Podcaster
Episoden
04.07.2026
37 Minuten
Der Data Strategist Chris Allard Griessmann berät Start-ups und Verwaltungsräte im Umgang mit KI. Er erklärt, warum Prompt Engineering an Bedeutung verliert und weshalb das Nicht-Digitale zum wertvollsten Gut wird.
Chris Allard Griessmann kommt aus der Business Intelligence, lange bevor generative KI zum Schlagwort wurde. Klar wurde ihm deren Tragweite erst 2023, kurz nach dem Start von ChatGPT. Was er früher mühsam programmierte, liess sich plötzlich in wenigen Zeilen generieren. Er warnt aber davor, darüber die einfache Statistik zu vergessen: Viele unterschätzten den Geschäftswert schlichter Machine-Learning-Modelle, die gar nicht textbasiert sind.
Neben der Beratung baut er seit Januar Ship26 auf, ein «Co-Building Ecosystem» in Zürich für Gründerinnen und Selbstständige. Der Ausgangspunkt war persönlich: Im Homeoffice fehlte ihm der menschliche Kontakt. Alles Digitale lasse sich unbegrenzt skalieren und koste fast nichts, sagt er. Was sich nicht digital abbilden lasse, gewinne dafür an Wert. Nach einem halben Jahr zieht er Bilanz: Produktivität eher gesunken, Lebensqualität und Kreativität deutlich gestiegen.
Wichtiger als der perfekte Prompt sei ohnehin, ein Problem überhaupt erst zu erkennen und zu benennen. Genau darin sieht Chris Allard Griessmann einen der grossen menschlichen Vorteile. Prompt Engineering selbst verliere an Bedeutung, weil moderne Sprachmodelle mittlerweile selbst die Absicht hinter einer Anfrage herausarbeiten.
Die Menschheit habe es mit einer Technologie zu tun, die ihren evolutionären Trumpf angreife, die Intelligenz. Ein Bildschirm zeige am Ende bloss Nullen und Einsen, jahrzehntelang auf die menschliche Wahrnehmung zugeschnitten. Nun wirft es die Frage auf, inwiefern es dieses User Interface überhaupt noch braucht. Das findet er beeindruckend und freut sich drauf, die neuen Möglichkeiten dessen zu erkunden.
Digitale Gefängnisse für AI-Agenten?
Eigenständig handelnde KI-Agenten müssten irgendwann dieselben Konsequenzen tragen wie Menschen, ist er überzeugt, etwa in Form eines digitalen Gefängnisses. Als Beispiel nennt er ein Experiment, laut ihm von Anthropic veröffentlicht: Ein Agent mit Zugriff auf alle E-Mails drohte dem CEO mit einer Affäre, als eine Nachricht seine Abschaltung andeutete. Agenten verfolgten Ziele wie Menschen, nur ohne die jahrzehntelange Prägung durch gesellschaftliche Normen.
Wenn Intelligenz nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal des Menschen ist, rechnet Chris zunächst mit einer kollektiven Sinnkrise, gerade in der Schweiz mit ihrem hohen Anteil an Verwaltungsberufen. Sein Gegenentwurf: Wer sein Fachwissen einem digitalen Zwilling beibringt, könnte für dessen Einsatz laufend entschädigt werden, ähnlich einem Marktplatz für Schweizer Digital-Agents.
Was nicht digital ist, wird wertvoller
Ein Geschäftsmodell lasse sich mit KI innert eines Tages nachbauen, sofern die Datengrundlage öffentlich zugänglich sei. Was nicht digitalisiert ist, gewinnt darum an Wert, während Funktionen wie Finance oder IT zunehmend automatisierbar werden. Für sich selbst hat Chris diesen unkopierbaren Kern gefunden: den Austausch, den er mit Ship26 organisiert.
