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Beschreibung
vor 1 Tag
Mehr als die Hälfte der Inhalte im Internet stammt heute von
KI-Systemen. Der Nutzer merkt es kaum, denn selbst Werkzeuge, die
KI-generierte Texte erkennen sollen, versagen dabei verlässlich.
«Man kann einen menschlichen Text reingeben und dann sagen die:
13 Prozent KI», sagt Jonas Paul Klatt. Das Internet werde täglich
weiter mit Artikeln, Beiträgen, Videos und Bildern geflutet –
synthetisch, kaum von echten Inhalten zu unterscheiden.Klatt ist
24 Jahre alt, Gründer von On-Rap Consulting
https://onrepconsulting.de/ in Frankfurt und hat nach eigenen
Angaben bereits mit über 25'000 Unternehmern gesprochen. Sein
Spezialgebiet ist Online-Reputation – aber nicht mehr nur im
Sinne von Google-Bewertungen. Ihn beschäftigt eine fundamentalere
Verschiebung: Was passiert, wenn nicht mehr Menschen, sondern
KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder Gemini darüber entscheiden,
welches Unternehmen sie weiterempfehlen?Google, einst
verlässlicher Gatekeeper, hat diese Rolle längst eingebüsst. Die
KI-Übersichten des Suchriesen beinhalten nach Klatts Beobachtung
«super viele falsche Informationen» – und Google selbst weist
mittlerweile mit einem Hinweis darauf hin, dass KI-Antworten
Fehler enthalten können. Die anderen Systeme – ChatGPT,
Perplexity, Claude – seien im Wesentlichen gleichwertig: «Die KI
hat am Ende des Tages nur eine Aufgabe: den Nutzer so lange am
Ball zu behalten wie möglich. Und dafür ist sie auch bereit zu
lügen.»Für Unternehmen hat diese Entwicklung eine konkrete
Konsequenz: Wer in KI-Antworten nicht auftaucht, existiert
schlicht nicht mehr – weder für potenzielle Kunden noch,
zunehmend, für Bewerberinnen und Bewerber. Die Generation Z nutzt
ChatGPT, um Arbeitgeber in ihrer Region zu recherchieren. «Und
wenn man da nicht auftaucht, ist man einfach nicht mehr da», sagt
Klatt. Das Prinzip dahinter ist eines, das er als «Winner takes
all» beschreibt: Wo früher eine Suchanfrage 20, 30 oder 50
Ergebnisse lieferte, serviert die KI noch zwei oder drei – und
der Nutzer weiss nicht, dass es andere gibt, die vielleicht
genauso gut wären.Der naheliegende Reflex – die eigene Website
für KI zu optimieren – greift zu kurz. Der Begriff «Generative
Engine Optimization» (GEO) mache im Moment die Runde, beschreibe
aber vor allem den technisch-strukturellen Teil einer Website.
Das eigentliche Problem liege anderswo: Externe Erwähnungen, also
alles ausserhalb der eigenen Domain, seien fünf- bis sechsmal
wichtiger als die Website selbst. Gute, altmodische PR ist damit
zur strategischen Grundlage für KI-Sichtbarkeit geworden. «Man
muss sich als Firma eine Art Online-Reputationsinfrastruktur
aufbauen», so Klatt.Konkret bedeutet das: umfangreiches
Bewertungsmanagement auf autoritativen Plattformen wie YouTube
und LinkedIn, ausführliche schriftliche Erfahrungsberichte von
Kunden, Video-Fallstudien. Auf LinkedIn empfiehlt Klatt statt
hektischer Posts sogenannte LinkedIn Articles – bis zu 100'000
Zeichen, strukturiert wie ein SEO-Text mit klaren Überschriften,
FAQ-Sektionen und vollständigen Antworten auf realistische
Nutzerfragen. «YouTube ist eine der meistzitierten Quellen
überhaupt», sagt er. Bezahlte Werbung hingegen helfe gar nichts:
KI erkennt das.Bei negativen Inhalten im Netz –
Falschbewertungen, Hate-Kommentare, falsche Darstellungen –
empfiehlt Klatt, zuerst die Betreiber direkt zu kontaktieren und
im Zweifelsfall rechtliche Schritte einzuleiten. Wer als
Unternehmen jedoch durch einen grossen, negativen Presseartikel
kompromittiert worden ist, hat kaum Optionen: «Dann hat man
eigentlich auf alle Zeiten verloren.» Was bleibt, ist, die
negativen Signale durch eine konsequente Flut positiver Inhalte
zu überlagern.Messbar wird der eigene KI-Auftritt über
Prompt-Tracking – Klatts Firma hat dafür eine eigene Software
entwickelt – sowie schlicht über die Frage an Neukunden, woher
sie auf das Unternehmen aufmerksam wurden.
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