruktur nicht mitbehandelt wird.
Wichtig bleibt: Ziel ist nicht Stigmatisierung, sondern Zugang.
Nicht Beschämung, sondern Verstehen. Nicht „Du bist falsch“,
sondern: Was schützt dich – und was verhindert
gleichzeitig Entwicklung?
Wenn ihr selbst betroffen seid, Betroffene kennt oder Erfahrungen
aus therapeutischen Kontexten habt, schreibt uns gern eure Fragen
und Rückmeldungen. Denn: Vor jedem „Erzähl mal“ steht ein
„Ich hör mal“.
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