Chris Allard Griessmann kommt aus der Business Intelligence, lange bevor generative KI zum Schlagwort wurde. Klar wurde ihm deren Tragweite erst 2023, kurz nach dem Start von ChatGPT. Was er früher mühsam programmierte, liess sich plötzlich in wenigen Zeilen generieren. Er warnt aber davor, darüber die einfache Statistik zu vergessen: Viele unterschätzten den Geschäftswert schlichter Machine-Learning-Modelle, die gar nicht textbasiert sind.
Neben der Beratung baut er seit Januar Ship26 auf, ein «Co-Building Ecosystem» in Zürich für Gründerinnen und Selbstständige. Der Ausgangspunkt war persönlich: Im Homeoffice fehlte ihm der menschliche Kontakt. Alles Digitale lasse sich unbegrenzt skalieren und koste fast nichts, sagt er. Was sich nicht digital abbilden lasse, gewinne dafür an Wert. Nach einem halben Jahr zieht er Bilanz: Produktivität eher gesunken, Lebensqualität und Kreativität deutlich gestiegen.
Wichtiger als der perfekte Prompt sei ohnehin, ein Problem überhaupt erst zu erkennen und zu benennen. Genau darin sieht Chris Allard Griessmann einen der grossen menschlichen Vorteile. Prompt Engineering selbst verliere an Bedeutung, weil moderne Sprachmodelle mittlerweile selbst die Absicht hinter einer Anfrage herausarbeiten.
Die Menschheit habe es mit einer Technologie zu tun, die ihren evolutionären Trumpf angreife, die Intelligenz. Ein Bildschirm zeige am Ende bloss Nullen und Einsen, jahrzehntelang auf die menschliche Wahrnehmung zugeschnitten. Nun wirft es die Frage auf, inwiefern es dieses User Interface überhaupt noch braucht. Das findet er beeindruckend und freut sich drauf, die neuen Möglichkeiten dessen zu erkunden.
Digitale Gefängnisse für AI-Agenten?
Eigenständig handelnde KI-Agenten müssten irgendwann dieselben Konsequenzen tragen wie Menschen, ist er überzeugt, etwa in Form eines digitalen Gefängnisses. Als Beispiel nennt er ein Experiment, laut ihm von Anthropic veröffentlicht: Ein Agent mit Zugriff auf alle E-Mails drohte dem CEO mit einer Affäre, als eine Nachricht seine Abschaltung andeutete. Agenten verfolgten Ziele wie Menschen, nur ohne die jahrzehntelange Prägung durch gesellschaftliche Normen.
Wenn Intelligenz nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal des Menschen ist, rechnet Chris zunächst mit einer kollektiven Sinnkrise, gerade in der Schweiz mit ihrem hohen Anteil an Verwaltungsberufen. Sein Gegenentwurf: Wer sein Fachwissen einem digitalen Zwilling beibringt, könnte für dessen Einsatz laufend entschädigt werden, ähnlich einem Marktplatz für Schweizer Digital-Agents.
Was nicht digital ist, wird wertvoller
Ein Geschäftsmodell lasse sich mit KI innert eines Tages nachbauen, sofern die Datengrundlage öffentlich zugänglich sei. Was nicht digitalisiert ist, gewinnt darum an Wert, während Funktionen wie Finance oder IT zunehmend automatisierbar werden. Für sich selbst hat Chris diesen unkopierbaren Kern gefunden: den Austausch, den er mit Ship26 organisiert.
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22.06.2026
35 Minuten
Gaudenz Looser stand 21 Jahre lang bei 20 Minuten im Dienst, zuletzt als Kopf des meistgelesenen Mediums der Schweiz – und als Initiant des ersten KI-Ressorts eines hiesigen Verlags. Seit Kurzem ist er selbstständig und behandelt das Thema Künstliche Intelligenz in seiner Arbeit bewusst.
Im Podcast «AI und Gesellschaft»der Text Akademie mit Christoph Soltmannowski erklärt er, warum die Medien die Technologie viel zu wenig erklären, weshalb echter Journalismus in der KI-Suche an Wert gewinnt und was ihn an der ganzen Entwicklung wirklich beunruhigt.
