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Beschreibung
vor 1 Tag
Gaudenz Looser stand 21 Jahre lang bei
20 Minuten im Dienst, zuletzt als Kopf
des meistgelesenen Mediums der Schweiz – und als Initiant des
ersten KI-Ressorts eines hiesigen Verlags. Seit Kurzem ist er
selbstständig und behandelt das Thema Künstliche Intelligenz in
seiner Arbeit bewusst.
Im Podcast «AI und Gesellschaft»der Text Akademie mit Christoph
Soltmannowski erklärt er, warum die Medien die Technologie viel
zu wenig erklären, weshalb echter Journalismus in der KI-Suche an
Wert gewinnt und was ihn an der ganzen Entwicklung wirklich
beunruhigt.
Die Verlagshäuser bemühten sich zwar intensiv, KI in den Alltag
zu integrieren. Den eigentlichen Auftrag der Medien aber – der
Gesellschaft zu erklären, welche Chancen und Risiken mit der
Technologie einhergehen – vernachlässigten sie sträflich. «Jedes
Individuum ist ein bisschen alleingelassen mit der Technologie»,
sagt Looser. Dahinter ortet er zwei aufeinanderfolgende Ängste:
erst die FOMO – «Ich habe keine Ahnung, worum es geht, aber wir
müssen das auch machen» –, dann die Angst, sich «nicht erwischen
zu lassen dabei, dass man noch keine Ahnung hat».
Dass KI ausgerechnet das Schreiben von Texten revolutioniert,
hält Looser für die am wenigsten interessante Perspektive. «AI
Slop» bleibe erkennbar: «Immer wenn man denkt, jetzt merkt es
keiner mehr, dann dauert es zwei Wochen und die Mängel werden
offensichtlich.» Die wahre Stärke liege anderswo: «Die
Verarbeitung grosser Mengen unstrukturierter Informationen war
noch nie so einfach wie jetzt» – ein Werkzeug, das dem
Journalismus ganz neue Recherchemöglichkeiten eröffne.
Am Wesen des Berufs ändere das jedoch nichts. Seine Formel ist
schlicht: Alles, was Fleissarbeit ist, sollte man der Maschine
überlassen – «und die gewonnene Zeit sollte man dort investieren,
wo man unersetzlich ist: in Beziehung treten zum Publikum, Mensch
sein, authentisch sein.»
Vom Effizienzversprechen hält er entsprechend wenig. «Man kann
Content nicht durch KI ersetzen, weil Content ohne Intention kein
Content ist, sondern ein Content-Imitat.» An eine
vollautomatisierte KI-Zeitung glaubt er deshalb nicht. Eine
Geschichte, hinter der kein Mensch mehr stehe, bleibe seelenlos:
«Man spürt das einfach, der Subtext fehlt.»
Was fehle, sei die Übersetzungsarbeit zwischen der «Nerd Sphere»
und dem breiten Publikum. «Es gibt keinen normalen Stand in der
KI-Anwendung», sagt Looser. Hilfreich wäre eine Instanz, die
sage: «Heute müsstest du das, das und das können.» Doch so
schnell sei die Gesellschaft nicht – jedes Curriculum sei nach
zwei Wochen überholt. «Wir müssen das einfach aushalten, bis es
aufhört, so schnell weiterzugehen.»
Was Looser wirklich umtreibt, sind nicht Buzz-Themen wie
Deepfakes. Gefälschte Inhalte würden auf Dauer erkannt. «Was mich
aber stört, ist, dass wir diesen Buzz-Themen hinterherrennen»,
während das eigentlich Bedeutsame geschehe: «die komplette
Auflösung der Privatsphäre».
In Kombination mit der Abhängigkeit von ausländischen
Technologien ergebe sich «eine Machtverschiebung, wie wir sie als
Menschheit noch gar nie erlebt haben». Looser führt das bis zur
direkten Demokratie: «Wenn sich alles berechnen lässt, dann lässt
sich auch alles manipulieren.»
Je mehr man sich mit KI bewege, desto wertiger werde die
persönliche Begegnung. «Das Analoge wird plötzlich wieder zum
USP», sagt Looser. Fasziniert ist er von der Technologie
gleichwohl: Er beobachte, wie KI sein Leben beschleunige und
Abkürzungen schaffe. Kleine «Nerd-Probleme» verschwänden einfach
– Bedienungsanleitungen brauche er endgültig nicht mehr.
So endet die Tour d'Horizon mit einer Botschaft, die man vom
angeblich gefährlichsten Journalisten der Schweiz nicht unbedingt
erwartet hätte. Keine Angst, aber Vorsicht und Skepsis. «Ich
glaube an die Kraft der Gesellschaft, das in guter Art und Weise
zu überstehen.»
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