#47 | «Ersetzt wird niemand – nur neu eingesetzt» | Sergej Ruppel, CEO und Founder QPS Engineering AG

#47 | «Ersetzt wird niemand – nur neu eingesetzt» | Sergej Ruppel, CEO und Founder QPS Engineering AG

vor 1 Woche
23 Minuten
0
0 0 0

Beschreibung

vor 1 Woche

In einer Branche, in der ein Fehler Menschenleben kosten kann,
klingt der Einsatz von künstlicher Intelligenz nach einem Wagnis.
Sergej Ruppel, CEO der QPS Engineering AG, sieht es umgekehrt –
richtig eingesetzt mache KI die Pharmaproduktion sicherer. Im
Podcast mit Christoph Soltmannowski erzählt der Ingenieur von
robotergestützter Inspektion, einem Kulturschock in China und der
Frage, wo der Mensch das letzte Wort behalten muss.Wer
Arzneimittel herstellt, bewegt sich in einer der am strengsten
regulierten Welten überhaupt. Unter GMP – Good Manufacturing
Practice – versteht man jenen Teil der Qualitätssicherung, der
bei Produktion und Prüfung von Arzneimitteln gleichbleibende
Standards garantiert. In diesem Umfeld treibt Sergej Ruppel die
digitale Transformation voran: Mit seinem Team bei der QPS
Engineering AG begleitet er Unternehmen aus Pharma, Biotech und
Lebensmitteltechnologie – von robotergestützter Visual Inspection
bis zu KI-basierten Lösungen. «Wir kamen auf die Idee, aus
verschiedenen Komponenten etwas Eigenes zu schaffen, um die
Prozesse zu optimieren und sicherer zu machen», erzählt er.Daten
statt BauchgefühlKI einfach in einen validierten
Produktionsprozess einbauen – das funktioniert in der
Life-Science-Branche nicht. Halluzinationen, wie man sie von
generativen Modellen kennt, kann sich hier niemand leisten.
Ruppel setzt deshalb auf lokale, geschlossene Systeme. «Die
Patientensicherheit ist das oberste Gebot», sagt er. Bei der
robotergestützten Visual Inspection erzeugen Kamerasysteme Bilder
von Spritzen und Pharmacontainern; erst nach Validierung lässt
sich ein KI-Modell mit definiertem Confidence Score anlernen. Den
Vorteil gegenüber dem Menschen begründet Ruppel nüchtern: In
Reinraumzonen ist der Mensch selbst die häufigste Quelle für
Partikel und Kontamination. «Gerade dort sind Robotik und
Kamerasysteme viel sinnvoller und effizienter.»Kulturschock in
ChinaIn Europa geht es Ruppel zu langsam: Man müsse mehr Daten
generieren, statt nur nach KI zu rufen. Seine China-Reise hat ihn
in dieser Haltung bestärkt. «Ich habe einen Kulturschock
bekommen», sagt er. Robotik und KI seien dort gesellschaftlich
integriert, die Angst, die Europa kenne, sei verschwunden.
Regierung und Gesellschaft zögen an einem Strang. In Europa
dagegen kreise die Debatte vor allem um Regularien. Beides sei
wichtig – aber die Balance stimme nicht: «Wir dürfen uns nicht so
einschränken, dass wir uns nicht mehr entwickeln können.»Ersetzt
oder neu eingesetzt?Sind Robotik und KI schlechte Nachrichten für
die Belegschaft? Ruppel widerspricht. Gewiss werde der Mensch
stellenweise ersetzt – «aber er kann anderweitig eingesetzt
werden». Jüngeren Menschen rät er, die Technologie zu verstehen
statt zu fürchten; ein Handwerk zu erlernen sei ohnehin keine
schlechte Idee, weil es sich schwerer ersetzen lasse als ein
reiner Computerjob.Wo der Mensch entscheiden mussBei aller
Begeisterung zieht Ruppel eine klare Linie. Wird es
sicherheitskritisch, brauche es jemanden, der am Ende wirklich
entscheidet. «Gerade dort müssen Menschen im Lead sein.» Die
Haftung ändert sich nicht: Verantwortlich bleibt stets der
Hersteller, jedes System muss vor der Inbetriebnahme validiert
werden. Privat betreibt Ruppel Agentic Engineering und legt Wert
auf digitale Souveränität – sensible Daten laufen lokal. In den
kommenden Wochen gibt QPS zwei Systeme frei: die KI-basierte
visuelle Inspektion und «Dr. Project AI», ein Werkzeug für das
Projektmanagement.
15
15
Close