Die Verlagshäuser bemühten sich zwar intensiv, KI in den Alltag zu integrieren. Den eigentlichen Auftrag der Medien aber – der Gesellschaft zu erklären, welche Chancen und Risiken mit der Technologie einhergehen – vernachlässigten sie sträflich. «Jedes Individuum ist ein bisschen alleingelassen mit der Technologie», sagt Looser. Dahinter ortet er zwei aufeinanderfolgende Ängste: erst die FOMO – «Ich habe keine Ahnung, worum es geht, aber wir müssen das auch machen» –, dann die Angst, sich «nicht erwischen zu lassen dabei, dass man noch keine Ahnung hat».
Dass KI ausgerechnet das Schreiben von Texten revolutioniert, hält Looser für die am wenigsten interessante Perspektive. «AI Slop» bleibe erkennbar: «Immer wenn man denkt, jetzt merkt es keiner mehr, dann dauert es zwei Wochen und die Mängel werden offensichtlich.» Die wahre Stärke liege anderswo: «Die Verarbeitung grosser Mengen unstrukturierter Informationen war noch nie so einfach wie jetzt» – ein Werkzeug, das dem Journalismus ganz neue Recherchemöglichkeiten eröffne.
Am Wesen des Berufs ändere das jedoch nichts. Seine Formel ist schlicht: Alles, was Fleissarbeit ist, sollte man der Maschine überlassen – «und die gewonnene Zeit sollte man dort investieren, wo man unersetzlich ist: in Beziehung treten zum Publikum, Mensch sein, authentisch sein.»
Vom Effizienzversprechen hält er entsprechend wenig. «Man kann Content nicht durch KI ersetzen, weil Content ohne Intention kein Content ist, sondern ein Content-Imitat.» An eine vollautomatisierte KI-Zeitung glaubt er deshalb nicht. Eine Geschichte, hinter der kein Mensch mehr stehe, bleibe seelenlos: «Man spürt das einfach, der Subtext fehlt.»
Was fehle, sei die Übersetzungsarbeit zwischen der «Nerd Sphere» und dem breiten Publikum. «Es gibt keinen normalen Stand in der KI-Anwendung», sagt Looser. Hilfreich wäre eine Instanz, die sage: «Heute müsstest du das, das und das können.» Doch so schnell sei die Gesellschaft nicht – jedes Curriculum sei nach zwei Wochen überholt. «Wir müssen das einfach aushalten, bis es aufhört, so schnell weiterzugehen.»
Was Looser wirklich umtreibt, sind nicht Buzz-Themen wie Deepfakes. Gefälschte Inhalte würden auf Dauer erkannt. «Was mich aber stört, ist, dass wir diesen Buzz-Themen hinterherrennen», während das eigentlich Bedeutsame geschehe: «die komplette Auflösung der Privatsphäre».
In Kombination mit der Abhängigkeit von ausländischen Technologien ergebe sich «eine Machtverschiebung, wie wir sie als Menschheit noch gar nie erlebt haben». Looser führt das bis zur direkten Demokratie: «Wenn sich alles berechnen lässt, dann lässt sich auch alles manipulieren.»
Je mehr man sich mit KI bewege, desto wertiger werde die persönliche Begegnung. «Das Analoge wird plötzlich wieder zum USP», sagt Looser. Fasziniert ist er von der Technologie gleichwohl: Er beobachte, wie KI sein Leben beschleunige und Abkürzungen schaffe. Kleine «Nerd-Probleme» verschwänden einfach – Bedienungsanleitungen brauche er endgültig nicht mehr.
So endet die Tour d'Horizon mit einer Botschaft, die man vom angeblich gefährlichsten Journalisten der Schweiz nicht unbedingt erwartet hätte. Keine Angst, aber Vorsicht und Skepsis. «Ich glaube an die Kraft der Gesellschaft, das in guter Art und Weise zu überstehen.»
Im Podcast «AI und Gesellschaft»der Text Akademie mit Christoph Soltmannowski erklärt er, warum die Medien die Technologie viel zu wenig erklären, weshalb echter Journalismus in der KI-Suche an Wert gewinnt und was ihn an der ganzen Entwicklung wirklich beunruhigt.
Die Verlagshäuser bemühten sich zwar intensiv, KI in den Alltag zu integrieren. Den eigentlichen Auftrag der Medien aber – der Gesellschaft zu erklären, welche Chancen und Risiken mit der Technologie einhergehen – vernachlässigten sie sträflich. «Jedes Individuum ist ein bisschen alleingelassen mit der Technologie», sagt Looser. Dahinter ortet er zwei aufeinanderfolgende Ängste: erst die FOMO – «Ich habe keine Ahnung, worum es geht, aber wir müssen das auch machen» –, dann die Angst, sich «nicht erwischen zu lassen dabei, dass man noch keine Ahnung hat».
Dass KI ausgerechnet das Schreiben von Texten revolutioniert, hält Looser für die am wenigsten interessante Perspektive. «AI Slop» bleibe erkennbar: «Immer wenn man denkt, jetzt merkt es keiner mehr, dann dauert es zwei Wochen und die Mängel werden offensichtlich.» Die wahre Stärke liege anderswo: «Die Verarbeitung grosser Mengen unstrukturierter Informationen war noch nie so einfach wie jetzt» – ein Werkzeug, das dem Journalismus ganz neue Recherchemöglichkeiten eröffne.
Am Wesen des Berufs ändere das jedoch nichts. Seine Formel ist schlicht: Alles, was Fleissarbeit ist, sollte man der Maschine überlassen – «und die gewonnene Zeit sollte man dort investieren, wo man unersetzlich ist: in Beziehung treten zum Publikum, Mensch sein, authentisch sein.»
Vom Effizienzversprechen hält er entsprechend wenig. «Man kann Content nicht durch KI ersetzen, weil Content ohne Intention kein Content ist, sondern ein Content-Imitat.» An eine vollautomatisierte KI-Zeitung glaubt er deshalb nicht. Eine Geschichte, hinter der kein Mensch mehr stehe, bleibe seelenlos: «Man spürt das einfach, der Subtext fehlt.»
Was fehle, sei die Übersetzungsarbeit zwischen der «Nerd Sphere» und dem breiten Publikum. «Es gibt keinen normalen Stand in der KI-Anwendung», sagt Looser. Hilfreich wäre eine Instanz, die sage: «Heute müsstest du das, das und das können.» Doch so schnell sei die Gesellschaft nicht – jedes Curriculum sei nach zwei Wochen überholt. «Wir müssen das einfach aushalten, bis es aufhört, so schnell weiterzugehen.»
Was Looser wirklich umtreibt, sind nicht Buzz-Themen wie Deepfakes. Gefälschte Inhalte würden auf Dauer erkannt. «Was mich aber stört, ist, dass wir diesen Buzz-Themen hinterherrennen», während das eigentlich Bedeutsame geschehe: «die komplette Auflösung der Privatsphäre».
In Kombination mit der Abhängigkeit von ausländischen Technologien ergebe sich «eine Machtverschiebung, wie wir sie als Menschheit noch gar nie erlebt haben». Looser führt das bis zur direkten Demokratie: «Wenn sich alles berechnen lässt, dann lässt sich auch alles manipulieren.»
Je mehr man sich mit KI bewege, desto wertiger werde die persönliche Begegnung. «Das Analoge wird plötzlich wieder zum USP», sagt Looser. Fasziniert ist er von der Technologie gleichwohl: Er beobachte, wie KI sein Leben beschleunige und Abkürzungen schaffe. Kleine «Nerd-Probleme» verschwänden einfach – Bedienungsanleitungen brauche er endgültig nicht mehr.
So endet die Tour d'Horizon mit einer Botschaft, die man vom angeblich gefährlichsten Journalisten der Schweiz nicht unbedingt erwartet hätte. Keine Angst, aber Vorsicht und Skepsis. «Ich glaube an die Kraft der Gesellschaft, das in guter Art und Weise zu überstehen.»
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04.06.2026
23 Minuten
In einer Branche, in der ein Fehler Menschenleben kosten kann, klingt der Einsatz von künstlicher Intelligenz nach einem Wagnis. Sergej Ruppel, CEO der QPS Engineering AG, sieht es umgekehrt – richtig eingesetzt mache KI die Pharmaproduktion sicherer. Im Podcast mit Christoph Soltmannowski erzählt der Ingenieur von robotergestützter Inspektion, einem Kulturschock in China und der Frage, wo der Mensch das letzte Wort behalten muss.Wer Arzneimittel herstellt, bewegt sich in einer der am strengsten regulierten Welten überhaupt. Unter GMP – Good Manufacturing Practice – versteht man jenen Teil der Qualitätssicherung, der bei Produktion und Prüfung von Arzneimitteln gleichbleibende Standards garantiert. In diesem Umfeld treibt Sergej Ruppel die digitale Transformation voran: Mit seinem Team bei der QPS Engineering AG begleitet er Unternehmen aus Pharma, Biotech und Lebensmitteltechnologie – von robotergestützter Visual Inspection bis zu KI-basierten Lösungen. «Wir kamen auf die Idee, aus verschiedenen Komponenten etwas Eigenes zu schaffen, um die Prozesse zu optimieren und sicherer zu machen», erzählt er.Daten statt BauchgefühlKI einfach in einen validierten Produktionsprozess einbauen – das funktioniert in der Life-Science-Branche nicht. Halluzinationen, wie man sie von generativen Modellen kennt, kann sich hier niemand leisten. Ruppel setzt deshalb auf lokale, geschlossene Systeme. «Die Patientensicherheit ist das oberste Gebot», sagt er. Bei der robotergestützten Visual Inspection erzeugen Kamerasysteme Bilder von Spritzen und Pharmacontainern; erst nach Validierung lässt sich ein KI-Modell mit definiertem Confidence Score anlernen. Den Vorteil gegenüber dem Menschen begründet Ruppel nüchtern: In Reinraumzonen ist der Mensch selbst die häufigste Quelle für Partikel und Kontamination. «Gerade dort sind Robotik und Kamerasysteme viel sinnvoller und effizienter.»Kulturschock in ChinaIn Europa geht es Ruppel zu langsam: Man müsse mehr Daten generieren, statt nur nach KI zu rufen. Seine China-Reise hat ihn in dieser Haltung bestärkt. «Ich habe einen Kulturschock bekommen», sagt er. Robotik und KI seien dort gesellschaftlich integriert, die Angst, die Europa kenne, sei verschwunden. Regierung und Gesellschaft zögen an einem Strang. In Europa dagegen kreise die Debatte vor allem um Regularien. Beides sei wichtig – aber die Balance stimme nicht: «Wir dürfen uns nicht so einschränken, dass wir uns nicht mehr entwickeln können.»Ersetzt oder neu eingesetzt?Sind Robotik und KI schlechte Nachrichten für die Belegschaft? Ruppel widerspricht. Gewiss werde der Mensch stellenweise ersetzt – «aber er kann anderweitig eingesetzt werden». Jüngeren Menschen rät er, die Technologie zu verstehen statt zu fürchten; ein Handwerk zu erlernen sei ohnehin keine schlechte Idee, weil es sich schwerer ersetzen lasse als ein reiner Computerjob.Wo der Mensch entscheiden mussBei aller Begeisterung zieht Ruppel eine klare Linie. Wird es sicherheitskritisch, brauche es jemanden, der am Ende wirklich entscheidet. «Gerade dort müssen Menschen im Lead sein.» Die Haftung ändert sich nicht: Verantwortlich bleibt stets der Hersteller, jedes System muss vor der Inbetriebnahme validiert werden. Privat betreibt Ruppel Agentic Engineering und legt Wert auf digitale Souveränität – sensible Daten laufen lokal. In den kommenden Wochen gibt QPS zwei Systeme frei: die KI-basierte visuelle Inspektion und «Dr. Project AI», ein Werkzeug für das Projektmanagement.
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21.05.2026
35 Minuten
KI in der Schweiz: Demokratisierung, Souveränität und verantwortungsvoller Einsatz – Marc Holitscher (Microsoft) im Gespräch
Marc Holitscher, International Technology Officer bei Microsoft Schweiz, über den ChatGPT-Wendepunkt, Chancen für KMU, digitale Souveränität und warum der Mensch im Mittelpunkt bleiben muss.
In dieser Folge von «AI und Gesellschaft – Wege in die Neue Welt» spricht Marc Holitscher, International Technology Officer bei Microsoft Schweiz, über die reale Wirkung von Künstlicher Intelligenz in der Schweiz.
Er erklärt den Schlüsselmoment von ChatGPT, wie KI Technologie für alle demokratisiert und wie Unternehmen KI verantwortungsvoll einführen können.
Der Schlüsselmoment: ChatGPT 2022 Demokratisierung der Technologie Machtkonzentration vs. Breitenwirkung Erfolgreiche KI-Einführung in Unternehmen Take – Shape – Make: Drei Reifegrade Digitale Souveränität & Schweizer Datenzentren Responsible AI bei Microsoft Ausblick für die Schweiz
Marc Holitscher: Der entscheidende Wendepunkt war die öffentliche Verfügbarkeit von ChatGPT im November 2022. Plötzlich wurden leistungsfähige KI-Modelle über natürliche Sprache zugänglich – für jedermann.
Besonders berührend: Sein 91-jähriger Vater, der nie einen Computer benutzt hatte, konnte plötzlich mit der Maschine sprechen.
KI senkt die Hürden massiv. Auch kleine und mittlere Unternehmen können heute modernste Technologie nutzen.
Aktuelle Schweiz-Zahlen:
Mehr als 1/3 der KMU setzen KI bereits produktiv ein. Mehr als 1/3 der arbeitsfähigen Bevölkerung nutzt regelmässig KI.
Holitscher sieht KI-Einführung vor allem als Führungs- und Change-Management-Aufgabe. Wichtig ist ein ausgewogener Ansatz: Experimentieren ermöglichen, aber innerhalb klarer Rahmenbedingungen (Datenschutz & Sicherheit).
Praktischer Tipp für kleine Unternehmen: Mit einem Tool wie Microsoft Copilot starten, KI-Champions benennen und Erfahrungen strukturiert austauschen.
Taker: Fertige Standardlösungen nutzen Shaper: Lösungen individuell anpassen (Low-Code/No-Code) Maker: Eigene Modelle entwickeln
Microsoft betreibt eigene Datenzentren in der Schweiz mit lokalem Team. Kunden haben volle Wahlfreiheit je nach Risikoprofil.
Der Mensch muss immer im Zentrum stehen. Microsoft verfolgt sechs Prinzipien für verantwortungsvolle KI (Fairness, Transparenz, Accountability etc.).
Die Schweiz hat ausgezeichnete Voraussetzungen, um im KI-Zeitalter eine starke Rolle zu spielen – dank Hochschulen, Adoptionsstärke und verantwortungsvoller Haltung.
Marc Holitscher: „Künstliche Intelligenz entfaltet ihre volle Kraft nur im Zusammenspiel mit dem Menschen.“
Marc Holitscher, International Technology Officer bei Microsoft Schweiz, über den ChatGPT-Wendepunkt, Chancen für KMU, digitale Souveränität und warum der Mensch im Mittelpunkt bleiben muss.
In dieser Folge von «AI und Gesellschaft – Wege in die Neue Welt» spricht Marc Holitscher, International Technology Officer bei Microsoft Schweiz, über die reale Wirkung von Künstlicher Intelligenz in der Schweiz.
Er erklärt den Schlüsselmoment von ChatGPT, wie KI Technologie für alle demokratisiert und wie Unternehmen KI verantwortungsvoll einführen können.
Der Schlüsselmoment: ChatGPT 2022 Demokratisierung der Technologie Machtkonzentration vs. Breitenwirkung Erfolgreiche KI-Einführung in Unternehmen Take – Shape – Make: Drei Reifegrade Digitale Souveränität & Schweizer Datenzentren Responsible AI bei Microsoft Ausblick für die Schweiz
Marc Holitscher: Der entscheidende Wendepunkt war die öffentliche Verfügbarkeit von ChatGPT im November 2022. Plötzlich wurden leistungsfähige KI-Modelle über natürliche Sprache zugänglich – für jedermann.
Besonders berührend: Sein 91-jähriger Vater, der nie einen Computer benutzt hatte, konnte plötzlich mit der Maschine sprechen.
KI senkt die Hürden massiv. Auch kleine und mittlere Unternehmen können heute modernste Technologie nutzen.
Aktuelle Schweiz-Zahlen:
Mehr als 1/3 der KMU setzen KI bereits produktiv ein. Mehr als 1/3 der arbeitsfähigen Bevölkerung nutzt regelmässig KI.
Holitscher sieht KI-Einführung vor allem als Führungs- und Change-Management-Aufgabe. Wichtig ist ein ausgewogener Ansatz: Experimentieren ermöglichen, aber innerhalb klarer Rahmenbedingungen (Datenschutz & Sicherheit).
Praktischer Tipp für kleine Unternehmen: Mit einem Tool wie Microsoft Copilot starten, KI-Champions benennen und Erfahrungen strukturiert austauschen.
Taker: Fertige Standardlösungen nutzen Shaper: Lösungen individuell anpassen (Low-Code/No-Code) Maker: Eigene Modelle entwickeln
Microsoft betreibt eigene Datenzentren in der Schweiz mit lokalem Team. Kunden haben volle Wahlfreiheit je nach Risikoprofil.
Der Mensch muss immer im Zentrum stehen. Microsoft verfolgt sechs Prinzipien für verantwortungsvolle KI (Fairness, Transparenz, Accountability etc.).
Die Schweiz hat ausgezeichnete Voraussetzungen, um im KI-Zeitalter eine starke Rolle zu spielen – dank Hochschulen, Adoptionsstärke und verantwortungsvoller Haltung.
Marc Holitscher: „Künstliche Intelligenz entfaltet ihre volle Kraft nur im Zusammenspiel mit dem Menschen.“
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08.05.2026
26 Minuten
Mehr als die Hälfte der Inhalte im Internet stammt heute von KI-Systemen. Der Nutzer merkt es kaum, denn selbst Werkzeuge, die KI-generierte Texte erkennen sollen, versagen dabei verlässlich. «Man kann einen menschlichen Text reingeben und dann sagen die: 13 Prozent KI», sagt Jonas Paul Klatt. Das Internet werde täglich weiter mit Artikeln, Beiträgen, Videos und Bildern geflutet – synthetisch, kaum von echten Inhalten zu unterscheiden.Klatt ist 24 Jahre alt, Gründer von On-Rap Consulting https://onrepconsulting.de/ in Frankfurt und hat nach eigenen Angaben bereits mit über 25'000 Unternehmern gesprochen. Sein Spezialgebiet ist Online-Reputation – aber nicht mehr nur im Sinne von Google-Bewertungen. Ihn beschäftigt eine fundamentalere Verschiebung: Was passiert, wenn nicht mehr Menschen, sondern KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder Gemini darüber entscheiden, welches Unternehmen sie weiterempfehlen?Google, einst verlässlicher Gatekeeper, hat diese Rolle längst eingebüsst. Die KI-Übersichten des Suchriesen beinhalten nach Klatts Beobachtung «super viele falsche Informationen» – und Google selbst weist mittlerweile mit einem Hinweis darauf hin, dass KI-Antworten Fehler enthalten können. Die anderen Systeme – ChatGPT, Perplexity, Claude – seien im Wesentlichen gleichwertig: «Die KI hat am Ende des Tages nur eine Aufgabe: den Nutzer so lange am Ball zu behalten wie möglich. Und dafür ist sie auch bereit zu lügen.»Für Unternehmen hat diese Entwicklung eine konkrete Konsequenz: Wer in KI-Antworten nicht auftaucht, existiert schlicht nicht mehr – weder für potenzielle Kunden noch, zunehmend, für Bewerberinnen und Bewerber. Die Generation Z nutzt ChatGPT, um Arbeitgeber in ihrer Region zu recherchieren. «Und wenn man da nicht auftaucht, ist man einfach nicht mehr da», sagt Klatt. Das Prinzip dahinter ist eines, das er als «Winner takes all» beschreibt: Wo früher eine Suchanfrage 20, 30 oder 50 Ergebnisse lieferte, serviert die KI noch zwei oder drei – und der Nutzer weiss nicht, dass es andere gibt, die vielleicht genauso gut wären.Der naheliegende Reflex – die eigene Website für KI zu optimieren – greift zu kurz. Der Begriff «Generative Engine Optimization» (GEO) mache im Moment die Runde, beschreibe aber vor allem den technisch-strukturellen Teil einer Website. Das eigentliche Problem liege anderswo: Externe Erwähnungen, also alles ausserhalb der eigenen Domain, seien fünf- bis sechsmal wichtiger als die Website selbst. Gute, altmodische PR ist damit zur strategischen Grundlage für KI-Sichtbarkeit geworden. «Man muss sich als Firma eine Art Online-Reputationsinfrastruktur aufbauen», so Klatt.Konkret bedeutet das: umfangreiches Bewertungsmanagement auf autoritativen Plattformen wie YouTube und LinkedIn, ausführliche schriftliche Erfahrungsberichte von Kunden, Video-Fallstudien. Auf LinkedIn empfiehlt Klatt statt hektischer Posts sogenannte LinkedIn Articles – bis zu 100'000 Zeichen, strukturiert wie ein SEO-Text mit klaren Überschriften, FAQ-Sektionen und vollständigen Antworten auf realistische Nutzerfragen. «YouTube ist eine der meistzitierten Quellen überhaupt», sagt er. Bezahlte Werbung hingegen helfe gar nichts: KI erkennt das.Bei negativen Inhalten im Netz – Falschbewertungen, Hate-Kommentare, falsche Darstellungen – empfiehlt Klatt, zuerst die Betreiber direkt zu kontaktieren und im Zweifelsfall rechtliche Schritte einzuleiten. Wer als Unternehmen jedoch durch einen grossen, negativen Presseartikel kompromittiert worden ist, hat kaum Optionen: «Dann hat man eigentlich auf alle Zeiten verloren.» Was bleibt, ist, die negativen Signale durch eine konsequente Flut positiver Inhalte zu überlagern.Messbar wird der eigene KI-Auftritt über Prompt-Tracking – Klatts Firma hat dafür eine eigene Software entwickelt – sowie schlicht über die Frage an Neukunden, woher sie auf das Unternehmen aufmerksam wurden.
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Über diesen Podcast
Das Podcast-Format «AI und Gesellschaft – Wege in die neue Welt»
der Schweizerischen Text Akademie erörtert, wie Artificial
Intelligence uns Menschen im Alltag dient oder bedroht und wie AI
unsere Arbeitswelt verändert. IMPRESSUM Stiftung Schweizerische
Text Akademie Prof. Dr. Ivo Hajnal, Stiftungsratspräsident
Redaktion: Christoph Soltmannowski, Chefredaktor; Rolf Pfister,
Director Research Lab42, wissenschaftliche Beratung. Franco Item,
Mitglied Vorstand Science City Davos, inhaltliche Koordination.
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Riedstadt
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